Umfrage

Auswahl von Pflegeheimen fällt schwer - Umfrage der Bertelsmann-Stiftung

Eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hat wieder Bewegung in die Debatte um den „Pflege-TÜV" gebracht. Die Hälfte der Deutschen glaubt demnach, mit den zur Verfügung stehenden Informationen keine sichere Auswahl eines Pflegeheimes treffen zu können.

Nach welchen Kriterien suchen und finden Betroffene oder Angehörige ein „passendes" Pflegeheim? Anbieter versprechen viel, aber halten sie auch alles? Zahlreiche Berichte über teilweise skandalöse Zustände in manchen Heimen haben die öffentliche Diskussion in den vergangenen Jahren angeheizt und die Bürger verunsichert. Das bisherige System der „Pflegenoten" war in die Kritik von Verbrauchern und Patientenverbänden geraten. Es vergab viele Bestnoten, auch wenn die Erfahrungen der Nutzer etwas anderes nahelegten.

Ausschuss kann noch nicht liefern

Aus diesem Grund hatte der Gesetzgeber den so genannten Qualitätsausschuss eingesetzt. Dessen Aufgabe ist es, bis Ende 2017 eine neue Vereinbarung über die Darstellung von Qualitätskriterien zu erzielen und anschließend umzusetzen. Das Gremium, das aus Vertretern der Pflegekassen und -anbieter besteht, hat jedoch bereits angekündigt, die Frist nicht einhalten zu können." Das geht zulasten der Ratsuchenden. Schon heute wäre es ohne großen Aufwand möglich, entscheidungsrelevante Informationen bereitzustellen", sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung.Der Umfrage der Bertelsmann Stiftung zufolge verlangen Bürger nach mehr Informationen zu Pflegeheimen, insbesondere zum Personaleinsatz (88 Prozent), zur Pflegequalität (94 Prozent) und der Ausstattung von Pflegeheimen (92 Prozent). "Der vom Gesetzgeber einberufene Qualitätsausschuss sollte sich nicht nur auf die Pflegequalität konzentrieren, sondern auch Angaben zum Personaleinsatz und zu auswahlrelevanten Einrichtungsmerkmalen in die neue Qualitätsberichterstattung einbeziehen", sagt Etgeton.

Konzept für einen hilfreichen Pflege-TÜV

Wie ein Angebot aussehen könnte, das bei der Suche nach dem richtigen Pflegeanbieter alle nötigen Informationen transparent macht, hat die Weisse Liste, ein Projekt der Bertelsmann Stiftung, zusammen mit Experten aus Wissenschaft und Betroffenenverbänden in einem Reformkonzept erarbeitet. Die Weisse Liste schlägt ein Bewertungssystem für Pflegeeinrichtungen vor, in dem Informationen zur gesundheitsbezogenen Pflegequalität, Angaben zum Personaleinsatz und zu Einrichtungsmerkmalen aufgenommen werden, die für die Lebensqualität der Pflegebedürftigen von Bedeutung sein können. Sechs zentrale Reformvorschläge stehen dabei im Mittelpunkt:

  1. Online-Plattform: Anstatt die Pflegequalität wie bisher standardisiert in Papierform beziehungsweise als pdf-Datei zu veröffentlichen, sollten Informationen über Pflegeeinrichtungen online zugänglich, individuell erschließbar und aktuell sein.
  2. Auskunft Lebensqualität: Die Pflegeanbieter sollten verpflichtet werden, über Leistungs- und Ausstattungsmerkmale Bericht zu erstatten, welche die Lebensqualität von Pflegebedürftigen maßgeblich beeinflussen.
  3. Auskunft Personalangaben: Die Pflegeanbieter und -kassen sollten verpflichtet werden, Auskunft darüber zu geben, wie viele Pflegebedürftige ein Pflegender betreut und wie das Personal qualifiziert ist.
  4. Darstellung Pflegequalität: Anstatt die Pflegequalität in Dezimalzahlen oder Noten zusammenzufassen, sollten Empfehlungen und Warnungen für Suchende unmissverständlich aufgezeigt  werden. Der Weisse Liste-Prototyp schlägt hier beispielsweise ein rotes Warndreieck für besonders schlechte und einen grünen Daumen für besonders gute Pflegequalität vor.
  5. Auskunft Erfahrungswissen: Die Erfahrungen von Menschen, die am Pflegeheimalltag teilhaben – beispielsweise Pflegebedürftige, ihre Angehörigen oder Mitarbeiter – sollten erhoben und veröffentlicht werden.
  6. Einführung Open-Data: Die erhobenen Rohdaten über Pflegeanbieter sollten zur freien Verfügung und Nutzung bereitstehen – beispielsweise zu Forschungszwecken oder für Informationsangebote im Internet.