Bewegung im freien Raum mit dem Exoskelett

Bewegung im freien Raum

Mobilität ist für Patienten nach einem Schlaganfall oft das Wichtigste. Dafür setzen viele Rehakliniken auf hochmoderne Gangtrainer. Nun gibt es eine Weiterentwicklung, die sogenannten Exoskelette.

Das ist für die Patienten eine sehr große Bereicherung“, sagt Therapieleiter Jürgen Steiner. Die Neurologische Klinik im Rhön Klinikum Campus Bad Neustadt hat ihren Therapiepark vor wenigen Monaten aufgestockt. Die ersten Erfahrungen mit dem Exoskelett „Indego“ sind überaus positiv. „Das Exoskelett schließt die Lücke zwischen der Frühphase der Rehabilitation, bei der die Bewegungsabläufe überwiegend an einer Stelle trainiert werden, hin zur Bewegung im freien Raum.“

Hohe Trainingsintensität

Die Halbseitenlähmung ist eine der häufigsten Folgen des Schlaganfalls. In der frühen Phase erfolgt die Mobilisation teilweise bereits im Bett. Das Gangtraining ist die nächste Stufe. Immer mehr Rehakliniken leisten sich dafür bereits teure robotische Gangtrainer, wie auch die Klinik in Bad Neustadt. Patienten profitieren von der hohen Intensität des Trainings, die Therapeuten ohne elektronische Hilfe nicht erreichen könnten.

Steuerung des Exoskeletts per Smartphone

Das Exoskelett ist gewissermaßen die mobile Weiterentwicklung des Gangtrainers. Das „Skelett“ wird dem Patienten angelegt, es stützt und bewegt ihn. Wie groß die Unterstützung ist, stellt der Therapeut nach vorheriger Begutachtung des Gangrehabilitation Patienten getrennt für jedes Bein ein. Das Spektrum reicht von minimaler Hilfe bis zu 100 Prozent. Die Steuerung erfolgt über ein Smartphone.

Die Bewegung im freien Raum sieht Steiner als großen Vorteil gegenüber den bisherigen Gangtrainern. „Nicht zu vernachlässigen bei der Therapie mit dem Exoskelett ist auch die psychische Komponente“, erklärt Steiner. Das Gefühl der Selbstständigkeit fördere die gesamte Entwicklung.

Unkomplizierte Rüstzeit des Exoskeletts

Für die Therapeuten ist auch die unkomplizierte Handhabung wichtig: 5 bis 7 Minuten Rüstzeit, so schätzt Steiner, braucht es pro Patient. Die restliche Zeit bleibt für das Training. Und das Gerät ist so konzipiert, dass die Einheit in der Regel von einem Therapeuten allein durchgeführt werden kann. Vier Kolleginnen und Kollegen der Physiotherapie in Bad Neustadt haben sich bisher am Gerät schulen lassen, weitere sollen folgen.

Wer profitiert vom Therapiegerät?

Patienten, die bereits erste Meter am Rollator gehen können, profitieren nach den bisherigen Erfahrungen am meisten von dem neuen Therapiegerät. Doch noch ist die Klinik dabei, Erfahrungen zu sammeln, um die neue Therapie noch individueller auf ihre Patienten zuschneiden zu können.