Sprachen über die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland (von links): Dr. Bettina Begerow, Dr. Thomas Kloß, Sylvia Strothotte, Liz Mohn, Henning Schulz und Dr. Michael Brinkmeier.

Schlaganfall-Forum: Versorgung wesentlich verbessert

Vor 25 Jahren gab es keine wirksame Behandlung des Schlaganfalls. Für Liz Mohn war das ein Grund, die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zu gründen. Heute werden Patienten in Deutschland akut hervorragend versorgt.

Mit einem „Forum Schlaganfall" in ihrem Gebäude an der Gütersloher Schulstraße beging die Schlaganfall- Hilfe den Tag der offiziellen Anerkennung der Stiftung vor 25 Jahren am 29. Januar 1993. Neben Bürgermeister Henning Schulz folgten rund 70 Freunde und Förderer der Stiftung aus Gütersloh der Einladung.

"Schlaganfall ist kein Tabu-Thema mehr"

„Es war die richtige Entscheidung, diese Stiftung zu gründen. Wir konnten so vielen Menschen helfen", sagte Stifterin Liz Mohn in ihrem Grußwort. Sie steht der Stiftung bis heute als Präsidentin vor. „In 25 Jahren konnten wir maßgeblich dazu beitragen, den Schlaganfall in die Mitte unserer Gesellschaft zu rücken. Er ist heute kein Tabu-Thema mehr."

Neurologe Dr. Thomas Kloß dankte Liz Mohn und dem Team der Schlaganfall-Hilfe für ihre Arbeit. Der Chefarzt am St. Elisabeth-Hospital und am LWL-Klinikum Gütersloh gab einen kurzen Überblick zur Entwicklung der Schlaganfall-Medizin in den letzten 25 Jahren.

Leitlinien gab es seinerzeit nicht

Sprachen über die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland (von links): Dr. Bettina Begerow, Dr. Thomas Kloß, Sylvia Strothotte, Liz Mohn, Henning Schulz und Dr. Michael Brinkmeier.
Sprachen über die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland (von links): Dr. Bettina Begerow, Dr. Thomas Kloß, Sylvia Strothotte, Liz Mohn, Henning Schulz und Dr. Michael Brinkmeier.

Welche Behandlung ein Schlaganfall-Patient vor 25 Jahren erhielt, lag im Ermessen des Chefarztes. Optionen gab es kaum, „und heute wissen wir, dass sie alle dem Patienten nicht geholfen haben", sagte Kloß. Wirksame Medikamente (Thrombolyse) wurden erst ab dem Jahr 2000 zugelassen, ergänzt durch Katheterverfahren (Thrombektomie) ab 2015. Angewendet werden diese Verfahren auf inzwischen über 300 Schlaganfall-Stationen (Stroke Units), eine davon im St. Elisabeth-Hospital Gütersloh. Die Schlaganfall-Hilfe hat das Modell eingeführt und zertifiziert diese Stationen deutschlandweit. Mit großem Erfolg, denn heute müssen nur noch halb so viele Menschen an einem Schlaganfall versterben wie vor 25 Jahren.

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Ebenso wichtig wie eine gute Behandlung ist eine frühe Erkennung des Schlaganfalls, machte Präventionsexpertin Dr. Bettina Begerow von der Schlaganfall-Hilfe deutlich. Plötzliche Lähmungen und Gefühlsstörungen, Sehstörungen oder Sprachstörungen seien deutliche Anzeichen. „Warten Sie nicht ab, gehen Sie nicht erst zu Ihrem Hausarzt, sondern wählen Sie den Notruf 112", lautete die Botschaft Begerows. Denn mit jeder Minute sterbe wichtiges Hirngewebe.

„Die gute Botschaft lautet: vieles haben Sie selbst in der Hand", ermunterte Begerow ihre Zuhörer zur Prävention. „Mindestens 70 Prozent der Schlaganfälle sind vermeidbar". Dafür stellte die Präventionsexpertin ihren „Supercocktail" vor, der nachgewiesen gegen 26 chronische Erkrankungen helfe. Die Zutaten: die Heilkraft der Bewegung nutzen, nicht rauchen, sich ausgewogen ernähren und Wege gegen den Stress finden. Wer zudem soziale Kontakte pflege, der lebe länger. Auch das wurde wissenschaftlich erwiesen. 

Zahlreiche Aktivitäten geplant

Die Vorstände der Schlaganfall-Hilfe, Dr. Michael Brinkmeier und Sylvia Strothotte, kündigten für das Jubiläumsjahr eine Vielzahl von Veranstaltungen an, eine Aufklärungskampagne und eine neue Internetseite für ratsuchende Betroffene und Angehörige.