Angehörige sind ebenso betroffen, wie der Schlaganfall-Patient

Die Angehörigen immer im Blick

Als die Selbsthilfegruppe Minden vor 25 Jahren gegründet wurde, steckte die Schlaganfall- Versorgung noch in den Kinderschuhen. Seitdem hat sich viel verändert, doch das Ziel der Gruppe ist geblieben: Betroffenen und Angehörigen zur Seite zu stehen.

Den Angehörigen kommt eine wichtige Rolle zu

Schlaganfall-Betroffene werden von ihren Freunden und Bekannten oft gefragt, wie es ihnen geht, zum Teil auch bemitleidet. Auf die Angehörigen geht selten jemand ein. Diese Erfahrung machen viele Familien. „Dabei kommt den Angehörigen eine enorm wichtige Rolle zu. In der Anfangszeit sorgen sie sich um den Betroffenen und müssen dennoch schnell viel Verantwortung übernehmen, organisieren, kümmern, pflegen – meist über viele Jahre“, sagt Sigrid Krueger- Young, Begleiterin der Schlaganfall- Selbsthilfegruppe in Minden. Deswegen habe man dort den Fokus von Anfang an gleichermaßen auf die Betroffenen und die Angehörigen gelegt.

Eine der ersten Schlaganfall-Selbsthilfegruppen

Als die Gruppe 1994 gegründet wurde, gehörte sie zu den ersten ihrer Art in Deutschland. Prof. Otto Busse, damaliger Leiter der Klinik für Neurologie an den Mühlenkreiskliniken in Minden (ehemalig Städtisches Krankenhaus), hatte gemeinsam mit den betreuenden Therapeuten die Idee. Die Betroffenen trafen sich einmal pro Woche zu verschiedenen Therapien, die Angehörigen konnten in dieser Zeit unter professioneller Leitung ihre Ängste und Nöte austauschen – danach trafen sich alle gemeinsam zum Kaffee.

Gruppentreffen zwei Mal im Monat

Inzwischen trifft sich die Gruppe zwei Mal im Monat, Ergo- und Physiotherapeuten bieten ehrenamtlich Therapien und Sport an. Die Angehörigenberatung und das gemeinsame Kaffeetrinken gehören selbstverständlich immer noch dazu: „In den 25 Jahren wurden 3.380 Liter Kaffee gekocht“, hat Krueger-Young zum Jubiläum mit einem Augenzwinkern berichtet.

Eine aktive Gruppe, die viel gemeinsam unternimmt

Krueger-Young ist ausgebildete Krankenschwester, betreut das Mindener Schlaganfall-Büro, das Schlaganfall-Café in Petershagen und mehrere Selbsthilfegruppen. Als Sprecher ist Günter Bornemann aktiv, der anderen auch mit fast 90 Jahren noch engagiert zur Seite steht. Die Gruppe hat sich über die Jahre zu einem festen Freundeskreis entwickelt, die Teilnehmer unternehmen gemeinsame Ausflüge und feiern Sommer- und Weihnachtsfest. Sie sind immer offen für neue Mitglieder. „Leider gibt es eine Hemmschwelle, zu Selbsthilfegruppen zu gehen. Neue Mitglieder kommen meist durch persönliche Kontakte“, sagt Krueger-Young.

Sie legt es allen Betroffenen und Angehörigen ans Herz, Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen: „Es gibt nicht nur Informationen und Erfahrungsberichte aus erster Hand, sondern auch einen großen Zusammenhalt.“