Experten geben beim „Forum Schlaganfall“ Tipps zur beruflichen Wiedereingliederung

Zurück in den Beruf

Experten geben beim "Forum Schlaganfall" Tipps zur beruflichen Wiedereingliederung.

Mit einem Schlaganfall verändert sich das Leben von einer Sekunde auf die andere – und zwar in allen Lebensbereichen. Für jüngere Betroffene ist meist die Rückkehr in den Beruf eines der größten Ziele. Doch das ist oft mit großen Hürden verbunden – egal, ob bei schweren oder vermeintlich nur leichten Folgen eines Schlaganfalls. Einfach weitermachen wie zuvor funktioniert nicht mehr. Deswegen ist es gut, erfahrene Experten an der Seite zu haben, die bei der Rückkehr in den Beruf unterstützen.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Forum Schlaganfall“ der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, ging es um das Thema „Berufliche Wiedereingliederung“.

Experten geben beim „Forum Schlaganfall“ Tipps zur beruflichen Wiedereingliederung
v.l.: Lars Andresen (Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bielefeld/Gütersloh), Juliane Peters (Beraterin bei der Agentur für Arbeit), Roland Wagenhäuser (Schlaganfall-Betroffener und Bewerbungscoach), Sandra Rösemeier (Projektleiterin Junger Mensch bei der Schlaganfall-Hilfe), Marcel Zimmermann (von "reIntegro"), Dr. Michael Brinkmeier (Vorstandsvorsitzender der Schlaganfall-Hilfe)

Unterstützung durch Reha-Teams von der Agentur für Arbeit

Bei der Agentur für Arbeit gibt es spezialisierte Reha-Teams, in denen Mitarbeiter verschiedener Bereiche zusammenarbeiten, um die bestmögliche Unterstützung bieten. „Wir beraten Schüler bei der Berufsfindung, aber auch Erwachsene, die sich nach einem Unfall oder einer Erkrankung beruflich neu orientieren müssen“, erklärte Lars Andresen, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bielefeld/Gütersloh. Dabei beziehen die Berater gerne auch die Therapeuten mit ein, um gemeinsam die Fähigkeiten zu besprechen. „Es ist vor allem wichtig, die Interessen des Betroffenen zu berücksichtigen. Es gibt zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten, von einer Umschulung bis hin zu einem Zuschuss für ein Fahrzeug“, sagte Andresen. Juliane Peters, Beraterin bei der Agentur für Arbeit, kennt viele Erfolgsgeschichten: „Ein junger Mann hat nach einem Schlaganfall eine körperliche Behinderung und kann nicht mehr als Hochbauer arbeiten. Da sein Arbeitgeber ihn bereits ausgebildet hat, ist ihm daran gelegen, dass er im Betrieb bleibt. Er macht jetzt eine Umschulung zum Technischen Zeichner und kann anschließend wieder in den Baubetrieb einsteigen.“

Belastungsfähigkeit testen

Stellt jemand einen Antrag auf berufliche Rehabilitation, beziehen manche Kostenträger auch private Anbieter hinzu, die sich darauf spezialisiert haben, die Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen.

Marcel Zimmermann von der Firma „reIntegro“ ist Neuropsychologe und begleitet Menschen in dieser Phase meist über viele Monate. Dabei gilt es vor allen Dingen, die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten herauszufinden und die Arbeitsbelastung auszutesten. Kann jemand schwere Kisten tragen? Hält er vier, sechs oder acht Stunden konzentrierte Arbeit aus? Sind die Fähigkeiten und Kenntnisse aus der früheren Tätigkeit noch vorhanden? Dazu hat „reIntegro“ eine Betriebssimulation aufgebaut, in der alles so abläuft, wie in einem echten Unternehmen – zum Beispiel Bestellannahmen, Buchhaltung, Fertigung, IT oder Logistik. „Auch Alltagsberatung spielt eine große Rolle: Wie verliere ich die Angst vor dem Autofahren? Warum schlafe ich so schlecht?“, berichtete Zimmermann, der die Betroffenen bis zur Wiedereingliederung in den Beruf begleitet.

Mut bei der Bewerbung

Roland Wagenhäuser weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Rückkehr ins Arbeitsleben für die meisten Menschen nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung ist. Er hatte selbst zwei Schlaganfälle und hat sich als Bewerbungscoach selbstständig gemacht. Sein Tipp: Bloß keine Standart-Bewerbung nach veralteten Vorgaben versenden. „Die Bewerbung muss sofort Aufmerksamkeit erregen, etwa durch einen spannenden Einstiegssatz“, sagte er. Dabei dürfe man ruhig mutig sein. Noch wichtiger sei allerdings die Vorbereitung. Welche Interessen habe ich? Welchen Nutzen hat das Unternehmen durch mich?

Er selbst hat seine Schlaganfälle in den Unterlagen und Vorstellungsgesprächen nie verschwiegen – das müsse aber jeder für sich entscheiden.