Medizinische und berufliche Rehabilitation verschmelzen

Ob es ein Signal sein sollte? Die berufliche Rehabilitation stand zum Auftakt der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation im Mittelpunkt. Und da gibt es neue, vielversprechende Ansätze.

Neuropsychologische Defizite

Nach Schlaganfall zurück in den Beruf? Das stellt viele Betroffene vor große Herausforderungen. Selbst Patienten, die ohne erkennbare Folgen die Klinik aufrecht gehend verlassen, scheitern nicht selten nach wenigen Wochen an der Belastung ihres Arbeitsalltags. Grund dafür sind häufig die neuropsychologischen, unsichtbaren Folgen, die ein Schlaganfall hinterlässt.

Konzepte werden verknüpft

Dr. Eva Rauscher (Bietigheim-Bissingen) stellte ein neues Projekt der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg vor. Ab 2020 wird dort das START-Konzept erprobt, das medizinische und berufliche Aspekte verknüpft. Denn genau an dieser Trennung scheitern viele Patienten, die im klinischen Setting scheinbar rehabilitiert wirken.

Ambulante Reha unterstützt Wiedereingliederung

Das Konzept gliedert die Woche in Arbeits- und Reha-Tage. Anfangs kehren die Rehabilitanden lediglich an zwei Arbeitstagen in der Woche für zwei Stunden an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Defizite, die im beruflichen Alltag spürbar werden, bearbeiten sie an den anderen drei Wochentagen mit Ärzten und Therapeuten in einem ambulanten Rehazentrum.

Individuelle Anpassung des Programms

Zehn Wochen läuft das Programm, wobei die Taktung immer individuell angepasst wird. Zum Schluss mit vier vollen Arbeitstagen und nur noch einem Therapietag, bevor der Rehabilitand vollständig ins Arbeitsleben zurückkehrt. „Eine sinnvolle Verschmelzung von medizinischer und beruflicher Rehabilitation“, lobt Dr. Thomas Guthke, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neuropsychologie, den Ansatz.

Case Manager verbessert die Prognose

Aktuelle Studien zeigen, dass die berufliche Rehabilitation neurologischer Patienten am besten gelingt, wenn es individuelle Therapiekonzepte gibt und eine enge, sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. Bei einem so genannten work-directed Ansatz steuert ein Case Manager die Wiedereingliederung im engen Dialog mit dem Patienten und dem Arbeitgeber.

Leistungsvermögen sinkt im Tagesverlauf

Individuelle Therapiekonzepte sind auch deshalb erforderlich, weil Patienten im Tagesverlauf oft stark abbauen. In einer Studie beispielsweise verlängerten sich die Reaktionszeiten von Schlaganfall-Patienten von morgens bis nachmittags um 50 Prozent. Intensives Training führt deshalb nicht grundsätzlich zu einer höheren Belastbarkeit.

Neue Ansätze machen Hoffnung

Es ist viel Bewegung in die berufliche Rehabilitation neurologischer Patienten gekommen. Neue Ansätze zielen auf eine Rückkehrer-Quote von 50 Prozent. Das kann immer mehr Patienten Hoffnungen machen.