So geht gute Hilfsmitel-Versorgung

So geht gute Versorgung

Arzt verordnet, Sanitätshaus verkauft, Therapeut bleibt außen vor – kann gut gehen, muss aber nicht. Im niedersächsischen Melle versucht man, es besser zu machen.

Mitarbeiter haben sich speziell in der Beratung von Schlaganfall- Betroffenen schulen lassen

2021 feiert RAS sein 25-jähriges Jubiläum. Mit fünf Mitarbeitern startete das Meller Sanitätshaus 1996 in bescheidenen Räumlichkeiten. Heute besteht der Firmensitz im Herzen der niedersächsischen Kleinstadt aus einem modernen, großflächigen Geschäft und einer restaurierten Industriehalle, in der jetzt die orthopädische Werkstatt untergebracht ist. Die Belegschaft ist auf fast 70 Mitarbeiter angewachsen. Das Besondere: Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich speziell in der Beratung von Schlaganfall- Betroffenen schulen lassen.

Hilfsmittel - Das Problem der Unterversorgung, Überversorgung oder Fehlversorgung

„Das machen wir für unseren Kundenservice, das zahlt uns keine Krankenkasse“, sagt Martina Kirchhoff. Die Physiotherapeutin ist Ansprechpartnerin für das Projekt bei RAS. Sie weiß, dass in der Hilfsmittelversorgung viel schieflaufen kann. Unterversorgung, Überversorgung, Fehlversorgung – oft liegt es an mangelnder Abstimmung, denn das Gesundheitssystem sieht nicht vor, dass Mediziner, Therapeuten und Sanitätshaus miteinander sprechen. Zudem erfordern manche Hilfsmittel eine regelmäßige Anpassung, weil sich der Bedarf verändert.

Kombination von Therapie und Technik

Seit 2018 führt Martina Kirchhoff eine Physiotherapie-Praxis im Sanitätshaus. „Die Kombination von Therapie und Technik hat sich absolut bewährt“, sagt sie. Patienten, die zum Beispiel Einlagen erhalten, schaut sie sich häufig gemeinsam mit den Fachberatern aus dem Sanitätshaus an, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. Bewegungs- und Haltungsanalysen dokumentiert sie oft auf Video. Das erleichtert nicht nur die Auswertung, sondern ermöglicht auch dem Patienten, seine Defizite zu erkennen.

Oliver Stumpf ist einer von acht RAS-Mitarbeitern, die speziell in der Schlaganfall-Beratung geschult wurden. Hier demonstriert er an seiner Kollegin Marita Bredenstein die funktionelle Elektrostimulation.

Behandlungserfolge lassen sich für die Krankenkasse dokumentieren

Ein weiteres großes Plus für die Patienten: Behandlungserfolge lassen sich so für die Krankenkasse dokumentieren. Das kann sie überzeugen, auch ein teures Hilfsmittel zu bewilligen. Ein Beispiel dafür ist die Versorgung bei einer Fußheberschwäche nach Schlaganfall. Vergleichsweise günstig ist eine Orthese, also eine steife Schiene, die zwar den Gang nicht verbessert, aber die Sturzgefahr mindert. Deutlich teurer dagegen ist ein Gerät zur funktionellen Elektrostimulation. Manchen Patienten ermöglicht es einen fast natürlichen Gang, was sich durch eine Videoanalyse hervorragend darstellen lässt.

Die Schlaganfall-Hilfe hat ein Projekt zur Verbesserung der Hilfsmittelversorgung von Schlaganfall-Betroffenen auf den Weg gebracht. Dazu wurden Mitarbeiter von Sanitätshäusern geschult. In dieser Serie stellen wir Sanitätshäuser vor, die an der Qualifizierung teilgenommen haben.