Mehr Verantwortung für die Pflege

Sie ist die größte Berufsgruppe im Krankenhaus, verbringt die längste Zeit am Bett des Patienten. Und doch spielt die Pflege in therapeutischen Konzepten oft keine große Rolle. Eine junge Neurologin aus Frankfurt will das ändern.

Interdisziplinär arbeiten heute alle, doch wenn es um die Aufgabenverteilung geht, scheiden sich die Geister. Prof. Dr. Waltraud Pfeilschifter möchte Pflegenden deutlich mehr Verantwortung übergeben. Die Oberärztin leitet die Stroke Unit (Schlaganfall-Station) an der Uniklinik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt.

Patienten-Beobachtung durch die Pflegenden ist von zentraler Bedeutung

Auf der Stroke Unit geht es darum, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Fieber, Blutzuckerwerte und Schluckstörungen sind dabei besonders im Fokus. „Als Ärztin bin ich aber nicht immer vor Ort, deshalb ist die Beobachtung durch die Pflegenden von zentraler Bedeutung“, sagt Pfeilschifter.

Gemeinsam mit Kolleginnen aus der Pflege schaute sie sich ein Modell in Australien an, wo Pflegekräfte auf der Stroke Unit dieses Monitoring nach einem definierten Protokoll übernehmen. Die Ergebnisse dort überzeugen: Patienten liegen kürzer im Krankenhaus, drei Monate nach dem Schlaganfall geht es ihnen besser.

Im Schlaganfall-Netzwerk Rhein-Main haben auf Initiative von Pfeilschifter jetzt 15 Stroke Units dieses Protokoll übernommen. Die Ärztin und ihr Team versprechen sich dadurch nicht nur schnellere Abläufe und damit Vorteile für die Patienten. „Wir glauben, das hat auch Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit des Personals“, so die Neurologin. Ein gutes Signal in Zeiten des Pflegenotstandes – auch deshalb verlieh ihr die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe im vergangenen Jahr den Motivationspreis.