Wir können unser Hirn trainieren
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Wir können unser Hirn trainieren

Denken und bewegen helfen – vor wie nach dem Schlaganfall. Beweise dafür liefern aktuelle Ergebnisse der experimentellen Forschung.

Im Labor arbeitet Sigrid Löwel mit Mäusen. Doch die Göttinger Neurobiologin ist der festen Überzeugung, dass viele ihrer Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Löwel beschäftigt sich mit der Neuroplastizität, also der Fähigkeit des Gehirns, umzulernen. Die ist insbesondere für Schlaganfall-Patienten von größter Bedeutung, wenn beispielsweise ihr Sprachzentrum geschädigt wurde und sie die Sprache mühsam wieder erlernen müssen.

Die Lebensbedingungen haben einen Einfluss auf die Plastizität des Gehirns

„Wir wissen, dass Lebensbedingungen einen Einfluss auf die Plastizität des Gehirns haben“, sagt Löwel. Sie teilte im Laborversuch Mäuse in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe vegetierte vor sich hin, die andere fand eine animierende Umgebung in ihrem Käfig vor, z.B. Labyrinthe und Laufräder. Schon nach wenigen Wochen zeigten sich deutliche Effekte in den Hirnstrukturen der animierten Mäuse.

Ein aktiver Lebensstil hält das Hirn jung

Selbst bei älteren Mäusen gelang es, durch äußere Stimulationen Plastizität im Gehirn neu herzustellen. Löwel ging noch weiter, sie simulierte bei den Mäusen Schlaganfälle. Die vorher aktiven Mäuse verloren durch die Schlaganfälle weniger an Plastizität als die nicht animierten, hatten also ein höheres Rehabilitationspotenzial. Ein besonders überraschendes Ergebnis: bekamen die aktiven Mäuse Nachwuchs, hatten sie die Neuroplastizität zum Teil sogar vererbt.

Auf den Menschen übertragen zieht Neurobiologin Löwel daraus eine äußerst positive Botschaft: „Ein aktiver Lebensstil hält das Hirn jung, und es ist nie zu spät, damit zu beginnen.“