Ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer, die Arbeit in Selbsthilfegruppen oder auch professionelle Schlaganfall-Lotsen - Wir stellen beispielhaft Menschen vor, die sich in unterschiedlicher, aber ganz besonderer Weise um Schlaganfall-Betroffene kümmern.

Schlaganfall-Helfer

Kümmern entlastet Angehörige

Hans-Georg Wellerdiek gehörte zu den ersten ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfern in Deutschland. 2016 absolvierte er die Ausbildung in Gütersloh. „Ich hatte viel Glück in meinem Leben und wollte in meinem Ruhestand der Gesellschaft etwas davon zurückgeben“, sagt der 73-Jährige. Er möchte sein Ehrenamt nicht mehr missen. Anfangs ging er mit einem jüngeren Betroffenen regelmäßig spazieren. „Zuerst konnte er kaum laufen, nach einem halben Jahr war er schon wieder eine Stunde auf den Beinen. Es war schön, diese Entwicklung zu begleiten“, erzählt Wellerdiek.

Vor Corona ging er wöchentlich mit einer Schlaganfall-Betroffen, die im Rollstuhl sitzt, einkaufen. Wellerdiek bemerkt: „Für die Betroffenen sind die Gespräche mit einem Außenstehenden wichtig, weil sie ihre Angehörigen nicht mir allen Sorgen belasten wollen. Besonders die erste Zeit zu Hause nach der Reha ist oft schwierig und sie fühlen sich allein.“ Er hofft sehr, dass die Treffen mit der Schlaganfallbetroffenen bald wieder stattfinden können.

Schlaganfall-Selbsthilfe

Kümmern schützt vor Isolation

Joachim Krohn weiß: Viele Schlaganfall-Betroffene sind einsam. Er und seine Mitstreiter aus den Schlaganfall-Selbsthilfegruppen in Bremervörde und Osterholz-Scharmbeck wollen das ändern. Seit vielen Jahren engagiert sich Krohn in der Selbsthilfe, organisiert Treffen, Seminare und Ausflüge. Daran hat auch Corona nichts geändert. Längst gibt es feste Telefongruppen, in den Mitglieder regelmäßig miteinander telefonieren. Krohn hat alle 30 Mitglieder der Bremervörder Gruppe nach und nach besucht – und sei es auf ein Quätschchen auf Abstand vor der Haustür. Eine andere Betroffene schreibt allen Mitgliedern Geburtstagskarten. Zuletzt hat sich Krohn etwas Besonderes ausgedacht: Eine Therapeutin erteilt auf Wunsch drei Probestunden „Stuhlyoga“ im häuslichen Umfeld. Sie arbeitet ehrenamtlich, die Fahrtkosten werden durch Spenden finanziert. „Uns ist es wichtig, den Mitgliedern zu vermitteln: Ihr seid nicht allein! Die Gruppe denkt an euch und ist für euch da.“ Die Betroffenen wissen, dass sie sich jederzeit an ihn wenden können. „Wir können auf Augenhöhe sprechen. Ich hatte selbst vier Schlaganfälle, ich kann mich in die anderen hineinversetzen.“ Sein Engagement hat sich herumgesprochen. Die Gruppe hat in den vergangenen Monaten drei neue Mitglieder gewonnen – mitten im Lockdown.

Online-Selbsthilfe

Hilfe unter Gleichgesinnten

Niemand weiß besser über das Leben nach Schlaganfall Bescheid als die Betroffenen selbst. Das macht die Selbsthilfe so wichtig. In Zeiten, in denen sich die Mitglieder von Selbsthilfegruppen kaum noch persönlich treffen können, wird der Austausch im Internet immer wichtiger – zum Beispiel bei Facebook.
Die Liste der Fragen, die sich für Betroffene nach einem Schlaganfall ergeben, ist lang – von der passenden Reha-Klinik über erfolgsversprechende Therapie-Übungen bis hin zum Führerschein oder die Wiedereingliederung in den Beruf. „Manche Fragen tauchen immer mal wieder auf, oft geht es aber um eine sehr individuelle Situation. Gemeinsam haben alle, dass sie interessiert sind an den Erfahrungen der anderen“, sagt Ramona Olk, die 2009 selbst einen Schlaganfall erlitten hat. Sie leitet bei Facebook ehrenamtlich die Gruppe „Schlaganfall kennt kein Alter“ als Administrator. Mehr als 1000 Mitglieder tauschen sich inzwischen dort aus. Wie die meisten anderen Gruppen für Schlaganfall-Betroffene, handelt es sich um eine geschlossene Gruppe – das bedeutet, man muss sich als Facebook-Nutzer in der Gruppe anmelden, um Mitglied zu werden. So wird gesichert, dass die Inhalte nicht für jeden öffentlich sichtbar sind.
„Es freut mich sehr, dass es bei Facebook so einen aktiven Austausch gibt. Jeder steht gerne den anderen Gruppenmitgliedern zu Seite, alle profitieren gegenseitig von ihren Erfahrungen – und der Umgangston ist bei uns sehr freundlich“, erklärt Olk. Auch Angehörige von Schlaganfall-Betroffenen seien willkommen. „Viele wollen wissen, was den Betroffenen guttun würde, zum Beispiel wenn sie noch im Koma liegen oder kaum sprechen können. Wer könnte so etwas besser beantworten als Menschen, die selbst in der Situation waren?!“, erklärt Olk. Auch sie selbst beteiligt sich rege, teilt Artikel zum Thema oder gibt Hinweise zu neuen Hilfsmitteln. „Manchmal geht es auch nur darum, seine eigene Geschichte zu teilen und auf offene Ohren und Verständnis zu stoßen. Gerade in den jetzigen Zeiten, in denen so viele persönliche Begegnungen entfallen, ist das wichtig.“

 

Facebook-Gruppen für Schlaganfall-Betroffene und Angehörige, zum Beispiel:

  • Schlaganfall kennt kein Alter – Online Selbsthilfegruppe (ca. 1000 Mitglieder)
  • Schlaganfall-ONLINE-Gruppe (ca. 8000 Mitglieder)
  • Schlaganfall Wir haben überlebt und leben noch (ca. 3000 Mitglieder)
  • Schlaganfall – Und das Leben nach der Tragödie (ca. 1400 Mitglieder)

Für weitere Gruppen einfach „Schlaganfall“ in die Facebook-Suche eingeben und „Gruppen“ auswählen.

Coaching

Kümmern schafft Motivation

Mit ihren Praxen in Nürnberg und Allersberg wäre Sabine Link gut ausgelastet. Doch das reichte der Ergotherapeutin nicht. Sie bildete sich fort zur systemischen Beraterin und entwickelte ein Coaching-Programm für Schlaganfall-Betroffene. Aus Erfahrung weiß sie: Zwei Therapie-Einheiten pro Woche reichen vielen Betroffenen nicht. Es braucht Begleitung und Beratung, Motivation, Eigentraining und Erfolgserlebnisse. Von ihrem Coaching profitieren inzwischen auch über 500 Schlaganfall-Patienten regelmäßig auf ihrer Facebook-Seite. Einmal pro Woche bietet Sie zusätzlich einen Video-Austausch zu wechselnden Themen an, an dem rund 20 Teilnehmer teilnehmen. „Montagsmotivation“ hat Sabine Link die Veranstaltung genannt. „Dann das ist das Wichtigste“, sagt die Therapeutin, „die Motivation hochzuhalten.“ Sie bringt die Teilnehmer dazu, ihren Blick von der Schädigung hin zu den eigenen Ressourcen zu lenken. Das klappe sehr gut, sagt sie, auch bei Menschen, die zunächst sehr skeptisch einstiegen. Sabine Link bringt die Teilnehmer dazu, über ihre Fortschritte und Erfolge zu sprechen, zu schreiben und Bilder zu posten. „Schon Kinder zeigen gerne, was sie können. Das ist bei Erwachsenen im Prinzip nicht anders. Das motiviert sie selbst und auch andere.“

Schlaganfall-Lotsen

Kümmern bringt Patienten voran

Als Sabine Bruning 2014 gefragt wurde, ob sie sich eine Tätigkeit als Schlaganfall-Lotsin am Klinikum Herford vorstellen könne, musste sie nicht lange überlegen. „Auf der Stroke Unit haben wir die Patienten gepflegt bis zur Entlassung. Wie es ihnen anschließend erging, haben wir nie erfahren. Das hat mich gereizt“, erklärt die gelernte Krankenschwester. Heute sagt sie voller Überzeugung: „Es war die richtige Entscheidung!“ Die Nachsorge sei gerade bei einem Schlaganfall so komplex, dass eine Begleitung viel Positives bewirke. Zum Beispiel bei der Einstellung der Risikofaktoren („Wir stellen ein Grundverständnis bei den Patienten her“), bei der Medikamenten-Einnahme („Wir schaffen Compliance“) oder bei den Therapien. Sabine Brunings Patienten profitieren auch von ihrem großen Erfahrungsschatz nach 33 Jahren in der Neurologie. „Schritt für Schritt bringen wir Lotsen die Patienten voran“, sagt sie. Nicht nur die Patienten, sondern auch die Angehörigen danken es ihr. Einer ihrer ersten Patienten leitet mittlerweile eine Selbsthilfegruppe. Gemeinsam mit ihm organisierte sie im vergangenen Jahr die Ausbildung ehrenamtlicher Schlaganfall-Helfer. „Ein wichtiger Baustein für unsere Patienten, um zum Beispiel einmal in der Woche einen zusätzlichen Ansprechpartner zu haben.“

Service

Projekt Schlaganfall-Helfer

Mehr zum Projekt und wo Sie Ansprechpartner in Ihrer Region finden, haben wir Ihnen auf dieser Seite zusammengestellt.

Selbsthilfe

Selbsthilfe bietet Unterstützung und liefert wichtige Informationen, therapeutische Angebote und Kontakte zu weiteren Anlaufstellen. Hier finden Sie vielfältige Informationen zu diesem Thema.

Schlaganfall-Lotsen

Schlaganfall-Lotsen begleiten die Betroffen über einen längeren Zeitraum und unterstützen sie bei allen Fragen. Mehr zur Arbeit der Schlaganfall-Lotsen lesen Sie hier.

"Kümmern schützt vor Schlaganfall"

Unter diesem Motto findet 2021 der Tag gegen den Schlaganfall statt. Wir erklären die Zusammenhänge.

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