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Mediterran ist gesünder

 

Sie wollen abnehmen? Probieren Sie es doch einmal mit einer mediterranen Diät. Die ist nämlich gesünder als übliche, lediglich fettarme Diäten. Das bestätigt eine aktuelle Studie.

 

Sie wollen abnehmen? Probieren Sie es doch einmal mit einer mediterranen Diät. Die ist nämlich gesünder als übliche, lediglich fettarme Diäten. Das bestätigt eine aktuelle Studie.

Egal, ob reich an Nüssen oder Olivenöl, der Effekt mediterraner Diäten ist positiv für unseren Cholesterin-Haushalt. Der Effekt olivenölreicher Diäten ist dabei noch größer. Forscher haben in der PREDIMED-Studie herausgefunden, dass diese Diäten die Funktionen des HDL, des „guten" Cholesterins, verstärken. Das führt zu einem besseren Abtransport des schädlichen LDL und begünstigt die Gefäßerweiterung.

Philipp Grätzel von Grätz, Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist, beobachtet die internationale Forschung im Auftrag der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Er glaubt, dass diese Studie „praktische Auswirkungen auf die Entwicklung künftiger HDL-Medikamente haben könnte". Auf jeden Fall liefere sie ein weiteres Argument für mediterrane Diäten.

(Circulation 2017; 135:633-43)

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Kaffee ist besser als sein Ruf

 

Kaffee ist für manche Menschen eine Droge. Immerhin ist er vermutlich die gesündeste. Das legen Studien nahe, deren Ergebnisse gerade in einer großen Untersuchung in Korea bestätigt wurden.

 

Kaffee ist für manche Menschen eine Droge. Immerhin ist er vermutlich die gesündeste. Das legen Studien nahe, deren Ergebnisse gerade in einer großen Untersuchung in Korea bestätigt wurden.

Koreanische Frauen, die viel Kaffee trinken, haben ein geringeres Schlaganfall-Risiko. Das zeigt eine Analyse der 146.000 Probanden starken „Health Examinees (HEXA)-Studie". Die Studie ist bevölkerungsrepräsentativ. Das Schlaganfall-Risiko der zu Studienbeginn 40- bis 69-jährigen Frauen war im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkerinnen um 38 Prozent geringer, wenn sie mindestens drei Tassen Kaffee am Tag konsumierten. Der Effekt war umso ausgeprägter, je jünger und gesünder die Betreffenden waren.

Ähnliche Daten gab es bereits für andere Länder, mitunter auch für Männer. In der Gesamtschau scheint Kaffeekonsum mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall einher zu gehen. Philipp Grätzel von Grätz, Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist, urteilt deshalb: „Wenn schon Droge, dann am ehesten Kaffee."

(Nutr J 2017; 16:7)

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Abnehmen mit Maß

 

„Gesundheit braucht Motivation" lautete das Motto des ´"Tags gegen den Schlaganfall". Viele Menschen, die abnehmen möchten, leiden unter mangelnder Motivation und dem so genannten „Jojo-Effekt". Für sie nicht nur frustrierend, sondern möglicherweise auch gesundheitsgefährdend.

 

„Gesundheit braucht Motivation" lautete das Motto des "Tags gegen den Schlaganfall". Viele Menschen, die abnehmen möchten, leiden unter mangelnder Motivation und dem so genannten „Jojo-Effekt". Für sie nicht nur frustrierend, sondern möglicherweise auch gesundheitsgefährdend.

Die so genannte TNT-Studie war ursprünglich eine Studie zur LDL-Senkung (Cholesterin). Eine nachträgliche Analyse der Daten deutet darauf hin, dass starke Gewichtsschwankungen („Jojo-Effekt") bei übergewichtigen Menschen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehen könnten. Jede Zunahme um 1,5 bis 2 kg ging mit einem um 4 Prozent höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall einher. Das Risiko, an einer solchen Erkrankung zu versterben, stieg sogar um 9 Prozent. Verglich man die Patienten mit den stärksten Gewichtsschwankungen mit jenen, die ihr Gewicht eher hielten, war das Schlaganfall-Risiko um 36 Prozent erhöht.

„Das ist nicht die erste Studie, die darauf hindeutet, dass der Jojo-Effekt ungünstig für das kardiovaskuläre Risiko ist", urteilt Philipp Grätzel von Grätz. Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist beobachtet für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung. Deutlich übergewichtige Menschen sollten grundsätzlich an einer Gewichtsreduktion arbeiten. Die vorliegende Studie gibt jedoch einen weiteren Hinweis darauf, dass ein dosiertes, bewusstes Abnehmen deutlich gesünder und sicher nachhaltiger ist als viele „Hauruck-Verfahren". Bei denen tragen die meisten Probanden ihre Kilos ja bereits wenige Wochen später wieder am Körper.

(New Engl J Med 2017; 376:1332-40)

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Ab in den Urwald

Neue Studie zur Gefäßgesundheit

Gesunde Gefäße - geringes Schlaganfall-Risiko, so einfach ist der Zusammenhang. Ob der Stamm der Tsimane das weiß, ist ungewiss. Aber das bolivianische Urwaldvolk profitiert davon. Das haben US-Forscher jetzt in einer Studie mit 700 Eingeborenen nachgewiesen. Auch wir können daraus viel lernen.

 

Gesunde Gefäße - geringes Schlaganfall-Risiko, so einfach ist der Zusammenhang. Ob der Stamm der Tsimane das weiß, ist ungewiss. Aber das bolivianische Urwaldvolk profitiert davon. Das haben US-Forscher jetzt in einer Studie mit 700 Eingeborenen nachgewiesen. Auch wir können daraus viel lernen.

"Heroisch" nennt Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz das, was dem amerikanischen Team gelungen ist. In der Amazonas-Region haben sie quasi ein ganzes Volk zur Calcium-Score-Messung in ein CT geschoben. Die Tsimane leben sesshaft, es ist kein Jäger- und Sammler-Volk. Bei 85 Prozent der Studienteilnehmer – sie waren zwischen 40 und 94 Jahre alt – fanden sich, basierend allein auf der Kalk-Score-Messung, keinerlei Hinweise für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, und bei weiteren 13 Prozent war das Risiko niedrig.

Gesunde Gefäße im hohen Alter

Nur 20 der 705 Probanden hatten ein moderates oder hohes Risiko, also fast keiner. Mehr noch: Selbst bei den Probanden im geschätzten Alter von über 75 Jahren hatten 65 Prozent überhaupt keinen Hinweis auf ein erhöhtes koronares Risiko, und nur 8 Prozent hatten Kalk-Score-basiert ein moderates oder hohes Risiko. Die Wissenschaftler führen das gute Abschneiden der Tsimane im Wesentlichen auf den Lebensstil zurück. So sind die Menschen dieses Stamms nur etwa 10 Prozent der Zeit, in der sie wach sind, körperlich inaktiv.

Die Tsimane rauchen zudem wenig. Bei der Ernährung ist der Anteil der Kohlenhydrate mit 72 Prozent sehr hoch, dabei überwiegen ballaststoffreiche Kohlenhydrate wie Reis, Maniok und Nüsse. Die durchschnittliche Aufnahme von Fett beträgt 38 Gramm pro Tag und ist damit sehr niedrig. Gesättigte Fettsäuren machen davon nur 11 Gramm aus, Trans-Fette werden gar nicht konsumiert. Proteine kommen im Wesentlichen von selbst gejagten Tieren bzw. Fischen.

Der Lebensstil macht es

"Eine in vielerlei Hinsicht hoch interessante Studie", sagt Grätzel von Grätz, der im Auftrag der Deutschen Schlaganfall-Hilfe internationale Studien auswertet. „Sie belegt die hohe Bedeutung des Lebensstils für die Gefäßgesundheit und damit für Schlaganfälle." Nur zum Vergleich: In Industrienationen hat rund die Hälfte der Bevölkerung im genannten Alter ein moderat bis hohes Risiko, gemessen am Kalk-Score. Körperliche Bewegung dürfte dabei der Dreh- und Angelpunkt sein: "Moderne" Erwachsene verbringen deutlich über 50% ihrer Wachzeit mehr oder weniger unbeweglich.

Lancet 2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)30752-3)

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Bewegung mindert Schlaganfall-Folgen

 

Dass regelmäßiger Sport einem Schlaganfall vorbeugt, ist bekannt. Neu dagegen ist, dass Bewegung auch die schweren Folgen des Schlaganfalls mindern kann. Göttinger Wissenschaftler konnten das jetzt in einer Laborstudie nachweisen.

 

Dass regelmäßiger Sport einem Schlaganfall vorbeugt, ist bekannt. Neu dagegen ist, dass Bewegung auch die schweren Folgen des Schlaganfalls mindern kann. Göttinger Wissenschaftler konnten das jetzt in einer Laborstudie nachweisen.

Viermal wöchentlich eine Stunde altersgerechter Sport, das ist etwa die Dosis, mit der Menschen ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit gut schützen können. Und wer gesunde Gefäße besitzt, hat nur ein vergleichsweise geringes Schlaganfall-Risiko. Das haben Präventionswissenschaftler in aller Welt in zahllosen Studien nachweisen können.

Ein Team der Uni Göttingen stellte sich eine andere Frage: Was ist, wenn es dennoch zu einem Schlaganfall kommt? Hat regelmäßiger Sport dann auch positiven Einfluss auf die Rehabilitationsfähigkeit der Patienten? Oder anders gefragt: Können Patienten, die sich regelmäßig bewegt haben, schneller wieder laufen, greifen und sprechen lernen als andere?

Ein Laborversuch mit Mäusen hat diese These bestätigt. Die Forscher um Dr. Evgenia Kalogeraki wiesen nach, dass Mäuse mit regelmäßigem Zugang zu einem Laufrad nicht nur ein jugendlicheres Gehirn besaßen, „sondern auch vor den negativen Auswirkungen eines Schlaganfalls besser geschützt waren", so die Wissenschaftlerin.

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns zerstört. Dadurch kommt es zu körperlichen Ausfällen wie Sprach- oder Bewegungsstörungen bis hin zu halbseitigen Lähmungen. Will der Patient diese Fähigkeiten zurückerlangen, müssen andere Bereiche im Gehirn die Steuerung dieser Funktionen neu erlernen.

Die Fähigkeit zu dieser Verlagerung wird als Neuroplastizität bezeichnet. Im Tierversuch konnten die Göttinger nachweisen, dass regelmäßiger Sport zur Steigerung dieser Neuroplastizität beiträgt. Das galt auch für Mäuse, die sich erst nach dem Schlaganfall regelmäßig im Laufrad bewegten. Aus diesen Erkenntnissen könnten sich neue Ansätze für die Rehabilitation ergeben. Das werden weitere Studien belegen müssen.

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Gefährliches Bauchfett

 

Übergewicht erhöht das Schlaganfall-Risiko. Doch ebenso wichtig wie der Body-Mass-Index ist die Frage, wo die Fettpölsterchen sitzen. Zuviel Bauch ist besonders ungesund, wie eine aktuelle Studie aus Spanien bestätigt.

 

Übergewicht erhöht das Schlaganfall-Risiko. Doch ebenso wichtig wie der Body-Mass-Index ist die Frage, wo die Fettpölsterchen sitzen. Zuviel Bauch ist besonders ungesund, wie eine aktuelle Studie aus Spanien bestätigt.

Spanische Neurologen haben 388 Patienten mit ischämischem Schlaganfall (Gefäßverschluss im Gehirn) mit einer Kontrollgruppe verglichen. Sie wollten der Frage auf den Grund gehen, welchen Einfluss der Body-Mass-Index (Verhältnis von Größe zu Gewicht), der Hüftumfang und das Taille-zu-Hüfte-Verhältnis auf das Schlaganfall-Risiko haben.

Insgesamt schnitten Frauen in dieser Studie schlechter ab als Männer. Sowohl ein erhöhter Bauchumfang als auch ein erhöhtes Taille-zu-Hüfte-Verhältnis gingen bei Frauen mit einem drei- bis fünffach erhöhten Risiko für Schlaganfälle einher. Bei Männern dagegen war der Zusammenhang schwächer.

Ein weiteres Ergebnis der Studie mag verblüffen: Männer mit leichtem Übergewicht haben sogar ein geringes Risiko für einen Schlaganfall, sie scheint das Fett zu schützen. Bei Frauen ist dieser Effekt nicht nachweisbar.

Bestätigt hat die Studie einmal mehr die These, dass Bauchfett dem Herz-Kreislauf-System am meisten zu schaffen macht. Wer abnehmen möchte, sollte hierauf besonderes Augenmerk legen.

(Eur J Neurol 2016; doi: 10.1111/ene.13216)

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Die Feinheiten der Thrombektomie

 

Thrombektomie ist wirksam. Gleich fünf Studien bewiesen, dass die mechanische Rekanalisation vielen Patienten nach einem Schlaganfall hilft. Doch spielt die eingesetzte Technik eine Rolle? Und gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Dazu gibt es neue Erkenntnisse.

 

Thrombektomie ist wirksam. Gleich fünf Studien bewiesen, dass die mechanische Rekanalisation vielen Patienten nach einem Schlaganfall hilft. Doch spielt die eingesetzte Technik eine Rolle? Und gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern? Dazu gibt es neue Erkenntnisse.

Mit einem Katheter dringen Neuroradiologen über die Leiste bis ins Gehirn vor. Dort ziehen sie mit einem Drahtgeflecht den Thrombus (Blutpfropfen) heraus, so dass wieder Blut in diesen Teil des Gehirns fließen kann. So funktioniert die Thrombektomie, die nach fünf erfolgreichen Studien weltweit auch in immer mehr deutschen Schlaganfall-Zentren Anwendung findet.

Nachdem die Wirksamkeit unstrittig ist und für Patienten kein großes Risiko besteht, erforschen die Mediziner nun die Feinheiten. Die Initiatoren der so genannten MR CLEAN-Studie legten zwei interessante Subgruppenanalysen der Studie vor. Die eine betrifft die Art der eingesetzten Stent-Retriever-Systeme. Sie zeigt, dass das günstige Ergebnis von MR CLEAN nicht davon abhing, mit welchem mechanischen Thrombektomie-System die Neuroradiologen vorgingen.

Die zweite Analyse zeigt, dass Männer deutlich stärker von der Thrombektomie profitierten als Frauen. Bei Frauen war die Sterblichkeit mit 24% sogar höher als in der Kontrollgruppe, die nur eine medikamentöse Therapie (Thrombolyse) erhielt. Ihr funktionelles Outcome, also der Grad ihrer Behinderung, war nicht besser als in der Kontrollgruppe.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern steht im Widerspruch zu anderen Studienergebnissen. Frauen hatten in der genannten Studie zwar ein etwas schlechteres Risikoprofil, doch nach Auffassung der Autoren reicht das nicht aus, um die die Unterschiede zu erklären. Denkbar ist auch, dass es sich um einen schlichten Zufall handelt. „In jedem Fall müssen künftige Studien auf diesen Punkt achten", meint Philipp Grätzel von Grätz. Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist beurteilt im Auftrag der Deutschen Schlaganfall-Hilfe internationale Studienergebnisse.

(Stroke 2016; 47:2574-81 und Interv Neurol 2016; 5:174-8)

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Schlaganfall durch Feinstaub

 

Paris im Smog – viele Autofahrer mussten Anfang Dezember in der Pariser Hauptstadt auf die Metro umsteigen. Auch in deutschen Großstädten werden die Grenzwerte häufiger überschritten. Damit steigt auch das Schlaganfall-Risiko.

 

Paris im Smog – viele Autofahrer mussten Anfang Dezember in der Pariser Hauptstadt auf die Metro umsteigen. Auch in deutschen Großstädten werden die Grenzwerte häufiger überschritten. Damit steigt auch das Schlaganfall-Risiko.

Japanische Wissenschaftler haben in der Stadt Fukuoka untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und Schlaganfällen gibt. Dazu wurden 7.000 Schlaganfälle ausgewertet. In einer aufwändigen Rechnung wurden die Schlaganfall-Häufigkeit und die Feinstaubkonzentration korreliert. Demnach stieg die Häufigkeit von Schlaganfällen pro 10 Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft um 2 Prozent. Bei besonders kleinen Partikeln, dem so genannten PM2,5-Feinstaub, stieg die Häufigkeit sogar um 3 Prozent.

Die Japaner liefern damit eine weitere Studie, die Hinweise darauf liefert, dass insbesondere die feineren Spielarten des Feinstaubs das Schlaganfall-Risiko erhöhen. Strittig ist nicht mehr so sehr der Risikofaktor Feinstaub an sich als eher das Ausmaß des Risikos. Ob es ein linearer, streng dosisabhängiger Effekt ist – wie die aktuelle japanische Studie vermuten lässt - und ob der Effekt anhält, wenn die Feinstaubkonzentrationen über längere Zeit hinweg hoch bleiben, ist noch weitgehend unklar.

(Stroke 2016; 47:3032-4)

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Es kommt auf die Zeit an

 

Die Thrombektomie ist ein Segen für viele Patienten mit größeren Gefäßverschlüssen im Gehirn. Wunder kann die neue Therapie jedoch nicht vollbringen. Vor allem ist auch ihr Erfolg abhängig von der Zeit, wie eine neue Auswertung zeigt.

 

Die Thrombektomie ist ein Segen für viele Patienten mit größeren Gefäßverschlüssen im Gehirn. Wunder kann die neue Therapie jedoch nicht vollbringen. Vor allem ist auch ihr Erfolg abhängig von der Zeit, wie eine neue Auswertung zeigt.

Fünf große Studien hatten den Erfolg der Thrombektomie nachgewiesen. Mit einem Katheter gehen Neuroradiologen über die Leiste bis in das Gehirn, wo sie den Thrombus (Gefäßverschluss) mit einem Draht herausziehen. Ergänzend dazu erhalten alle Patienten weiterhin die Standardtherapie nach einem ischämischen Schlaganfall, die Thrombolyse. Ein Medikament soll dabei den Gefäßverschluss auflösen. Diese Therapie ist jedoch zeitkritisch. Je schneller sie angewandt wird, desto besser die Prognose des Patienten.

Je schneller, desto besser – gilt das auch für die Thrombektomie? Um diese Frage zu beantworten, haben Mediziner die Daten der fünf genannten Studien (MR CLEAN, ESCAPE 2015, EXTEND-IA, REVASCAT 2015 und SWIFT PRIME 2015) zusammengefasst und neu berechnet. Die Studien umfassen insgesamt 1287 Patienten aus 89 Zentren. Ergebnis: es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Faktor Zeit (Symptombeginn bis zum Beginn der Thrombektomie) und dem Behandlungsergebnis. Je schneller der Katheter in der Arterie ist, desto besser das funktionelle Ergebnis nach drei Monaten, also desto geringer die Behinderung des Patienten.

Gemessen haben die Neurologen dies anhand der sogenannten „Modified Ranking Skala" (mRS). Sie ist ein Gradmesser für die Behinderung eines Menschen im täglichen Leben. Ein Wert von 0 bis 2 bedeutet dabei keine oder nur eine kleine Behinderung. So war die Wahrscheinlichkeit eines guten Abschneidens der Patienten nach drei Monaten, definiert als mRS von zwei oder darunter, annähernd dreimal so hoch, wenn zwischen Symptombeginn und Punktion maximal drei Stunden verstrichen waren. Bei sechs Stunden war die Chance immer noch fast doppelt so hoch. Verstrichen zwischen Symptombeginn und Punktion mehr als 7 Stunden, war der Vorteil nicht mehr deutlich.

Das Motto „Time is brain" gilt damit nicht nur für die medikamentöse Therapie nach Schlaganfall, sondern auch für die neue mechanische Rekanalisation. „Das Zeitfenster allerdings scheint bei der Kombination aus Stent-Retriever und Lyse größer zu sein als bei der alleinigen Lyse, bei der jenseits von 4,5 Stunden in der Regel kein signifikanter Nutzen mehr nachweisbar ist", urteilt Philipp Grätzel von Grätz. Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist bewertet für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe internationale Studienergebnisse.

(JAMA 2016; 316:1279-88)

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Vorhofflimmern wird zu selten behandelt

 

Schwedens Gesundheitswesen gilt als gut. Doch eine aktuelle Auswertung zeigt, dass auch die Skandinavier Schwächen haben. Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wird dort zu selten behandelt.

 

Schwedens Gesundheitswesen gilt als gut. Doch eine aktuelle Auswertung zeigt, dass auch die Skandinavier Schwächen haben. Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wird dort zu selten behandelt.

Vorhofflimmern bleibt oft lange unbemerkt, verursacht jedoch jeden vierten bis fünften Schlaganfall. Die Standardtherapie zur Verhinderung wiederholter Schlaganfälle ist die medikamentöse Antikoagulation (Blutverdünnung). Neurologen beklagen jedoch immer wieder, dass diese noch zu selten verordnet wird.

Die schwedischen Daten bestätigen das ein weiteres Mal. Das nationale Schlaganfallregister weist aus, dass 30 Prozent der Patienten mit einem ischämischen Schlaganfall (Gefäßverschluss) die Diagnose Vorhofflimmern erhielten. Bei den Patienten mit einer so genannten TIA waren es immerhin 18,6 Prozent. Die TIA (Transitorisch-ischämische Attacke) gilt als Vorbote eines Schlaganfalls. Die Symptome sind ähnlich, bilden sich jedoch nach kurzer Zeit zurück.

Besteht kein außerordentliches Blutungsrisiko, sollten diese Patienten eine Antikoagulation erhalten. Bei Entlassung aus dem Krankenhaus bekamen jedoch nur 64 Prozent der Patienten mit ischämischem Schlaganfall und Vorhofflimmern und 50 % der Patienten mit TIA und Vorhofflimmern solche Medikamente.

„Die Zahlen sprechen für sich", kommentiert Philipp Grätzel von Grätz, Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist. „Vorhofflimmern ist auch bei Patienten mit TIA häufig und hat selbst in einem leistungsstarken Gesundheitswesen wie dem schwedischen zu selten therapeutische Konsequenzen."

(Stroke 2016; 47. 1. Oktober 2016)

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Neue Einblicke ins Gehirn möglich

 

Das ACG-Gerät in der Erprobung im Sonovum-Labor in Leipzig.

Akusto-Cerebro-Grafie (ACG) gilt als weltweit neues Verfahren, um den Zustand des Gehirngewebes zu messen. Derzeit befindet sich das Verfahren noch in klinischen Studien, doch schon 2017 soll es auf den Markt kommen. Auch für die Schlaganfall-Diagnostik könnte es eines Tages eine Rolle spielen.

 
Das ACG-Gerät in der Erprobung im Sonovum-Labor in Leipzig.

Akusto-Cerebro-Grafie (ACG) gilt als weltweit neues Verfahren, um den Zustand des Gehirngewebes zu messen. Derzeit befindet sich das Verfahren noch in klinischen Studien, doch schon 2017 soll es auf den Markt kommen. Auch für die Schlaganfall-Diagnostik könnte es eines Tages eine Rolle spielen.

Die Entwickler geben sich selbstbewusst, Zitat aus der Imagebroschüre: „Der Sonovum AG ist es gelungen, ein ACG-Gerät zu entwickeln, das Forschung, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten in mehreren verschiedenen Einsatzbereichen der Medizin revolutionieren wird."

Worauf baut die Zuversicht der selbsternannten Pioniere? Computertomograph (CT) und Kernspintomograph (MRT) sind sehr teure Geräte. Sie sind nicht immer verfügbar und werden aufgrund der Strahlenbelastung (CT) nicht bedenkenlos eingesetzt, insbesondere nicht bei Kindern. ACG ist risiko- und schmerzlos für den Patienten, das Verfahren beruht auf Ultraschall und misst gewissermaßen die Hirndichte. Das Gehirn besteht aus pulsierenden Flüssigkeiten und Gewebe. Ändert sich die Beschaffenheit oder das Verhältnis zueinander, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, ändern sich auch die Messwerte.

„Aus diesen Messwerten lassen sich Muster ableiten, die wir interpretieren müssen", erklärt Konrad Sell, Head of Marketing der Sonovum AG. Vereinfacht gesagt geht es darum, Schemata zu entwickeln, welche Konstellationen von Messergebnissen für welche Veränderung, Komplikation oder Krankheit sprechen. Klinische Studien laufen derzeit in Rostock zur Erkennung der Sepsis (Blutvergiftung) und in Leipzig in der Kardiologie. In Warschau wurde bereits eine Studie zum Vorhofflimmern durchgeführt.

Anders als CT oder MRT liefert das ACG-Verfahren nicht nur Momentaufnahmen. Es kann auch Verläufe dokumentieren bis hin zu einer permanente Überwachung. Das ACG-Gerät ist zertifiziert für den medizinischen Einsatz am Menschen und befindet sich gerade in der Leistungsbewertungsprüfung für die Zulassung nach Medizinproduktegesetz (MPG). 2017 sollen weitere klinische Studien zur Interpretation der verschiedenen Muster beitragen. „Es wird einen fließenden Übergang in den Markt geben", sagt Konrad Sell, der spätestens Ende 2017 ACG-Geräte verkaufen möchte.

Rund 50.000 EUR wird ein solches Gerät kosten. Das mag viel klingen, liegt aber im üblichen Preissegment herkömmlicher Ultraschallgeräte. Die Kosten für Großgeräte wie CT und MRT liegen meist über der Millionengrenze. Der vergleichsweise geringe Preis könnte die neue Technik attraktiv für einen mobilen Einsatz machen, beispielsweise auf Rettungswagen. Dann wird die Technik auch für die Schlaganfall-Diagnostik interessant. Was laut Konrad Sell mit ACG zum Beispiel möglich sein wird ist die schnelle Unterscheidung zwischen einer Ischämie (Gefäßverschluss) und einer Gehirnblutung.

Mit diesem Wissen könnte der Notarzt im Einsatz fundierter entscheiden, in welche Klinik der Patient zu bringen ist. Liegt eine komplexe Hirnblutung vor? Oder hat der Patient vermutlich einen großen Verschluss und könnte für eine mechanische Rekanalisation (Thrombektomie) in Frage kommen? Dann würde der Arzt vielleicht eine längere Fahrt in Kauf nehmen und ein überregionales Schlaganfall-Zentrum ansteuern, das eine Neurochirurgie und eine interventionelle Neuroradiologie vorhält. Denn das wäre deutlich schneller, als den Patienten erst in die nächstgelegene Klinik zu bringen, um ihn anschließend zu verlegen. Bisher ist das alles noch Vision - aber eine spannende, mit viel Potenzial.

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Reha in der Akutphase

 

Die Pflege von Patienten in der Frührehabilitation wie hier in der BDH Klinik Elzach ist sehr intensiv. Eine besonders intensive Physiotherapie scheint dagegen nicht hilfreich.

Bringt mehr Therapie mehr Erfolg? Im Grunde ja. Nur für die akute Phase kurz nach dem Schlaganfall gilt diese Gleichung wohl nicht. Das hat eine französische Studie nachgewiesen.

 
Die Pflege von Patienten in der Frührehabilitation wie hier in der BDH Klinik Elzach ist sehr intensiv. Eine besonders intensive Physiotherapie scheint dagegen nicht hilfreich.

Bringt mehr Therapie mehr Erfolg? Im Grunde ja. Nur für die akute Phase kurz nach dem Schlaganfall gilt diese Gleichung wohl nicht. Das hat eine französische Studie nachgewiesen.

Französische Ärzte berichten über eine Studie zur intensiven Frührehabilitation in den ersten zwei Wochen nach einem ischämischen Schlaganfall, also einem Gefäßverschluss im Gehirn. An der AMOBES-Studie nahmen 104 Patienten teil. Die Hälfte erhielt eine „sanfte" Physiotherapie, die im Wesentlichen darauf abzielte, Schäden durch Immobilisierung zu verhindern. Die andere Hälfte wurde ab spätestens 72 Stunden nach dem Schlaganfall forciert trainiert.
 
Konkret erhielten die Patienten zusätzlich 45 Minuten Bewegungsübungen pro Tag in Abhängigkeit von der individuellen Lähmungssituation. Ab der dritten Woche wurden die beiden Gruppen dann gleich behandelt. Nach 90 Tagen gab es bei den motorischen Fähigkeiten der Patienten keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen.
 
Bisher gilt in der Schlaganfall-Rehabilitation der Grundsatz: Je mehr Physiotherapie, desto besser. Strittig aber ist, inwieweit das auch für die ersten beiden Wochen nach dem Ereignis gilt, also für die akute Phase. Kritiker befürchten, dass zu viel Training in der Frühphase dem lädierten Hirn sogar schaden könnte. Eine frühere Untersuchung (AVERT-Studie) hatte diesen Verdacht geschürt.
 
Ob intensive Physiotherapie tatsächlich schaden kann, bleibt noch offen. Klar ist jedoch: „Auf Basis derzeitiger Daten muss weiterhin konstatiert werden, dass eine sehr intensive Frührehabilitation in den ersten beiden Wochen keinen Zusatznutzen bringt." So urteilt Philipp Grätzel von Grätz, Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist, der für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung beobachtet.
 
(Ann Phys Rehabil Med 2016; 59S:e67)

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Therapie vor Technik

 

Gesundheits-Apps können Menschen motivieren, ihren Lebensstil zu ändern. Aber bringen sie auch einen Zusatznutzen, wenn Patienten sich bereits einem intensiven Programm unterziehen? Eher nicht, hat eine aktuelle Studie aus den USA ergeben.

 

Gesundheits-Apps können Menschen motivieren, ihren Lebensstil zu ändern. Aber bringen sie auch einen Zusatznutzen, wenn Patienten sich bereits einem intensiven Programm unterziehen? Eher nicht, hat eine aktuelle Studie aus den USA ergeben.

Die IDEA-Studie hat bei 471 übergewichtigen Erwachsenen untersucht, ob ein Fitness-Armband („Wearable") zusätzlich zu einer konventionellen Intervention zur Gewichtsreduktion einen Zusatznutzen bringt. Alle Patienten wurden auf kalorienarme Diät gesetzt, und allen wurde mehr körperliche Bewegung empfohlen.

Nach sechs Monaten erhielt die Hälfte der Patienten ein Wearable, mit dessen Hilfe Aktivität und Ernährung automatisch oder teilautomatisch dokumentiert wurden. Diese Gruppe verzeichnete nach 24 Monaten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 96,3 kg auf 92,8 kg. Die Kontrollgruppe ohne „Wearable" nahm von durchschnittlich 95,2 kg auf 89,3 kg ab. Sprich: Die Gruppe ohne technisches Hilfsmittel nahm sogar signifikant mehr ab.

„Der Glaube, dass ein technisches Spielzeug relevanten Zusatznutzen bringt, wenn man sich therapeutisch schon sehr viel Mühe gibt, ist wohl einfach etwas naiv", urteilt Philipp Grätzel von Grätz. Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist beobachtet die internationale Schlaganfall-Forschung für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Dass das Ergebnis sogar schlechter war als in der Kontrollgruppe, dürfte Zufall gewesen sein, vermutet Grätzel. Möglicherweise könne so ein Hilfsmittel Patienten aber auch in ihrem Ehrgeiz bremsen. „Denkbar wäre, dass sich die Menschen zu sehr auf ihr Wearable verlassen haben und sich nicht mehr bewegten als unbedingt nötig."

(JAMA 2016; 316:1161-71)

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Sorgsame ADHS-Therapie

 

Amphetamine erhöhen das Schlaganfall-Risiko, wie eine neue Studie aus Taiwan belegt. Das kann unter Umständen nicht nur für Drogenabhängige relevant sein. Zunehmend mehr Menschen erhalten die Präparate aus therapeutischen Gründen.

 

Amphetamine erhöhen das Schlaganfall-Risiko, wie eine neue Studie aus Taiwan belegt. Das kann unter Umständen nicht nur für Drogenabhängige relevant sein. Zunehmend mehr Menschen erhalten die Präparate aus therapeutischen Gründen.

Psychiater aus Taiwan haben untersucht, wie der Zusammenhang zwischen langjährigem Metamphetamin-Gebrauch und dem kardiovaskulären Risiko bzw. Schlaganfall-Risiko ist. 1315 Patienten, die wegen Metamphetamingebrauchs stationär behandelt wurden, wurden 10 Jahre lang mit Kontrollprobanden verglichen. Es zeigte sich ein 60 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Schlaganfälle,

Wichtig zu wissen: Ausgewertet wurden hier Patienten, die wegen Metamphetamin-Missbrauchs stationär in der Psychiatrie aufgenommen worden waren. Daraus können keine direkten Rückschlüsse auf Menschen gezogen werden, die therapeutisch Amphetamine nehmen. Insbesondere nicht auf Patienten, die es nur einige Jahre lang im Kindesalter nehmen.

Und dennoch, „das Schlaganfall-Risiko bei Menschen, die Amphetamin einnehmen, wird zunehmend ein Thema", urteilt der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz, „auch wegen des breiteren Einsatzes von Amphetamin-Präparaten bei Kindern und zunehmend auch Erwachsenen mit ADHS".  Grätzel beobachtet die Wissenschaftsszene regelmäßig im Auftrag der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und kommt bei Amphetaminen zu dem Schluss, „dass es grundsätzlich sinnvoll ist, den therapeutischen Einsatz wenn möglich zeitlich zu begrenzen."

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizitstörung, die sich in der Regel durch Hyperaktivität äußert. Insbesondere Kinder sind davon betroffen, ADHS gilt als häufigste psychische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter.

(J Clin Psychiatry 2016. 30. Augist 2016. Doi: 10.4088/JCP.15m09872)

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Gesunde Zähne senken Schlaganfall-Risiko

Tag der Zahngesundheit

Es gibt gute Gründe, am Tag der Zahngesundheit (25.09.) für eine bessere Vorsorge zu werben. Verschiedene Studien legen nahe, dass schlechte Zähne auch Schlaganfälle begünstigen können. Ganz aktuell unterstreicht eine Forschungsarbeit aus Dänemark diesen Verdacht.

 

Es gibt gute Gründe, am Tag der Zahngesundheit (25.09.) für eine bessere Vorsorge zu werben. Verschiedene Studien legen nahe, dass schlechte Zähne auch Schlaganfälle begünstigen können. Ganz aktuell unterstreicht eine Forschungsarbeit aus Dänemark diesen Verdacht.
 
Kardiologen, Zahnärzte und Mikrobiologen haben den Zusammenhang zwischen Peridontitis (umgangssprachlich: Parodontose) und kardiovaskulären Erkrankungen untersucht. 17.691 Patienten wurden identifiziert, die in einem 15-Jahreszeitraum in dänischen Krankenhäusern eine Peridontitis-Diagnose erhielten. Verglichen wurden sie mit gut 83.000 Kontrollprobanden.
 
Es zeigte sich, dass Peridontitis-Patienten ein doppelt so hohes Risiko für kardiovaskuläre Todesereignisse wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte aufwiesen. Insgesamt hatten sie sogar eine 2,7fach erhöhte Sterblichkeit in diesem Zeitraum. Die Peridontitis-Patienten hatten außerdem mehr Nebenerkrankungen.
 
Zahnärzte weisen schon länger darauf hin, dass ihre Prophylaxe auch Herz und Hirn schütze. Die These, die dahinter steht: lokale chronische Entzündungsprozesse können zum Beispiel über die im Zahnfleisch lebenden Keime auf das Herz-Kreislauf-System wirken und in letzter Konsequenz Herzinfarkte oder auch Schlaganfälle verursachen oder zumindest zu einem früheren Auftreten solcher Ereignisse beitragen.
 
Wissenschaftlich scheint das plausibel, doch die Datenlage ist bis heute nicht ganz eindeutig. Wer im Krankenhaus eine Peridontitis-Diagnose erhält, hat in der Regel noch weitere Erkrankungen. Das führt zur Verfälschung solcher Studienergebnisse. „Das dänische Register liefert jetzt recht gute Daten", urteilt Philipp Grätzel von Grätz, Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist. Er beobachtet im Auftrag der Stiftung Deutsche Schlagfanfall-Hilfe regelmäßig die internationale Forschung. Zwar sollte man nicht in Panik verfallen und die Daten überbewerten, „aber es gibt ja auch andere gute Gründe für Zahnpflege".
 
(Am J Cardiol 2016; 30. Mai 2016; doi: 10.1016/j.amjcard.2016.05.036)

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Mehr Ärzte - bessere Diagnose

 

Sind mehrere Ärzte an der Erstellung einer Diagnose beteiligt, steigert das in der Regel die Diagnosegenauigkeit. Das konnten Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung nachweisen. Doch es gibt auch Grenzen des Kollektivs.

 

Sind mehrere Ärzte an der Erstellung einer Diagnose beteiligt, steigert das in der Regel die Diagnosegenauigkeit. Das konnten Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung nachweisen. Doch es gibt auch Grenzen des Kollektivs.

Mehr Ärzte - bessere Diagnose, diese Faustregel gilt nicht immer. Sind mehr als 10 Ärzte beteiligt, hat dies keinen Zusatznutzen. Wichtiger als die Anzahl ist ohnehin die Qualifikation der Ärzte. Befinden sie sich auf einem ähnlichen Wissenslevel, steigt die Qualität der Diagnose. Doch „sind die individuellen Fähigkeiten innerhalb der Gruppe zu unterschiedlich, sollte man der Diagnose des besten Arztes innerhalb der Gruppe vertrauen," sagt Ralf Kurvers, Erstautor der Studie.

Interessanter Aspekt am Rande: Beteiligt an der Studie war auch das Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei nachgegangen. „Wir erforschen, wie soziale Systeme in der Natur – etwa Fischschwärme – Informationen verarbeiten und wie dies genutzt werden kann, um menschliche Entscheidungsprozesse zu verbessern", erläutert Mitarbeiter Max Wolf. Letztlich soll die Studie dazu beitragen, die Funktionsweise kollektiver Intelligenz zu verstehen.

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Herzgesund durch Mozart und Strauß

 

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Strauß wirkt positiv auf den Kreislauf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Ruhruniversität Bochum, deren Ergebnisse jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlich wurden.

 

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Strauß wirkt positiv auf den Kreislauf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Ruhruniversität Bochum, deren Ergebnisse jetzt im Deutschen Ärzteblatt veröffentlich wurden.

120 gesunde Probanden nahmen daran teil. Während die eine Hälfte in Ruheposition Musik hörte, entspannte die andere in völliger Stille. Sowohl Blutdruck als auch Herzfrequenz sank in der Gruppe der „Musikhörer" bei Stücken von Mozart und Strauß deutlich gegenüber den „Nichthörern". Beim Hören von Musik der schwedischen Popgruppe Abba dagegen war dieser Effekt kaum nachweisbar.

Erklärung der Forscher: Musik spricht Emotionen an, die auf das Herz-Kreislaufsystem wirken. Harmonische, eingängige Melodien ohne große Lautstärke- und Rhythmusschwankungen zeigten den besten Effekt. Gesang spreche andere Hirnregionen an als Instrumentalklänge. Das könnte die Erklärung sein, weshalb Abba keinen „therapeutischen Effekt" erzeuge.

Fazit: die nächste Generation wird ihren Musik-Download möglicherweise in der Online-Apotheke durchführen – vielleicht sogar auf Rezept.

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Thrombolyse bestätigt

 

Die medikamentöse Auflösung eines Gefäßverschlusses im Gehirn ist die Standardtherapie nach einem Schlaganfall. Eine große Studie hat erneut ihren Nutzen bestätigt. Und doch ist sie nicht ohne Risiko für die Patienten.

 

Die medikamentöse Auflösung eines Gefäßverschlusses im Gehirn ist die Standardtherapie nach einem Schlaganfall. Eine große Studie hat erneut ihren Nutzen bestätigt. Und doch ist sie nicht ohne Risiko für die Patienten.

„Time is brain" sagen die Neurologen. Ist ein Gefäß im Gehirn verschlossen, zählt jede Minute früher, in der die Ärzte eine sichere Diagnose stellen und die Therapie einleiten können. Den Patienten wird „Alteplase" injiziert – ein Medikament, das Thromben auflösen kann. Nachteil: Weil es die Blutgerinnung hemmt, kann es bei Blutungen des Patienten fatale Folgen haben.

Der Einsatz der Thrombolyse beruht auf einer Risikoabschätzung. Aktuell besagen die Leitlinien, dass sie bis zu einer Dauer von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall die erste Wahl sein sollte. Danach sinkt der Nutzen deutlich, dagegen überwiegen nach Studienlage die Risiken. Dennoch gibt es immer wieder Skeptiker, die diese Nutzen-Risiko-Abwägung infrage stellen.

Eine Metaanalyse von neun Studien hat die aktuelle Leitlinie erneut bestätigt. Bei einer Lyse, insbesondere einer sehr frühen, ist die Chance auf ein Leben ohne oder mit nur geringen Behinderungen eindeutig größer als das Risiko, an den Folgen möglicherweise zu versterben. Die Studie machte aber auch deutlich, dass die Lyse riskanter wird, je später sie einsetzt. Es sind vor allem die schweren Schlaganfälle, bei denen das Blutungs- und Sterberisiko überproportional steigt, wenn die Lyse sich verzögert. Gerade bei diesen Patienten spielt der Zeitfaktor deshalb eine noch wichtigere Rolle.

Philipp Grätzel von Grätz, Berliner Wissenschaftsjournalist, findet die Daten beeindruckend. „Diese Analyse richtet sich vor allem an Länder, in denen es noch gewisse Zweifel am Netto-Nutzen der Lyse gibt", sagt der Mediziner, der für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung beobachtet. Ihn hat die Studie überzeugt: „Eine Metaanalyse auf Basis individueller Patientendaten ist statistisch so ziemlich das Kraftvollste, was man machen kann."
 
(Lancet Neurology 2016; 08. Juni 2016; doi: 10.1016/S1474-4422(16)30076-X)

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Rehabilitation mit der Wii

 

Spielekonsolen haben Hochkonjunktur. Besonders beliebt sind Systeme wie die Wii, bei denen die Spieler in Bewegung geraten. Lässt sich das auch für die Rehabilitation nach Schlaganfall nutzen? Nur bedingt, sagt eine neue Studie.

 

Spielekonsolen haben Hochkonjunktur. Besonders beliebt sind Systeme wie die Wii, bei denen die Spieler in Bewegung geraten. Lässt sich das auch für die Rehabilitation nach Schlaganfall nutzen? Nur bedingt, sagt eine neue Studie.

Kanadische Rehabilitationswissenschaftler haben sich der Aufgabe angenommen, die Rehabilitation in der virtuellen Welt durch eine klinische Studie zu untersuchen, die hohen Ansprüchen genügt und hoch publiziert wurde. Ihr Ergebnis ist für manche ernüchternd, andere mögen daraus Hoffnung schöpfen. Das Spielen mit der Wii verbessert zwar die motorischen Fähigkeiten der Patienten. Ein ähnlicher Effekt lässt sich jedoch auch mit konventionellen Spielen wie Bingo, Jenga oder Kartenspielen erreichen.

141 Schlaganfall-Patienten mit motorischen Defiziten nahmen an der Studie teil. Eine Gruppe erhielt neben ihrer sonstigen Rehabilitation ein Übungsprogramm mit der Wii, das sich auf die Hände und Arme fokussierte, 10 Sessions à 60 Minuten über zwei Wochen. Die andere Gruppe übte sich in derselben Zeit in Freizeitaktivitäten wie Kartenspielen, Jenga, Bingo oder Ballspiele. Am Ende hatten sich beide Gruppen klar verbessert, der Unterschied war unbedeutend.

„Endlich hat diese Studie mal jemand gemacht", freut sich der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz, der im Auftrag der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe internationale Forschungen auswertet. „Die Wii ersetzt keine professionelle Reha, und sie ist auch als Add-on nicht zwangsläufig anderen Freizeitbeschäftigungen überlegen." Grundsätzlich spricht aus seiner Sicht nichts dagegen, eine Wii bei Patienten einzusetzen, denen diese Art der Betätigung Spaß macht. „Diese Patienten schneiden aber nicht besser ab als andere, die lieber andere motorische Freizeitaktivitäten absolvieren, die mit der oberen Extremität zu tun haben", urteilt der Mediziner.

(Lancet Neurology 2016; 27. Juni 2016; doi 10.1016/S1474-4422(16)30121-1)
 

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Bluthochdruck weit vorne

 

Die wohl größte Studie weltweit zu den Risikofaktoren des Schlaganfalls ist abgeschlossen. Es zeigte sich erneut, dass der Bluthochdruck bei weitem der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfall ist. Er allein erklärt der INTERSTROKE-Studie zufolge knapp 48% des Schlaganfall-Risikos.

 

Die wohl größte Studie weltweit zu den Risikofaktoren des Schlaganfalls ist abgeschlossen. Es zeigte sich erneut, dass der Bluthochdruck bei weitem der wichtigste Risikofaktor für Schlaganfall ist. Er allein erklärt der INTERSTROKE-Studie zufolge knapp 48% des Schlaganfall-Risikos.
 
Professor Salim Yusuf von der McMasters University in Kanada legte jetzt die Endergebnisse der internationalen INTERSTROKE-Studie vor. Sie umfasst die Daten von 13.500 Schlaganfall-Patienten und ebenso vielen Kontrollprobanden aus 32 Ländern im Zeitraum von 2007 bis 2015.
 
Zehn Risikofaktoren erklären mehr als 90% aller Schlaganfälle. Überall in der Welt ist der Bluthochdruck Risikofaktor Nr.1. Er erhöht das Schlaganfall-Risiko um das Dreifache, ebenso wie Herzerkrankungen. Starker Alkoholkonsum und auch bestimmte psychosoziale Faktoren verdoppeln es, Zigarettenkonsum steigert das Risiko um 67%. Übergewicht mit bauchbetontem Fett erhöht es um 40 Prozent, regelmäßige körperliche Aktivität senkt es im selben Maße.
 
Eine gesunde Diät senkt das Risiko ebenfalls. Doch in Sachen Ernährung gab es auch ein überraschendes Ergebnis. Ein hoher, so genannter Healthy Eating Index - ein Gradmesser für gesunde Ernährung - schützt Patienten in aller Welt, nur nicht in Asien. Hier schneiden kurioserweise die Patienten besser ab, die einen niedrigen Healthy Eating Index haben. „Dies könnte darauf hindeuten, dass Ernährungs-Scores nicht global einheitlich funktionieren, sondern regional angepasst werden müssen", urteilt der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz. Er beobachtet für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung.
 
(The Lancet. 15. Juli 2016. Doi: 10.1016/S0140-6736(16)30506-2)

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Aspirin wirkt kurzfristig

Sekundärprävention

ASS (Aspirin) ist kurz nach einem Schlaganfall die beste Möglichkeit, einen zweiten Schlaganfall zu verhindern. Auf Dauer jedoch nimmt die Wirkung ab. Dass hat eine große Analyse jetzt gezeigt.

 

ASS (Aspirin) ist kurz nach einem Schlaganfall die beste Möglichkeit, einen zweiten Schlaganfall zu verhindern. Auf Dauer jedoch nimmt die Wirkung ab. Dass hat eine große Analyse jetzt gezeigt.

Zum Hintergrund: Ärzte geben ihren Patienten direkt nach einem Schlaganfall ASS (Aspirin) als „Blutverdünner". Das gerinnungshemmende Medikament soll verhindern, dass sich erneut ein Gerinnsel bildet und ein Blutgefäß im Gehirn verschließt. Denn nach einem Schlaganfall ist die Gefahr eines Rezidivs, also eines wiederholten Anfalls, relativ groß. Mehr als jeder fünfte Schlaganfall ist ein wiederholter. Deshalb wird der Sekundärprävention so viel Bedeutung zugemessen.

Neurologen aus Deutschland und mehreren anderen Ländern haben 12 Studien mit über 15.000 Patienten verglichen. Sie alle untersuchten die Wirkung von Aspirin in der Sekundärprävention nach Schlaganfall oder einer transitorisch-ischämischen Attacke, einer Vorstufe des Schlaganfalls. In den ersten sechs Wochen nach dem Ereignis verringert Aspirin demnach das Risiko eines Rezidivs um 60%, das Risiko eines Schlaganfalls mit bleibender Behinderung um 70%.

In den ersten zwei Wochen nach dem Ereignis war das Risiko eines Schlaganfalls mit tödlichem Ausgang oder bleibender Behinderung sogar um 93% geringer. Im Zeitraum zwischen 6 und 12 Wochen nach dem Schlaganfall ließ sich ebenfalls noch ein Nutzen der Aspirin-Therapie nachweisen, jenseits der zwölften Woche war das in der Gesamtschau der Daten nicht mehr nachweisbar.

Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz beobachtet für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe regelmäßig die internationale Forschung. Er zieht aus der Untersuchung den Schluss, „dass fast der komplette Schutzeffekt von ASS in den ersten drei Monaten stattfindet, und innerhalb dieser Zeitspanne vor allem in den ersten Wochen." Der frühe Einsatz von Aspirin könne Leben retten und Behinderung vermeiden. „Schon nach zwei Tagen ist ein signifikanter Effekt von Aspirin nachweisbar", so Grätzel. Auf lange Sicht betrachtet allerdings sei die Wirkung von Aspirin allein (Monotherapie) nicht optimal.

(The Lancet; 18. Mai 2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)30468-8)

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Sprachstörung unter Strom

Rehabilitation

Eine klinische Studie der Charité macht Schlaganfall-Patienten Hoffnung, bei denen nach dem Ereignis eine Sprachstörung zurückgeblieben ist. Strom könnte ihre Therapie-Ergebnisse deutlich verbessern. Noch wurden erst wenige Patienten behandelt. Doch eine größere Studie ist in Planung.

 

Eine klinische Studie der Charité macht Schlaganfall-Patienten Hoffnung, bei denen nach dem Ereignis eine Sprachstörung zurückgeblieben ist. Strom könnte ihre Therapie-Ergebnisse deutlich verbessern. Noch wurden erst wenige Patienten behandelt. Doch eine größere Studie ist in Planung.

Neben Bewegungsstörungen gehören Sprachstörungen zu den häufigsten Folgen eines Schlaganfalls. Die von Medizinern so genannte „Aphasie" kann unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie kann das Wortverständnis betreffen oder auch die Fähigkeit, Gegenstände zu benennen oder Sätze so zu formulieren, dass sie für andere verständlich sind. In jedem Fall ist das Problem therapeutisch relativ schwer angehbar. Während sich Bewegungsstörungen in vielen Fällen im Rahmen einer Rehabilitation zumindest so „wegtrainieren" lassen, dass die Person im Alltag wieder einigermaßen motorisch „funktioniert", ist das bei Sprachstörungen ungleich schwieriger.

Neurologen um Agnes Flöel vom Centrum für Schlaganfallforschung der Charité Berlin haben jetzt in einer in der Fachzeitschrift Brain publizierten Studie untersucht, ob eine elektrische Gleichstromstimulation der Großhirnrinde durch die Schädeldecke hindurch („transkraniell") das Rehabilitationsergebnis bei Schlaganfall-Patienten mit Aphasie langfristig verbessert (Brain 2016; 139:1152-63). Hinweise, dass das funktionieren könnte, gab es schon vorher. Allerdings wurden dabei die optimalen Zielstrukturen jeweils aufwändig mit Hilfe funktioneller Bildgebung identifiziert.

In der breiten Versorgung ist so etwas kaum realisierbar. Die Berliner haben deswegen einen pragmatischen Ansatz gewählt: Sie stimulierten eine von außen gut erreichbare Hirnstruktur, die mit dem Sprachzentrum in enger Verbindung steht, nämlich den primären motorischen Kortex. Das ist jenes Areal der Großhirnrinde, das die motorischen Bewegungen koordiniert. Für ihre randomisierte klinische Studie wählten die Neurologen 26 Patienten aus, die eine chronische Aphasie aufwiesen, bei denen der Schlaganfall also schon eine Weile zurücklag.

Alle Patienten erhielten über zwei Wochen insgesamt 16 je anderthalbstündige Sitzungen eines intensiven Sprachtrainings, bei dem es vor allem darum ging, Gegenstände zu benennen. Bei der Hälfte der Patienten wurde zusätzlich zu Beginn jedes Trainings für je 20 Minuten am linken Motorkortex ein Gleichstrom angelegt. Bei der anderen Hälfte wurde die Apparatur ebenfalls angelegt, aber nicht eingeschaltet. Allerdings wurde, um möglichst identische Bedingungen zu schaffen, das Kribbeln simuliert, das typischerweise zu Beginn der Strombehandlung auftritt.

Das Ergebnis war eindrucksvoll: Schon nach einer Woche war erkennbar, dass sich die Patienten in der Gruppe mit zusätzlicher Stromtherapie besser entwickelten. Am Ende des Trainingsprogramms war im Vergleich zur Kontrollgruppe ein klarer Vorteil zu erkennen. Vor allem aber zeigte sich in der Kontrolluntersuchung nach sechs Monaten, also fünfeinhalb Monate nach Ende des Trainings, dass die Patienten mit Stromtherapie signifikant besser Gegenstände benennen konnten. Mit anderen Worten: Die transkranielle Gleichstromtherapie scheint dazu zu führen, dass das Sprachtraining länger hält.

Fazit: Die transkranielle Gleichstromtherapie, für die es auch in der motorischen Rehabilitation aus kleineren klinischen Studien Hinweise auf eine Wirksamkeit gibt, könnte auch in der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten mit Aphasie Fortschritte bringen. Für definitive Aussagen ist die Studie zwar zu klein. Eine größere Untersuchung, die an mehreren Einrichtungen stattfinden soll, ist aber in Vorbereitung.

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Gute Therapie trotz schlechter Verständigung

 

Wie wichtig ist es, dass Arzt und Patient die gleiche Sprache sprechen? „Sehr wichtig" sagen zahlreiche Studien und das Bauchgefühl. Da kommt die neue Studie aus den USA gerade recht, um deutsche Urlauber im Ausland zu beruhigen. Demnach werden Schlaganfall-Patienten auch bei Verständigungsproblemen akut gut versorgt.

Wie wichtig ist es, dass Arzt und Patient die gleiche Sprache sprechen? „Sehr wichtig" sagen zahlreiche Studien und das Bauchgefühl. Eine neue Untersuchung zeigt jetzt aber, dass Verständigungsschwierigkeiten bei einem akuten Schlaganfall keine negativen Folgen haben.

Die Auswirkung einer erschwerten Kommunikation interessiert Gesundheitswissenschaftler nicht nur vor dem Hintergrund der großen Flüchtlingsströme. US-Experten sind dieser Frage jetzt in einem großen Schlaganfall-Zentrum nachgegangen, in dem ein hoher Anteil der Mitarbeiter Spanisch spricht. Ergebnis: Selbst wenn Arzt und Patient nicht die gleiche Sprache sprachen, hatte dies keinen negativen Einfluss auf die Rate der mit einer Thrombolyse, der Standardtherapie nach Schlaganfall, behandelten Patienten oder auf den Zeitfaktor. Das berichtet die Fachzeitschrift „Neurohospitalist".

Anders als in der Langzeittherapie von chronischen und psychischen Krankheiten scheint die Sprache in der Notfallversorgung weniger von Bedeutung. „Bei Herzinfarkten und einigen anderen Notfällen dürfte das ähnlich sein", vermutet Philipp Grätzel von Grätz. Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist beobachtet für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung. Er schließt aus der Studie: „Notfalldiagnostik und Notfalltherapie scheinen so standardisiert zu sein, dass es auch dann schnell geht, wenn sich Arzt und Patient nicht optimal verstehen".

(Neurohospitalist 2016; 6(3):107-10)

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Schlaganfälle meist vermeidbar

Neue Studie

Gesundheitsprogramme mit regelmäßigen Check-Ups könnten helfen, viele Schlaganfälle zu vermeiden.

70 Prozent aller Schlaganfälle wären vermeidbar. Diese Hochrechnung dient seit Jahren vielen Neurologen und Gesundheitswissenschaftlern als wichtigstes Argument für eine bessere Prävention und eine gesündere Lebensweise. Jetzt erhalten sie kräftigen Aufwind, denn eine neue, internationale Studie zeigt: diese Rechnung war noch zu vorsichtig.

 
Gesundheitsprogramme mit regelmäßigen Check-Ups könnten helfen, viele Schlaganfälle zu vermeiden.

70 Prozent aller Schlaganfälle wären vermeidbar. Diese Hochrechnung dient seit Jahren vielen Neurologen und Gesundheitswissenschaftlern als wichtigstes Argument für eine bessere Prävention und eine gesündere Lebensweise. Jetzt erhalten sie kräftigen Aufwind, denn eine neue, internationale Studie zeigt: diese Rechnung war noch zu vorsichtig.

„Unsere Studie zeigt auf, dass ca. 90 Prozent dieser Schlaganfälle vermeidbar gewesen wären, hätten die Betroffenen gesünder gelebt." Das sagt der Essener Neurologe Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Deutschlandkoordinator der internationalen Studie, die vom Population-Health-Research-Institut der McMaster University in Hamilton/Kanada geleitet wurde.
Knapp 27.000 Patienten aus 32 Ländern nahmen daran teil. Erfasst wurden Patienten mit einem akuten Schlaganfall, denen jeweils eine Kontrollperson ohne Schlaganfall desselben Alters und Geschlechts zugeordnet wurde. Dann wurde nach Risikofaktoren für einen Schlaganfall geschaut.

Die Studie identifizierte wichtige behandelbare Risikofaktoren für den Schlaganfall wie Bluthochdruck, mangelnde körperliche Betätigung, erhöhte Blutfette, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Herzerkrankungen, übermäßiger Alkoholkonsum und Diabetes mellitus. Prof. Diener: „Behandelt man diese relevanten Faktoren konsequent, gingen die Schlaganfälle drastisch zurück. Wichtig wäre deshalb, dass auch in Deutschland entsprechende Förderungsprogramme initiiert und umgesetzt werden."

Quellen:
The Lancet -  http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(16)30506-2.pdf
Informationsdienst Wissenschaft (idw) - https://idw-online.de/de/news656409

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Neue Studie zur Thrombolyse

 

Manchmal ist weniger mehr, meint eine neue Studie zur Akuttherapie von Schlaganfall-Patienten. Durch weniger Medikamente, so der Tenor, könnten Todesfälle verhindert werden. Doch ganz so einfach ist es leider nicht.

 

Manchmal ist weniger mehr, meint eine neue Studie zur Akuttherapie von Schlaganfall-Patienten. Durch weniger Medikamente, so der Tenor, könnten Todesfälle verhindert werden. Doch ganz so einfach ist es leider nicht.

Die Standardtherapie bei einem ischämischen Schlaganfall, einem Gefäßverschluss im Gehirn, ist die sogenannte Thrombolyse. Dabei wird dem Patienten ein Medikament (rtPA oder Alteplase) gespritzt, das den Verschluss auflösen soll. Zahlreiche Studien weltweit belegen, dass diese Methode wirkungsvoll ist. Doch keine Therapie ohne Risiko: Blutverdünnung wird gefährlich, wenn es zu Blutungen kommt. Das passiert in etwa fünf Prozent der Fälle, die oft tödlich ausgehen. Immer wieder diskutieren Mediziner deshalb darüber, wie hoch die Dosis des Medikaments sein sollte. Kernfrage: Kann man durch eine geringere Dosis Todesfälle vermeiden?

Ja, man kann, meint die neue ENCHANTED-Studie, in die 3.000 Schlaganfall-Patienten eingeschlossen wurden. Die Rate von Hirnblutungen innerhalb von 90 Tagen nach dem Schlaganfall konnte durch eine kleinere Dosis um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Doch dies wurde erkauft mit einem Anstieg des Anteils der Patienten, die nach 90 Tagen noch Behinderungen aufwiesen. Schlussfolgerung: Wer die Dosis verringert, wird weniger Blutungen verursachen, aber auch weniger effektiv sein.

Wenn man das Studienergebnis in absolute Zahlen umrechnet, sterben pro tausend Patienten, die mit niedriger dosierter Alteplase behandelt werden, 19 weniger, aber 41 Patienten haben mehr Behinderungen als sie bei normaler Dosis hätten. Fast könnte man meinen: einfacher wird die Lysetherapie durch diese Studie nicht. Beide Varianten haben Chancen und Risiken, und die Mediziner müssen sich im Einzelfall entscheiden. Die Autoren empfehlen in jedem Fall, die niedrigere Dosis immer dann einzusetzen, wenn der Arzt ein erhöhtes Hirnblutungsrisiko sieht. Das lässt sich im individuellen Fall nur leider nicht besonders gut vorhersagen.

(New England Journal of Medicine; 10. Mai 2016; doi: 10.1056/NEJMoa1515510)

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Sie retten Leben und verringern Behinderungen

Studie zu Stroke Units

270.000 Menschen pro Jahr trifft in Deutschland der Schlag. Damit sie überleben und möglichst keine Behinderungen davontragen müssen, macht sich die Deutsche Schlaganfall-Hilfe seit vielen Jahren stark für die Einrichtung von Schlaganfall-Spezialstationen. Dass diese so genannten Stroke Units Leben retten und Behinderungen verringern, hat jetzt eine weitere Studie aus Baden-Württemberg eindrucksvoll belegt.

 

270.000 Menschen pro Jahr trifft in Deutschland der Schlag. Damit sie überleben und möglichst keine Behinderungen davontragen müssen, macht sich die Deutsche Schlaganfall-Hilfe seit vielen Jahren stark für die Einrichtung von Schlaganfall-Spezialstationen. Dass diese so genannten Stroke Units Leben retten und Behinderungen verringern, hat jetzt eine weitere Studie aus Baden-Württemberg eindrucksvoll belegt.

Die Standardtherapie nach einem so genannten ischämischen Schlaganfall – einem Gefäßverschluss – ist die Thrombolyse. Dabei wird der Verschluss durch ein Medikament aufgelöst. Je schneller die Therapie nach dem Schlaganfall einsetzt, desto größer sind die Überlebenschancen und geringer die Spätfolgen, das ist wissenschaftlich erwiesen. Maximal viereinhalb Stunden nach dem Schlag kann die Lyse noch angewandt werden.

Eine deutsche Auswertung der Arbeitsgruppe Schlaganfall Baden-Württemberg, die auf Daten aus Mannheim, Heidelberg und Freiburg zurückgreift, illustriert einmal mehr den Nutzen der Schlaganfall-Stationen. Demnach gibt es erhebliche Unterschiede in der Lyserate zwischen Krankenhäusern mit und ohne Schlaganfall-Station.

Insbesondere ergibt sich ein Unterschied zwischen den großen Schlaganfall-Zentren und kleinen Krankenhäusern, die über keine Stroke Unit verfügen. Schlaganfall-Zentren behandeln etwa 45% der Patienten, die innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Ereignis in der Klinik sind, mit einer Lysetherapie, gegenüber 13% in Krankenhäusern ohne Stroke Unit. Man kann also festhalten: Stroke Units garantieren eine leitliniengerechten Therapie.

Auffällig ist allerdings, dass in Baden-Württemberg immer noch 17% der Patienten in Krankenhäusern ohne Stroke Unit behandelt werden. Und dass, obwohl es eine flächendeckende Versorgung mit den Spezialstationen gibt.

(Neurology 2016; 86; 1975-83)

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Neuer Index für Schlaganfall-Risiko

Berliner Studie zur Sekundärprävention

Normale Blutdruckmessungen sind wichtig, geben aber keinen konkreten Aufschluss über den Gefäßstatus, anders als der ABI.

Neurologen der Charité Berlin haben interessante Erkenntnisse für die Sekundärprävention nach Schlaganfall gewonnen. Mit einer relativ neuen und aufwändigen Methode der Blutruckmessung lässt sich der so genannte Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial-Index, ABI) erstellen. Offensichtlich gibt er Aufschluss darüber, wer besonders von einem wiederholten Schlaganfall gefährdet ist.

 
Normale Blutdruckmessungen sind wichtig, geben aber keinen konkreten Aufschluss über den Gefäßstatus, anders als der ABI.

Neurologen der Charité Berlin haben interessante Erkenntnisse für die Sekundärprävention nach Schlaganfall gewonnen. Mit einer relativ neuen und aufwändigen Methode der Blutruckmessung lässt sich der so genannte Knöchel-Arm-Index (Ankle-Brachial-Index, ABI) erstellen. Offensichtlich gibt er Aufschluss darüber, wer besonders von einem wiederholten Schlaganfall gefährdet ist.

Die Berliner Ärzte werteten elf Studien mit insgesamt 5374 Patienten aus, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Sie entdeckten einen eindeutigen Zusammenhang: Patienten mit einem niedrigen ABI erlitten häufiger ein Schlaganfall-Rezidiv und verstarben daran auch früher. Was ist der ABI? Bei der Ermittlung des ABI werden am liegenden Patienten vier Messungen durchgeführt. Gemessen wird der systolische Blutdruck („oberer" Wert) an beiden Oberarmen und beiden Unterschenkeln an den Knöcheln. Anschließend teilt man Armwert durch Beinwert. Der so ermittelte Quotient ist der ABI. Werte über 1 sind normal, unterhalb von 0,9 liegt eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK, Arteriosklerose der Beine) vor.

Ganz offensichtlich ist der ABI aber nicht nur ein guter Index für die Gefäßgesundheit der Beine. Zumindest für Schlaganfall-Patienten lässt sich nach der Analyse der Berliner Neurologen festhalten: wer erkennbare Durchblutungsstörungen in den Beinen hat, dessen Gefäße sind insgesamt geschädigt. Er hat demnach ein hohes Risiko für einen wiederholten Schlaganfall „Diese Methode könnte sich dafür eigenen, in der Sekundärprävention die besonders gefährdeten Patienten zu identifizieren", sagt Dr. Bettina Begerow, Präventionsexpertin der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.

Neben dem ABI lässt sich mit dieser Methode auch die Pulswellengeschwindigkeit messen. Sie ist ein Indikator für die Gefäßsteifigkeit und gibt damit ebenfalls Aufschluss über den Grad der Schädigung von Gefäßen, zum Beispiel durch Diabetes, zu hohe Cholesterinwerte oder Rauchen.

(Stroke 2016; 47:317-22)

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Bewegung schult Gehirn

Rehabilitation nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall ist Bewegung oft die wichtigste Therapie. Doch dabei geht es nicht nur um Motorik, wie koreanische Wissenschaftler jetzt bestätigten. Sportliches Training fördert auch die kognitive Rehabilitation.

Nach einem Schlaganfall ist Bewegung oft die wichtigste Therapie. Doch dabei geht es nicht nur um Motorik, wie koreanische Wissenschaftler jetzt bestätigten. Sportliches Training fördert auch die kognitive Rehabilitation.

In einem Tierversuch wurde bei Wüstenmäusen künstlich ein Schlaganfall herbeigeführt. Fünf Tage später ließ man die Mäuse in einem Laufrad trainieren. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler den Hippocampus der Mäuse. Das ist jene Hirnregion, die für die Ausbildung des Langzeitgedächtnisses von entscheidender Bedeutung ist. In der Gewebeanalyse konnten die Experten eindeutig zeigen, dass sich in dem geschädigten Hirnareal Zellen vermehrten und neue Neurone nachweisbar wurden. Je länger die Mäuse trainierten, desto größer war dieser Effekt.
 
„Dass körperliche Betätigung bei der Rehabilitation nach Schlaganfall hilft, ist kein Geheimnis," sagt Philipp Grätzel von Grätz. Der Berlin Arzt und Wissenschaftsjournalist analysiert die internationale Forschung regelmäßig für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die aktuelle Studie allerdings zeige, dass es um mehr gehe als nur um motorisches Training. „Besonders spannend ist die Korrelation zwischen Dauer der körperlichen Belastung und zellulären Effekten", urteilt Grätzel. „Rehabilitation nach Schlaganfall wird so zu einer Langzeitaufgabe für den betroffenen Patienten – mit relevanten Erfolgsaussichten, wenn wir den Mäusen glauben dürfen."

(Neurorehabil Neural Repair 2016; do16638444)

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Nachsorge-Programme wirken

 

US-amerikanische Neurologen haben untersucht, wie sich eine strukturierte Nachbetreuung von Schlaganfall-Patienten auf die Rate erneuter Einweisungen auswirkt. Das Ergebnis kommt nicht überraschend: Positiv.

US-amerikanische Neurologen haben untersucht, wie sich eine strukturierte Nachbetreuung von Schlaganfall-Patienten auf die Rate erneuter Einweisungen auswirkt. Das Ergebnis kommt nicht überraschend: Positiv.

In Deutschland kämpft die Schlaganfall-Hilfe für die Einführung so genannter Schlaganfall-Lotsen, um die Überführung in die Nachsorge zu verbessern. Jetzt erhält sie wissenschaftliche Schützenhilfe aus den USA. Denn die strukturierte Nachbetreuung, dessen Wirkung jetzt US-Forscher untersucht haben, ähnelt in ihren Grundzügen der Betreuung durch einen Lotsen.

In der vorliegenden Untersuchung wurden die Schlaganfall-Patienten nach ihrer Entlassung durch Krankenschwestern betreut. Zum Programm gehörten ein Anruf im Laufe der ersten sieben Tage sowie ein Besuch der Nachsorge-Sprechstunde nach zwei bis vier Wochen. Im Ergebnis zeigte sich, dass jene Patienten, die innerhalb von 30 Tagen wieder eingewiesen wurden, unabhängig vom Risiko eher jene waren, die das Nachsorgeangebot nicht wahrgenommen hatten. Die Nachsorge-Betreuten hatten statistisch ein 48 Prozent geringeres Risiko auf eine erneute Klinikeinweisung.

„Die Studie zeigt, dass bessere Nachsorge mit besserem Outcome einhergeht", urteilt der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz. Für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe beobachtet er regelmäßig die internationale Schlaganfall-Forschung. Allerdings warnt der Experte vor zu viel Euphorie, denn die Studie weise auch methodische Schwächen auf. Die Patienten könnten schlicht kränker gewesen sein. Dennoch schließt Grätzel: „Die Assoziation ist da, und das spricht erstmal für die Nachsorge."

(Condon C et al. Stroke 2016; doi: 10.1161/STROKEAHA.115.012524)

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Dem Vorhofflimmern auf der Spur

 

Wenn Schlaganfälle keine erkennbare Ursache haben, fällt der Verdacht immer auf Vorhofflimmern. Doch die Herzrhythmusstörung ist schwer zu diagnostizieren. Eine deutsche Studie hat jetzt untersucht, ob man mit Langzeit-EKGs mehr Erfolg hat.

 

Wenn Schlaganfälle keine erkennbare Ursache haben, fällt der Verdacht immer auf Vorhofflimmern. Doch die Herzrhythmusstörung ist schwer zu diagnostizieren. Eine deutsche Studie hat jetzt untersucht, ob man mit Langzeit-EKGs mehr Erfolg hat.

Jeder vierte bis fünfte Schlaganfall – so wird geschätzt – geht auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurück. Doch weil die Störung nur in Perioden auftritt und auch nicht immer eindeutige Beschwerden hervorruft, ist eine Diagnose immer schwierig. Für die Patienten ist sie jedoch wichtig, denn nach einem Schlaganfall ist das Risiko für einen zweiten, meist schwereren Schlaganfall deutlich erhöht. Ist das Vorhofflimmern bekannt, lässt es sich in der Regel medikamentös gut behandeln.
 
In einer deutschen Studie wurden 398 Schlaganfall-Patienten mit unklarer Ursache verglichen. Eine Gruppe wurde konventionell untersucht, eine zweite für jeweils dreimal zehn Tage mit einem Langzeit-EKG ausgestattet, und zwar unmittelbar nach dem Ereignis sowie nach drei und sechs Monaten. 17 Teilnehmer der Langzeitprozedur stiegen aus der laufenden Studie aus, ihnen war der Aufwand zu groß. Das Ergebnis war relativ deutlich: Innerhalb von sechs Monaten wurden bei 13,5% der intensiv überwachten Patienten Vorhofflimmerepisoden festgestellt, gegenüber 4,5% in der Kontrollgruppe.
 
Andere Studien haben untersucht, wie viel Erfolg man mit implantierbaren, so genannten Event-Recordern haben kann. In beiden Fällen ist der Aufwand hoch. Doch alle Studien bestätigen, dass Vorhofflimmern gerade bei unklarer Ursache der häufigste Auslöser des Schlaganfalls ist. Deshalb ist eine gute und vertretbare Methode zur Diagnostik weiterhin dringend erforderlich. Noch suchen die Experten nach einer optimalen Lösung.
 
(Wachter R; International Stroke Conference 2016; Los Angeles; Plenary Session I; 17.2.2016)

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Schonen schadet. Auch im Alter.

Neue Forschung zur Rehabilitation

Eine intensive Neurorehabilitation nutzt Schlaganfall-Patienten aller Altersstufen in etwa gleichem Umfang. Der Erfolg einer Rehabilitation hängt nicht vom Alter ab, sondern davon, wie oft und wie lange trainiert wird. Das hat Professor Stefan Knecht aus Meerbusch in einer klinischen Studie nachweisen können. Die Berliner Fürst-Donnersmarck-Stiftung verlieh ihm dafür ihren Forschungspreis.

 

Eine intensive Neurorehabilitation nutzt Schlaganfall-Patienten aller Altersstufen in etwa gleichem Umfang. Der Erfolg einer Rehabilitation hängt nicht vom Alter ab, sondern davon, wie oft und wie lange trainiert wird. Das hat Professor Stefan Knecht aus Meerbusch in einer klinischen Studie nachweisen können. Die Berliner Fürst-Donnersmarck-Stiftung verlieh ihm dafür ihren Forschungspreis.

Daten aus dem Qualitätssicherungsprojekt Schlaganfall Nordwestdeutschland zeigen, dass selbst in Regionen, die der Schlaganfall-Versorgung eine hohe Priorität geben, nur etwa vier von zehn Patienten nach Schlaganfall eine neurologische Rehabilitationsmaßnahme durchlaufen (Dtsch Arztebl Int 2013; 110(7):101-7). Bei älteren Patienten ist das Risiko, dass sie keine oder nur eine wenig intensive, geriatrische Rehabilitation erhalten, deutlich höher. Begründet wird das oft damit, dass eine intensive neurologische Rehabilitation bei älteren Menschen weniger gut anschlägt oder sogar schadet", erläutert Professor Stefan Knecht von der Mauritius Therapieklinik in Meerbusch.

Doch stimmt das wirklich? Knecht und seine Kollegen haben sich das anhand von über 2.000 Patienten, die in Meerbusch zwischen 2008 und 2012 eine Schlaganfall-Rehabilitation durchlaufen haben, etwas genauer angesehen. Für ihre Arbeit haben sie im November den Forschungspreis der Fürst-Donnersmarck-Stiftung erhalten (J Neurol Neurosurg Psychiatry 2015; 0:1-5).

Um die Daten vergleichbar zu machen, wurde jeweils ein Zeitraum von vier Wochen stationärer neurologischer Rehabilitation betrachtet. Kriterium für den Erfolg der Rehabilitation war der Barthel-Index, ein Maß für die funktionelle Leistungsfähigkeit der Patienten. Bekannt ist, dass ältere Menschen Rehabilitationseinrichtungen im Mittel mit einem schlechteren Barthel-Index verlassen als jüngere. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass die Rehabilitation nichts bringt. Es kann auch einfach daran liegen, dass die Funktionsfähigkeit schon zu Beginn schlechter war.

Genau das konnten die Rehabilitationsexperten jetzt nachweisen: Sowohl bei unter 65jährigen Patienten als auch bei Patienten zwischen 65 und 80 Jahren als auch bei über 80jährigen Patienten verbesserte sich der Barthel-Index durch die täglich mehrstündigen Rehabilitationsmaßnahmen um 14 bis 15 Punkte. „Von der neurologischen Rehabilitation profitieren also Schlaganfall-Patienten in allen Altersstufen gleichermaßen", so Knecht. Und noch etwas anderes zeigen die Daten aus der Meerbusch-Kohorte: Je mehr Stunden die Patienten pro Tag trainieren, umso höher sind die Erfolgsraten. Dieser signifikante Zusammenhang ist statistisch komplett unabhängig vom Alter.

Die Konsequenzen aus diesen Daten liegen für Knecht auf der Hand: Alle Schlaganfall-Patienten sollten eine möglichst intensive neurologische Rehabilitation erhalten, um die Potenziale voll auszuschöpfen: „Wer es mit der Schlaganfall-Versorgung ernst meint, muss die ganze Versorgungskette im Blick haben, nicht nur die Akuttherapie. Auch viele Neurologen müssen noch lernen, dass die Schlaganfall-Versorgung nicht mit der Stroke Unit endet."

Fazit: Eine intensive neurologische Rehabilitation nach einem Schlaganfall verbessert die funktionelle Leistungsfähigkeit. Ältere und auch sehr alte Menschen profitieren in praktisch identischem Umfang wie jüngere Patienten. Prädiktiv für den Erfolg der Rehabilitation ist nicht das Alter, sondern die Menge an Stunden, die pro Tag trainiert wird.

 

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Vorboten des Schlaganfalls

 

Beim Schlaganfall scheint es frühe Anzeichen zu geben, die oft nicht wahrgenommen werden. Das zumindest glauben japanische Wissenschaftler nach Auswertung ihrer Langzeitstudie, die gerade veröffentlicht wurde.

 

Beim Schlaganfall scheint es frühe Anzeichen zu geben, die oft nicht wahrgenommen werden. Das zumindest glauben japanische Wissenschaftler nach Auswertung ihrer Langzeitstudie, die gerade veröffentlicht wurde.

Die japanische Studie hat 1493 ältere Menschen über 60 Jahren rund 10 Jahre lang begleitet. In regelmäßigen Abständen wurden ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Alle lebten zuhause und waren altersentsprechend weitgehend gesund. Keiner der Teilnehmer hatte zu Studienbeginn bereits einen Schlaganfall erlebt. Im Beobachtungszeitraum kam es bei 191 Studienteilnehmern zu einem ersten Schlaganfall. Besonders bemerkenswert: Auffällig viele der Schlaganfall-Patienten waren in ihren intellektuell-kognitiven Funktionen eingeschränkt.

Offensichtlich weist der Schlaganfall deutliche Parallelen zum Herzinfarkt auf. „Viele Herzinfarktpatienten haben vor dem ersten Infarkt schon Beschwerden bei stärkerer Belastung, auch wenn sie das vielleicht nicht einmal vor sich selbst eingestehen", berichtet Philipp Grätzel von Grätz. Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist beobachtet und kommentiert regelmäßig die weltweite Forschung für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Noch könne man nur spekulieren, doch auch beim Schlaganfall scheint das Phänomen plausibel: „Milde kognitive Defizite als Folge geschädigter hirnversorgender Gefäße mit leichtem, chronischem Sauerstoffmangel wären ein Erklärungsansatz." Für die Prävention erstmaliger Schlaganfälle könnte sich hier ein neuer Diskussionsansatz ergeben. Möglicherweise lassen sich bestimmte Risikopatienten durch kognitive Tests identifizieren.

(Quelle: Stroke 2016; 47:323-28)

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Tablet-PC als Therapie-Gerät

 

Computer sind in vielen Rehabilitationskliniken schon unverzichtbare Therapiemittel. Die schon weit verbreiteten Tablet-PCs könnten diese Form der Reha künftig ergänzen, sagt eine israelische Studie.

 

Computer sind in vielen Rehabilitationskliniken schon unverzichtbare Therapiemittel. Die schon weit verbreiteten Tablet-PCs könnten diese Form der Reha künftig ergänzen, sagt eine israelische Studie.
 
Rehabilitationsmediziner aus Tel Aviv haben untersucht, inwieweit Tablet-PC-basierte Übungen zur Verbesserung der manuellen Geschicklichkeit einsetzbar sind. 172 Menschen unterschiedlichen Alters sowie 20 Schlaganfall-Patienten mit Paresen (Teillähmungen) der Arme oder Hände nahmen an der Studie teil. Eingesetzt wurden Apps, die anerkannte manuelle Geschicklichkeitsübungen digitalisiert haben.
 
Erwartungsgemäß schnitten die jungen Teilnehmer in den Tests besser ab als die älteren. Alle gesunden Probanden und 15 von 20 Schlaganfall-Patienten absolvierten das komplette Programm. Alle 20 Schlaganfall-Patienten gaben an, Spaß an den Übungen gehabt zu haben. Sie waren der Meinung, die Übungen halfen ihnen in der Rehabilitation.
 
Die Studie verrät zwar noch nichts über langfristige Therapie-Effekte solcher Übungen, doch erste Untersuchungen dazu laufen bereits. Für Übungen mit dem Tablet PC spricht, dass sie vergleichsweise kostengünstig sind, die Lebenswelt vieler (insbesondere jüngerer) Patienten treffen und aus dem Spaßfaktor einen therapeutischen Effekt ziehen können.
 
(J Neurol Phys Ther 2015; elektronisch vorveröffentlicht am 1. Dezember 2015; Video-Link: http://links.lww.com/JNPT/A118)

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Schutz vor Schlaganfall-Folgen

Gehirn-Training als Prävention

Indische Forscher glauben, einen Zusammenhang von Sprachkenntnissen und den Folgen eines Schlaganfalls bewiesen zu haben. Ihre Studie soll belegen, dass zweisprachige Menschen durch einen Schlaganfall weniger starke Beeinträchtigungen erleiden. Eine interessante These...

 

Indische Forscher glauben, einen Zusammenhang von Sprachkenntnissen und den Folgen eines Schlaganfalls bewiesen zu haben. Ihre Studie soll belegen, dass zweisprachige Menschen durch einen Schlaganfall weniger starke Beeinträchtigungen erleiden. Eine interessante These …

Die Forscher werteten die Daten von 608 Schlaganfall-Patienten zwischen 2006 und 2013 aus. Etwa die Hälfte der Patienten war bilingual, sprach also mindestens zwei Sprachen. 40 Prozent dieser Patientengruppe überstanden den Schlaganfall ohne wesentliche Beeinträchtigung ihrer kognitiven Fähigkeiten. Bei den lediglich muttersprachlichen Patienten dagegen trugen nur 20 Prozent keine schwereren Schädigungen des Hirns davon. Anders ausgedrückt: Wer zwei Sprachen spricht, hat demnach eine doppelt so große Chance, den Schlaganfall relativ unversehrt zu überstehen.
Zweisprachige Patienten wiesen auch bessere Testergebnisse in Bezug auf Aufmerksamkeit und Gedächtnis auf. Die Autoren ziehen daraus jedoch den Schluss, dass nicht zwangsläufig die Sprachfähigkeit vor den Folgen des Schlaganfalls schützt. Sie vermuten vielmehr, dass generell das kontinuierliche Training des Gehirns zu seinem Schutz auch nach einem Schlaganfall beiträgt.

Was die Forscher auch herausfanden: Zweisprachigkeit schützt nicht vor dem Verlust der Sprache. Die Aphasie, eine häufige Folge des Schlaganfalls, kam in beiden Gruppen gleich häufig vor. Gerade zu den Ausprägungen einer Aphasie bei zweisprachigen Menschen gibt es verschiedene Theorien. Zu Beginn des Jahres noch sorgte eine Meldung aus China für Aufsehen. Nach einem Schlaganfall sprach eine 94-jährige Chinesin kaum noch Chinesisch, dafür aber Englisch. Sie hatte einige Jahre als Englischlehrerin gearbeitet. Und offenbar waren ihre Fremdsprachenkenntnisse in einem anderen Hirnareal abgespeichert als die Muttersprache.

DOI: 10.1161/STROKEAHA.115.010418

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Auch den Blutdruck gut einstellen

Therapie bei Diabetes

12. November 2015: Auch den Blutdruck gut einstellen

Diabetiker haben ein hohes Schlaganfall-Risiko. Darauf weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich einer neuen Studie aus Großbritannien hin. Sie unterstreicht, wie wichtig eine gute Kontrolle der Risikofaktoren gerade bei dieser Patientengruppe ist. Der Welt-Diabetestag am 14. November will auf die Folgen der Volkskrankheit aufmerksam machen.

 

Diabetiker haben ein hohes Schlaganfall-Risiko. Darauf weist die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anlässlich einer neuen Studie aus Großbritannien hin. Sie unterstreicht, wie wichtig eine gute Kontrolle der Risikofaktoren gerade bei dieser Patientengruppe ist. Der Welt-Diabetestag am 14. November will auf die Folgen der Volkskrankheit aufmerksam machen.

 

Fast zwei Millionen Patienten haben die britischen Epidemiologen in ihre Studie eingeschlossen. Untersucht wurden deren Krankheitsdaten aus den Jahren 1997 bis 2010. Im Vordergrund der Studie stand vor allem die Frage, wie sehr Diabetes das Risiko für bestimmte kardiovaskuläre Erkrankungen wie den Herzinfarkt oder den Schlaganfall erhöht. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf Patienten mit dem so genannten Typ-2-Diabetes, der mit Abstand häufigsten Form der Zuckerkrankheit.

Die Studienteilnehmer waren zu Beginn der Untersuchung mindestens 30 Jahre alt und litten nicht an kardiovaskulären Erkrankungen. In einem Zeitraum von 5,5 Jahren trat bei einem von 19 nicht diabetischen Studienteilnehmern eine Erkrankung auf. Dagegen traf es in der Gruppe der Diabetiker etwa jeden fünften. Diabetiker hatten also ein vierfach erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Die Forscher wollten es noch genauer wissen und differenzierten nach Krankheitsarten. Am häufigsten trat die so genannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) auf, die Durchblutungsstörungen von Armen oder Beinen verursacht. Der Schlaganfall lag an zweiter Stelle mit einer gut 70prozentigen Risikoerhöhung, die Herzerkrankungen folgten danach.

„Dass die PAVK die kardiovaskuläre Erkrankung ist, die bei Diabetes als erstes zuschlägt, überrascht nicht", urteilt der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz, Fachautor der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Doch „dass der Schlaganfall und nicht der Herzinfarkt auf Position zwei kommt, war so nicht unbedingt zu erwarten." Weil sich bei mehreren Risikofaktoren das Risiko nicht einfach addiert, sondern mehrfach erhöht, ist es so wichtig, gerade bei diesen Patienten auf eine gute Blutdrucksenkung zu achten.

(Lancet 2015; 385; doi:10.106/S0140-6736(15)60401-9)

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Was ist wirklich gefährlich?

 

Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz schreibt regelmäßig für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Schlaganfall-Risiken lauern an allen Ecken, dazu gibt es viele Studien. Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz stellt uns die aktuellsten vor und bewertet sie.

 
Der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz schreibt regelmäßig für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Schlaganfall-Rrisiken lauern an allen Ecken, dazu gibt es viele Studien. Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz stellt uns die aktuellsten vor und bewertet sie.
 
Wer Schlaganfälle verhindern will, sollte den Blutdruck senken und die Zigaretten in die Tonne treten. So weit, so klar. Doch Schlaganfälle drohen auch an anderen Stellen. Die Forschung zu Risikofaktoren ist eine Wissenschaft für sich. Zusammenhänge sind schnell gefunden. Das heißt freilich noch lange nicht, dass es sich auch um ursächliche Zusammenhänge handelt. Das sei als Warnung vorweg geschickt. Nun aber rein in die Daten.
 

Eine große Kohortenstudie hat bei 22.000 Patienten mit Arthrose des Kniegelenks untersucht, ob ein künstliches Knie mehr kann als nur Schmerzen beseitigen. Tatsächlich: Über einen Zeitraum von 3 Jahren waren Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Patienten mit künstlichem Kniegelenk um 44% seltener als bei Arthrosepatienten, die mit Medikamenten behandelt wurden. Erklären ließe sich das durchaus: Wer ein künstliches Kniegelenk hat, bewegt sich vielleicht mehr. Er wird auch weniger Schmerzmittel nehmen, die ein gewisses Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bergen. Denkbar wäre freilich auch, dass vor allem jene Patienten künstliche Knie bekommen, die ohnehin „fitter" sind. Ergo: Korrelation ist das eine, Kausalität ist etwas anderes. (PLoS ONE 2015; 10(5):e0127454)
 
Diese Einschränkung gilt auch für jene taiwanesische Studie, in der Wissenschaftler über 10 Jahre untersucht haben, ob Menschen, die beruflich hoch riskante Termingeschäfte an der Börse tätigen, häufiger wegen Schlaganfällen ins Krankenhaus eingewiesen werden. Das scheint der Fall zu sein: Immer dann, wenn an der Börse in Taipeh die Termingeschäfte deutlich zunehmen, steigt im Gefolge die Zahl der Einweisungen. Statistisch signifikant war der Effekt allerdings nur für Männer. (J Urban Health 2015; doi: 10.1007/s11524-015-9964-1)
 
Nun sind Börsenhändler nicht besonders zahlreich: Ein Verbot derartiger Geschäfte würde die Menschheit vermutlich nicht dramatisch gesünder machen, zumindest nicht was die Schlaganfälle angeht. Beim Thema zuckerhaltige Softdrinks sieht das anders aus. Britische Public Health-Experten haben mal ganz unverbindlich durchgerechnet, was passieren würde, wenn diese Getränke pauschal mit 20% besteuert würden. Ergebnis: Pro Jahr könnten 2400 Diabetes-Erkrankungen, 1700 Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie 400 Krebserkrankungen verhindert werden. Das ist doch was. (PLoS One 2015; 10(6):e0130770)
 
Zu den Softdrinks passen auch Daten aus der ENGAGE-Studie. Adipöse Menschen mit einem Body Mass Index über 30 hatten in dieser Untersuchung ein um 15% erhöhtes Risiko für Schlaganfälle. Diese Studie ist deswegen spannend, weil sie Vergleichsgruppen auf Basis von genetischen Merkmalen zusammenstellte, eine recht neue Methode, die „Mendelsche Randomisierung" genannt wird. Die Wahrscheinlichkeit eines „echten" ursächlichen Zusammenhangs ist bei diesem Verfahren höher als bei anderen statistischen Methoden. (Int J Epidemiol 2015; doi:10.1093/ije/dyy094)

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Vielarbeiter aufgepasst!

 

Ist viel Arbeit schädlich? Darüber gibt es geteilte Meinungen. Wissenschaftler aber haben jetzt bewiesen: Menschen, die (zu) viel arbeiten, erleiden öfters Schlaganfälle.

 

Ist viel Arbeit schädlich? Darüber gibt es geteilte Meinungen. Wissenschaftler aber haben jetzt bewiesen: Menschen, die (zu) viel arbeiten, erleiden öfters Schlaganfälle.
 
Das internationale IPD-Work Konsortiums hat in der Fachzeitschrift Lancet jetzt eine systematische Metaanalyse veröffentlicht. Thema: der Einfluss der Dauer wöchentlicher Arbeitszeit auf das Risiko von Schlaganfällen. Insgesamt flossen die Daten von über 600.000 Männern und Frauen ein.
 
Im Ergebnis zeigt sich, dass Menschen, die lange (mindestens 55 Stunden pro Woche) arbeiten, ein um 33% erhöhtes Risiko für Schlaganfälle aufweisen. Es fand sich auch eine Art Dosis-Wirkungs-Beziehung: Bei einer Wochenarbeitszeit von 41 bis 48 Stunden war das Risiko um 10% erhöht, bei 49 bis 54 Stunden waren es signifikante 27%.
 
Weniger Bewegung, ungesunde Ernährung und – daraus resultierend – höherer Blutdruck und Diabetes wären mögliche Erklärungen. Doch eindeutige Zusammenhänge konnten die Wissenschaftler nicht finden. Sie empfehlen bis auf weiteres, bei Vielarbeitern die klassischen Risikofaktoren besonders penibel im Auge zu behalten.
 
(Lancet 2015; online am 19. August 2015)

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Spielerisch rehabilitiert?

 

Helfen Spielekonsolen bei der Rehabilitation? Eine neue Analyse mehrerer Studien liefert darauf eine eindeutige Antwort: Jein.

 

Helfen Spielekonsolen bei der Rehabilitation? Eine neue Analyse mehrerer Studien liefert darauf eine eindeutige Antwort: Jein.

Eine so genannte Metaanalyse untersuchte den Nutzen der Spielkonsole Wii in der Schlaganfall-Rehabilitation. Sechs Studien wurden analysiert, in denen die Effekte der Wii in Kombination mit konventioneller Rehabilitation verglichen wurden mit ausschließlich konventionellen Übungstherapien.

In einigen Bereichen zeigte die „Wii-Gruppe" Vorteile, in anderen nicht. Im Vergleich zu den klassischen Therapien war die Therapietreue bei Einsatz der Wii jedoch höher. Die Schlussfolgerung könnte lauten: Wer für diese Art der Beschäftigung etwas übrig hat, bei dem kann sie eingesetzt werden und zeigt dann einen nicht dramatischen, aber doch nachweisbar positiven Effekt.

Zu bedenken ist dabei: die Wii wurde als Spielekonsole für den breiten Markt entwickelt, therapeutische Zwecke standen nie im Vordergrund. Im Bereich moderner Therapiegeräte und –software gab es in den vergangenen Jahren viele Neuentwicklungen, die sich wohl deutlich besser für die Rehabilitation eignen.

Das vorliegende Studienergebnis stützt die Beobachtungen vieler Rehabilitationskliniken, die zunehmend computergestützte Übungen in Ergo- und Physiotherapie einsetzen. Viele Patienten motiviert der spielerische Charakter der Rehabilitation, sie üben deutlich mehr.

(J Am Med Direc Assoc 2015; elektronisch am 4. August 2015)

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Diabetes und Vorhofflimmern

 

Etwa jeder fünfte Schlaganfall wird auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückgeführt. Ein Zusammenhang mit der Zuckerkrankheit wird schon länger vermutet. Das wurde jetzt detailliert untersucht.

 

Diabetiker haben ein höheres Risiko für Vorhofflimmern. Das belegt eine neue Studie aus Dänemark.

Etwa jeder fünfte Schlaganfall wird auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückgeführt. Ein Zusammenhang mit der Zuckerkrankheit wird schon länger vermutet. In einer Auswertung des landesweiten dänischen Gesundheitsregisters wurde der Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und Vorhofflimmern nun detailliert untersucht.

Daten von über 5 Millionen Personen aus den Jahren 1996 bis 2012 wurden ausgewertet, darunter 5% Diabetespatienten. Die jüngeren Patienten unter 40 Jahre wiesen ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern auf, die Gruppe der 40- bis 64jährigen ein 1,5-faches und die 65- bis 74jährigen ein 1,2-faches Risiko. Bei den hochbetagten Menschen gab es keine signifikanten Unterschiede.

„Die Botschaft ist deutlich", sagt der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz. „Insbesondere bei jüngeren Diabetespatienten sind regelmäßige EKG-Kontrollen angezeigt, um bei Auftreten von Vorhofflimmern eine Schlaganfallprophylaxe zügig einleiten zu können."

(Eur J Prev Cardiol 2015; elektronisch am 7. August 2015)

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Besser rehabilitiert dank Strom

 

Gelingt Schlaganfall-Rehabilitation besser durch Strom im Kopf? Das kann funktionieren, wie Ärzte in China jetzt nachweisen konnten. Eine kleine Studie zwar, doch sie stimmt zuversichtlich.

 

Gelingt Schlaganfall-Rehabilitation besser durch Strom im Kopf? Das kann funktionieren, wie Ärzte in China jetzt nachweisen konnten. Eine kleine Studie zwar, doch sie stimmt zuversichtlich.

Als relativ neue Methode nutzen bereits manche deutsche Rehabilitationszentren wie die BDH Klinik Elzach die so genannte transkranielle Magnetstimulation. Der leichte Strom durch die Schädeldecke, den die Patienten nicht spüren, erhöht die Erregbarkeit der Nervenzellen. Er kann auch genutzt werden, um bestimmt Hirnareale auszuschalten. Trainingseffekte sollen so unterstützt werden, beispielsweise bei einer Halbseitenlähmung. Da das Zentrum zur Steuerung der Hände außen im Gehirn liegt, ist es für die Elektroden gut erreichbar.

Große Studien dazu gibt es bisher nicht, doch jetzt kommen gute Nachrichten aus Fernost. Erst wenige Tage alt ist die Erstveröffentlichung einer chinesischen Studie. Dort erhielten 30 Schlaganfall-Patienten eine umfangreiche Rehabilitation nach aktuellen Leitlinienempfehlungen. Bei der Hälfte der Patienten wurde zusätzlich fünfmal pro Woche für vier Wochen eine transkranielle Magnetstimulation durchgeführt. In der Vergleichsgruppe wurde die Apparatur ebenfalls angelegt, aber nicht eingeschaltet. Im Ergebnis gab es bei den Patienten der „Strom-Gruppe" stärkere Verbesserungen in den motorischen Funktionen und bei Symptomen des Neglects (Aufmerksamkeitsstörung).

(Clin Rehabil 2015; elektronisch vorveröffentlicht am 6. August 2015)

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Sensibel auf Symptome achten

Schlaganfall nach Temperatursturz

Deutschland stöhnt unter der Hitze, manch einer wünscht sich ein reinigendes Gewitter herbei. Doch Temperaturstürze belasten den Organismus mitunter noch stärker. Möglicherweise verursachen sie sogar Schlaganfälle, wie Ärzte der Uniklinik Jena herausfanden.

 

Deutschland stöhnt unter der Hitze, manch einer wünscht sich ein reinigendes Gewitter herbei. Doch Temperaturstürze belasten den Organismus mitunter noch stärker. Möglicherweise verursachen sie sogar Schlaganfälle, wie Ärzte der Uniklinik Jena herausfanden.

Kann ein Temperatursturz von 10 Grad innerhalb von 24 Stunden einen Schlaganfall hervorrufen? Zumindest einen statistischen Zusammenhang stellten der Jenaer Arzt Florian Rakers und seine Kollegen vom Uniklinikum fest. Die Ergebnisse ihrer Studie scheinen so bedeutend, dass Rakers sie auf dem Jahreskongress der amerikanischen Neurologen vorstellen durfte, wie die ÄrzteZeitung berichtet.

Die Ärzte erkannten in der Jenaer Notaufnahme große Schwankungen bei der täglichen Zahl der Schlaganfallpatienten, die sie sich nicht erklären konnten. Deshalb stellten sie eine statistische Berechnung auf: sie stellten die Zahl der Einweisungen zwischen 2003 bis 2010 den täglichen Wetterdaten gegenüber.

Ergebnis: Wenn die Temperatur innerhalb eines Tages um 10 Grad oder mehr fiel, erhöhte sich die Anzahl der Patienten mit Schlaganfallsymptomen um 38 Prozent. Bei Frauen war der Effekt noch ausgeprägter. Auch eine plötzliche Abnahme der Luftfeuchtigkeit zeigte eine statistische Wirkung, mit 9 Prozent jedoch deutlich geringer.

Ist dieser statistische Zusammenhang nun auch ein ursächlicher? Vieles spricht dafür. So wurde in einer früheren Studie bereits ein Zusammenhang zwischen fallenden Temperaturen und der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern nachgewiesen. Die ist bekanntermaßen Auslöser für mindestens jeden fünften Schlaganfall.

Die Jenaer ziehen den Schluss, dass Ärzte und Pflegekräfte in Notaufnahmen diesen Zusammenhang bei plötzlichen Wetterumschwüngen berücksichtigen sollten. Insbesondere bei Frauen, älteren Menschen und Risikopatienten für Gefäßerkrankungen sollten sie noch sensibler auf Schlaganfallsymptome reagieren.

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Passivrauchen ist gefährlich

Neue Studie zu Schlaganfall-Risiko

Raucher erleiden häufiger Schlaganfälle, das ist bekannt. Eine neue US-Studie belegt jetzt auch, wie gefährlich das Passivrauchen ist.
Im Rahmen der „Reasons for Geographic and Racial Differences in Stroke" Studie (REGARDS) wurde der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Schlaganfall untersucht.

 

Raucher erleiden häufiger Schlaganfälle, das ist bekannt. Eine neue US-Studie belegt jetzt auch, wie gefährlich das Passivrauchen ist.

Im Rahmen der „Reasons for Geographic and Racial Differences in Stroke" Studie (REGARDS) wurde der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Schlaganfall untersucht. An der Untersuchung nahmen 21.743 Probanden teil, von denen 23% an ihrem Wohnort oder Arbeitsplatz Passivrauchen ausgesetzt waren. Insgesamt gab es unter den verhältnismäßig jungen Teilnehmern über einen Zeitraum von etwa 5 Jahren 428 Schlaganfälle. In der Gruppe der Passivraucher war die Rate um 30% höher.

Studien zu den Folgen des Passivrauchens sind methodisch schwierig, weil sich hier die Effekte von verschiedenen sozialen Risikofaktoren vermischen. Der Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Herzinfarkten gilt dennoch als gut belegt. Nun gibt es auch bessere Daten für den Schlaganfall.

Was macht das Passivrauchen gefährlich? Viele der eingeatmeten Schadstoffe belasten besonders die Blutgefäße. Das führt zu einer direkten Schädigung der Gefäßinnenwände, so dass Ablagerungen entstehen, die Arteriosklerose. Die Folge ist eine schlechtere Durchblutung aller Organe und ein steigender Blutdruck. Dieser Druck schädigt die Gefäße zusätzlich, die Gefahr von Thrombosen steigt.

Viele Fakten rund um das Rauchen und hilfreiche Tipps für ein rauchfreies Leben hat die Deutsche Schlaganfall-Hilfe in ihrem Internetportal zusammengestellt unter  www.schlaganfall-hilfe.de/rauchen.

(Am J Prev Med 2015; doi: 10.1016/j.amepre.2015.04.014)

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Sind Praxisangestellte gut vorbereitet?

Studie zu Notfallwissen

Erkennen Medizinische Fachangestellte einen Schlaganfall am Telefon? Diese Frage haben sich britische Allgemeinmediziner gestellt und einen Test gemacht. Das Ergebnis war passabel. Wie würde es in Deutschland ausfallen?

 

Erkennen Medizinische Fachangestellte einen Schlaganfall am Telefon? Diese Frage haben sich britische Allgemeinmediziner gestellt und einen Test gemacht. Das Ergebnis war passabel. Wie würde es in Deutschland ausfallen?

 

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall – 112! Das ist seit Jahren die Botschaft der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Doch um einen Schlaganfall zu vermuten, muss man die Symptome kennen. Noch immer rufen Patienten aus Unsicherheit oder Sorge vor „falschem Alarm" in ihrer Hausarztpraxis an. Umso wichtiger, dass medizinische Fachangestellte in Praxen die Schlaganfall-Symptome kennen und richtig reagieren.

Britische Allgemeinmediziner haben untersucht, inwieweit Medizinische Fachangestellte bei telefonischer Kontaktaufnahme durch Patienten mögliche Hinweise auf Schlaganfälle erkennen und die entsprechenden Maßnahmen einleiten. In 52 allgemeinmedizinischen Praxen erfolgten insgesamt 520 nicht angekündigte, simulierte Patientenanrufe bei insgesamt 183 Fachangestellten. 69% der simulierten Schlaganfall-Anrufer wurden korrekt an die Notaufnahme verwiesen. Bei Patienten mit typischen Schlaganfall-Symptomen stieg die Wahrscheinlichkeit der korrekten Beratung.

Das Ergebnis ist nicht schlecht. Dennoch plädieren die Ärzte dafür, Praxisangestellte besser fortzubilden, vor allem hinsichtlich der etwas selteneren Schlaganfall-Symptome. Ob solch ein Test in Deutschland besser ausfiele, ist fraglich. Auf Nachfrage teilte der Verband medizinischer Fachberufe mit, dass Schlaganfall-Symptomwissen nicht fester Bestandteil der Ausbildung sei. Lediglich das „Handeln bei Notfällen" kann ein Aspekt in der schriftlichen Abschlussprüfung der Ausbildung sein. Freiwillige Weiterbildungen in Notfallmanagement werden jedoch angeboten.


(Br J Gen Pract 2015; 65(636):e421-7)

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Weniger Schlaganfälle und Diabetes

Steuern auf Softdrinks

Zu viel Zucker macht krank. Sollte man deshalb stark zuckerhaltige Lebens- und Genussmittel teurer machen? Britische Gesundheitswissenschaftler haben jetzt ausgerechnet, was das bewirken könnte.

 

Zu viel Zucker macht krank. Sollte man deshalb stark zuckerhaltige Lebens- und Genussmittel teurer machen? Britische Gesundheitswissenschaftler haben jetzt ausgerechnet, was das bewirken könnte.

 

Zugegeben, das Leben an sich ist gefährlich. Doch mit einer ungesunden Lebensweise kann man das Risiko auf die Spitze treiben. Deshalb mehren sich seit Jahren die Rufe, bestimmte Lebens- und Genussmittel höher zu besteuern. Bei Zigaretten hat das bereits Wirkung gezeigt. Jetzt haben britische Gesundheitswissenschaftler eine Modellrechnung angestellt, welchen medizinischen Effekt eine 20%ige Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks hätte.

Hintergrund: der Softdrink-Konsum in Großbritannien hat sich seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt. Verschiedene Studien legen nahe, dass die stark zuckerhaltigen Getränke als Risikofaktor insbesondere für Übergewicht und die damit verbundenen Erkrankungen angesehen werden müssen. Die Forscher berechneten, dass eine 20% Steuer in Großbritannien pro Jahr etwa 2400 Diabetes-Erkrankungen, 1700 Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie 400 Krebserkrankungen verhindern könnte.

Berechtigt ist die Frage, wie exakt sich so ein Modell berechnen lässt. Grundsätzlich unstrittig ist aber wohl, dass eine solche Maßnahme Wirkung hätte. Und sicher ging es den Wissenschaftlern auch darum, Aufmerksamkeit für ein Problem zu erzeugen. Wir erinnern uns? Richtig: Wasser oder Tees sind gesünder als Zuckerdrinks, und gerade im Sommer löschen sie auch besser den Durst.

(PLoS One 2015; 10(6):e0130770)

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Schlaganfall-Risiko an der Börse

Gefährliche Spekulationen

Geld allein macht nicht glücklich, und leider auch nicht gesund. Wissenschaftler aus Taiwan stießen jetzt auf einen Zusammenhang zwischen Schlaganfällen und riskanten Börsengeschäften.

 

Geld allein macht nicht glücklich, und leider auch nicht gesund. Wissenschaftler aus Taiwan stießen jetzt auf einen Zusammenhang zwischen Schlaganfällen und riskanten Börsengeschäften.

Die taiwanesischen Forscher haben in einem 10-Jahres-Zeitraum untersucht, ob hoch riskante Termingeschäfte an der Börse mit Klinikeinweisungen nach Schlaganfall in Beziehung stehen. Tatsächlich fanden sie einen Zusammenhang: bis zu sechs Tage nach einem steilen Anstieg von Termingeschäften waren die Einweisungen wegen Schlaganfall erhöht. Es gab sogar eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: pro 1% mehr Termingeschäfte stieg die Schlaganfallhospitalisierungsquote ebenfalls um rund 1%. Signifikant sind die Effekte allerdings nur für Männer.

Termingeschäfte an der Börse sind Spekulationen mit teilweise hohem Risiko. Wertpapiere oder Devisen werden dabei zu einem späteren Termin abgenommen oder verkauft, bezahlt wird jedoch der am Abschlusstag festgelegte Kurs. Das kann an die Nerven gehen, und so erklärt sich über psychosozialen Stress möglicherweise die erhöhte Einweisungsquote. Bekannt ist ein ähnlicher Effekt bei Herzinfarkten. Bei Endspielen von Fußballweltmeisterschaften stellte man einen Anstieg der Infarkte fest, sofern die eigene Mannschaft spielte.

(J Urban Health 2015; doi: 10.1007/s11524-015-9964-1)

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Die Klinik als Patient

Krankenhaus Rating Report

„Verbesserungspotential gibt es vor allem beim Case Management, die Krankenhausmedizin in Deutschland ist gut", sagt Dr. Boris Augurzky. Dennoch legten 30 Prozent der deutschen Krankenhäuser in 2013 einen negativen Jahresabschluss vor. Der 11. Krankenhaus Rating Report sieht dringenden Handlungsbedarf.

 

„Verbesserungspotential gibt es vor allem beim Case Management, die Krankenhausmedizin in Deutschland ist gut", sagt Dr. Boris Augurzky. Dennoch legten 30 Prozent der deutschen Krankenhäuser in 2013 einen negativen Jahresabschluss vor. Der 11. Krankenhaus Rating Report sieht dringenden Handlungsbedarf. Vorgestellt wurde er auf dem Hauptstadtkongress von den Autoren, dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), der Institute for Healthcare Business GmbH, der Stiftung Münch und der Philipps GmbH.

Eine „Bad Bank" für Krankenhäuser, dieser Vorschlag der Wirtschaftsforscher dürfte wohl die meisten Schlagzeilen produzieren. Ein solcher Strukturfonds sollte die Schließung defizitärer Kliniken in Regionen erleichtern, in denen die Versorgung durch andere Anbieter sichergestellt ist. Rund 2,7 Milliarden Euro als Erstausstattung seien dafür erforderlich. Eine solche Maßnahme würde die bestehenden Häuser stärken und die Qualität verbessern, so die Autoren.

Die demographische Entwicklung schreitet voran. Immer älter werden die Menschen, und damit auch kränker und pflegebedürftiger. Gleichzeitig schrumpft die Generation, die Medizin, Pflege und Therapie in den Krankenhäusern leisten können. Das Krankenhauswesen wird sich verändern müssen. „Ab Mitte der 2020er Jahre werden die sozialen Sicherungssysteme in Gefahr geraten", prognostiziert Dr. Boris Augurzky vom RWI.

Die Insolvenzwahrscheinlichkeit der deutschen Krankenhäuser ist auch in 2013 leicht gestiegen. Das Forschungskonsortium untersuchte für seinen Report die Jahresabschlüsse von 951 Kliniken. Mit über 70 Prozent schlagen die Personalkosten im Krankenhaus am teuersten zu Buche. Die mit Abstand größte Berufsgruppe ist die Pflege. Doch in 2013 überstiegen die Kosten für den ärztlichen Dienst erstmals die des Pflegedienstes. Diese Entwicklung könne nur gestoppt werden, indem ärztlichen Tätigkeit an die Pflege delegiert würden.

Auffällig beim Vergleich der wirtschaftlichen Situation von Kliniken seien auch die regionalen Unterschiede. Besonders schwierig sei die Lage für Krankenhäuser in Niedersachsen, Bremen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Private Krankenhäuser seien wirtschaftlich oft gesünder als öffentlich-rechtliche. Besonders schlecht sei die Lage öffentlich-rechtlicher Häuser in einkommensstarken Regionen.

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Sichern Medikamente das Überleben?

Schlaganfall und Depression

2011

Eine englische Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Behandelt man depressive Schlaganfall-Patienten mit Medikamenten gegen ihre Depression, mag ihnen das zwar helfen. Dennoch sterben sie früher als nicht-depressive Patienten. Die Zusammenhänge sind noch nicht ganz klar.

Eine englische Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Behandelt man depressive Schlaganfall-Patienten mit Medikamenten gegen ihre Depression, mag ihnen das zwar helfen. Dennoch sterben sie früher als nicht-depressive Patienten. Die Zusammenhänge sind noch nicht ganz klar.

Die Schlaganfall-Sterblichkeit in den westlichen Ländern geht seit Jahren zurück. Dafür gibt es zwei Erklärungen. Einerseits tragen die Aufklärungskampagnen der vergangenen Jahre Früchte. Schlaganfall-Symptome werden besser erkannt und dadurch schneller behandelt. Und allein in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren mehr als 260 Stroke Units (Schlaganfall-Spezialstationen) zertifiziert. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Schlaganfall in einer hochspezialisierten Klinik von Experten behandelt zu werden, ist deutlich gestiegen.

Doch was kommt nach der Akutphase, wenn die Patienten mit den langfristigen Folgen des Schlaganfalls leben müssen? Rund ein Drittel aller Patienten, so wird geschätzt, entwickelt eine so genannte Post Stroke Depression, eine depressive Erkrankung. Und vieles deutet darauf hin, dass diese Patienten ein höheres Mortalitätsrisiko haben als andere, dass sie also früher versterben. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig geklärt.

2011  

Die Hoffnung vieler Neurologen ist es, diesen Patienten durch die medikamentöse Behandlung mit so genannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) höhere Überlebenschancen zu sichern. Einige Neurologen haben sogar schon einen generellen, vorübergehenden Einsatz von antidepressiven Medikamenten nach einem Schlaganfall in die Diskussion gebracht.

Eine aktuelle Analyse des South London Stroke Registry für die Jahre 1998 bis 2013 hat jetzt das Vorliegen einer Depression drei Monate nach dem Schlaganfall mit der Fünf-Jahres-Mortalität in Beziehung gesetzt. Ergebnis: Patienten mit Depression hatten eine 41% höhere Mortalität, wobei der Zusammenhang bei den unter 65jährigen am stärksten ausgeprägt war.

Weitere internationale Studien zum Zusammenhang zwischen Depression und Sterblichkeit und dem Einsatz von Antidepressiva laufen derzeit. Von ihnen versprechen sich Neurologen mehr Klarheit.
(Neurology 2014; doi: 10.1212/WNL.0000000000001029)

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Mit Nüssen gegen Schlaganfall

 

Diese Studie würde besser in die Weihnachtszeit passen. Chinesische Wissenschaftler haben jetzt in einer großen Untersuchung bestätigt, dass Nüsse vor Schlaganfall schützen.

Diese Studie würde besser in die Weihnachtszeit passen. Chinesische Wissenschaftler haben jetzt in einer großen Untersuchung bestätigt, dass Nüsse vor Schlaganfall schützen.

Die Epidemiologen haben sich in einer Metaanalyse mit dem viel diskutierten Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Aufnahme von Nüssen und dem Schlaganfall-Risiko beschäftigt. Metaanalyse bedeutet, sie haben die Erkenntnisse aus abgeschlossenen Studien (in diesem Fall 9) praktisch zusammengerechnet. So flossen die Daten von insgesamt 476.181 Teilnehmern in die Analyse ein.

In Summe fanden die Statistiker ein um 10 Prozent geringeres Schlaganfall-Risiko, wenn man jene Teilnehmer mit dem höchsten und jene mit dem niedrigsten Nusskonsum vergleicht. Bei Frauen war der Zusammenhang deutlicher als bei Männern. Außerdem war ein Trend erkennbar, dass Patienten mit hohem Nusskonsum weniger tödliche Schlaganfälle erlitten.

 

Dass Nüsse sich grundsätzlich positiv auf das so genannte kardiovaskuläre Risiko auswirken, wurde schon in den frühen 90er Jahren gezeigt. Die chinesische Analyse aktualisiert die Daten und bezieht sie spezifisch auf den Schlaganfall. Praktische Schlussfolgerungen lassen sich daraus aber nur bedingt ziehen. Es wäre zum Beispiel denkbar, dass Menschen, die viele Nüsse essen, sich auch sonst besser ernähren als andere. Und bei aller Begeisterung für Nüsse darf man nicht deren relativ hohen Kalorienanteil unterschätzen. Eines jedoch dürften Nussliebhaber aus dieser Untersuchung mitnehmen: Sie machen zumindest wohl nichts falsch, wenn sie öfters mal die Hülsenfrucht naschen.

(European Journal of Epidemiology 2015, doi: 10.1007/s10654-015-9999-3)

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Erfolgreiche Schlaganfall-Therapie

Durchbruch für die Thrombektomie

Nun ist es wissenschaftlich belegt: Thrombektomie wirkt. Mehr als 10.000 Patienten dürften in Deutschland künftig von der mechanischen Schlaganfall-Therapie profitieren. Es ist kein Allheilmittel, doch bestimmten Patienten wird sie sehr viel helfen können.

Nun ist es wissenschaftlich belegt: Thrombektomie wirkt. Mehr als 10.000 Patienten dürften in Deutschland künftig von der mechanischen Schlaganfall-Therapie profitieren. Sie werden nicht nur überleben, sondern auch deutlich weniger oder keine Behinderungen davontragen. Thrombektomie ist kein Allheilmittel, doch bestimmten Patienten wird sie sehr viel helfen können.

 
Erfahrene Neuroradiologen wie Dr. Uwe Dietrich führen bereits seit einiger Zeit endovaskuläre Eingriffe mit den neuen Stent Retrievern durch.

Auf der International Stroke Conference in Nashville (Tennessee, USA) wurden drei neue Vergleichsstudien vorgestellt. Sie alle belegen die Wirkung der relativ jungen Methode. Dabei wird ein Thrombus, ein Gefäßverschluss im Gehirn, mechanisch mittels eines Katheters entfernt, der in der Leiste eingeführt wird. Die Thrombektomie wird ergänzend zur Thrombolyse durchgeführt. Die medikamentöse Auflösung von Gefäßverschlüssen ist seit vielen Jahren die Standardtherapie eines so genannten ischämischen Schlaganfalls. Rund 80 Prozent aller Schlaganfälle entstehen durch solche Gefäßverschlüsse. Dem gegenüber stehen Hirnblutungen, die andere Maßnahmen erfordern.

SPIEGEL ONLINE berichtete von „Euphorie" auf der Tagung. Forscher wurden zitiert mit den Worten „Jetzt herrscht Aufbruchstimmung!" Um solch ungewohnte Emotionalität unter Wissenschaftlern zu verstehen, muss man einige Jahre zurückblicken. Die neue Methode kam aus den USA nach Deutschland, große Schlaganfall-Zentren mit neuroradiologischen Abteilungen übernahmen sie bald. Erste Erfolge stellten sich schnell ein. Doch abseits des gefühlten Nutzens fehlten Studien, die belegen konnten, welchen Patientengruppen die Therapie unter welchen Voraussetzungen hilft.

Einige eilig angestellten Studien folgten, und es passierte, was passieren musste: die Ergebnisse waren ernüchternd, teilweise schnitt die Thrombektomie schlechter ab als die althergebrachte Thrombolyse allein. Für die Praktiker lag die Erklärung auf der Hand. Das Studiendesign erlaubte keine Rückschlüsse darauf, welchen Einfluss die Größe der Gefäßverschlüsse und die eingesetzte Technik auf den Therapieerfolg hatten.

Mittlerweile hatte sich mit dem so genannten Stent Retriever eine neue Technik durchgesetzt, die so viel besser war als die herkömmlichen, dass Vergleichsstudien erst gar nicht zu Ende geführt werden mussten. Bei diesem Katheter wird zunächst ein Draht in den Gefäßverschluss vorgeschoben, der sich im Gerinnsel zu einer Art Käfig ausweitet und die Materie am Ende umschließt, so dass sie herausgezogen werden kann. In den früheren Studien zur Wirksamkeit der Thrombektomie spielte die eingesetzte Technik keine Rolle.

 
Prof. Dr. Joachim Röther sieht einen großen Nutzen in der Thrombektomie.

Die neue Studienreihe ist eindeutig in ihrem Design. Mit der neuen Technik wird die Chance der Patienten auf ein günstiges Behandlungsergebnis um 20 bis 30 Prozent gesteigert. „Die Behandlung konnte nicht alle Behinderungen vermeiden, doch drei von fünf Patienten gewannen dank der Behandlung ihre funktionelle Unabhängigkeit zurück", erläutert der Hamburger Neurologe Prof. Dr. Joachim Röther, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. „Sie waren 90 Tage nach dem Schlaganfall im Alltagsleben nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen."

Die Thrombektomie wird ergänzend zur Thrombolyse (medikamentöse Therapie) eingesetzt. Voraussetzungen dafür sind, dass der Schlaganfall nicht länger als 4,5 Stunden zurückliegt, der Thrombus eine gewisse Größe hat und gut erreichbar ist mit dem Katheter, und dass noch nicht zu viel Gewebe geschädigt ist. Grundsätzlich gilt: je früher die Therapie einsetzt, desto größer die Chancen. Neurologen schätzen, dass die Thrombektomie für etwa fünf Prozent der Schlaganfall-Patienten in Frage kommt. Das wären in Deutschland mehr als 10.000 Patienten im Jahr.

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Häufig ohne Nutzen

US-Studie zu Carotis-Stents

Durchblutungsstörungen der Halsschlagadern stellen ein hohes Schlaganfall-Risiko dar. Viele Gefäßchirurgen setzen ihren Patienten Stents ein, um dieses Risiko zu senken. Eine neue Studie aus den USA stellt den Nutzen dieses Eingriffs erneut in Frage.

Durchblutungsstörungen der Halsschlagadern stellen ein hohes Schlaganfall-Risiko dar. Viele Gefäßchirurgen setzen ihren Patienten Stents ein, um dieses Risiko zu senken. Eine neue Studie aus den USA stellt den Nutzen dieses Eingriffs erneut in Frage.

Basis der Studie waren Daten der gesetzlichen Krankenversicherung in den USA (Medicare). Forscher um Jessica Jalbert von der Duke University in North Carolina haben die Krankheitsverläufe von Patienten verfolgt, denen wegen einer Carotis interna Stenose ein Stent implantiert wurde.

 
Ruft bei Aktionstagen zur Gefäßgesundheit meist lange Patientenschlangen hervor: Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern

Die Karotisstenose ist eine Verengung der Halsschlagader. Häufigste Ursache ist die Arteriosklerose, deshalb sind besonders Raucher, Bluthochdruck- und Diabetes-Patienten gefährdet. Meist sind ältere Menschen betroffen, Männer häufiger als Frauen. Karotisstenosen werden bei rund 20 % der Schlaganfall-Patienten festgestellt. Verursacht eine solche Stenose Symptome einer Durchblutungsstörung, wird sie in der Regel chirurgisch behandelt. Ein in den letzten Jahren häufig angewandtes Verfahren ist das Einsetzen eines Stents, der das Gefäß offen hält.

Die amerikanischen Forscher fanden insgesamt 22.500 Patienten, die sich im Alter ab 65 Jahren zwischen 2005 und 2009 einer entsprechenden Prozedur unterzogen. Nach zwei Jahren waren 32% der Patienten tot. Die Detailauswertung zeigt, dass Schlaganfälle dafür nicht in erster Linie verantwortlich waren. Die wahrscheinlichste Interpretation der Ergebnisse lautet, dass es sich um ältere, multimorbide Patienten handelte. Der Stent hat ihnen möglicherweise nicht geschadet, in jedem Fall aber auch nicht genutzt. Er wurde sinnlos implantiert.

„Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass zu viele Carotis-Stents implantiert wurden, dann wurde er hiermit geliefert", urteilt Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz (Berlin), regelmäßiger Fachautor der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Interpretationen dieser Studie sollten seiner Meinung nach ausreichen, „sich bei Carotis-Stents insbesondere im Alter extrem zurückzuhalten." Studien, die einen präventiven Nutzen der Carotis-Stents nachweisen, gebe es quasi nicht. „Es gibt wenig günstige, aber immer mehr ungünstige Daten", urteilt Grätzel von Grätz abschließend.

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Schwacher Strom stimuliert

Neues Therapieverfahren bei Neglect

Der Neglect (Seh- und Empfindungsstörungen auf einer Körperseite) ist eine häufige Folge des Schlaganfalls. Auf diesem Gebiet wird schon seit Jahren an neuen Behandlungsmethoden geforscht. Nun hat die Universität des Saarlands ein Verfahren entwickelt, das Hoffnung machen kann.

Der Neglect (Seh- und Empfindungsstörungen auf einer Körperseite) ist eine häufige Folge des Schlaganfalls. In der Klinischen Neuropsychologie der Universität des Saarlandes wird schon seit Jahren an neuen Behandlungsmethoden geforscht. Nun haben die Saarländer ein Verfahren entwickelt, das Hoffnung machen kann.

 
Das Bild zeigt eine Uhr, die von einem Patienten gemalt wurde, der an einem visuell-räumlichen Neglect leidet.

Schlaganfall-Betroffene mit einem visuell-räumlichen Neglect vernachlässigen alles, was sich in ihrer linken Sicht- und Körperseite abspielt. Sie stoßen mit der linken Seite gegen Türrahmen, pflegen nur die rechte Gesichtshälfte oder schauen beim Überqueren der Straße nicht nach links. Klinische Neuropsychologen um Professor Georg Kerkhoff von der Saar-Uni haben nun ein Therapieverfahren erprobt, das diesen Patienten hilft, die Körperseite wieder besser wahrzunehmen. Die Methode stimuliert das Gleichgewichtssystem mit leichten elektrischen Strömen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Neuropsychologia" veröffentlicht.

 
Professor Georg Kerkhoff, Leiter der Neuropsychologischen Universitätsambulanz an der Universität des Saarlandes. Foto: Oliver Dietze

„Vor allem Patienten, deren rechte Gehirnhälfte geschädigt ist, leiden oft darunter, dass sie ihre linke Körperhälfte vernachlässigen", erklärt Georg Kerkhoff, Professor für Klinische Neuropsychologie und Leiter der Neuropsychologischen Universitätsambulanz an der Universität des Saarlandes. „Trotz neuer und wirksamerer Behandlungsverfahren sind die Heilungschancen immer noch ungünstig."

Um diese Neglect-Patienten besser zu behandeln, haben die Saarbrücker Forscher um Kerkhoff nun ein neuartiges Therapieverfahren in einer Studie untersucht. Bei ihrer Methode regen die Psychologen das Gleichgewichtssystem mit schwachen elektrischen Impulsen an. Für diese sogenannte Galvanisch-Vestibuläre Stimulation (GVS) nutzen die Forscher kleine Elektroden, die hinter den Ohren der Patienten angebracht werden. Die Patienten spüren die Reize nicht.

An der Studie haben 24 Schlaganfall-Patienten teilgenommen – etwa die Hälfte von ihnen leidet an einem Neglect der linken Sicht- und Körperseite. Die Probanden mussten vier Aufgaben bewältigen, die vor allem ihre visuell-räumlichen Fähigkeiten überprüft haben. Während der Stimulation zeigten die Teilnehmer im Vergleich zur Scheinstimulation eine um 30 bis 50 Prozent verbesserte Leistung in den verschiedenen Aufgaben.

„Wie sehr viele Studien im Reha-Umfeld ist diese Studie zu klein, um ernsthafte Rückschlüsse daraus zu ziehen. Es ist aber ein Anknüpfungspunkt", urteilt Philip Grätzel von Grätz, Arzt und Wissenschaftsjournalist aus Berlin und regelmäßiger Fachautor der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Ob das Verfahren tatsächlich anderen überlegen sei, könne erst in einer größeren Studie bewiesen werden.

Nähere Informationen zur Studie:

Dr. Stefan Reinhart (Klinische Neuropsychologie, Neuropsychologische Hochschulambulanz), E-Mail: s.reinhart@mx.uni-saarland.de

Univ.-Prof. Dr. Georg Kerkhoff (Klinische Neuropsychologie, Neuropsychologische Hochschulambulanz), E-Mail: kerkhoff@mx.uni-saarland.de

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Lyse wirkt auch bei älteren Patienten

Neue Studie zur Akuttherapie

Die Thrombolyse ist die Standardtherapie bei einem ischämischen Schlaganfall, also einem Gefäßverschluss im Gehirn. Innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall zeigt sie eine gute Wirkung. Das hat eine große Metaanalyse von neun Studien ergeben. Ein weiteres Ergebnis: die Lyse wirkt auch bei hochbetagten Patienten, bei denen die Therapie bisher eher zurückhaltend eingesetzt wird.

 

Die Thrombolyse ist die Standardtherapie bei einem ischämischen Schlaganfall, also einem Gefäßverschluss im Gehirn. Innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall zeigt sie eine gute Wirkung. Das hat eine große Metaanalyse von neun Studien ergeben. Ein weiteres Ergebnis: die Lyse wirkt auch bei hochbetagten Patienten, bei denen die Therapie bisher eher zurückhaltend eingesetzt wird.

Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) berichten jetzt in einer gemeinsamen Pressemitteilung über die große Studie, deren Erbenisse im Fachmagazin „The Lancet" erschienen sind. In Deutschland erleiden jedes Jahr knapp 270 000 Menschen einen Schlaganfall. Da dieser für den Betroffenen in der Regel schmerzlos ist, kommen immer noch viele Patienten zu spät auf eine Schlaganfall-Spezialstation, die sogenannte Stroke Unit. Denn: Die Behandlung muss schnellstmöglich beginnen, um bleibende neurologische Ausfälle oder gar den Tod zu verhindern.

Je früher die sogenannte Lysetherapie einsetzt, desto besser sind die Behandlungsergebnisse für die Patienten. Dies geht aus einer Meta-Analyse aller größeren Therapiestudien hervor, die jetzt in der Fachzeitschrift  The Lancet erschienen ist. Die Untersuchung bestätigte, dass die Lysebehandlung im Zeitfenster von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall und auch bei älteren Menschen effektiv ist, erklären die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Vier von fünf Schlaganfällen werden durch ein Blutgerinnsel in einer Hirnarterie ausgelöst, das bei einem Teil der Patienten durch eine Infusion mit dem Enzym Alteplase, der sogenannten Lysebehandlung, aufgelöst werden kann. „Die Wirksamkeit der Lysetherapie wurde vor beinahe 20 Jahren erstmals in einer klinischen Studie belegt, und mittlerweile ist die Lyse auf allen zertifizierten Stroke Units in Deutschland fest etabliert", erklärt Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Uniklinikum Essen. Durchgeführt werde die Lyse jedoch nur bei etwa 10 Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland. „Dies liegt vor allem daran, dass nur etwa 30 bis 40 Prozent der Schlaganfallpatienten rechtzeitig die Klinik erreichen", fügt der Pressesprecher der DGN hinzu. In einigen europäischen Ländern, nicht jedoch in Deutschland, werde zudem bei leichten oder aber besonders schweren Schlaganfällen sowie bei Menschen über 80 Jahre von der Behandlung abgeraten.

Die „Stroke Thrombolysis Trialists' Collaborative Group", ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Dipl. Psych. Werner Hacke, Senior-Professor für Neurologie an der Universitätsklinik Heidelberg, hat deshalb die Ergebnisse aus neun Studien zusammengefasst. „Für die Meta-Analyse haben wir die Daten aller 6756 Studienteilnehmer einzeln ausgewertet, um ein möglichst unverfälschtes Bild von der Effektivität und den möglichen Risiken zu erhalten", erklärt Professor Hacke.

Die Meta-Analyse bestätigte die Erfahrungen aus den Einzelstudien: Die Lysetherapie ist umso erfolgreicher, je früher sie begonnen wird. Die Chancen eines Patienten, den Schlaganfall ohne schwere Behinderungen zu überleben, waren in den ersten drei Stunden um 75 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe, die keine Lysetherapie erhielt. Wurde die Lyse drei bis 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall begonnen, betrug der Vorteil noch 26 Prozent. „Unsere Ergebnisse bestätigen den Effekt der Lyse im Zeitfenster von 4,5 Stunden", erklärt Professor Hacke. Zu einem späteren Zeitpunkt, so der Experte, bleibe ihr Einsatz immer eine Einzelfallentscheidung.

Derzeit sind viele Ärzte bei älteren Patienten noch zurückhaltend mit der Lysetherapie. „Die Angst vor Komplikationen ist weit verbreitet", sagt Prof. Dr. med. Joachim Röther, Pressesprecher der DSG und Chefarzt der Neurologischen Klinik an der Asklepios Klinik Altona. Da 1729 Teilnehmer der Studien älter als 80 Jahre waren, liefert die aktuelle Meta-Analyse hier erstmals zuverlässige Ergebnisse. „Die Erfolgsrate der Lysetherapie war bei Hochbetagten keineswegs schlechter, die Ergebnisse waren tendenziell sogar besser", berichtet Professor Röther. Auch hinsichtlich des Blutungsrisikos sieht der Experte bei älteren Patienten keine Probleme.

Da das Enzym Alteplase Blutgerinnsel auflöst, sind Blutungen die am meisten gefürchtete Komplikation. Sie sind auch der Grund, warum vor der Lysetherapie immer eine Computer- oder eine Kernspintomografie durchgeführt wird, um Hirnblutungen als Ursache des Schlaganfalls auszuschließen. Die Untersuchung verzögere zwar den Therapiebeginn, doch eine gut organisierte Stroke Unit mit entsprechend qualifiziertem Personal könne dies ausgleichen. „Wichtig ist die Aufklärung der Bevölkerung", findet Professor Diener. „Die Angehörigen müssen wissen, dass ein Schlaganfall immer ein Notfall ist, auch wenn Betroffene keine Schmerzen haben."

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Neue Studie zur Thrombektomie macht Hoffnung

Schlägt das Pendel langsam um?

Vor gut zwei Jahren war die Begeisterung groß. Thrombektomie sollte vielen Schlaganfall-Patienten helfen, eine neue Generation von Kathetern versprach große Erfolge. Doch es folgten Rückschläge mit ernüchternden Studienergebnissen. Jetzt steht eine neue Studie vor der Veröffentlichung, die Patienten wieder Hoffnung macht.

Vor gut zwei Jahren war die Begeisterung groß. Thrombektomie sollte vielen Schlaganfall-Patienten helfen, eine neue Generation von Kathetern versprach große Erfolge. Doch es folgten Rückschläge mit ernüchternden Studienergebnissen. Fachleute vermuteten die Gründe in einem schlechten Studiendesign. Jetzt steht eine neue Studie vor der Veröffentlichung, die Patienten wieder Hoffnung macht.

 
Der Neuroradiologe Dr. Uwe Dietrich bei einer Thrombektomie.

Worum geht es genau? Die Standardtherapie bei einem ischämischen Schlaganfall, also dem Verschluss eines Gefäßes im Gehirn, ist die so genannte Lyse. Diese medikamentöse Auflösung des Gerinnsels kann in der Regel bis zu 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall angewandt werden. Aus den USA kam vor einiger Zeit eine neue Therapieoption, die Thrombektomie. Bei dieser endovaskulären Methode wird ein Katheter in die Leiste eingeführt. Ein Neuroradiologe schiebt einen hauchdünnen Draht durch die Gefäße bis in das Gehirn und zieht den Thrombus heraus.

Erste Studien wiesen hervorragende Ergebnisse aus, dann folgten Rückschläge. Es gab allerdings relevante Einwände. Besser ausgewählte Patienten mit großen, gut erreichbaren Thromben könnten vom Katheter profitieren. Und die eingesetzten Systeme waren nicht die modernen „Retriever", die mittlerweile genutzt werden, sondern ältere Systeme. In nicht-kontrollierten Studien lieferten die modernen Retriever-Systeme bereits deutlich bessere Ergebnisse als die alten.

Auf der World Stroke Conference in Istanbul Ende Oktober wurden jetzt die Ergebnisse der so genannten MR CLEAN-Studie vorgestellt. 500 Patienten mit großem Gefäßverschluss nahmen an der Studie teil. Die Hälfte der Patienten erhielt nur eine Lyse, die andere Hälfte wurde zusätzlich mit einem Stent-Retriever behandelt. Ergebnis: Die Katheterbehandlung konnte bei acht von zehn Patienten die Durchgängigkeit der Arterie wieder herstellen. 90 Tage nach dem Schlaganfall waren 33% der Patienten quasi beschwerdefrei gegenüber 19% in der „nur Lyse"-Gruppe, ein Erfolg also für die Thrombektomie.

Ein neues Allheilmittel gegen den Schlaganfall wird die Thrombektomie dadurch nicht. Doch Verfechter der Methode fühlen sich bestätigt, dass deren Erfolg offenbar entscheidend von der eingesetzten Technik und der Auswahl der Patienten abhängt. Neuere Systeme liefern bessere Ergebnisse, und die Therapie scheint nur für große Verschlüsse geeignet. Bleibt zu hoffen, dass weitere Studien folgen, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

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Zwischen hohem Einsatz und tiefer Depression

Wissenschaftler rücken Angehörige in den Fokus

Angehörige, die sich um die Pflege von Schlaganfall-Patienten kümmern, leben länger als andere. Trotzdem wünscht sich manch einer psychologische Unterstützung. Konkrete Maßnahmen werden zunehmend in Studien untersucht. Mit gemischtem Erfolg.

 

Angehörige, die sich um die Pflege von Schlaganfall-Patienten kümmern, leben länger als andere. Trotzdem wünscht sich manch einer psychologische Unterstützung. Konkrete Maßnahmen werden zunehmend in Studien untersucht. Mit gemischtem Erfolg.    

Die Pflege eines Schlaganfall-Patienten durch nahestehende Angehörige gilt in vielen Konstellationen als ideales Szenario für den Patienten. Wer zu Hause gepflegt wird, lebt länger und hat eine höhere Lebensqualität. Im Rahmen der großen, bevölkerungsbasierten REGARDS-Studie wurde jetzt die umgekehrte Fragestellung untersucht: Welchen Einfluss hat die Pflege von Schlaganfall-Patienten auf die Lebenszeit des pflegenden Angehörigen?

Studie

Das Ergebnis ist spannend: Innerhalb von sechs Jahren starben in dieser US-amerikanischen Studie 7,5% von insgesamt 3503 pflegenden Angehörige von Schlaganfall-Patienten. In einer Kontrollgruppe waren es signifikant mehr, nämlich 9%. Bei diversen für das Überleben relevanten Faktoren wie Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten gab es zwischen den Gruppen keine Unterschiede (Am J Epidemiol 2013; 178:1571-8).

Nun lassen derartige „Fall-Kontroll-Studien" aus statistischen Gründen nicht den Schluss zu, dass die Pflege von Schlaganfall-Patienten das Leben verlängert. Das Ergebnis deutet aber darauf hin, dass das Leben durch die oft anstrengende Pflege jedenfalls nicht verkürzt wird. Was nicht heißt, dass die Pflege von Angehörigen mit Schlaganfall nicht belastend sein kann. Vor allem in den ersten Monaten kommt es gehäuft zu Episoden von Depression, das wurde vielfach gezeigt.

Lässt sich das verhindern? Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat 18 Studien ausgewertet, in denen psychosoziale Interventionen evaluiert wurden, die sich an Angehörige richteten (Patient Educ Couns 2014; 95:30-44). Darunter waren unter anderem Selbsthilfegruppen und so genannte Psychoedukationsprogramme, bei denen die Angehörigen Problemlösefähigkeiten und Techniken zur Stressreduktion erlernten.

Insgesamt scheinen derartige Schulungen einen gewissen Effekt zu haben. Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass die Qualität der Studien bisher nicht besonders hoch sei. Ausgerechnet die bisher anspruchsvollste und qualitativ hochwertigste Studie zu diesem Thema endete kürzlich negativ: Die TRACS-Studie evaluierte ein in London entwickeltes systematisches Trainingsprogramm für Angehörige, das stattfand, während die Patienten noch in der Stroke Unit lagen.

Das Ergebnis dieser Vergleichsstudie, bei der die Angehörigen per Los dem Trainingsprogramm oder aber der Standardversorgung ohne spezifisches Angehörigentraining zugelost wurden, war enttäuschend: Die per Fragebogen erhobene Belastung der Angehörigen nach sechs Monaten unterschied sich nicht in den beiden Gruppen (Lancet 2013; 382:2069-76). Jetzt wird diskutiert, ob das Schulungsprogramm möglicherweise zu früh kam. Vielleicht sind die Wochen unmittelbar nach dem Schlaganfall nicht der allerbeste Zeitpunkt.

Fazit

Psychosoziale Trainingsprogramme für Angehörige von Schlaganfall-Patienten zielen darauf ab, die psychische Belastung von pflegenden Angehörigen zu reduzieren. Doch wissenschaftliche Belege für erfolgreiche Schulungsprogramme sind bisher dünn gesät.

Kleines Trostpflaster: Wer einen Angehörigen mit Schlaganfall pflegt, lebt länger als vergleichbare Menschen ohne „Pflegeauftrag". Ist doch auch was...

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Studie zu Hirnblutungen

Neue Erkenntnisse zur Schlaganfall-Vorbeugung

Wer sich gesund ernährt, viel bewegt und seine Risikofaktoren kontrolliert, hat ein deutlich geringeres Schlaganfall-Risiko. Das ist weitgehend bekannt. Neu ist, dass dieser positive Effekt wohl größer ist als bisher angenommen, wie Düsseldorfer Wissenschaftler feststellten.

 

Grundsätzlich werden Schlaganfälle in zwei Arten unterteilt. Mit rund 80 Prozent bilden die ischämischen Schlaganfälle die große Mehrheit. Hierbei kommt es zu einem Gefäßverschluss im Gehirn. Prävention hat auf die Entstehung dieser Schlaganfälle einen besonders positiven Effekt, denn eine gesunde Lebensweise und die Kontrolle von Bluthochdruck, Diabetes  und erhöhtem Cholesterin dienen vor allem der Vermeidung der Arteriosklerose. Diese „Gefäßverkalkung" ist häufig Ausgangspunkt für einen Schlaganfall.

Hirnblutungen, so genannte hämorrhagische Schlaganfälle, bilden den kleineren Teil der Schlaganfälle. Hier sind die nicht beinflussbaren Faktoren größer. Als Teil eines internationalen Forschungskonsortiums haben Düsseldorfer Wissenschaftler jetzt das Gewebe von Aneurysmen untersucht. Solche Aussackungen von Gefäßen kommen häufiger vor und sind potenziell sehr gefährlich. Gerissene Aneurysmen sind oft Ursachen von Hirnblutungen.

Gesunde Lebensweise zahlt sich aus

Ist eine solche Hirnblutung nun schicksalhaft oder können Patienten Einfluss auf die Entwicklung von Aneurysmen nehmen? Zur Klärung dieser Frage untersuchten die Forscher Aneurysmen-Gewebe. Dieses besteht in der Regel zu einem höheren Anteil aus Kollagenfasern und ist dadurch ist strukturell instabiler als normale Gefäßwände. Wichtigstes Ergebnis der Analyse war, dass insbesondere Raucher und Bluthochdruckpatienten deutlich mehr junges Kollagen in den Gefäßwänden aufwiesen.

Aus anderen Studien war bereits bekannt, dass Aneurysmen bei Patienten mit Risikofaktoren häufiger reißen. Die neue Untersuchung deutet darauf hin, dass klassische Risikofaktoren Aneurysmen in relativ kurzer Zeit verändern. Fest steht, dass sich eine gesunde Lebensweise und die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck ganz offensichtlich noch mehr lohnen als bisher angenommen und auch gegen Hirnblutungen eine vorbeugende Wirkung haben.

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„Schaffen Sie sich einen Hund an!"

Das Haustier gegen Schlaganfall

Bewegung verlängert das Leben. Das ist nicht neu, trotzdem scheitern viele Menschen an zu ehrgeizigen, guten Vorsätzen. Eine große Studie aus Taiwan macht ihnen vielleicht neuen Mut. Sie besagt, dass schon sehr wenig sehr viel helfen kann. Vorausgesetzt, man bewegt sich regelmäßig und langfristig. Dafür hat der Kölner Sportmediziner Prof. Dr. Hans-Georg Predel eine ganz einfache Empfehlung: „Schaffen Sie sich einen Hund an!"

 

Bewegung verlängert das Leben. Das ist nicht neu, trotzdem scheitern viele Menschen an zu ehrgeizigen, guten Vorsätzen. Eine große Studie aus Taiwan macht ihnen vielleicht neuen Mut. Sie besagt, dass schon sehr wenig sehr viel helfen kann. Vorausgesetzt, man bewegt sich regelmäßig und langfristig. Dafür hat der Kölner Sportmediziner Prof. Dr. Hans-Georg Predel eine ganz einfache Empfehlung: „Schaffen Sie sich einen Hund an!"

Predel referierte in Berlin unter dem Titel „Rote Karte dem Schlaganfall". Die Kampagne wurde von Bayer Healthcare ins Leben gerufen wurde, unterstützt von der Deutschen Sporthochschule Köln und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. „Wir werden immer älter, aber nicht gesünder. Genau das ist die Herausforderung," so Predel. Bereits 5 cm weniger Bauchumfang senkten das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt um 10 Prozent, so der Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln

Ein Weg dorthin könne die regelmäßige Bewegung sein, und dazu gehöre bereits das Spazierengehen. Die Studie aus Taiwan belegt, dass statistisch betrachtet bereits 15 Minuten pro Tag reichen, um drei Jahre länger zu leben. Vorausgesetzt, man bewegt sich regelmäßig. Und noch etwas machen die Daten der 420.000 Taiwanesen deutlich: Bewegung schützt nicht nur Herz und Hirn, sie wirkt sich auch sehr positiv auf das Krebsrisiko aus.

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Bildung - Geld - Gesundheit

Was das Schlaganfall-Risiko beeinflusst

Eine gute Bildung und ein hohes Einkommen sind keine Garanten für ein glückliches Leben. Doch sie sorgen tendenziell für mehr Gesundheit und damit ein geringeres Schlaganfall-Risiko. Das bestätigt eine aktuelle amerikanische Studie.

 

Die so genannte Atherosklerose, im Volksmund Arterienverkalkung genannt, gilt als ein Hauptverursacher des Schlaganfalls. Hierbei kommt es zu Ablagerungen in den Gefäßwänden der Schlagadern. Diese wiederum werden entstehen häufig in Folge eines langjährigen ungesunden Lebenswandels mit Rauchen und fettreicher Ernährung, Bluthochdruck und Diabetes.

Amerikanische Mediziner haben jetzt den Zusammenhang zwischen niedrigem sozioökonomischem Status und Atherosklerose untersucht. Im Rahmen der „Study of Women's Health Across the Nation" wurde bei 1.402 Frauen zwölf Jahre lang jährlich der sozioökonomische Status erfasst. Anschließend erhoben die Mediziner mittels einer so genannten Doppler-Untersuchung ihren Gefäßstatus. Ergebnis: Frauen mit niedrigem Schulabschluss und anhaltend geringem Einkommen wiesen auffällig häufiger eine Atherosklerose auf.

„Zu beachten ist, dass diese Daten auf Störfaktoren bereinigt wurden;" kommentiert der Berliner Arzt und Wissenschaftsjournalist Philipp Grätzel von Grätz. „Man kann sich also nicht einfach auf mehr Zigaretten, weniger Sport und mehr Übergewicht zurückziehen. Der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit hat mehr Dimensionen als nur das individuelle Verhalten."

Verschiedene Studien konnten bereits nachweisen, dass ein geringer Bildungsgrad und ein niedriges Einkommen nicht nur häufiger einen ungesunden Lebenswandel begünstigen, sondern auch den Zugang zu medizinisch-therapeutischen Maßnahmen erschweren. Ganz aktuell untersuchte eine schottische Studie, wie häufig Patienten mit der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern Medikamente zur so genannten Antikoagulation („Blutverdünnung") erhalten. Die Untersuchung zeigte: Ältere Patienten und Patienten aus sozialen Randgruppen erhielten deutlich seltener die empfohlene Therapie zur Vorbeugung eines Schlaganfalls.
 

Quellen:
Stroke 2014; doi: 10.1161/STROKEAHA.113.00416;
Heart 2014; elektr. vorveröff. am 23. Januar 2014

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Neue Studie aus England

Bewegen lohnt sich

Die Meteorologen erklären den Winter für beendet. Das bedeutet: „Adé ihr guten Ausreden!" und „Willkommen, gute Vorsätze!". Es ist Zeit für viel Bewegung an frischer Luft. Die Belohnung dafür ist die Aussicht auf ein langes Leben, wie eine aktuelle Studie aus Großbritannien belegt.

 

Lange Zeit haben Schlaganfallexperten bei der Frage, ob sich Schlaganfälle durch körperliche Bewegung verhindern lassen, nur mit den Schultern gezuckt. „Unklar", hieß es noch 1996 in einem Expertenbericht des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums. Je mehr, desto besser: Das ist jetzt das Fazit einer neuen Studie, die untersucht hat, wie sich körperliche Bewegung bei gesunden älteren Männern auf das Risiko von Schlaganfällen auswirkt. Viele andere Untersuchungen zeigen Ähnliches.

Und so kommt die neue Auswertung der British Regional Heart Study auch nicht überraschend. 3435 Männer zwischen 60 und 80 Jahren, bei denen keine kardiovaskuläre Erkrankung bekannt war, wurden gefragt, wieviel sie täglich zu Fuß unterwegs waren. Gezählt wurde alles, was über den normalen Alltag hinausging, von Spazierengehen bis Ausdauersport. Die Männer wurden im Mittel elf Jahre lang nachverfolgt. In dieser Zeit traten bei 195 Männern Schlaganfälle auf.

In der Detailanalyse zeigte sich dann eine relativ lineare Korrelation: Je mehr Bewegung, umso niedriger das Schlaganfallrisiko. Wer mehr als 22 Stunden pro Woche zu Fuß unterwegs war, hatte ein 64% niedrigeres Schlaganfallrisiko als jene, die  nur maximal drei Stunden pro Woche aktiv waren (Stroke 2014; 45:194-199).

Fazit: Körperliche Bewegung schützt vor Schlaganfällen. Das gilt auch im Alter und (mit hoher Wahrscheinlichkeit) auch für Frauen. Unabhängig davon senkt körperliche Bewegung den Blutdruck und das Risiko von Vorhofflimmern. Sie beeinflusst außerdem den Fettstoffwechsel günstig und kann Krebserkrankungen verhindern. Viele Gründe also, sofort loszulaufen.

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Gürtelrose als Risikofaktor für Schlaganfall

Britische Studie gibt Empfehlungen

Die Gürtelrose ist eine häufige Viruserkrankung. Britische Forscher haben nun nachgewiesen, dass sie das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte deutlich erhöhen kann. Sie empfehlen mehr Impfungen und Untersuchungen von Risikopatienten.

Herpes zoster, umgangssprachlich Gürtelrose genannt, macht sich in der Regel durch Hautausschläge mit Blasen bemerkbar. In Deutschland erkranken jährlich etwa 350.000 bis 400.000 Menschen an Herpes zoster. Oft sind es ältere Menschen, infizierte Kinder erkranken oft an Windpocken.

Britische Infektionsmediziner vom University College London haben jetzt in einer epidemiologischen Studie den Zusammenhang zwischen einer Herpes Zoster-Infektion und dem Auftreten von Schlaganfällen untersucht. In der Studie wurden 106.601 Patienten mit Herpes Zoster mit 213202 nach Alter und Geschlecht Kontrollprobanden verglichen. Ergebnis: Bei den Patienten, die vor dem 40. Lebensjahr an einer Gürtelrose litten, war das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte deutlich erhöht. Und auch für ältere Patienten war zumindest ein höheres Herzinfarktrisiko nachweisbar.

Die britischen Mediziner empfehlen, Patienten mit erhöhtem Risiko für Gefäßerkrankungen vorsorglich gegen Herpes zoster zu impfen. Umgekehrt sollten jüngere Zoster-Patienten auf ihre Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen untersucht werden.

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Schlaganfall-Therapie mit dem Katheter

Neue Studie zeigt doch Erfolgspotenzial

Wem die Thrombektomie nützt, wird weiterhin erforscht. Hier führt der Neuroradiologe Dr. Uwe Dietrich im Schlaganfall-Zentrum des Ev. Krankenhauses Bielefeld den Eingriff durch.

Die Thrombektomie wird weiterhin intensiv erforscht und leidenschaftlich diskutiert. Nach Negativschlagzeilen in den vergangenen Monaten macht jetzt eine Studie aus Pennsylvania neuen Mut. Vor allem jüngere Schlaganfall-Patienten könnten demnach von der Therapie profitieren.

 
Wem die Thrombektomie nützt, wird weiterhin erforscht. Hier führt der Neuroradiologe Dr. Uwe Dietrich im Schlaganfall-Zentrum des Ev. Krankenhauses Bielefeld den Eingriff durch.

Standardtherapie des ischämischen Schlaganfalls, also eines Gefäßverschlusses im Gehirn, ist bisher die Thrombolyse, die medikamentöse Auflösung des Verschlusses. Bei der Thrombektomie wird dagegen ein Katheter durch die Leiste des Patienten bis zum Gefäßverschluss im Gehirn geführt und dieser dann mechanisch entfernt.

Nach zuletzt wenig überzeugenden Studienergebnissen zum Einsatz solcher interventioneller Systeme wird derzeit versucht, die Gruppe jener Patienten genauer einzugrenzen, die von den Katheterverfahren am meisten profitieren. Junge Patienten mit Verschlüssen großer Hirnarterien gelten als eine der besten Zielgruppen.

Neurochirurgen aus Pennsylvania berichten jetzt über eigene Erfahrungen mit 45 jüngeren Patienten unter Einsatz moderner Systeme. Die Patienten waren im Mittel 45 Jahre alt. Bei 93% der Patienten konnte das Blutgefäß erfolgreich rekanalisiert werden. Ein gutes Behandlungsergebnis nach 90 Tagen hatten 77,5% der Patienten, ein vergleichsweise gutes Ergebnis.

Die Thrombektomie ist nicht völlig neu. Intensiv diskutiert wird sie seit etwa zwei Jahren nach Einführung neuer Techniken und sehr positiven Studienergebnissen aus den USA. In der Folgezeit jedoch gab es mehrfach Rückschläge durch weitere Studien. Sie konnten nicht belegen, dass die Thrombektomie gegenüber einer Thrombolyse bessere Therapieergebnisse hervorbringt.

Das spricht nicht generell gegen das interventionelle Verfahren. Alter der Patienten, Größe des Verschlusses und Art der eingesetzten Technik scheinen entscheidende Kriterien für den Erfolg zu sein. In den bisherigen Studien erfolgte diesbezüglich jedoch keine eindeutige Eingrenzung. Neurologen warten hier weiterhin auf überzeugende Studien. Große Schlaganfall-Zentren in Deutschland wenden das Verfahren dennoch bereits seit längerer Zeit bei großen Verschlüssen an.

(NeuroSurg Focus 2014; 36(1):E6)

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Studie belegt:

Mehr Schlaganfälle im Winter

„Im Herbst und Winter beobachten wir mehr Schlaganfälle als im Sommer," sagt der Neurologe Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Regionalbeauftragter der Schlaganfall-Hilfe. Chinesische Ärzte haben dies jetzt in einer Studie belegt.

 

„Im Herbst und Winter beobachten wir mehr Schlaganfälle als im Sommer," sagt der Bielefelder Neurologe Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Chinesische Ärzte haben dies jetzt in einer Studie belegt.

Ärzte aus Peking haben anhand einer elektronischen Patientenakte das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wie Schlaganfall oder Herzinfarkt in Abhängigkeit von der Jahreszeit untersucht. Dabei wurde die Häufigkeit in den Monaten November bis Februar mit dem Monat Mai verglichen.
Ergebnis: Sämtliche kardiovaskulären Ereignisse waren im Winter häufiger. Beim Schlaganfall war das Risiko 1,3-fach erhöht.
Die Ursachen dafür lieferten die chinesischen Ärzte nicht.

Eine plausible Erklärung wäre ein Zusammenhang mit den höheren Infektionsraten und den allgemein im Winter höheren Raten an entzündlichen Erkrankungen. Gerade älteren Menschen wird die Grippeschutzimpfung im Herbst empfohlen. Verschiedene internationale Studien haben die vorbeugende Wirkung der Grippeimpfung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgezeigt. In einer kanadischen Untersuchung im vergangenen Herbst hatten geimpfte Patienten ein um 50 Prozent geringeres Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Sie bestätigte damit eine ältere Studie aus Frankreich.

Quelle: BMC Cardiovasc Disord 2013; 13(1):93

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Vibrationstraining wirkt

 

Ganzkörper-Vibrationstraining ist eine neuartige Trainingsmethode, die unter anderem zur Prävention von Osteoporose propagiert wird. In Belgien setzte man sie jetzt zur Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten ein.

Ganzkörper-Vibrationstraining ist eine neuartige Trainingsmethode, die unter anderem zur Prävention von Osteoporose propagiert wird. In Belgien setzte man sie jetzt zur Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten ein.

Belgische Rehabilitationsmediziner der Universität Leuven haben in einer Pilotstudie mit 15 Erwachsenen untersucht, ob ein Ganzkörper-Vibrationstraining einen positiven Effekt auf Muskelkraft und Gleichgewicht bei Patienten mit chronischem Schlaganfall hat. Die Patienten führten über einen Zeitraum von 6 Wochen in 3 Einheiten pro Woche eine Reihe von dynamischen und statischen Übungen auf einer Vibrationsplattform durch. In einer Kontrollgruppe wurde das jeweils normale Alltagsprogramm weitergeführt.

Ergebnis: Alle Patienten machten die 18 Trainingseinheiten problemlos mit. Sie hatten nach dem Programm deutliche Vorteile gegenüber der Kontrollgruppe. Ihr jeweils gelähmtes Bein hatte deutlich an Muskelkraft gewonnen und auch das Gleichgewicht verbesserte sich. Die Spastizität der Muskulatur wurde nicht beeinflusst. (Arch Phys Med Rehabil 2013; Sep 22; doi: 10.1016/j.apmr.2013.09.009)

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Breites Therapiespektrum

Mit Medizintechnik gegen die Gerinnselschleuder

Bei Patienten mit Vorhofflimmern könnte ein neues Verfahren, der katheterbasierte Verschluss des linken Vorhof-Ohrs, die Blutverdünnung künftig ergänzen.

Bei Patienten mit Vorhofflimmern ist die medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung der unverzichtbare Standard zur Verhinderung von Schlaganfällen. Ein neues Verfahren, der katheterbasierte Verschluss des linken Vorhof-Ohrs, könnte die Blutverdünnung künftig ergänzen. Doch noch ist diese Art der Behandlung experimentell.

Vorhofflimmern ist eine tückische Sache: Viele Patienten merken gar nicht, dass die Eingangskammer ihres linken Herzens nicht so arbeitet, wie sie sollte. Mehr als 350 Mal pro Minute wird der Vorhof bei Patienten mit Vorhofflimmern elektrisch „angesteuert" – zu schnell für die Vorhofmuskulatur. Sie zieht sich nicht mehr rhythmisch zusammen, sondern ist quasi „paralysiert".

Das ist deswegen ein Problem, weil es im linken Vorhof Bereiche gibt, in denen sich das Blut in einer solchen Situation kaum noch bewegt. Vor allem im so genannten linken Vorhofohr ist das der Fall. Dort können sich Gerinnsel bilden, von denen sich Bruchstücke ablösen, die dann irgendwo im Körper Arterien verschließen. Passiert das im Gehirn, kommt es zu einem Schlaganfall. Das Risiko dafür liegt zwischen einem und 15 Prozent pro Jahr, abhängig von den Begleiterkrankungen und dem Alter des Patienten.

Durch Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, lassen sich Gerinnsel und damit Schlaganfälle bei Vorhofflimmern verhindern. Bisher wurden dafür meist Substanzen genutzt, die Vitamin K blockieren. Diese Behandlung erfordert regelmäßig Kontrollen der Blutgerinnung. Komfortabler sind die neuen oralen Antikoagulanzien, die ohne Gerinnungskontrollen auskommen. Zugelassen dafür sind in Deutschland die Substanzen Dabigatran und Rivaroxaban sowie seit April 2013 Apixaban.

Für einiges Aufsehen hat in den letzten Monaten eine neue Methode gesorgt, die ebenfalls darauf zielt, Schlaganfälle bei Vorhofflimmern zu vermeiden. Das Prinzip ist ein völlig anderes: Mit einem Herzkatheter wird das linke Vorhofohr mit einer Art Filter verschlossen. Dies verhindert, dass von dort gefährliche Blutgerinnsel in Richtung Gehirn auf die Reise geschickt werden.

Dass das im Prinzip funktioniert, wurde in zwei Studien gezeigt. Sowohl in der PROTECT-AF-Studie (Circulation 2013; 127:720-729) als auch in der bisher noch nicht schriftlich publizierten PREVAIL-Studie verhinderte der Verschluss des Vorhofsohrs ähnlich viele Schlaganfälle und andere Embolien wie die Therapie mit Vitamin K-Blockern. Allerdings kommt es bei einigen Patienten auch zu schweren Komplikationen, darunter Blutungen in den Herzbeutel.

Nicht verwechselt werden darf der Verschluss des Vorhofohrs übrigens mit einer anderen Katheterbehandlung beim Vorhofflimmern, der Ablation. Dabei werden elektrische Leitungsbahnen in der Muskulatur des Herzvorhofs durchtrennt, um den Herzrhythmus zu normalisieren. Es gibt Hinweise, dass auch damit Schlaganfälle verhindert werden können (Heart Rhythm 2013; doi: 10.1016/j.hrthm.2013.07.002). Allerdings wird unter anderem aufgrund der Rückfallgefahr empfohlen, auch nach einer Ablation bei entsprechender Risikokonstellation blutverdünnende Medikamente einzunehmen.

Fazit

Ein neues Katheterverfahren für Patienten mit Vorhofflimmern zielt darauf ab, die Bildung von Blutgerinnseln im Herzen und damit Schlaganfälle zu verhindern. Langzeitergebnisse müssen aber noch abgewartet werden. Die blutverdünnende Behandlung mit Medikamenten bleibt bei Risikopatienten mit Vorhofflimmern zur Schlaganfallprophylaxe eindeutig die Behandlung der Wahl.

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Mehrere TIA kündigen Schlaganfall an

 

Manche Durchblutungsstörung im Gehirn löst sich nach kurzer Zeit von selbst auf. Doch wer mehrere solcher „TIA" in kurzer Zeit erleidet, gehört dringend zur Untersuchung und Behandlung auf eine Stroke Unit!

 

Manche Durchblutungsstörung im Gehirn löst sich nach kurzer Zeit von selbst auf. Doch wer mehrere solcher „TIA" in kurzer Zeit erleidet, gehört dringend zur Untersuchung und Behandlung auf eine Stroke Unit. Das unterstreicht jetzt eine Studie aus Spanien.

 

Transitorische ischämische Attacke (TIA) ist der Fachbegriff für eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn. Die Symptome gleichen häufig einem Schlaganfall. Es sind zum Beispiel kurzzeitige Lähmungen oder Empfindungsstörungen, Sprach- und Sehstörungen oder Schwindel. Das Problem: Da viele dieser Symptome bereits nach wenigen Minuten wieder verschwinden, kommen Patienten häufig nicht die Klinik, selbst dann nicht, wenn die Schwindelattacke mehrfach auftritt.

An 30 spanischen Schlaganfall-Zentren wurden jetzt 1.255 Patienten beobachtet, bei denen eine oder mehrere TIA diagnostiziert wurden. Deutlich wurde dabei, dass Patienten mit mehreren TIAs ein deutlich erhöhtes Schlaganfall-Risiko haben. Es lag bei 5,9% innerhalb einer Woche und 6,8% innerhalb von 90 Tagen, gegenüber 1,5% und 3,0% bei Patienten mit nur einer TIA. Das heißt: Jeder 17. Patient mit mehreren TIAs kurz hintereinander erleidet einen Schlaganfall innerhalb von einer Woche, jeder 15. innerhalb von drei Monaten.

Was eine TIA und einen Schlaganfall unterscheidet, erklärt Prof. Dr. Matthias Endres bei uns im Interview. Er ist Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Ärztlicher Direktor an der Charité Berlin.

 

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Mit Akupunktur rehabilitieren?

 

Traditionelle chinesische Medizin ist im Trend. Doch in der Schlaganfall-Rehabilitation scheint ihre Wirkung begrenzt.

 

Traditionelle chinesische Medizin ist im Trend. Doch in der Schlaganfall-Rehabilitation scheint ihre Wirkung begrenzt.

Vier chinesische Krankenhäuser führten jetzt eine Studie mit Schlaganfall-Patienten durch. Die Hälfte der 188 akut Betroffenen erhielt eine konventionelle Rehabilitation, die andere Hälfte zusätzlich Akupunktur-Anwendungen an Körper und Kopfhaut. Nach ein, drei und sechs Monaten wurde der Rehabilitationserfolg nach anerkannten Standards bewertet (u.a. Barthel-Index). Ergebnis: Es war kein Unterschied zwischen den Gruppen erkennbar.

Quelle: Physical Therapy 2013; doi: 10.2522/ptj.20110138

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Stress tötet

 

„Eines Tages bringt sie der Stress um," sagt man über Manager und Menschen mit notorischer Unruhe.
Mehr noch: Stress ist gerade auch für Senioren lebensgefährlich.

„Eines Tages bringt sie der Stress um," sagt man über Manager und Menschen mit notorischer Unruhe. Eine aktuelle Studie aus Chicago beweist diese These. Mehr noch: Stress ist gerade auch für Senioren lebensgefährlich.

Im Rahmen der Studie des „Chicago Health and Ageing Project" wurde der Zusammenhang zwischen psychosozialem Stress und Schlaganfall bei über 65jährigen Menschen untersucht. Zwar wurde in dieser Untersuchung nicht eindeutig nachgewiesen, dass gestresste, ältere Menschen häufiger einen Schlaganfall erleiden. Deutlich allerdings war der Zusammenhang zwischen dem Sterberisiko und Stress. Auf den Punkt gebracht: Wer im Alter einen Schlaganfall erleidet, verstirbt eher daran, wenn er ein gestresster Mensch ist. Es steckt also viel Wahrheit in der Aussage "Stress tötet". Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

(Stroke 2013; 44:367-372)

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Wirkt Thrombektomie doch?

 

Ein Blutgefäß im Gehirn

Den Schlaganfall mit einem Katheter beseitigen? Die Thrombektomie wurde erst bejubelt, dann angezweifelt. Jetzt schürt eine neue Studie Hoffnung, dass hier doch eine zukunftsweisende Therapie gefunden wurde.

 
Ein Blutgefäß im Gehirn

Bei der Thrombektomie werden große Blutgerinnsel im Gehirn mittels eines Katheters entfernt. Diese relativ neue Methode wird bisher an großen Schlaganfallzentren mit einer neuroradiologischen Abteilung durchgeführt. Vor wenigen Wochen berichtete schlaganfall-hilfe.de über drei Studien zu dieser Therapie mit insgesamt gut 1.100 Patienten. Das Ergebnis war für die Anhänger der neuen Verfahren ernüchternd, es waren keine nennenswerten Vorteile nachweisbar.

Nun gibt es eine neue Studie zur so genannten „mechanischen Rekanalisation" von Neuradiologen der Universität des Saarlands – mit deutlich besserem Ergebnis. 40 Schlaganfall-Patienten mit einem großen Gefäßverschluss wurden einbezogen. 60 Prozent von ihnen zeigten einen guten Behandlungserfolg, deutlich mehr als üblicherweise nach einer Thrombolyse bei vergleichbaren Schlaganfällen. Die Thrombolyse, also die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels, ist die Standardtherapie. Doch insbesondere bei großen Verschlüssen ist ihre Wirkung begrenzt.

Die Studie legt die Vermutung nahe, dass der Erfolg der Thrombektomie ganz wesentlich von der Größe des Gerinnsels und der eingesetzten Technik abhängt. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Studien wurden im Saarland nur Patienten mit großen Verschlüssen mit einer neuen Generation der Katheter-Technik (Solitaire FR-Device) behandelt. Man darf gespannt sein auf weitere Studienergebnisse.

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Neue Studien zur Thrombektomie

Rückschlag für interventionelle Therapie

Thrombektomie galt in jüngerer Zeit als das kommende Therapieverfahren für große Gefäßverschlüsse im Gehirn. Neue Auswertungen lassen nun wieder Zweifel daran aufkommen.

 

Bei der Thrombektomie werden große Blutgerinnsel im Gehirn mittels eines Katheters entfernt. In drei Studien mit insgesamt gut 1.100 Patienten mit überwiegend ausgedehnten Schlaganfällen wurden die Behandlungserfolge der Thrombektomie verglichen mit der bisherigen Standardtherapie Lyse (medikamentöse Auflösung des Gerinnsels) und mit Patienten, die keine der beiden Behandlungen erhielten. Berücksichtigt wurde dabei auch die Zeit, die zwischen dem Ereignis und der Behandlung lag.

Das Ergebnis war für die Anhänger der neuen Verfahren ernüchternd: In den drei Studien gab es jeweils keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Therapien. Nicht nur war der Katheter nicht besser als die Lyse, auch brachte er zusätzlich zur Lyse keinen Zusatznutzen. Das löste eine rege wissenschaftliche Diskussion aus.

Es gibt allerdings relevante Einwände. Zum einen wird die relativ breite Indikationsstellung kritisiert: Besser ausgewählte Patienten mit großen, gut erreichbaren Thromben könnten vom Katheter profitieren. Die eingesetzten Systeme waren zudem nicht die modernen Retriever-Systeme, die mittlerweile genutzt werden, sondern ältere Systeme. In nicht-kontrollierten Studien liefern die modernen Retrieversysteme deutlich bessere Ergebnisse als die alten.

Künftige Studien werden die modernen Systeme nutzen und wahrscheinlich zunehmend Lyse und Retrieversystem kombinieren. Fazit: Ein Rückschlag, aber sicher nicht das Ende der interventionellen Therapie beim ischämischen Schlaganfall.

(New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa1214300, DOI: 10.1056/NEJMoa1213701, DOI: 10.1056/NEJMoa1212793)

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Neun Jahre länger leben

Studie zum Rauchen

Rauchen verursacht Schlaganfälle.  Wer es schafft, vor dem 45. Lebensjahr mit dem Rauchen aufzuhören, lebt im Durchschnitt rund neun Jahre länger als Altersgenossen, die danach weiter rauchen.

 

Rauchen verursacht Schlaganfälle. Wer es schafft, vor dem 45. Lebensjahr mit dem Rauchen aufzuhören, lebt im Durchschnitt rund neun Jahre länger als Altersgenossen, die danach weiter rauchen.

Das haben Wissenschaftler aus den USA und Kanada errechnet. Sie beziehen sich auf eine Studie, bei der über 200.000 Menschen in den Jahren 1997 und 2004 befragt wurden. Dabei zeigt sich ein eindeutiger Trend: Je früher die „Fluppe" beiseitegelegt wird, umso besser. Trotzdem lohnt sich der Abschied vom blauen Dunst auch im fortgeschrittenen Erwachsenenalter noch: Wer bis zum 55. Lebensjahr aufhört zu rauchen, der lebt im Durchschnitt immerhin noch sechs Jahre länger als der Dauerraucher.

Der wichtigste Grund für die unterschiedliche Lebenserwartung sind Lungenerkrankungen. Aber: Auch Schlaganfälle liegen weit vorn. Besonders gefährdet sind Raucherinnen: Ihr Schlaganfall-Risiko ist mehr als dreimal so hoch wie das von Nichtraucherinnen. Sieben von zehn Schlaganfällen bei Raucherinnen lassen sich auf Zigaretten zurückführen. Bei Männern sind es „nur" vier von zehn.

(New England Journal of Medicine 2013;368:341)

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Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung

 

Philipp Grätzel von Grätz

Philipp Grätzel von Grätz ist Mediziner und Wissenschaftsjournalist. Der Berliner ist Korrespondent der Ärzte Zeitung und als freier Autor für viele Fachmagazine tätig. Seit 2013 beobachtet er für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe die internationale Forschung. Dabei geht er vor allem zwei Kernfragen auf den Grund: Welchen Aussagewert hat eine Studie in der Praxis? Und wie können Patienten davon profitieren?

 
Philipp Grätzel von Grätz

Philipp Grätzel von Grätz ist Mediziner und Wissenschaftsjournalist. Er ist als Berliner Korrespondent der Ärzte Zeitung und als freier Autor tätig. Und ab sofort beobachtet er die Welt der Wissenschaft für die Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Dabei beantwortet er vor allem die Kernfrage aus Sicht der Betroffenen: Welchen Aussagewert hat eine Studie und wie können Patienten davon profitieren?