Therapie von schlaganfallbetroffenen Kindern

Für kleine große Ziele kämpfen

Eine Süßigkeitentüte aufreißen, die Schuhe zubinden und mit beiden Händen essen – dafür trainieren schlaganfallbetroffene Kinder im Kinderneurologischen Zentrum der SANA-Klinik Düsseldorf. Um diese Ziele zu erreichen, bieten Oberarzt Thomas Becher und sein Team eine Therapie, die durch den Einsatz von Botulinumtoxin ergänzt wird.

Therapie kann und soll Spaß machen – das ist Thomas Becher wichtig. Als Voraussetzung dafür sieht der Oberarzt gemeinsam vereinbarte Ziele. Deshalb lautet eine seiner ersten Fragen an die kleinen Patienten: „Was nervt dich im Alltag?“. „Ab dem Grundschulalter können Kinder sehr gut berichten, woran sie arbeiten möchten“, sagt Thomas Becher, „fast immer geht es um Selbstständigkeit.“ Sind die Ziele festgelegt, wird ein Weg gesucht, sie zu erreichen.

Kinder und Jugendliche werden von einem Team betreut

Zehn Betten hat die neuropädiatrische Station, in der Kinder und Jugendliche mit Schlaganfall stationär im Rahmen einer elftägigen Blocktherapie behandelt werden, nach einer umfangreichen ambulanten Diagnostik und Behandlung. Die Kinder und Jugendlichen werden von einem Team aus Therapeuten der Psychomotorik, der Heilpädagogik, der Physiotherapie und der Ergotherapie sowie Kinderkrankenschwestern behandelt, das von Oberarzt Thomas Becher geleitet wird.

Trainiert werden beidseitige Hand-Fähigkeiten

„Wir bieten eine Hemi-Intensiv-Therapie“, sagt Thomas Becher und distanziert sich bewusst von dem Begriff der Forced-Used-Therapie. Letztere sieht vor, einzig die betroffene Hand zu trainieren, während die nicht betroffene Hand immobilisiert wird. „Der Alltag der Patienten aber zeigt, dass die betroffene Hand meist als Assistenzhand genutzt wird – so wie ein Rechtshänder die linke Hand unterstützend verwendet“, erklärt der Oberarzt, „aus diesem Grund arbeiten wir hauptsächlich an den beidseitigen Fähigkeiten. Nur bei ganz kleinen Kindern geht der Trend wieder zur Forced-Used-Therapie.“

Botox und Silikon-Orthesen

Die Therapie beider Hände wird unterstützt durch den Einsatz von Botulinumtoxin und das Tragen von Funktions-Orthesen aus Silikon. „Viele Schlaganfall-Patienten leiden unter einem typischen Beugemuster“, erklärt Thomas Becher, „ein gebeugter Ellbogen, eine abgespreizte Hand, deren Innenfläche nach unten zeigt, da die Betroffenen keine Drehbewegung im Ellbogen machen können.“ Botulinumtoxin bewirkt, dass die Spastik abnimmt. Die Lähmung bleibt. „Es ist aber die Spastik, die für die Funktionsbeeinträchtigung meist eine größere Rolle spielt“, erklärt der Oberarzt. Durch die Injektion von Botulinumtoxin erreicht Thomas Becher, dass die Kinder mit ihrer Hand besser greifen können. Dieser Effekt verbessert sich noch einmal, wenn die Kinder eine Silikon-Handorthese tragen. Sie bewirkt, dass der Daumen der Kinder aus der Hand herausgehalten und das Handgelenk in eine gute Position gebracht wird. Seit mehreren Jahren arbeiten Thomas Becher, eine Ergotherapeutin und ein Orthopädietechniker gemeinsam an der Weiterentwicklung der Silikon-Orthesen. „Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich, wieviel Zeit und Energie wir in die Orthesen stecken“, sagt Thomas Becher, „wenn wir aber sehen, was sie in Kombination mit den anderen Therapiemethoden bewirken, ist es das wert.“