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Case Management nach Schlaganfall

Zukunftsmodell Schlaganfall-Lotsen

26. Oktober 2016: Case Management nach Schlaganfall

Schlaganfall-Patienten sollen in Deutschland nach dem Klinikaufenthalt künftig besser versorgt werden. Fachleute aus ganz Deutschland berieten darüber am Mittwoch in Dresden mit Vertretern von Krankenkassen und Rentensicherungen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe möchte bundesweit so genannte Schlaganfall-Lotsen etablieren.

Schlaganfall-Patienten sollen in Deutschland nach dem Klinikaufenthalt künftig besser versorgt werden. Fachleute aus ganz Deutschland berieten darüber am Mittwoch in Dresden mit Vertretern von Krankenkassen und Rentensicherungen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe möchte bundesweit so genannte Schlaganfall-Lotsen etablieren.

Mit 270.000 Betroffenen jährlich ist der Schlaganfall eine der großen Volkskrankheiten. Akut und in der Rehabilitation sind Schlaganfall-Patienten gut versorgt. Doch in der häuslichen Nachsorge gehen viele Effekte verloren. Patienten sind oft überfordert, sie scheitern an den Hürden unseres Gesundheitssystems und benötigen dringend Beratung und Begleitung. Was ihnen fehlt, ist eine sektorenübergreifende Organisation ihrer Behandlung mit einem festen Ansprechpartner. Hausärzte sind mit dieser Aufgabe in der Regel zeitlich überfordert.

Schlaganfall-Lotsen sind wirksam

Ein so genanntes Case Management mit einem Schlaganfall-Lotsen nach dem Modell der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe könnte die Lösung sein. Der Lotse begleitet und berät die Patienten, bis sie in der Lage sind, ihre weitere Versorgung selbst zu organisieren. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat ein Projekt mit Schlaganfall-Lotsen in ihrer Heimatregion Ostwestfalen-Lippe erfolgreich durchgeführt. Nun soll durch ein Folgeprojekt, von dem deutlich mehr Patienten profitieren werden, der positive Effekt der Lotsen-Betreuung wissenschaftlich nachgewiesen werden.

In den vergangenen Jahren sind in Deutschland verschiedene regionale Projekte mit ähnlichen Ansätzen entstanden. Auf der Dresdner Tagung präsentierten sie ihre Ergebnisse. Dort in Ostsachsen konnte bereits nachgewiesen werden, wie wirksam die Begleitung durch einen Lotsen sein kann. Seit 2011 läuft in Dresden ein Lotsenprogramm. Eine erste Evaluation zeigte, dass die so betreuten Patienten weniger wiederholte Schlaganfälle erleiden und eine höhere Lebensqualität haben.

Voll auf Linie von Politik und Kostenträgern

 
Setzen sich für eine bessere Versorgung von Schlaganfall-Patienten in der Nachsorge ein (v. l.): Dr. Michael Brinkmeier (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe), Olaf Müller (Geschäftsführer Carus Consilium Sachsen), Dr. Brigitte Mohn (Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe), Michael Bockting (Abteilungsleiter Sächsisches Staatsministerium für Soziales) und Prof. Dr. Darius Nabavi (Tagungsmoderator und stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, Berlin).

Wie sehr die Deutsche Schlaganfall-Hilfe und die regionalen Akteure mit ihren Projekten auch politisch auf Linie liegen, zeigt der von der Bundesregierung aufgelegte Innnovationsfonds. Die Bundesregierung will damit neue Versorgungsformen fördern. Ziel ist insbesondere die Verbesserung der sektorenübergreifenden Versorgung in Deutschland. Auch Vertreter von Krankenkassen und Rentenversicherung machten deutlich, dass sie Case Management für ein zukunftsweisendes Modell halten. Ziel der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist es, dass mittelfristig allen Schlaganfall-Patienten in Deutschland ein Lotse zur Seite stehen kann und Kostenträger das Lotsen-Programm in ihren Leistungskatalog aufnehmen.

Schlaganfall-Hilfe ist zuversichtlich

„Ich sehe uns auf dem richtigen Weg, das bestätigen uns alle Beteiligten", bilanzierte Dr. Michael Brinkmeier, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. „Unser Netzwerk wird immer größer. Gemeinsam werden wir in den kommenden Jahren immer mehr Nachweise liefern. Ich kann ich mir nicht vorstellen, dass man an diesem Versorgungsmodell noch vorbeikommt".

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Schlaganfall-Lotsen und Netzwerk

 

Der Flyer „Schlaganfall-Lotsen - Begleitung bis in die Nachsorge" liefert sowohl Informationen über die Lotsen-Tätigkeit als auch über Möglichkeiten der Kooperation. Hier zum Download.

 

Ein Schlaganfall-Lotse begleitet Betroffene und Angehörige im Behandlungsprozess von der Akutversorgung über die Rehabilitationsphase bis in die ambulante Nachsorge im heimischen Umfeld.

Sie möchten mehr über die Lotsen-Tätigkeit erfahren oder sich als Kooperationspartner den Netzwerkaktivitäten der Schlaganfall-Hilfe zum Lotsen-Thema anschließen?
Der Flyer „Schlaganfall-Lotsen – Begleitung bis in die Nachsorge" liefert die relevanten Informationen. Diesen Flyer () können Sie sich hier downloaden.

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Von Insellösungen zur Landgewinnung

Schlaganfall-Lotsen in Deutschland

Sie heißen Schlaganfall-Lotsen, Stroke Manager oder Stroke Nurse. Gemeinsam ist ihnen eines: Sie wollen die sektorübergreifende Versorgung von Schlaganfall-Betroffenen verbessern. Ein kleiner Überblick über aktuelle regionale Projekte in Deutschland, die zunehmend mehr Land gewinnen.

 

Sie heißen Schlaganfall-Lotsen, Stroke Manager oder Stroke Nurse. Gemeinsam ist ihnen eines: Sie wollen die sektorübergreifende Versorgung von Schlaganfall-Betroffenen verbessern. Ein kleiner Überblick über aktuelle regionale Projekte in Deutschland, die zunehmend mehr Land gewinnen.

Der Schlaganfall kommt immer plötzlich. Viele Patienten sind mit der Koordination ihrer Behandlung und den zahllosen, drängenden Fragen, die sich ihnen stellen, hoffnungslos überfordert. Ein zergliedertes Gesundheitssystem macht es Laien schwer, den Überblick im Versorgungsdschungel zu behalten. Die Schlaganfall-Hilfe hat das Modell des „qualitätsgesicherten Case-Managements" ,mit einem Schlaganfall-Lotsen entwickelt und ein Modellprojekt in Ostwestfalen-Lippe durchgeführt. Daneben entstanden in den letzten Jahren auch andere regionale Initiativen in Deutschland mit ähnlichen Zielen.
 
In Dresden ist bereits ein ganzes Lotsen-Team um Pionier Uwe Helbig an der Universitätsklinik aktiv. Seit Mai 2015 wird auch das benachbarte Chemnitz durch Lotsin Sandy Klewin versorgt. Und an der Uniklinik Halle an der Saale hat sich ein Versorgungsnetzwerk mit Case Managern etabliert. Hier zeigt sich, dass auch gewinnorientierte Unternehmen als Partner in Versorgungsnetzwerken Lotsen-Projekte voranbringen und von ihnen profitieren können. In Berlin finden Betroffene und Angehörige im Bezirk Pankow Unterstützung durch das Indika-Projekt.
 
Im Rheinland bietet die Central Krankenversicherung AG ihren Versicherten durch zwei Case-Managerinnen eine auf die Indikation Schlaganfall spezialisierte Begleitung. Besonderes Augenmerk liegt hier auf einem Depressionsscreening. In den Startlöchern steht die Initiative des NeSSt e.V. in Rheine. In Ravensburg am Bodensee kümmert sich die Stroke Nurse Pia Bader um ihre Patienten. Und im bayerischen Bad Neustadt an der Saale ist die Stroke Managerin Katharina Helm aktiv.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Allen Ansätzen ist gemeinsam, dass sie Brücken schlagen zwischen den Sektoren. Allerdings ist die Spannweite dieser Brücken unterschiedlich groß. Im Idealfall – wie in Ostwestfalen-Lippe – reicht die Begleitung von der Stroke Unit über die Rehabilitation bis in die häusliche Nachsorge. Als Bindeglied zwischen den unterschiedlichen Ansätzen fördert die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe auch den Austausch zwischen allen bundesweiten Lotsen-Initiativen. Im Rahmen der jährlichen „Lotsen-Tagung" kommen Projektpartner, Interessierte, Experten und Betroffene zusammen und lernen gegenseitig von ihren Erfahrungen.
 
Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder das Geld. Alle Initiativen streben nach einer dauerhaften, soliden Finanzierung. Anschubfinanzierungen erfolgen regional unterschiedlich. Häufig führt der Weg über öffentliche Fördergelder im Rahmen von Forschungsprojekten. Daneben investieren einige Leistungserbringer aus eigenem Etat in die Entwicklung innovativer Versorgungsmodelle, denn das stärkt die Patientenzufriedenheit und die Position im Wettbewerb. Auch Industrie- Partnerschaften oder Sponsoring sind ein möglicher Weg. „Langfristig ist eine Verankerung des Lotsen im Leistungsspektrum der Sozialversicherung jedoch unverzichtbar", stellt Projektleiterin Melanie Czerwinski von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe klar. „Es geht darum, Nachhaltigkeit zu erzeugen und aus dem Projekt eine Versorgungsleistung zu machen." Hierzu sind Kostenträger wie gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung gefragt. Die Deutsche Schlaganfall- Hilfe leitet aktuell eine Arbeitsgruppe der Kostenträger in der Gesundheitsregion Ostwestfalen-Lippe. Gemeinsames Ziel ist es, Versicherte von der besonderen Versorgungsform des Schlaganfall-Lotsen profitieren zu lassen. Melanie Czerwinski zeigt sich zuversichtlich, dass man zu einer dauerhaften Lösung kommen wird.

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Schlaganfall-Lotsen: Wer sie sind und was sie tun

 

Deutschland hat mit die besten Gesundheitsdienstleister der Welt. Und doch sind gerade Menschen nach einem Schlaganfall oft nur unzureichend versorgt. Die Ursachen dafür liegen in unserem komplexen Gesundheitssystem, aber auch im Patientenverhalten. Hier setzt das so genannte qualitätsgesicherte Case Management der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe an. Die Idee: Ein Case-Manager (zu Deutsch: Fall-Begleiter) kümmert sich um den Patienten von der Aufnahme in der Akutklinik bis zu einem Jahr nach dem Schlaganfall.

 

Deutschland hat mit die besten Gesundheitsdienstleister der Welt. Und doch sind gerade Menschen nach einem Schlaganfall oft nur unzureichend versorgt. Die Ursachen dafür liegen in unserem komplexen Gesundheitssystem, aber auch im Patientenverhalten. Schlaganfall-Lotsen sind die Antwort der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe auf diese Herausforderung.

Immer weniger Menschen sterben an einem Schlaganfall, weil die Notfall- und Akutversorgung auf hohem Niveau stattfindet. Über 250 Stroke Units (Schlaganfall-Spezialstationen) in Deutschland retten Menschenleben und bewahren viele Menschen vor schwersten Behinderungen. Dennoch tragen fast zwei Drittel der Überlebenden lebenslange Beeinträchtigungen davon.

Die Akutklinik entlässt die Patienten gut versorgt in eine Rehabilitation mit hohen Standards und einer sehr hohen Therapiedichte. In den meisten Rehazentren erfahren die Patienten zunehmend mehr evidenzbasierte Therapien, deren Wirkung in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde. Doch die Übergänge zwischen Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation sowie die Entlassung aus der Rehabilitation in die eigene Wohnung sind für viele Patienten Hürden.

Der Therapiedichte bei Aufenthalt in stationären Einrichtungen folgen Therapiebrüche und Pausen. Bei einer Online-Befragung von mehr als 300 Patienten, durchgeführt durch die Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Zusammenarbeit mit dem Perzeptionshaus Hainburg, gab mehr als ein Drittel an, dass sie innerhalb der ersten 14 Tage nach Beendigung der Reha keine Verordnung für weitere Therapien erhielten. Hierdurch können Therapieerfolge gefährdet werden. Denn Therapie wirkt vor allem durch Dichte und ständige Wiederholung. Und je länger der Schlaganfall zurückliegt, desto geringer die Erfolge.

Patienten sind oft nicht gut informiert. Viele sind auch nur bedingt in der Lage, die Zusammenhänge zu verstehen. Die oft notwendige Umstellung der Lebensweise ist in der Klinik schon schwer genug, obwohl hier Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Psychologen und Diätberater unterstützen. Auf sich allein gestellt, fehlt es schnell an Anleitung, Erklärung und Motivation. Die so genannte Sekundärprävention zur Vermeidung eines zweiten Schlaganfalls gerät in Vergessenheit.

Die Folge: Viele Menschen erreichen nicht ihre Therapieziele und die Lebensqualität, die ihnen die Freude am Leben zurückbringt. Und das, obwohl das Gesundheitssystem zu Beginn der Behandlung viel in ihre Genesung investiert hat. Hier setzt das so genannte qualitätsgesicherte Case Management der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe an. Die Idee: Ein Case-Manager (zu Deutsch: Fall-Begleiter) kümmert sich um den Patienten von der Aufnahme in der Akutklinik bis zu einem Jahr nach dem Schlaganfall. Dieser Schlaganfall-Lotse dokumentiert alle Behandlungen, sorgt für die Information aller Dienstleister, informiert und berät den Patienten und seine Angehörigen, vermittelt ihm Hilfeangebote und motiviert ihn zu einer gezielten Sekundärprävention.

 

 

Noch gibt es Schlaganfall-Lotsen nur als Modellprojekte an einigen wenigen Orten in Deutschland. Ziel der Stiftung ist es, durch möglichst viele dieser „Leuchtturm-Projekte" und eine wissenschaftliche Evaluation der Lotsenarbeit zu zeigen, dass diese Form der Begleitung nicht nur für die Betroffenen einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität bringt, sondern langfristig auch volkswirtschaftlich Kosten senkt. So kann Pflege beispielsweise vermieden oder herausgezögert und ein zweiter Schlaganfall verhindert werden. Ziel ist es, Schlaganfall-Lotsen fest im Gesundheitssystem zu verankern.

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Qualitätsgesichertes Case Management - Konzeptionelle Grundlagen

 

Grundlage der Lotsenprojekte ist das so genannte qualitätsgesicherte Case Management. Es wurde von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe in Zusammenarbeit mit Schlaganfall-Experten in ganz Deutschland entwickelt.

Grundlage der Lotsenprojekte ist das so genannte qualitätsgesicherte Case Management. Es wurde von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe in Zusammenarbeit mit Schlaganfall-Experten in ganz Deutschland entwickelt.

Im Jahr 2007 sind in Deutschland ca. 274.000 Fälle wegen eines ersten oder wiederholten Schlaganfalls und weitere ca. 100.000 Fälle aufgrund einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA) im Krankenhaus vollstationär behandelt worden (Statistisches Bundesamt 2010). Ca. 80% aller Schlaganfälle ereignen sich in der Altersgruppe der über 60-Jährigen (RKI 2006). Bei gleich bleibender Schlaganfall-Inzidenz ist angesichts des prognostizierten Wachstums dieser Altersgruppe mit einer sehr starken Zunahme von Schlaganfällen zu rechnen. Im Jahr 2050 wird mit einem Anstieg der über 60-Jährigen auf rund 38% der Gesamtbevölkerung zu rechnen sein (Statistisches Bundesamt 2010). Die Experten sind sich einig, dass rund die Hälfte der Schlaganfälle durch geeignete Präventionsmaßnahmen verhindert werden können.

Die durchschnittlichen Gesamtkosten für die Versorgung (direkte Krankheitskosten) eines einzelnen Schlaganfall-Patienten in Deutschland liegen im ersten Jahr nach dem Schlaganfall-Ereignis bei 18.517 EUR, lebenslang bei 43.129 EUR (Kolominsky-Rabas et al. 2006). Allein für die akutstationäre Schlaganfall-Versorgung summieren sich die Kosten bundesweit jährlich auf ca. 1,4 Mrd. EUR (ebd.).

Die Vision der Stiftung beruht auf dem Leitgedanken, dass die Schlaganfall-Versorgung durch mehr Transparenz sowie durch eine effektive Integration der Leistungssektoren einschließlich eines patientenorientierten Schnittstellenmanagements verbessert werden kann.

Daher hat die Stiftung ein „Qualitätsmodell Integrierte Schlaganfall-Versorgung" (QuIS) auf Grundlage einer fundierten Analyse und unter Mitwirkung namhafter Experten entwickelt. Das verfügbare Wissen ist systematisch und mit hohem methodischem Anspruch in Anlehnung an zentrale Versorgungsziele aufbereitet worden und soll zunehmend in den Versorgungsregionen eingesetzt werden. Es wurde weiterentwickelt zu einem qualitätsgesicherten Case-Management mit „Schlaganfall-Lotsen": Die Lotsen sind speziell für das Krankheitsbild Schlaganfall ausgebildete Betreuerinnen und Betreuer. Sie begleiten Patienten aktiv auf dem Weg zurück in den Alltag und übernehmen die Koordination von Therapieschritten. Sie leiten Betroffene durch den gesamten Prozess der medizinischen Versorgung entlang des Krankheitsverlaufes: vom Akutereignis über die Rehabilitation bis hin zur häuslichen Nachsorge – dies insbesondere im ersten sehr schwierigen Jahr nach einem Schlaganfall.

Diese Hilfestellung kann sehr praktisch aussehen: sie überwachen z.B. die regelmäßige Medikamenteneinnahme, stimmen Arzt- und Therapeutenbesuche ab und unterstützen bei Antragsstellungen. „Schlaganfall-Lotsen" haben ein Ohr für die Ängste und Bedürfnisse der Betroffenen, sie sind Ansprechpartner für Angehörige. Ziel ist es, die Patienten zu unterstützen, Komplikationen und Pflegefälle zu vermeiden, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten.

Das qualitätsgesicherte Case Management wird durch den so genannten Schlaganfall-Lotsen operationalisiert. Der Lotse übernimmt dabei keine Aufgaben bzw. Leistungen, die bereits durch die beteiligten Leistungserbringer erbracht werden, sondern sorgt für eine effiziente und effektive Organisation eben dieser. Dabei betreut er den Patienten ab der Akutphase über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr bis in die Nachsorge.

Ein Schlaganfall-Lotse hat die Verantwortung für den Einzelfall während durch das Prozessmanagement sektorenübergreifend die Fallgruppe der Schlaganfall- und TIA-Patienten gesteuert werden. Als wichtiges Instrument eines strukturierten Prozessmanagements empfiehlt sich die Einführung eines integrierten Versorgungspfads (ICP/Integrated Care Pathway). Die Nutzung von integrierten Versorgungspfaden in der Gesundheitsversorgung ist besonders in komplexen Versorgungssituationen sinnvoll. ICPs haben das Potenzial, die interdisziplinäre Zusammenarbeit maßgeblich zu verbessern.

Mit dem qualitätsgesicherten Case Management sollen die folgenden Ergebnisziele erreicht werden, die auf der Grundlage eines umfassenden Reviews zur Schlaganfall-Versorgung entwickelt und priorisiert worden sind:

  • Vermeidung von Komplikationen - Reduzierung des Anteils von Patienten, die nach Schlaganfall-Ereignis eine Komplikation erleiden (z.B. Pneumonie, Thrombose, Dekubitus).
  • Vermeidung von Pflegefällen - Reduktion des Anteils der Patienten, die pflegebedürftig werden.
  • Vermeidung von Reinsulten - Senkung der Rate von Reinsulten und sonstiger kardiovaskulärer Ereignisse.
  • Patienteninformation - Gewährleistung einer auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichteten, ausreichenden Information der Patienten über die gesamte Versorgungskette.
  • Rückkehr gewohnte Lebensumgebung - Erhöhung des Anteils der Patienten, die nach dem Schlaganfall-Ereignis in ihre gewohnte Lebensumgebung zurückkehren können.

Voraussetzungen des qualitätsgesicherten Case Managements

Um die Ziele zu erreichen, ist es grundlegend, eine verbindliche Organisations- und Prozess-Infrastruktur für eine Modellregion aufzubauen und zu etablieren. Mit inbegriffen ist dabei der Aufbau einer Projektmanagement-Kompetenz und die Implementierung eines Soll-Prozesses. Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung ist die gemeinsame Entwicklung von Qualitätsindikatoren.

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Aus der Praxis

Ansätze für eine ganzheitliche Versorgungskette

Eine lückenlose Versorgungskette, in der Akutversorgung, Rehabilitation, Nachsorge und Sekundärprävention ineinander greifen, kommt den Betroffenen und Angehörigen ebenso wie der Gesellschaft zu Gute. Wir stellen einige Einrichtungen vor, die bereits integrative Ansätze aufweisen und so die existierenden Brüche in der Versorgungskette in Teilen geschlossen haben.

Eine lückenlose Versorgungskette, in der Akutversorgung, Rehabilitation, Nachsorge und Sekundärprävention ineinander greifen, kommt den Betroffenen und Angehörigen ebenso wie der Gesellschaft zu Gute. Denn eine integrierte Schlaganfall-Versorgung hebt Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitspotenziale. Wir stellen einige Einrichtungen vor, die bereits integrative Ansätze aufweisen und so die existierenden Brüche in der Versorgungskette in Teilen geschlossen haben.

Essen: Herz und Hirn gemeinsam im Fokus

Die 2010 neu eingerichtete Herz-Hirn-Station an der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr in Essen-Kettwig steht für ein neues Behandlungskonzept in der gemeinsamen Rehabilitation von Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten. Über 30 Prozent der Schlaganfall-Patienten leiden auch an einer Herzerkrankung (und umgekehrt) und beide Erkrankungen haben oft dieselbe Ursache: Arteriosklerose. „Bei gleichzeitiger Schädigung des Herzens und des Gehirns gab es bislang kein adäquates rehabilitatives Versorgungskonzept. Diese Lücke schließen wir mit der Herz-Hirn-Station", erklärt Prof. Dr. Mario Siebler, Chefarzt Neurologie an der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr. In der bundesweit einzigartigen Station können 16 Patienten gleichzeitig neurologisch und kardiologisch betreut werden. Ärzte und Therapeuten der Fachbereiche Neurologie und Kardiologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr untersuchen und behandeln die Patienten, die Visite wird gemeinsam gemacht. Die weitere Behandlung der Patienten erfolgt dann in der jeweiligen Fachabteilung. „Dieser neue Organisationsprozess führt zu einer deutlich verringerten Komplikationsrate und zu einer verbesserten medizinischen Rehabilitation", sagt Prof. Dr. Roger Marx, Chefarzt der Kardiologie.

 

Bremen: Hochindividuelle Betreuung durch Case Management

Im  Klinikum Bremen-Mitte setzt Case-Managerin Bettina Otterstedt nicht nur auf standardisierte Abläufe, sondern zusätzlich auf eine sehr individuelle, passgenaue Betreuung. Schlaganfall-Patienten werden von der Aufnahme in die Klinik bis zur Verlegung in Reha- oder Pflegeeinrichtung oder bis zur Entlassung nach Hause begleitet. Anhand der individuellen Lebenssituation der Betroffenen bringt Bettina Otterstedt notwendige Diskussionen in Gang, koordiniert Therapieangebote, vermittelt Dienste und ist Ansprechpartnerin für Patienten und Angehörige – mit sehr positiver Resonanz von allen Seiten.
Im Vordergrund steht der Patient, jedoch achtet Bettina Otterstedt auch auf prozess- und kostenorientierte Steuerung. Dabei fiel ihr auf, dass es bei der Beantragung von Leistungen bei der Krankenkasse oft zu Verzögerungen kam, da das Prozedere kompliziert und fehleranfällig war. Kurzerhand entwickelte sie ein Formular, das von den Ärzten handschriftlich ausgefüllt werden kann und von allen Kassen akzeptiert wird. Die Wartezeit auf die Rehabilitation konnte damit verkürzt werden. „Wenn man merkt, dass es irgendwo ständig hakt, muss man kreative Lösungen finden", erklärt Bettina Otterstedt.

 

Bad Aibling: Nahtstelle zwischen Akut- und Rehabilitationsmedizin

Akutversorgung und Rehabilitation in einem Haus – das spricht für eine lückenlose, patientenorientierte Behandlung ohne Verzögerungen. In Deutschland ist dies an verschiedenen Orten möglich, so zum Beispiel seit 1994 in der heute zur Gruppe der Schön Kliniken gehörenden Neurologischen Klinik in Bad Aibling, einem der größten Rehabilitationszentren in Europa. Hier werden Schlaganfall-Patienten durch alle Behandlungsphasen hindurch betreut, ohne die Klinik wechseln zu müssen.
Nicht nur die Intensivstation und die Stroke Unit gewährleisten eine umfassende Versorgung der Patienten. Wer in die Neurologische Klinik eingewiesen wird, kann von der Diagnosestellung, Akutbehandlung oder Frührehabilitation innerhalb des Hauses nahtlos in die Rehabilitation wechseln. Dabei sind die Behandlungen eng miteinander verzahnt und Ärzte und Therapeuten arbeiten Hand in Hand – ohne Informations- oder Zeitverluste.
Durch die Kombination von neurologischer Akutmedizin (Akutneurologie, Intensivstation, Frühreha) und neurologischer Rehabilitation (Phase C, D, Tagklinik) wird eine bestmögliche Versorgung der Patienten gewährleistet. „Zudem gelingt es uns, sehr schwer betroffene Patienten zu behandeln", so der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Eberhard Koenig.

 

Berlin: Eine Allianz gegen den Schlaganfall

Im Mai 2009 haben sich mehr als 40 Schlaganfall-Versorger aus Berlin und angrenzenden Teilen Brandenburgs in der Berliner Schlaganfall-Allianz (BSA) zusammengeschlossen. Die BSA wurde initiiert durch das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin, ein durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungszentrum an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Hauptziele sind die Durchführung patientenorientierter Forschungsprojekte und die Organisation einer besseren Versorgung der Schlaganfall-Patienten unter Berücksichtigung ihrer individuellen Situation. Von der Notfallversorgung mit einer schnellstmöglichen Einweisung in die Stroke Units über die ambulante oder stationäre Rehabilitation bis hin zur ambulanten oder stationären Nachversorgung möchten die Mitglieder der BSA eine lückenlose Versorgungskette organisieren. Auch die Prävention und die Reintegration der Patienten in ihren Alltag und Beruf werden berücksichtigt.  Zentrale Beratungsstelle ist der „Servicepunkt Schlaganfall": Zwei Sozialpädagoginnen bieten Patienten und Angehörigen in allen Phasen der Erkrankung persönliche Beratung, außerdem stehen weitere Berater aus BSA-Mitgliedseinrichtungen zur Verfügung. Darüber hinaus bietet die BSA im Servicepunkt eine monatliche Informationsreihe für Betroffene und Angehörige mit kostenlosen Expertenvorträgen.