Ärztliche Versorgung im Pflegeheim
© Brechenmacher & Baumann

Ärztliche Versorgung im Pflegeheim

Ein Pflegeheim mit fest angestellter Ärztin? Das gibt es tatsächlich, und alle Beteiligten profitieren davon. Eine Berliner Einrichtung zeigt, wie es geht.

Das Sanatorium West liegt in einer ruhigen Wohngegend im Berliner Stadtteil Lichterfelde. 180 überwiegend schwer pflegebedürftige Bewohner leben hier. Hochbetagte gehören dazu, ebenso wie ganz junge, schwerstpflegebedürftige Bewohner in eigenen Wohnbereichen, einige im Wachkoma oder im Palliativstadium.

Ärztliche Versorgung im Pflegeheim

Um ihr Wohl kümmern sich nicht nur examinierte Pflegende, sondern auch Dr. Alina Enache. Die 41-Jährige ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und hat eine volle Stelle in der Einrichtung. Täglich macht sie ihre Visiten in den Wohnbereichen, den Plan dafür erhält sie von den jeweiligen Pflegedienstleitungen.

Neben der medizinische Grundversorgung kommen auch Fachärzte ins Haus

Dr. Enache kümmert sich um die medizinische Grundversorgung. Ein bisschen Kardiologie, Gastroenterologie oder Urologie, das Medikamenten-Management, auch Blutuntersuchungen oder EKG kann sie im Haus vornehmen. „Ich muss hier aber nicht isoliert arbeiten, kann mich mit niedergelassenen Kollegen austauschen“, sagt sie. Alle Fachärzte kommen regelmäßig ins Haus. „Sie können hier fragen, wen Sie wollen: Für alle ist unser Modell ein Gewinn“, sagt Heimleiterin Carola Focke voller Überzeugung. Deutlich seltener als andere Pflegeheime in Berlin muss das Sanatorium West Bewohner ins Krankenhaus verlegen. In vielen Einrichtungen in Deutschland sieht die Realität anders aus. Mitarbeiter in den Notaufnahmen von Kliniken können ein Lied davon singen, wie oft überlastetes oder überfordertes Pflegepersonal in Heimen den Rettungsdienst für Bagatellen ruft.

Es geht um Qualität

Die Ärztin im Haus, die auch am Wochenende Bereitschaftsdienst hat, gibt dem Pflegepersonal die notwendige Sicherheit. Zudem ist sie erfahren in Palliativmedizin. „Bewohner von Pflegeheimen werden doch oft kurz vor ihrem Tod ins Krankenhaus verlegt“, weiß Focke aus Erfahrung. „Bei uns verstirbt kaum jemand in der Klinik.“ Genau das wünschen sich Bewohner und ihre Angehörigen in der Regel. Finanziell ist das Modell für den Träger des Pflegeheims nicht einträglich. „In guten Quartalen arbeiten wir kostendeckend, in anderen zahlen wir drauf“, bilanziert Carola Focke. Trotzdem sind alle überzeugt, das Richtige zu tun. Es gehe um Qualität – für alle Beteiligten. Natürlich ist die eigene Ärztin auch ein Marketingargument. Aber die Tage, da Pflegeheime um Bewohner werben müssten, seien angesichts des demografischen Wandels vorbei.

Der lange Weg der Realisierung

Obwohl alle Beteiligten, die Krankenkassen und das Gemeinwesen von dem Modell profitieren, war der Weg zur Realisierung lang. Damit das Heim die Leistungen seiner Ärztin abrechnen kann, ist eine Zulassung notwendig. Die wird jedoch nur im Ausnahmefall im Rahmen einer sogenannten Institutsermächtigung § 119b SGB V erteilt. Sechs Jahre dauerte die Auseinandersetzung, bis der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung zustimmte. Kein Wunder also, dass es ein solches Modell nur ganz selten in Deutschland gibt. Schade.