45 Kinderärzte, Therapeuten und Neurologen trafen sich zum Expertenkreis in der Schön Klinik im bayerischen Vogtareuth.

Experten thematisieren kindlichen Schlaganfall

Kinderärzte, Therapeuten und Neurologen trafen sich zum Expertenkreis in der Schön Klinik im bayerischen Vogtareuth.

Mehrere hundert Kinder erleiden pro Jahr in Deutschland einen Schlaganfall – viele davon bereits vor oder während der Geburt. Aufgrund der relativ geringen Fallzahlen sind viele Kinderärzte und Therapeuten kaum mit dem Thema vertraut. Oft vergeht wertvolle Zeit bis zur Diagnose und auch danach ist es für Eltern schwierig, alle notwendigen Informationen zu sammeln und zum Beispiel die richtigen Therapien zu finden. Deswegen setzt sich die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe dafür ein, den kindlichen Schlaganfall unter Fachleuten zu thematisieren und dadurch die Versorgung flächendeckend zu verbessern.

Dr. Michaela Bonfert, Kinder- und Jugendärztin vom iSPZ Hauner in München, präsentierte beim Expertenkreis aktuelle Daten zum Thema und appellierte an ihre Kollegen, Anzeichen für einen Schlaganfall bei Kindern ernst zu nehmen. Diese Anzeichen decken sich nur zum Teil mit den Symptomen wie sie bei Erwachsenen typisch sind. Für Ersthelfer, Notfallambulanzen und Krankenhausärzte gibt es mittlerweile klare Handlungsrichtlinien die helfen, einen Schlaganfall auch beim Kind früh zu entdecken.

Wie schwierig es für Familien ist, mit der Diagnose umzugehen, erlebt Schlaganfall-Kinderlotsin Franziska Schroll täglich. Sie gab den Teilnehmern des Expertenkreises einen Einblick in ihre Vorgehensweise und ihren Arbeitsalltag. So hilft sie zum Beispiel Eltern, eine wohnortnahe Therapiemöglichkeit für ihr Kind zu finden, oder organisiert eine professionelle Kinderbetreuung, damit die Eltern hin und wieder einige Stunden gemeinsame Zeit für sich haben.

Prof. Martin Staudt, Chefarzt des Fachzentrums für pädiatrische Neurologie, Neuro-Rehabilitation und Epileptologie der Schön Klinik rückte das Thema „Epilepsie nach Schlaganfall“ in den Mittelpunkt. Viele Kinder leiden nach einem Schlaganfall an Epilepsie. Er klärte anhand von MRT-Bildern über die richtige Diagnostik auf und erläuterte die Chancen und Risiken neuer konservativer und epilepsiechirurgischer Therapiemethoden.

Neue Forschungsergebnisse lässt Melanie Hessenauer, leitende Ergotherapeutin an der Schön Klinik in die Therapie von Kindern mit Hemiparese einfließen. Den Schwerpunkt ihres Vortrags legte sie auf die Therapie bei Kindern jünger als zwei Jahre. Sie und ihr Team möchten Kleinkindern mit halbseitigen Lähmungen helfen, beide Arme und Hände zu nutzen. Dazu animieren sie die Kinder, mit Spielzeug zu spielen, für dessen Bedienung beide Hände nötig sind – weil es sich zum Beispiel drehen oder auseinander- und zusammenbauen lässt. Ihre Beobachtung: Weckt ein Spielzeug großes Interesse, sind die Kinder motiviert, auch die betroffene Hand einzusetzen, um das Spielzeug zu bedienen. So lernen sie, die betroffene Seite im Alltag nicht zu vernachlässigen.

„Seit der ersten Veranstaltung vor fünf Jahren hat sich enorm viel getan: Die Erkennung des Schlaganfalls, die Therapie und die Rehabilitation sind heute präsent in der Pädiatrie und gleichzeitig gibt es Jahr für Jahr einen enormen Wissenszuwachs“, betont Prof. Steffen Berweck, stellvertretender Chefarzt des Fachzentrums für pädiatrische Neurologie, Neuro-Rehabilitation und Epileptologie. Deswegen wird der Austausch unter Kollegen auch in Zukunft wichtig sein.

45 Kinderärzte, Therapeuten und Neurologen trafen sich zum Expertenkreis in der Schön Klinik im bayerischen Vogtareuth.