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Melodische Rehabilitation

 

Menschen lieben Musik. Da liegt es auf der Hand, sich diese Leidenschaft zunutze zu machen, zum Beispiel in der neurologischen Rehabilitation. Wie das funktioniert, kann man unter anderem in der Brandenburgklinik Bernau erleben.

 

Menschen lieben Musik. Da liegt es auf der Hand, sich diese Leidenschaft zunutze zu machen, zum Beispiel in der neurologischen Rehabilitation. Wie das funktioniert, kann man unter anderem in der Brandenburgklinik Bernau erleben.

„Wenn die Patienten erstmalig den Therapieraum betreten, bekommen sie manchmal einen Schrecken", berichtet Musiktherapeutin Regina Pilz. „Ich kann doch gar kein Klavier spielen, sagen sie dann. Ich antworte: Das müssen Sie auch gar nicht können." Ein handelsübliches Keyboard steht auf dem Tisch. Die Tasten sind unterschiedlich markiert, Handtücher ermöglichen das Ablegen des Unterarms vor der Tastatur.

Dann geht es auch schon los. Es sind zunächst einfache Übungen, Tonfolgen, die Patienten nach Vorgabe der Musiktherapeutin nachspielen sollen. Manch einer ist zunächst gar nicht in der Lage, mit seinen Fingern gezielt Tasten zu drücken. Doch das ändert sich in der Regel. Das Therapie-Prinzip dahinter ist simpel, es baut auf Motivation. Falsche Töne hören sich eben nicht schön an. Das ist den meisten Patienten Ansporn genug, sich anzustrengen.

„Es geht darum, die motorische Rehabilitation von Handfunktionsstörungen wirksamer zu machen", erklärt Prof. Dr. Michael Jöbges, Chefarzt der neurologischen Rehabilitation der Brandenburgklinik Bernau. Ein Großteil der Patienten, die in die musikunterstützte Therapie kommen, hat einen Schlaganfall erlitten und leidet nun unter einer armbetonten Halbseitenlähmung. „Wir fügen der Sensomotorik mit der Akustik eine weitere Komponente hinzu. Die Koppelung erfolgt auf dem Keyboard und macht die Therapie wirkungsvoller als herkömmliche Ergotherapie", sagt Jöbges.

Musikunterstützte Therapie soll klassische ergotherapeutische Übungen nicht ersetzen, sondern ergänzen. Die Brandenburgklinik beteiligt sich an zahlreichen rehabilitationswissenschaftlichen Studien. Auch den Nutzen der musikunterstützten Therapie konnte die Klinik in einer Studie mit der Uni Magdeburg nachweisen. Patienten, die zusätzlich musikunterstützte Therapie wahrnahmen, erzielten ein besseres Rehabilitationsergebnis. Seither hat die Klinik das Therapieangebot in den Klinikalltag übernommen.

Für Jöbges und Pilz sind die Übungen am Keyboard mehr als nur Fingertraining. „Sie legen die Grundlage dafür, dass Patienten Aktivitäten des täglichen Lebens durchführen können", so Jöbges. Durch die wiedergewonnene Fähigkeit, zu greifen und zu tasten, trainierten sie schließlich auch Oberarm und Schulter. Die Übungen am Keyboard bauen aufeinander auf und werden stetig komplexer. „Manch einer ist so angetan, dass er damit zuhause weitermacht", berichtet Regina Pilz. Diese Patienten erhalten bei der Entlassung eine Übungsanleitung. Und vereinzelt haben Patienten nach dem Klinikaufenthalt sogar begonnen, das Instrument zu lernen.

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Was macht eine Neuropsychologin?

Experteninterview

Übergeordnetes Ziel der neuropsychologischen Therapie ist es, Patienten zu befähigen, ihren Alltag wieder zu bewältigen. Sylvia Heck gibt einen Einblick in die Arbeit einer Neuropsychologin. Seit 30 Jahren therapiert sie in der BDH-Klinik Braunfels. Der Großteil ihrer Patienten sind Schlaganfall-Betroffene.

 

Übergeordnetes Ziel der neuropsychologischen Therapie ist es, Patienten zu befähigen, ihren Alltag wieder zu bewältigen. Sylvia Heck gibt einen Einblick in die Arbeit einer Neuropsychologin. Seit 30 Jahren therapiert sie in der BDH-Klinik Braunfels. Der Großteil ihrer Patienten sind Schlaganfall-Betroffene.

 

  • Frau Heck, wie sieht Ihre Arbeit als Neuropsychologin aus?

Ich behandele Menschen, die unter einer erworbenen Hirnschädigung leiden, wenn dadurch Veränderungen im psychischen oder kognitiven Bereich auftauchen. Das sind Veränderungen des Verhaltens und Erlebens, der Aufmerksamkeit, des Konzentrationsvermögens, des Gedächtnisses, der Dauerbelastbarkeit oder auch der exekutiven Funktionen. Die Patienten erhalten von mir eine ausführliche Neuropsychologische Diagnostik sowie im Anschluss eine intensive Einzel-, bzw. Gruppentherapie.

  • Was ist die Neuropsychologische Diagnostik?

Im Rahmen einer Neuropsychologischen Diagnostik werden mithilfe von standardisierten Testverfahren zum Beispiel das Leistungsvermögen der Patienten im Bereich von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis untersucht. Ein solches Testverfahren wurde zuvor an einer großen Menschenmenge erprobt. So sind Richtlinien entstanden, welche Testergebnisse im Normalbereich liegen, darunter oder darüber.

  • Wann sollten Schlaganfall-Patienteneinen Neuropsychologen aufsuchen?

Wenn jemand große Probleme hat, sich etwas zu merken. Nicht jede Gedächtnisstörung ist gleich pathologisch, aber ich empfehle Schlaganfall-Patienten einen Neuropsychologen aufzusuchen, wenn sie sich sehr schlecht konzentrieren können und mehr als nur Namen vergessen. Betroffene sollten sich außerdem an einen Neuropsychologen wenden, wenn sie sehr schnell ermüden, längere Zeit als vorher für gewohnte Tätigkeiten benötigen oder ihre Erkrankung als psychisch sehr belastend empfinden.

  • Wie kann ich eine neuropsychologische Therapie beantragen?

Im Akutfall weist meist der zuständige Hausarzt oder Neurologe den Patienten für eine stationäre Behandlung in die Klinik ein. Die Klinik-Ärzte organisieren dann alles Weitere. Der Weg zu einer ambulanten Therapie ist ein anderer. Eine ambulante Therapie ist das Richtige, wenn zum Beispiel ein Schlaganfall-Patient die Rehaklinik verlässt und im Alltag feststellt, dass er noch Probleme hat. In diesem Fall ist der Schlaganfall schon diagnostiziert. Das ist wichtig, denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Diagnose von einem Facharzt für Neurologie erstellt werden muss. Der Besuch eines Facharztes für Neurologie ist ratsam, weil dieser zu einem niedergelassenen Neuropsychologen überweist. Der Patient kann auf der Internetseite der Gesellschaft für Neuropsychologie (www.gnp.de) oder der kassenärztlichen Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes nach einem ortsnahen Neuropsychologen suchen.

  • Wie läuft eine ambulante Therapie ab?

Man hat 3-5 sogenannte probatorische Sitzungen, in denen der Neuropsychologe eine ausführliche Anamnese erhebt und die neuropsychologische Diagnostik vornimmt. Die Ziele des Patienten werden erfasst: Warum kommt er und was will er ändern? Anschließend wird auf diese Ziele hingearbeitet mit

1. restitutiven Methoden (übenden Verfahren),

2. kompensatorischen Methoden (ausgleichenden Verfahren, z. B. durch den Einsatz von Hilfsmitteln oder das Erarbeiten von Entscheidungsprozessen) und

3. integrativen Methoden (stützende Tätigkeit durch die Umwelt).

Anders als in der Psychotherapie strebt die Neuropsychologie die Einbeziehung von Angehörigen an – natürlich nur, wenn der Patient dies wünscht und erlaubt.

  • Wer übernimmt die Kosten?

Das ist vom Gesetzgeber klar geregelt. Wenn laut Indikation des Neurologen neuropsychologische Defizite vorliegen, ist die Krankenkasse in der Übernahmepflicht. Es werden bis zu 60 Stunden übernommen. Liegt der Beginn der Erkrankung jedoch länger als fünf Jahre zurück, gibt es keine Übernahme der Kosten.

  • Wie unterscheidet sich die Neuropsychologie von der Psychotherapie?

Die Neuropsychologie enthält viele Elemente der Psychotherapie. Selbstverständlich greifen wir auf verhaltenstherapeutische bzw. tiefenpsychologische Aspekte innerhalb der Therapie zurück. Ein kassenzugelassener Neuropsychologe muss zwangsläufig auch Psychotherapeut sein.

  • Haben Sie einen Rat, den Sie Schlaganfall-Patienten für den Alltag mitgeben können?

Es klingt banal, aber ein vernünftiges Pausenmanagement ist essentiell, besonders für Schlaganfall-Betroffene: Gönnen Sie sich Ruhepausen, um danach wieder leistungsfähig zu sein!

 

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Ihre Fragen - unsere Antworten

 

Welche Therapie ist gut für mich? Was ist eine Verordnung außerhalb des Regelfalls? Woran erkenne ich einen guten Therpeuten? – Christina Habig, Rehabilitationsexpertin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Therapie.

Welche Therapie ist gut für mich? Was ist eine Verordnung außerhalb des Regelfalls? Woran erkenne ich einen guten Therpeuten? – Christina Habig, Rehabilitationsexpertin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Therapie.

 

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Auch späte Therapie bringt neue Chancen

Neurologische Rehabilitation

Eine Intensiv-Reha wie hier im Zentrum der Rehabilitation Pforzheim kann Schlaganfall-Patienten auch lange nach dem Ereignis noch Fortschritte in ihrer Rehabilitation bringen.

Untersuchungen zeigen, dass eine neurologische Rehabilitation sogar Jahre nach einem Akutereignis wirkt und zu nachhaltigen Erfolgen führen kann. „Intensiv-Reha-Programme im Rahmen der Heilverfahren der Krankenkassen könnten gerade für ältere Patienten erhebliche Chancen auf Teilhabe bieten", stellt die Landesarbeitsgemeinschaft NeuroRehabilitation Nordrhein-Westfalen in einer aktuellen Pressemitteilung fest.

 
Eine Intensiv-Reha wie hier im Zentrum der Rehabilitation Pforzheim kann Schlaganfall-Patienten auch lange nach dem Ereignis noch Fortschritte in ihrer Rehabilitation bringen.

Untersuchungen zeigen, dass eine neurologische Rehabilitation sogar Jahre nach einem Akutereignis wirkt und zu nachhaltigen Erfolgen führen kann. „Intensiv-Reha-Programme im Rahmen der Heilverfahren der Krankenkassen könnten gerade für ältere Patienten erhebliche Chancen auf Teilhabe bieten", stellt die Landesarbeitsgemeinschaft NeuroRehabilitation Nordrhein-Westfalen in einer aktuellen Pressemitteilung fest.

In einer Studie der Neurologischen Klinik der Universität München unter Leitung von Prof. Dr. med. Andreas Bender konnten Wissenschaftler jetzt nachweisen, dass Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen auch noch Jahre nach einem Akutereignis von einer Rehabilitation profitieren. Im konkreten Fall wurden 53 neurologische Patienten rund vier Jahre nach ihrer Hirnschädigung in eine ver-gleichende klinische Untersuchung eingebunden. Die eine Hälfte erhielt am Therapiezentrum Burgau (Bayern) vier Wochen lang ein intensives ambulantes Therapieprogramm mit werktäglich sechs Stunden teilhabe-orientierter Neuro-Rehabilitation. Die Kontrollgruppe bekam lediglich eine ambulante Regelversorgung. Im Ergebnis attestierten die Wissenschaftler der Therapie-Gruppe schon nach vier Wochen einen deutlich größeren Zuwachs an Alltagsselbstständigkeit. Nach zwölf Monaten konnten sie zudem Langzeiteffekte wie eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität, der Teilhabe und einen geringeren Pflegebedarf feststellen.

Neue Chancen für neurologische Patienten

„Diese Ergebnisse stehen im absoluten Gegensatz zur Versorgungsrealität in Deutschland", so Prof. Dr. Dr. Paul W. Schönle, Vorsitzender des Bundesverbands NeuroRehabilitation e.V., „Offensichtlich gibt es bei neurologischen Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen ein bisher ungenutztes Langzeit-Rehabilitationspotenzial." Die Münchener Wissenschaftler sehen in den Ergebnissen vor allem Chancen auf eine langfristig verbesserte Teilhabe und Selbstständigkeit der Patienten. Darum plädieren sie für eine Änderung der Versorgungsstruktur mit regelmäßigen Intervallen von Intensiv-Reha im Nachgang zur klassischen neurologi-schen Rehabilitation. Diese würden zum Teil die heute kostenintensiven Heil- und Hilfsmittelverordnungen ersetzen und könnten langfristig dazu beitragen, Kosten der Sozialversicherungen zu sparen.

Strukturen sind da - Entscheidungen fehlen

Den daraus abgeleiteten Forderungen, auch gesetzliche Grundlagen für eine solche „Spät-Reha" zu schaffen, kann Prof. Schönle aber nur bedingt folgen. „Wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern müssen lediglich geltendes Recht umsetzen und bestehende Strukturen besser nutzen", so der erfahrene Neurologe. „De facto findet das Heilverfahren in der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr statt. Der rechtliche Anspruch darauf besteht aber weiter und ist mit den jetzt vorliegenden Erkenntnissen eine Chance gerade für ältere neurologische Patienten", so Prof. Schönle weiter. „Es wird dringend Zeit für eine Reanimation". Seiner Ansicht nach werden die Heilverfahren in der Gesetzlichen Krankenversicherung nur deshalb so wenig bewilligt, weil das Geld an anderer Stelle gebraucht wird. „Demografiebedingt steigen seit über zehn Jahren die Fallzahlen bei der Anschluss-Reha, die annähernd zu 100 Prozent genehmigt wird. Bei gleichzeitig kaum gestiegenem Reha-Budget heißt das: Es muss an anderer Stelle gespart werden – nämlich bei den Heilverfahren", so Prof. Schönle. Gemeinsam wollen sich der Bundesverband NeuroRehabilitation BNR e.V. und die Landesarbeitsgemeinschaft NeuroRehabilitation NRW jetzt dafür einsetzen, dem Anspruch auf Heilverfahren vor dem Hintergrund der positiven Forschungsergebnisse wieder mehr Gewicht zu geben.

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Vom Teppich bis zum Roboter

Schwerpunkt Gangrehabilitation

Bewegung ist Leben. Deshalb ist das Gehen für uns Menschen so elementar. Ein Trauma für den, der diese Fähigkeit plötzlich verliert. Doch in den letzten Jahren mehren sich die guten Nachrichten für Schlaganfall-Patienten. Die Gangrehabilitation wird immer wirksamer.

In unserem Themenschwerpunkt werfen wir einen Blick darauf und geben praktische Tipps.

 

Bewegung ist Leben. Deshalb ist das Gehen für uns Menschen so elementar. Ein Trauma für den, der diese Fähigkeit plötzlich verliert. Doch in den letzten Jahren mehren sich die guten Nachrichten für Schlaganfall-Patienten. Die Gangrehabilitation wird immer wirksamer. In unserem Themenschwerpunkt werfen wir einen Blick darauf und geben praktische Tipps.

Christina Habig erinnert sich noch gut an ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin. „In den 90er Jahren hieß es: Lasst die Patienten nicht zu früh allein laufen. Die gewöhnen sich doch einen ganz falschen Gang an!" berichtet die Rehabilitationsexpertin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Auch Hilfsmittel wurden den Patienten viel später angeboten.

Inzwischen haben zwei wesentliche Erkenntnisse diese Lehrmeinung komplett verworfen. Erstens konnten die Neurowissenschaften nachweisen, dass die erfolgreichste Rehabilitation die frühe Mobilisation ist. Und zweitens ist etwas geschehen, das Wissenschaftler gern als Paradigmenwechsel bezeichnen. „Das oberste Ziel der Rehabilitation ist heute die Teilhabe", erklärt Christina Habig. Soll heißen: Wir Menschen sind soziale Wesen. Wer vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen ist, empfindet sein Dasein oft nicht lebenswert. „Ich muss meine Wege im Alltag selber bewältigen können! Ob mein Gang dabei schön aussieht oder nicht, ist zweitrangig", so Christina Habig.

270.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Ein Jahr danach sind rund 60 Prozent der Patienten noch auf Therapie oder Pflege angewiesen. Eine sehr häufige Folge des Schlaganfalls ist die Halbseitenlähmung. Diese Patienten müssen in der Therapie lernen, ihren betroffenen Arm wieder einzusetzen und mit einem ganz oder teilweise gelähmten Bein wieder zu gehen.
Ermöglicht wird dies durch die so genannte Neuroplastizität des menschlichen Gehirns. Zerstörtes Hirngewebe ist zwar nicht reparabel, doch Funktionen, die vom betroffenen Teil des Gehirns gesteuert wurden, können oft von anderen Bereichen übernommen werden. Der Weg dorthin jedoch kann lang und mühsam sein, je nach Lage und Schwere des Schlaganfalls.

Zunächst geht es darum, die Gehfähigkeit wieder herzustellen. Sind erste Schritte möglich, wird an der Ganggeschwindigkeit gearbeitet. Eine Faustformel der Physiotherapeuten sagt: etwa 2,6 Stundenkilometer muss ein Patient erreichen, um sich sicher bewegen zu können, beispielsweise zum Überqueren einer Straße. Als letzte, aber nicht minderwichtige Komponente, muss der Patient Gangsicherheit gewinnen. Viele Patienten vereinsamen, weil sie sich aus Angst vor einem Sturz nicht aus der Wohnung trauen.

Immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es zur Wirksamkeit einzelner Methoden in der Gangrehabilitation. Diese flossen im vergangenen Jahr in eine neue Behandlungsleitlinie ein, die durch die Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation erstellt wurde. Vom simplen Übungsteppich bis zu Robotern reichen die Methoden, Patienten schneller und sicherer auf die Beine zu bringen. Unser kleiner Themenschwerpunkt hat sich beides angeschaut.

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Schritt halten - Nachhaltige Veränderung des Lebens

Therapiemöglichkeiten bei Fussheberschwäche

Schlaganfall-Patienten leiden häufig unter einer ausgeprägten Fußheberschwäche. Da die Fußspitze beim Gehen nach unten hängt, stolpern die Patienten. Deshalb müssen sie ihr Bein im Gehen stets zur Seite schwenken. Aus Angst vor Stürzen ziehen sich viele zurück oder steigen ganz auf den Rollstuhl um.

Verschiedene Therapien helfen, ein besseres Gehen zu ermöglichen und ein sichereres Laufgefühl zu verschaffen, das sich auf ganz viele Bereiche des Lebens auswirkt.

Schlaganfall-Patienten leiden häufig unter einer ausgeprägten Fußheberschwäche. Bei einer Fußheberschwäche bleibt der Nervenimpuls zum Anheben des Fußes aus. Folgen für die Betroffenen sind Fehlbelastungen, Folgeschäden und Schmerzen. Da die Fußspitze beim Gehen nach unten hängt, stolpern die Patienten. Deshalb müssen sie ihr Bein im Gehen stets zur Seite schwenken. Aus Angst vor Stürzen ziehen sich viele zurück oder steigen ganz auf den Rollstuhl um.

Verschiedene Therapien helfen, ein besseres Gehen zu ermöglichen und ein sichereres Laufgefühl zu verschaffen, das sich auf ganz viele Bereiche des Lebens auswirkt.

Bewegungsimpulse durch eine Steuerungseinheit

 

Uwe Helbig, Schlaganfall-Lotse in Dresden, machte Birgit Könitzer auf eine neuartige Therapie der Fußheberparese mittels einer so genannten Nervus peroneaus-Stimulation (ActiGait) aufmerksam. Sie freut sich über den Hinweis. Zugleich ist sie skeptisch: Ihr Schlaganfall liegt bereits 21 Jahre lang zurück. Damals war sie gerade 29 Jahre alt.

Durch die Schädigung von Nervenzellen im Gehirn erhält der Fußhebernerv keine Bewegungsimpulse mehr. Diese Impulse sendet stattdessen eine Steuerungseinheit, am Gürtel getragen wird. Eine Elektrode wird um den Fußhebernerv in der Kniekehle gelegt, die Antenne befindet sich am seitlichen Oberschenkel und ist durch ein Kabel mit der Elektrode an der Kniekehle verbunden. Der Impuls von der Steuereinheit am Gürtel wird per Funk in den Oberschenkel übertragen. Damit die Steuereinheit weiß, in welcher Gangphase sich der Patient gerade befindet und wann genau der Impuls auf den Nerven gegeben werden muss, gibt es einen Fußschalter unter der Ferse. Er sende ebenfalls per Funk die Information an die Steuereinheit.

„Die Funktionsweise des ActiGait eignet sich nicht für jeden Patienten", sagt Dr. Martin, Experte auf diesem Gebiet am Uniklinikum Dresden. „Als Faustregel gilt: Nur in einem von zehn Fällen ist noch eine ausreichende Restfunktionen vorhanden und die Spastik nicht zu ausgeprägt, um ein ActiGait sinnvoll implantieren zu können."

Der Eingriff erfolgte drei Stunden unter Vollnarkose. Nach vier Tagen wurde die Patientin entlassen – zunächst noch mit einer Schiene, die das linke Bein ruhig stellt. Drei Wochen lang, Tag und Nacht. Sechs Wochen nach der eigentlichen Operation schließlich wurde das ActiGait aktiviert. Dabei wird die implantierte Elektrode mit der Steuereinheit  verbunden.
Ein halbes Jahr nach dem Eingriff. „Mein ganzes Laufgefühl hat sich geändert: weiter, sicherer, schneller", sagt sie. Die Fußgelenksorthese braucht sie nicht mehr.

Das Implantat wird in den meisten Bundesländern von den gesetzlichen Kassen übernommen. Die meisten Kassen stehen dieser neuen Therapie aufgeschlossen gegenüber.

 

Mit Reizstrom zum besseren Gangbild

 

Ein konventionelles Hilfsmittel ist die Unterschenkelorthese. Sie verhindert passiv, dass der Fuß fällt. Dagegen fördert die Funktionelle Elektrostimulation das aktive Heben des Fußes. Oberflächenelektroden, befestigt mit einer Wadenmanschette direkt unterhalb des Knies, geben Reizstrom an den zuständigen Nerv (Nervus peronaeus) ab. Der Impuls führt zur Muskelkontraktion und zu einem Anheben des Fußes.

Eine solche Orthese ist der WalkAide.
Die Stromstärke können die Patienten selbst regeln, alle anderen Einstellungen werden durch den Therapeuten vorgenommen. Die meisten Patienten tragen ihr Gerät 8 bis 10 Stunden täglich. Die Bedienung ist auf Patienten mit Hemiparese zugeschnitten. Einhändig lassen sich Elektroden anlegen und Batterien auswechseln. Ein Nachteil: Da es sich um ein teures Hilfsmittel handelt, müssen Patienten bei ihren Kassen oft um die Bewilligung kämpfen. Das wiederum hat auch einen positiven Aspekt. Karen Eves beobachtet, dass die Therapietreue deshalb höher ist als zum Beispiel bei konventionellen Orthesen.

„Der WalkAide ist kein Allheilmittel, nicht alle Patienten kommen damit klar", schränkt Eves ein. Deshalb bietet das Unternehmen einen Testmonat an, manche Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür. Und wann ist die beste Zeit für einen Einstieg in die FES? „Je früher, desto besser, sonst gewöhnt sich das Gehirn an die Behinderung", sagt Karen Eves. „Grundsätzlich ist ein Therapiebeginn aber auch viele Jahre nach dem Schlaganfall möglich".

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Ein tierisch gutes Training

Reha mit dem Therapie-Begleithund

Nach einem Schlaganfall geht es für viele Patienten in die Physiotherapie. Den ersten Schock haben sie gerade überwunden, dann müssen sie feststellen: Rehabilitation ist richtig harte Arbeit. Wer sollte ihnen dabei helfen, wenn nicht der beste Freund des Menschen? Ein Besuch bei Amy (6), ausgebildete Therapie-Begleithündin in Berlin.

 

Nach einem Schlaganfall geht es für viele Patienten in die Physiotherapie. Den ersten Schock haben sie gerade überwunden, dann müssen sie feststellen: Rehabilitation ist richtig harte Arbeit. Wer sollte ihnen dabei helfen, wenn nicht der beste Freund des Menschen? Ein Besuch bei Amy (6), ausgebildete Therapie-Begleithündin in Berlin.

Seit 1990 arbeitet die Physiotherapeutin in Berlin. Vor Amy gehörte ein Golden Retriever zur Familie Jager. Mit ihm lernte ihre Tochter, die auch einen Schlaganfall erlitten hatte, das Laufen. Tiere können in der Therapie den Unterschied machen, da ist sich Marion Jager sicher. „Ich kann alle Übungen auch ohne Amy machen, doch mit ihr ist der Anreiz für die Patienten viel größer". Das belege auch eine Befragung ihrer Patienten.

Der 6jährige Welsh Springer Spaniel mit dem treuen Blick bringt optimale Voraussetzungen für seinen Beruf mit. Längst nicht jede Rasse ist geeignet für eine Karriere als Therapie-Begleithund. „Der Hund muss einerseits ein ruhiges Gemüt haben, gleichzeitig aber auch animierend wirken", erklärt Marion Jager. Zugangsvoraussetzung ist der Abschluss einer Hundeschule als Grundausbildung.

Mit Karin Guddelmoni absolviert Amy heute ein ausführliches Programm. Da steht die Patientin zum Beispiel auf einem Balance-Ball und wirft Gegenstände, die Amy apportiert. Das schult den Gleichgewichtssinn. Auf der Matte sitzend hebt die Patientin anschließend abwechselnd ihre Beine, unter denen Amy durchkriecht. In der nächsten Übung legt der Hund Pfote oder Kopf auf den Fuß der Patientin, den sie unter diesen erschwerten Bedingungen heben und halten muss. Nach jeder Übung gibt es ein Leckerli für Amy, „ich arbeite ja schließlich auch für Geld", lacht Marion Jager, die bei allen Übungen an der Seite der Patientin ist und Amy die Kommandos gibt.

Karin Guddelmoni genießt die Therapieeinheiten mit Amy. „Ich habe Tiere schon immer gerne gehabt. Mit so einem Hund vergisst man manchmal, dass man eigentlich in der Therapie ist". Über die Motivation hinaus werden Hunden in der Therapie auch emotionale Wirkungen nachgesagt. Sie vermitteln Wärme und Nähe und beruhigen das Herz-Kreislauf-System. Vorausgesetzt, man hat keine Tierhaarallergie und mag Hunde. So wie Karin Guddelmoni, die nach erfolgreicher Therapieeinheit die Praxis verlässt.

Mehr Infos bei Therapie-Begleithunde Deutschland e.V.: www.tbdev.de

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Therapiemöglichkeiten nach einem Schlaganfall

 

Nach einem Schlaganfall gibt es viele Möglichkeiten, Folgeerkrankungen zu behandeln. Dabei kann diese Therapieübersicht für Betroffene und ihre Angehörigen eine Orientierungshilfe bieten. Sie gibt einen Überblick über unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall.

Die Deutsche Rentenversicherung hat Reha-Therapiestandards aufgestellt. Eine Broschüre dazu können Sie sich hier (Download) herunterladen.

Nach einem Schlaganfall gibt es viele Möglichkeiten, Folgeerkrankungen zu behandeln. Dabei kann die Therapieübersicht für Betroffene und ihre Angehörigen eine Orientierungshilfe bieten. Somit stellt sie einen Überblick über unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten nach einem Schlaganfall dar.

Kurze und bündige Informationen
Jede der aufgeführten Therapien wird nach einem gleichen Muster beschrieben. In der so genannten Therapieübersicht werden unter anderem die Ziele und der Verlauf der jeweiligen Behandlung dargestellt. Gleichzeitig wird kurz und bündig Auskunft über mögliche Nebenwirkungen oder zur Wirksamkeit gegeben.
Die Übersicht und die Erläuterungen der Therapieformen stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und keine Qualitätsaussage dar.

Hinweis
Einige Behandlungen werden von den Krankenkassen teilweise oder sogar ganz bezahlt, andere Therapiekosten müssen privat übernommen werden. Daher ist es wichtig, sich vor Beginn einer Behandlung zu informieren und mit der eigenen Krankenkasse abzustimmen. Auch der zuständige Therapeut kann Ihnen zu möglichen Kosten wichtige Hinweise geben.
Bei der Schreibweise wird der besseren Lesbarkeit halber ausschließlich die männliche Form verwendet, es werden jedoch selbstverständlich immer sowohl Männer als auch Frauen angesprochen.

Die Liste ist alphabetisch angeordnet.