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Schlaganfall mehr als ein medizinisches Problem

 

Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen. Über 25 Prozent aller Behinderten haben ihr Handicap durch einen Schlaganfall erworben. Mit betroffen sind aber immer auch die engsten Angehörigen und die Familien.

Die Zahl der Schlaganfall-Betroffenen in Deutschland ist erschreckend groß. Nach vorläufigen Schätzungen leben hierzulande über eine Million Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls. Damit ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für Behinderungen. Über 25 Prozent aller Behinderten haben ihr Handicap durch einen Schlaganfall erworben. Mit betroffen sind aber immer auch die engsten Angehörigen und die Familien.

Daraus ergibt sich, dass der Schlaganfall nicht nur ein medizinisches Problem darstellt, sondern vor allem auch eine soziale Aufgabe und eine gesellschaftliche Herausforderung ist. Genau darauf reagiert die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Mit verschiedenen Projektbausteinen unterstützen sie die Bemühungen der Betroffenen und deren Angehöriger, nach dem Schicksalsschlag Schlaganfall einen neuen Lebensrhythmus zu finden.


Prof. H.-P. Meier Baumgartner
Ratgeber für Gesundheitswesen und -politik und ehemaliges Vorstandsmitglied der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

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Aus der Praxis

Ansätze für eine ganzheitliche Versorgungskette

Eine lückenlose Versorgungskette, in der Akutversorgung, Rehabilitation, Nachsorge und Sekundärprävention ineinander greifen, kommt den Betroffenen und Angehörigen ebenso wie der Gesellschaft zu Gute. Wir stellen einige Einrichtungen vor, die bereits integrative Ansätze aufweisen und so die existierenden Brüche in der Versorgungskette in Teilen geschlossen haben.

Eine lückenlose Versorgungskette, in der Akutversorgung, Rehabilitation, Nachsorge und Sekundärprävention ineinander greifen, kommt den Betroffenen und Angehörigen ebenso wie der Gesellschaft zu Gute. Denn eine integrierte Schlaganfall-Versorgung hebt Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitspotenziale. Wir stellen einige Einrichtungen vor, die bereits integrative Ansätze aufweisen und so die existierenden Brüche in der Versorgungskette in Teilen geschlossen haben.

Essen: Herz und Hirn gemeinsam im Fokus

Die 2010 neu eingerichtete Herz-Hirn-Station an der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr in Essen-Kettwig steht für ein neues Behandlungskonzept in der gemeinsamen Rehabilitation von Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten. Über 30 Prozent der Schlaganfall-Patienten leiden auch an einer Herzerkrankung (und umgekehrt) und beide Erkrankungen haben oft dieselbe Ursache: Arteriosklerose. „Bei gleichzeitiger Schädigung des Herzens und des Gehirns gab es bislang kein adäquates rehabilitatives Versorgungskonzept. Diese Lücke schließen wir mit der Herz-Hirn-Station", erklärt Prof. Dr. Mario Siebler, Chefarzt Neurologie an der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr. In der bundesweit einzigartigen Station können 16 Patienten gleichzeitig neurologisch und kardiologisch betreut werden. Ärzte und Therapeuten der Fachbereiche Neurologie und Kardiologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr untersuchen und behandeln die Patienten, die Visite wird gemeinsam gemacht. Die weitere Behandlung der Patienten erfolgt dann in der jeweiligen Fachabteilung. „Dieser neue Organisationsprozess führt zu einer deutlich verringerten Komplikationsrate und zu einer verbesserten medizinischen Rehabilitation", sagt Prof. Dr. Roger Marx, Chefarzt der Kardiologie.

Bremen: Hochindividuelle Betreuung durch Case Management

Im  Klinikum Bremen-Mitte setzt Case-Managerin Bettina Otterstedt nicht nur auf standardisierte Abläufe, sondern zusätzlich auf eine sehr individuelle, passgenaue Betreuung. Schlaganfall-Patienten werden von der Aufnahme in die Klinik bis zur Verlegung in Reha- oder Pflegeeinrichtung oder bis zur Entlassung nach Hause begleitet. Anhand der individuellen Lebenssituation der Betroffenen bringt Bettina Otterstedt notwendige Diskussionen in Gang, koordiniert Therapieangebote, vermittelt Dienste und ist Ansprechpartnerin für Patienten und Angehörige – mit sehr positiver Resonanz von allen Seiten.
Im Vordergrund steht der Patient, jedoch achtet Bettina Otterstedt auch auf prozess- und kostenorientierte Steuerung. Dabei fiel ihr auf, dass es bei der Beantragung von Leistungen bei der Krankenkasse oft zu Verzögerungen kam, da das Prozedere kompliziert und fehleranfällig war. Kurzerhand entwickelte sie ein Formular, das von den Ärzten handschriftlich ausgefüllt werden kann und von allen Kassen akzeptiert wird. Die Wartezeit auf die Rehabilitation konnte damit verkürzt werden. „Wenn man merkt, dass es irgendwo ständig hakt, muss man kreative Lösungen finden", erklärt Bettina Otterstedt.

Bad Aibling: Nahtstelle zwischen Akut- und Rehabilitationsmedizin

Akutversorgung und Rehabilitation in einem Haus – das spricht für einelückenlose, patientenorientierte Behandlung ohne Verzögerungen. In Deutschland ist dies an verschiedenen Orten möglich, so zum Beispiel seit 1994 in der heute zur Gruppe der Schön Kliniken gehörenden Neurologischen Klinik in Bad Aibling, einem der größten Rehabilitationszentren in Europa. Hier werden Schlaganfall-Patienten durch alle Behandlungsphasen hindurch betreut, ohne die Klinik wechseln zu müssen.
Nicht nur die Intensivstation und die Stroke Unit gewährleisten eine umfassende Versorgung der Patienten. Wer in die Neurologische Klinik eingewiesen wird, kann von der Diagnosestellung, Akutbehandlung oder Frührehabilitation innerhalb des Hauses nahtlos in die Rehabilitation wechseln. Dabei sind die Behandlungen eng miteinander verzahnt und Ärzte und Therapeuten arbeiten Hand in Hand – ohne Informations- oder Zeitverluste.
Durch die Kombination von neurologischer Akutmedizin (Akutneurologie, Intensivstation, Frühreha) und neurologischer Rehabilitation (Phase C, D, Tagklinik) wird eine bestmögliche Versorgung der Patienten gewährleistet. „Zudem gelingt es uns, sehr schwer betroffene Patienten zu behandeln", so der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Eberhard Koenig.

Berlin: Eine Allianz gegen den Schlaganfall

Im Mai 2009 haben sich mehr als 40 Schlaganfall-Versorger aus Berlin und angrenzenden Teilen Brandenburgs in der Berliner Schlaganfall-Allianz (BSA) zusammengeschlossen. Die BSA wurde initiiert durch das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, ein durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungszentrum an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Hauptziele sind die Durchführung patientenorientierter Forschungsprojekte und die Organisation einer besseren Versorgung der Schlaganfall-Patienten unter Berücksichtigung ihrer individuellen Situation. Von der Notfallversorgung mit einer schnellstmöglichen Einweisung in die Stroke Units über die ambulante oder stationäre Rehabilitation bis hin zur ambulanten oder stationären Nachversorgung möchten die Mitglieder der BSA eine lückenlose Versorgungskette organisieren. Auch die Prävention und die Reintegration der Patienten in ihren Alltag und Beruf werden berücksichtigt.  Zentrale Beratungsstelle ist der „Servicepunkt Schlaganfall": Zwei Sozialpädagoginnen bieten Patienten und Angehörigen in allen Phasen der Erkrankung persönliche Beratung, außerdem stehen weitere Berater aus BSA-Mitgliedseinrichtungen zur Verfügung. Darüber hinaus bietet die BSA im Servicepunkt eine monatliche Informationsreihe für Betroffene und Angehörige mit kostenlosen Expertenvorträgen.

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Rehabilitationssport nach Schlaganfall

als Teil der Rehabilitationskette

Um die Lebensqualität eines Menschen mit Schlaganfall so umfassend wie nur möglich wiederherzustellen, kommt es nach der klinischen Rehabilitation darauf an, therapeutisch weiter zu arbeiten.

Um die Lebensqualität eines Menschen mit Schlaganfall so umfassend wie nur möglich wiederherzustellen, kommt es nach der klinischen Rehabilitation darauf an, therapeutisch weiter zu arbeiten.

Der Sport nach Schlaganfall ist eine ideale Ergänzung der gesamten Rehabilitionskette. Durch das aktive Betreiben des Sports werden nicht die schlaganfallbedingten Defizite in den Mittelpunkt gestellt - der Betroffene nimmt auf spielerische Weise wieder Kontakt zu sich selbst, seinem Körper und seiner Umwelt auf. Für das Leben mit dem Schlaganfall ist der Sport in der Gruppe, in einer Gemeinschaft von ähnlich Betroffenen, ein unverzichtbarer Schritt auf dem Weg in eine neue Normalität.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe verfolgt in enger Kooperation mit dem Deutschen Behindertensportverband und verschiedenen sportwissenschaftlichen Einrichtungen das Ziel, den Sport nach Schlaganfall in der Fläche zu etablieren. Von der Sinnhaftigkeit und dem Erfolg für den Einzelnen ist die Stiftung überzeugt.

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Ärztliche Verordnung

Sport nach Schlaganfall

Die ärztliche Verordnung (§ 44, SGB IX) ist die Grundlage bei der Prüfung einer Leistungsübernahme durch die Kostenträger und muss deshalb bestimmte Angaben enthalten.

Die ärztliche Verordnung (§ 44, SGB IX) ist die Grundlage bei der Prüfung einer Leistungsübernahme durch die Kostenträger und muss deshalb unbedingt enthalten:

  • die Diagnose nach ICD 10, ggf. die Nebendiagnosen, soweit sie Berücksichtigung finden müssen oder Einfluss auf die Verordnungsnotwendigkeit haben,
  • die Gründe, weshalb der Schlaganfallsport erforderlich ist,
  • Ziele des verordneten Sports nach Schlaganfall,
  • die Dauer des Schlaganfallsports (50 bis max. 120 Übungseinheiten in einem Zeitraum von 18 bis 36 Monaten),
  • eine Empfehlung für die mögliche Auswahl an sportlichen Übungen.

Um eine optimale Zusammenarbeit im "sporttherapeutischen Team" (Arzt und Fachübungsleiter) zu gewährleisten, ist ein reibungsloser Informationsfluss notwendig. Der Diagnose- und Anamnesebogen soll eine möglichst fehlerlose und verantwortungsvolle Arbeit in der Rehabilitations-Sportgruppe unterstützen.

Die Rahmenvereinbarung zum Rehabilitations-Sport und Funktionstraining vom 01.01.2011 finden Sie auf der Internet-Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) zum Download: Rahmenvereinbarung zum Rehabilitations-Sport und Funktionstraining vom 01.01.2011

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Adressen

Rehabilitationssport

Der Rehabilitationssport nach Schlaganfall ist die ideale Ergänzung und Weiterführung der medizinischen Rehabilitation.

Der Rehabilitationssport nach Schlaganfall ist die ideale Ergänzung und Weiterführung der medizinischen Rehabilitation. Als ergänzende Leistung erfüllt diese sportliche Betätigung alle Anforderungen an eine moderne medizinische und soziale Rehabilitation. Sport nach Schlaganfall wird in einer Gruppe mit ähnlich Betroffenen durch einen vom Deutschen Behindertensportverband qualifizierten Fachübungsleiter durchgeführt. Angehörige sind herzlich eingeladen, am Übungsprogramm teilzunehmen.

Hier finden Sie Adressen der Bundes- und Landesverbände.