Gute Nachricht für Schlaganfall-Patienten: das Zeitfenster für ihre Behandlung ist oft nicht so kurz, wie bisher gedacht.
© Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Thrombolyse wirkt auch später

Gute Nachricht für Schlaganfall-Patienten: das Zeitfenster für ihre Behandlung ist oft nicht so kurz, wie bisher gedacht.

Thrombolyse als Standardtherapie bei einem Gefäßverschluss

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall – 112! Dieser Leitspruch der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gilt auch künftig, denn in jeder Minute stirbt Hirngewebe ab. Die Standardtherapie bei einem ischämischen Schlaganfall, also dem Verschluss eines Gefäßes im Gehirn, ist die Thrombolyse, die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels.

Zeitfenster für eine Thrombolyse

Bisher galt dafür ein enges Zeitfenster, sie sollte nur maximal 4,5 Stunden nach den ersten Symptomen durchgeführt werden, um wirksam zu sein. Viele Patienten jedoch kommen später, weil sie die Symptomatik nicht ernstnehmen oder die Symptome erst morgens beim Aufwachen bemerken. „Zurzeit wird nur etwa jeder fünfte Schlaganfall-Patient in Deutschland innerhalb des empfohlenen Zeitfensters lysiert,“ sagt Prof. Dr. Götz Thomalla (Hamburg).

Doch auf dem DGN-Kongress stellte er neue Studien vor, die belegen, dass auch bei später kommenden Patienten Thromolysen wirksam durchgeführt werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings eine gute Bildgebung mittels Perfusions-CT oder –MRT. Auf Basis dieser Kontrastmittel-Bilder können Neurologen entscheiden, ob für den Patienten eine Thrombolyse infrage kommt.

In den Studien wurden Patienten wirksam behandelt, bei denen der Schlaganfall bis zu 9 Stunden zurücklag. Noch ist die notwendige Ausstattung und das geschulte Personal, dass hierfür notwendig ist, noch nicht an allen Stroke Units vorhanden. Doch Thomalla zeigt sich zuversichtlich, dass dies an zunehmend mehr Zentren möglich sein wird.

Ein größeres Zeitfenster auch für Thrombektomie-Patienten

Neue Erkenntnisse gibt es auch für die Thrombektomie, die zweite Therapieoption, bei der ein Verschluss mittels eines Katheters entfernt wird. Auch die Thrombektomie zeigt jenseits der 4,5 Stunden bei vielen Patienten positive Wirkung. Und: sie wirkt nicht nur bei speziell Ausgewählten, mit denen die bisherigen klinischen Studien durchgeführt wurden.

Thomalla und Kollegen haben die Daten von thrombektomierten Patienten über längere Zeit in einem Register gesammelt und stellten fest, „dass bei einem hohen Anteil der Patienten im normalen klinischen Alltag durch die Thrombektomie gute Therapieerfolge zu erreichen sind.“ Fazit: Wir haben also ein größeres Zeitfenster und mehr Behandlungsoptionen.