Der Impfstoff von AstraZeneca

Der Impfstoff von AstraZeneca

Viele Menschen sorgen sich gerade um die Sicherheit von Impfstoffen. Experten beruhigen: Es gebe aktuell keinen Anlass zu besonderer Sorge. Dennoch wurden Vorsichtsmaßnahmen beschlossen.

Neue Empfehlungen des RKI

Die Bundesregierung setzt den Impfstoff von AstraZeneca vorläufig nur bei Personen über 60 Jahre ein. Der Beschluss erfolgte auf eine Empfehlung des Robert Koch-Instituts, auf die sich die Experten offenbar nach langen Beratungen mehrheitlich geeinigt haben. Beim RKI heißt es, die Empfehlung sei getroffen worden "auf Basis der derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen". Bis zu dem Beschluss war es in Deutschland zu 31 solcher Fälle gekommen, ganz überwiegend waren jüngere Frauen betroffen. Was dies aktuell für Menschen bedeutet, die bereits eine erste Impfung mit dem Impfstoff erhalten haben, blieb zunächst unklar. Bundesgesundheitsminister Spahn versprach, alle werden ein Impfangebot für die zweite Impfung erhalten. Am Gründonnerstag sprach die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut schließlich eine Empfehlung aus. Unter 60-Jährige, die bereits die Erstimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca erhalten haben, sollten eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff bekommen. Dafür kommen derzeit die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna in Frage.

Vorteile der Impfung überwiegen bei weitem

Die Bundesregierung hatte, wie einige andere Länder auch, die Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca zwischenzeitlich gestoppt. Dies war eine reine Vorsichtsmaßnahme. Die Europäische Arzneimittelbehörde und das deutsche Paul-Ehrlich-Institut prüften einige wenige Verdachtsfälle möglicher Nebenwirkungen, bei denen eine Thrombose zum Tode von Patienten geführt haben. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), wissenschaftliche Fachgesellschaft der Neurologen, hatte dazu eine Stellungnahme abgegeben. Selbst wenn die Impfung Ursache für die tragischen Todesfälle sein sollte, so die Mediziner, handelte es sich immer noch um eine extrem seltene Nebenwirkung, die durch die Vorteile der Impfung bei weitem aufgewogen werde. Ähnlich äußerte sich mittlerweile auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA. Nach vorübergehenden Einschränkungen gilt nun wieder eine Empfehlung für die uneingeschränkte Anwendung des Corona-Impfstoffes von AstraZeneca.

Das ist der Sachverhalt

Bis Mitte März waren in Deutschland 6-16 Tage nach der Impfung mit dem Impfstoff von AstraZenecabei zunächst bei sechs Frauen zwischen 22 und 48 Jahren cerebrale Sinusvenenthrombosen (CSVT) beobachtet worden, drei davon mit tödlichem Ausgang. Ein weiterer, männlicher Patient verstarb an den Folgen einer Hirnblutung im Zusammenhang mit einer ungewöhnlichen Gerinnungsstörung. Bei einem Teil der Patienten wurde zudem eine Erniedrigung der Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie) festgestellt. In vier Fällen lagen Erkrankungen vor, die teilweise auch das Blutgerinnungssystem betrafen. Bis Ende März stieg die Zahl der Komplikationen auf 31 jüngere Personen, darunter zwei Männer.

Eine extrem seltene Nebenwirkung

Nach den zuletzt 31 gemeldeten Fällen in Deutschland wird nun weiter geprüft, ob das Auftreten der Komplikationen reiner Zufall ist oder tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Ereignissen besteht. CSVT treten in Deutschland jedes Jahr bei einem bis zwei von 100.000 Personen auf und betreffen mehrheitlich Frauen. Sollte die Impfung wesentliche Ursache für die Thrombosen bzw. die Gerinnungsstörung sein, handelte es sich dennoch um eine sehr seltene Nebenwirkung. Viele Experten weisen weiterhin darauf hin, dass die Vorteile der Impfung überwiegen. Gerade neurologische Spätfolgen seien nach Covid-19 nicht selten und könnten nur primärpräventiv durch eine Impfung verhindert werden.

Darauf sollten Patienten achten

Leitsymptome einer CSVT sind anhaltende Kopfschmerzen und andere neurologische Symptome. Da es allerdings als Impfreaktion bei vielen Personen zu vorübergehenden Kopfschmerzen kommen kann, ist es nicht notwendig bei jedem Menschen, der nach der Impfung über Kopfschmerzen klagt, eine weiterführende neurologische Diagnostik mit Bildgebung durchzuführen. Diese sollte Personen vorbehalten bleiben, die in den ersten zwei bis drei Wochen nach der Impfung über einen Zeitraum von mehreren Tagen neuartige und ungewöhnlich starke Kopfschmerzen bemerken, welche auf die üblichen, frei verkäuflichen Analgetika nicht oder nur unzureichend ansprechen. In solchen Fällen und insbesondere, wenn sich zusätzliche neurologische Symptome wie halbseitige Lähmungen und/oder Gefühlsstörungen, Sprachstörungen oder epileptische Anfälle entwickeln, sollte umgehend weitere Diagnostik erfolgen. Kleine, punktförmige Einblutungen (Petechien) in die Haut vor allem der Extremitäten können zudem auf eine Thrombozytopenie hindeuten, wie sie bei einem Teil der Fälle mit CSVT beobachtet wurde. Bei der Abklärung sollte eine Gerinnungsdiagnostik mit Blutbild und Bestimmung der Thrombozytenzahl erfolgen.

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