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Leben mit Schlaganfall

 

Ein junges Elternpaar lächelt in die Kamera, der Vater hält die kleine Tochter auf dem Arm.

Nach einem Schlaganfall ist vieles anders. Das Körpergefühl, die Mobilität oder auch die Partnerschaft verändert sich. Hier finden Sie zahlreiche Informationen für das Leben mit Schlaganfall. Zum Beispiel was es zu beachten gilt, wenn Sie Hilfsmittel benötigen oder wenn Sie wieder Auto fahren möchten. 

Ein junges Elternpaar lächelt in die Kamera, der Vater hält die kleine Tochter auf dem Arm.  

Nach einem Schlaganfall ist vieles anders. Das Körpergefühl, die Mobilität oder auch die Partnerschaft verändert sich. Hier finden Sie zahlreiche Informationen für das Leben mit Schlaganfall. Zum Beispiel was es zu beachten gilt, wenn Sie Hilfsmittel benötigen oder wenn Sie wieder Auto fahren möchten.

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Ihr persönlicher Schlaganfall-Patienten-Pass

Informationen für Ersthelfer

Der Schlaganfall-Patienten-Pass.

Für Schlaganfall-Betroffene ist nach dem Schlag plötzlich nichts mehr so, wie es war. Und vielen Patienten fällt nach der Rehabilitation der Weg zurück ins Alltagsleben schwer. Holen Sie sich den kostenlosen Schlaganfall-Patienten-Pass. Er mindert Ängste und Sorgen bei Erkrankten.

Der Schlaganfall-Patienten-Pass.  

Für Schlaganfall-Betroffene ist nach dem Schlag plötzlich nichts mehr so, wie es war. Und vielen Patienten fällt nach der Rehabilitation der Weg zurück ins Alltagsleben schwer. Holen Sie sich den kostenlosen Schlaganfall-Patienten-Pass. Er mindert Ängste und Sorgen bei Erkrankten.

Für Gisela L. ist die Angst allgegenwärtig. Die Münsteranerin erlitt einen Schlaganfall. "Ich saß am Schreibtisch, da traf es mich wie aus heiterem Himmel", erinnert sich die 47 Jährige. Heute fürchtet sie, es könnte sie wieder erwischen. So wie Gisela denken und fühlen viele Schlaganfall-Patienten.
Gisela L. hat inzwischen einen Schlaganfall-Patienten-Pass. "Er ist mein Sicherheitsanker", sagt sie.

Die Angst eines Patienten vor einem erneuten Schlaganfall führt dazu, dass der Betroffene die unmittelbare Umgebung nicht mehr allein verlassen möchte. Diese Angst ist oft ein Grund für soziale Isolation. Es ist die Furcht, dass der Notdienst einen eventuell erneuten Schlaganfall nicht schnell genug erkennt und vielleicht sogar falsche Erstmaßnahmen einleitet. Je schneller mit der richtigen Behandlung begonnen werden kann, umso besser sind die Aussichten.

 

Was ist der Schlaganfall-Patienten-Pass?

Der Schlaganfall-Patienten-Pass ist ein personenbezogener und kompakter Ausweis, der alle persönlich relevanten Daten enthält, die zu einer medizinischen Erstversorgung hilfreich sind. Die kompakte Erstinformation enthält neben der bisherigen Krankheitsgeschichte auch die aktuelle Medikation.

 

Wann nützt mir der Schlaganfall-Patienten-Pass?

In Notfall-Situationen können Ersthelfer kompetenter reagieren, wenn sie durch die Pass-Informationen auf das Krankheitsbild Schlaganfall hingewiesen werden.
Ist ein Besuch bei einem anderen als dem Hausarzt notwendig, hilft diesem mitunter ein Blick in den Pass, um wichtige Informationen für seine Behandlung oder Verordnung zu erhalten.

Neben Daten zur Person, Krankenversicherung, Angaben zur Vorsorgevollmacht und Kontaktadresse für den Notfall, tauchen in diesem Schlaganfall-Patienten-Pass auch notwendige Informationen zum erlittenen Schlaganfall, dem behandelnden Krankenhaus und ganz wichtig: den aktuell verschriebenen Medikamenten inklusive der täglichen Dosierung auf. Dies hilft auch mal im Notfall, wenn zum Beispiel Medikamente auf Reisen verloren gegangen sind und Ersatz beschafft werden muss.

 

Wo bekomme ich den Schlaganfall-Patienten-Pass?

Sie können sich Ihren persönlichen Schlaganfall-Patienten-Pass direkt selbst ausstellen.

Download Schlaganfall-Patienten-Pass

Einfach und kostenfrei erhalten Sie ein PDF, in das Sie gleich per Computer Ihre Daten eintragen können. Danach speichern Sie Ihren Pass und drucken ihn aus.
Änderungen können Sie in Ihrem gespeicherten Dokument jederzeit vornehmen.

Selbstverständlich können Sie sich den Pass auch erst ausdrucken und dann handschriftlich Daten eintragen.

Damit Sie Ihren Pass immer bei sich tragen können, finden Sie auf dem Formular eine Faltanleitung, die das Blatt auf die Größe einer Scheckkarte komprimiert und es so ermöglicht, dass der Schlaganfall-Patienten-Pass in jedes gängige Portemonnaie hinein passt.
 

Damit Ihr neuer Schlaganfall-Patienten-Pass auch die notwendige Glaubwürdigkeit erhält, lassen Sie sich die Angaben durch Ihren behandelnden Arzt durch Stempel und Unterschrift bestätigen.

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Depressiv oder nur schlechte Laune?

Dunkle Jahreszeit

Oft wird eine Depression spät oder gar nicht erkannt. Das ist auch nicht leicht, denn die Grenzen zwischen dem typischen „Herbstblues" und einer Depression sind fließend.

 

Oft wird eine Depression spät oder gar nicht erkannt. Das ist auch nicht leicht, denn die Grenzen zwischen dem typischen „Herbstblues" und einer Depression sind fließend.

Das Phänomen ist bekannt: Die dunklen Wintertage schlagen auf das Gemüt und sorgen für Antriebslosigkeit. Jede dritte Frau und jeder vierte Mann ist betroffen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein vorübergehendes Stimmungstief. Bei länger anhaltenden Symptomen sprechen Experten von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). Dabei handelt es sich um eine Unterform depressiver Erkrankungen, die sich meist in den Herbstmonaten entwickelt. Wird sie vernachlässigt, kann sie zu schweren psychischen Schäden führen.

Wann muss ich handeln?

Die saisonal abhängige Depression zeichnet sich durch tiefe Niedergeschlagenheit, fehlenden Antrieb sowie Erschöpfungs- und Angstzustände aus. Betroffene sind teilweise nicht mehr in der Lage, ihren Alltag zu meistern. Sie sind mit ihrem Leben unzufrieden, antriebslos und chronisch müde.

Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand des Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutzes, sagt: „Treten die genannten Symptome verbunden mit hohem Leidensdruck länger als zwei Wochen auf, sollte zur genaueren Abklärung ein Arzt aufgesucht werden."

Burn-Out - keine Depression, aber dennoch gefährlich

Burn-Out bezeichnet einen emotionalen Erschöpfungszustand, ausgelöst durch chronische Überlastung. In diesem Zustand treten ähnliche Symptome wie bei einer Depression auf. Der Burn-Out zählt zwar nicht zu einer psychischen Erkrankung, langfristig aber kann sich ein Burn-Out zu einer psychischen Erkrankung entwickeln. Deshalb ist es sowohl bei einer Depression als auch bei einem Burn-Out sinnvoll, sich einer Therapie zu unterziehen. Auf jeden Fall sollten Veränderungen im Arbeitsleben erfolgen.

Prävention & Therapie

Um einer Depression frühzeitig vorzubeugen empfiehlt es sich, viel Zeit im Freien zu verbringen, um ausreichend Tageslicht aufzunehmen. Ein kurzer Spaziergang reicht oft schon aus. Auch der regelmäßige Kontakt zu Freunden und Bekannten trägt zur Verbesserung der Stimmung bei.

Im Falle einer bereits vorliegenden Depression sollte eine Psychotherapie beantragt werden. Ergänzende Therapien, wie Lichttherapie oder gezielte Schlafentzugstherapie, können zur Besserung beitragen.

Mehr Informationen

Der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz – Info Gesundheit e.V. (BGV) hat einen neuen Ratgeber zum Thema mit dem Titel „Depression - Den Alltag meistern, Lebensmut schöpfen" herausgegeben. Bestellen kann man ihn unter www.depression-erkennen.de.

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Vom barrierefreien Wohnen bis zur Farbe des Arztrezepts

 

Wer krank oder behindert ist, ist oft im Nachteil. Doch gut informiert kommt man besser durch´s Leben. Wir haben einige praktische Tipps für Sie recherchiert.

Wer krank oder behindert ist, ist oft im Nachteil. Doch gut informiert kommt man besser durch´s Leben. Wir haben einige praktische Tipps für Sie recherchiert.

Arztrezepte und ihre Bedeutung

 
© pixelfokus - Fotolia.com

Rezepte vom Arzt kennen die meisten. Rezept ist aber nicht gleich Rezept. Sie sehen unterschiedlich aus und haben verschiedene Farben. Jede Farbe steht dabei für eine spezielle Funktion und Gültigkeitsdauer.

  • Das vom Arzt am häufigsten ausgestellte Rezept ist rosa. Gesetzlich Versicherte bekommen es beispielsweise für rezept- oder apothekenpflichtige Medikamente oder Maßnahmen wie Physiotherapie. Vier Wochen ist es gültig.
  • Privatpatienten bekommen die blauen Rezepte. Sie gelten drei Monate.
  • Gesetzlich Versicherte erhalten ein blaues Rezept, wenn der Arzt auf Wunsch des Patienten Medikamente verordnet, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.
  • Das gelbe Rezept ist sieben Tage gütig und gilt für Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, z.B. starke Schmerzmittel.
  • Apothekenpflichtige, aber frei verkäufliche Mittel, bekommt man mit dem grünen Rezept. Eine Gültigkeitsdauer besitzt es nicht.

Heilmittel-Verordnungen, wie zum Beispiel für Physiotherapie, müssen innerhalb von 14 Tagen eingelöst werden. Ausschließlich Verordnungen für medizinische Fußpflege gelten 28 Tage.

Mit dem Taxi zum Arzt

Der Weg zum Arzt ist lang. Für viele Patienten keine Seltenheit. Gerade, wenn man im Alter nicht mehr gut zu Fuß ist, bliebt für viele nur eine Alternative: Taxi fahren - ein meist kostspieliges Vergnügen.

Für notwendige Behandlungen allerdings übernimmt bei Patienten mit Pflegestufe 2 oder 3 die Krankenkasse einen Großteil der Kosten. Vorab muss jedoch ein Antrag gestellt und genehmigt werden. Patienten sollten sich von ihrem Arzt bescheinigen lassen, dass die Taxifahrten und die Behandlungen notwendig sind und diese Bescheinigung bei ihrer Kasse einreichen.

Zuzahlen muss man trotzdem bei jeder Fahrt, in der Regel zehn Prozent, jedoch mindestens fünf und höchstens zehn Euro.

Die Belastungsgrenze für Zuzahlungen liegt deshalb pro Jahr bei zwei Prozent des Bruttogehaltes, für chronisch Kranke nur bei einem Prozent.

Die Kosten für die Abholung eines Rezeptes übernimmt die Kasse nicht. Auch rückwirkend erstattet sie kein Geld.

Altersgerecht umbauen und wohnen

Eine Wohnung finden ist die eine Sache. Eine zu finden, die den Bedürfnissen entspricht eine ganz andere. Gerade eine barrierefreie Wohnung zu finden, ist oft schwer. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert aus diesem Grund bis 2018 den altersgerechten und barrierefreien Umbau mit bis zu 5.000 Euro pro Wohnung.  
Weitere Informationen zu dem Thema erhalten Sie bei der KfW

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Compliance

Was ist das und wie kann sie verbessert werden?

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Compliance: Nutzen Sie Ihre verschriebenen Hilfsmittel und folgen Sie dem Therapieplan

Viele Medikamente werden falsch oder gar nicht eingenommen, Übungsprogramme der Therapeuten aus Bequemlichkeit häufig nicht konsequent verfolgt, Empfehlungen des Hausarztes vernachlässigt, weil sie Abschied von liebgewordenen Gewohnheiten bedeuten würden. Der beste Arzt oder Therapeut kann nichts bewirken, wenn der Patient nicht mitarbeitet. Compliance heißt der zentrale Begriff.

Compliance wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die Definition der WHO spricht von fünf.

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Compliance: Nutzen Sie Ihre verschriebenen Hilfsmittel und folgen Sie dem Therapieplan

Compliance meint mehr, als ein einzelner deutscher Begriff beschreiben könnte. Die Einsicht, das Einverständnis, die Kooperationsbereitschaft und auch die Motivation zur Mitarbeit des Patienten bestimmen ganz wesentlich den Behandlungserfolg. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2003 zufolge erreichen weltweit nur rund 50 Prozent der Patienten eine gute Compliance.  

Compliance wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die Definition der WHO spricht von fünf:

  • individuelle Faktoren (z.B. Information des Patienten, aber auch Vergesslichkeit)
  • sozio-ökonomische Faktoren (z.B. Bildung, Wohlstand)
  • krankheitsbedingte Faktoren (z.B. psychische Erkrankungen)
  • therapiebedingte Faktoren (z.B. Nebenwirkungen)
  • systembedingte Faktoren (z.B. Kostenübernahme, Behandlungsmöglichkeiten)

Häufig wird Compliance allein oder vorrangig auf medikamentöse Therapie bezogen. Gesundheitswissenschaftler haben zur Messung dieser Therapietreue verschiedene Methoden entwickelt. Compliance kann aber auch deutlich mehr umfassen: die Nutzung verschriebener Hilfsmittel, die Einhaltung eines therapeutischen Übungsplanes, die Umstellung des Lebensstils (Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol).

Das Nichteinhalten von Ratschlägen und Therapieplänen bezeichnet man als Non-Compliance. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor für das Mitwirken von Patienten ist die Information, wie neuere Studien belegen. Wer Zusammenhänge nachvollziehen kann, zeigt deutlich mehr Bereitschaft, eigene Anstrengungen auf dem Weg der Genesung in Kauf zu nehmen. Chronisch Kranke erhalten aus diesem Grund heute häufig eine Patientenschulung.

Gründe für Non-Compliance sind z.B. Vergesslichkeit, Bequemlichkeit, Scheu vor Nebenwirkungen und Kosten. Folgen sind im günstigeren Fall eine längere Krankheitsphase oder mehr Symptome, können aber auch dauerhaft die Lebensqualität senken oder gar die Sterblichkeit erhöhen. Gesundheitswirtschaftlich betrachtet führt Non-Compliance zu einem deutlich erhöhten Therapieaufkommen, dessen Mehrkosten Experten Ende der 90er Jahre mit rund 10 Milliarden Euro bezifferten.

Daten und Fakten zur Compliance

  • Die Kosten der Non-Compliance wurden für Deutschland in einer Studie Ende der 90er Jahre auf 7-10 Milliarden Euro jährlich nur für direkte Kosten (Klinikaufenthalte, Pflegeleistungen, Notfalleinweisungen) geschätzt bzw. aus Vergleichsdaten anderer Länder hochgerechnet.
  • Compliance ist insbesondere bei Langzeittherapien eine große Herausforderung. Beispiel Bluthochdruck: eine britische Studie aus dem Jahr 2005 zeigte, dass von über 100.000 Hypertonikern nach nur sechs Monaten 20 Prozent die Therapie selbsttätig abgebrochen hatten.
  • Die Aufklärung von Patienten bei der Verordnung von Medikamenten ist weiterhin verbesserungswürdig. Nach dem aktuellen „Gesundheitsmonitor" fühlen sich 21 Prozent der Deutschen durch die Informationen auf Beipackzetteln verunsichert. Lediglich 45 Prozent gaben an, ihr Arzt spreche bei der Verordnung mit ihnen über mögliche Nebenwirkungen bzw. über Gegenmaßnahmen.
  • Compliance spielt auch in der Prävention eine entscheidende Rolle. Ein interessanter Vergleich: Nach einer bundesweiten Umfrage der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe glauben 72 Prozent der Bevölkerung, ihr Schlaganfallrisiko selbst beeinflussen zu können. Und tatsächlich: Präventionsexperten gehen nach aktuellen Studien davon aus, dass langfristig rund 70 Prozent der Schlaganfälle zu verhindern seien - bei entsprechender Compliance, also: Umstellung der Lebensweise (Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol) sowie Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Kleine Hilfen zur Förderung Ihrer Compliance

2011  
Compliance: Alltagshilfen für die medikamentöse Therapie

Gerade in der medikamentösen Therapie gibt es viele Alltagshilfen, die Ihnen das Leben erleichtern können. Wir haben für Sie hier einige zusammengefasst:

  • Medikamente gut positionieren! Legen Sie sie dorthin, wo Sie sie auf keinen Fall vergessen können, zum Beispiel in ihr Zahnputzglas. Wenn Sie die Packung direkt „anschaut", ist dies auch noch ein positiver Verstärker, das Medikament zu nehmen.
  • Der „Klassiker" ist die Pillenbox. Hier sehen Sie gleich, wenn Sie die Einnahme vergessen haben sollten.
  • Sie können sich die Einnahme im Kalender eintragen; streichen Sie täglich ab, wenn Sie Ihre Medikamente eingenommen haben.
  • Erinnern Sie sich selbst mit „Post-Its" (kleinen Klebezettel) an die Einnahme, z.B. am Kühlschrank oder an Ihrem Wecker.
  • Moderne Technik macht es möglich: Programmieren Sie Ihren elektronischen Kalender oder schicken Sie sich selbst eine SMS auf Ihr Handy!


Basis für Therapietreue ist die Information. Nur wer seine Risiken kennt und die Zusammenhänge versteht, ist motiviert, seinen Therapieplan einzuhalten. Erster Ansprechpartner ist und bleibt Ihr Arzt, bei Medikamenten auch Ihr Apotheker.
Gerade bei langwierigen, komplexen und chronischen Erkrankungen kann dies jedoch nur eine Erstinformation sein. Für chronische Erkrankungen beispielsweise gibt es Patientenschulungsprogramme. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse.

Als mündiger Patient stehen Ihnen natürlich alle Medien offen, sich selbst zu informieren. Einige wichtige Hinweise, was Sie bei der Eigenrecherche beachten sollten, haben wir für Sie in dem Dokument „Seriöse Gesundheitsinformationen finden" zusammengefasst.

Medizinische Beratung

Prof. Dr. med. Mario Siebler, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Chefarzt Neurologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr, Essen

Unser Service für Sie: Faktensammlung zum Download

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So verstehen Sie Ihr Medikament besser

Beipackzettel richtig lesen

Jedes Medikament verfügt über eine Packungsbeilage, die eigentlich aufklären soll. Studien belegen aber das Gegenteil – häufig verunsichern sie Patienten. Die Folge: Patienten nehmen die Medikamente gar nicht erst ein oder setzen sie aufgrund des Beipackzettels ab.

 

Jedes Medikament verfügt über eine Packungsbeilage, auch Beipackzettel oder im Volksmund „Waschzettel" genannt. Hersteller sind dazu nach einer europäischen Richtlinie und dem deutschen Arzneitmittelgesetz verpflichtet. Beipackzettel sollen aufklären. Studien belegen aber das Gegenteil – häufig verunsichern sie Patienten. Die Folge: Patienten nehmen die Medikamente gar nicht erst ein oder setzen sie aufgrund des Beipackzettels ab.

Wie häufig sind Nebenwirkungen?
Nebenwirkungen können auftreten, müssen es aber nicht. Um ein Gefühl für die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen zu bekommen, finden Sie hier die die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Formulierungen und ihre Bedeutungen.

  • Sehr häufig: betroffen ist mehr als einer von 10 Behandelten
  • Häufig: betroffen sind 1 bis 10 von 100 Behandelten
  • Gelegentlich: betroffen sind 1 bis 10 von 1.000 Behandelten
  • Selten: betroffen sind 1 bis 10 von 10.000 Behandelten
  • Sehr selten: betroffen ist einer oder weniger von 10.000 Behandelten einschließlich Einzelfälle


Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Wenn von 100 Testpersonen zwei durch das Medikament einen Hautausschlag bekommen – das sind zwei Prozent – wird diese Nebenwirkung als häufig bezeichnet. 98 Testpersonen haben das Medikament aber gut vertragen.

Was sind Wechselwirkungen? In einigen Beipackzetteln wird auf Wechselwirkungen hingewiesen, ohne den Begriff zu erklären. Wechselwirkungen heißt: Das Arzneimittel beeinflusst die Wirkung eines anderen Arzneimittels oder Interaktion. Aber auch Nahrungsmittel oder Getränke können Wechselwirkungen auslösen. Beispielhaft sei hier die Milch erwähnt, die die Wirkung von Antibiotika vermindern kann.

Gegenanzeigen oder Kontraindikationen
Gegenanzeige oder Kontraindikation bedeutet, dass das jeweilige Medikament aufgrund bestimmter Umstände nicht eingenommen werden darf. Derartige Gründe können eine chronische Erkrankung wie Rheuma oder auch ein akuter Infekt sein. Auch sind manche Medikamente für Kinder oder betagte Menschen nicht geeignet, sodass hier eine Kontraindikation besteht.

Der richtige Zeitpunkt: Vor/während/nach der Mahlzeit einnehmen – häufig wird die Einnahmezeit eines Medikaments mit Mahlzeiten in Verbindung gebracht. Grund: Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme kann die Wirkung des Arzneimittels verlangsamen, beschleunigen, verstärken oder vermindern. Auch Nebenwirkungen können in bestimmten Fällen stärker oder schwächer auftreten. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, denn nur so ist eine ausgeglichene Konzentration im Blut gewährleistet.

  • Nüchtern: Einnahme 30 - 60 Minuten vor dem Essen schlucken
  • Zum Essen: Einnahme direkt vor, während oder im Anschluss an die Mahlzeit
  • Nach dem Essen: Einnahme frühestens 30 Minuten nach dem Essen


Welche Flüssigkeit ist die richtige? „Mit etwas Flüssigkeit einnehmen" bedeutet nicht, dass man das Medikament mit einem beliebigen Getränk herunter spülen darf. Es wird empfohlen, das Arzneimittel mit einem halben Glas Wasser einzunehmen. Kaffee, Tee, Milch und vor allem Grapefruitsaft können die Wirksamkeit einiger Medikamente negativ beeinflussen. Auf Alkohol gar sollte man generell bei Medikamenteneinnahme verzichten. Und darüber hinaus gilt immer der Satz, den Sie mittlerweile auswendig kennen: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker."
 
 

 

Medizinische Beratung: Prof. Dr. med. Mario Siebler, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Chefarzt Neurologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr, Essen

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Der Weg des Medikaments

Von der Einnahme bis zur Ausscheidung

2011

Paracelsus: „Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei"

Dieses Zitat belegt sehr schön, dass eigentlich alles, was man zu sich nimmt, bei einer zu großen Menge, dem Körper Schäden zufügen kann. Bei Medikamenten  wird die Menge, mit der die positiven Effekte erreicht werden, in klinischen Studien sehr genau getestet. Es ist dabei wichtig und  notwendig, im Gespräch mit dem Arzt, alle Vorerkrankungen anzusprechen und in der Folge die verordnete Dosis auch genau einzuhalten.


 

2011  

Paracelsus: „Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei"

Dieses Zitat belegt sehr schön, dass eigentlich alles, was man zu sich nimmt, bei einer zu großen Menge, dem Körper Schäden zufügen kann. Bei Medikamenten  wird die Menge, mit der die positiven Effekte erreicht werden, in klinischen Studien sehr genau getestet. Es ist dabei wichtig und  notwendig, im Gespräch mit dem Arzt, alle Vorerkrankungen anzusprechen und in der Folge die verordnete Dosis auch genau einzuhalten.

Die Resorption (Aufnahme) eines Medikamentes

Medikamente können über verschiedene Wege dem Organismus zugeführt werden. Die häufigste Art der Zuführung ist die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt in Form von Tabletten. Durch den Verdauungsvorgang zerfällt das Medikament im Magen-Darm-Trakt in seine Einzelteile und die Wirksubstanz wird freigesetzt und in den Körper aufgenommen. Die Wirksubstanz wird durch das Blut im Körperkreislauf verteilt

Nun erfolgt eine Filterung in der Leber –  je nach Substanz geht hier bereits ein großer Teil des Wirkstoffes durch die Entgiftungsfunktion der Leber verloren.  Dieser sogenannte „first-pass-Effekt“ bestimmt unter anderem , wie viel Wirksubstanz in einer Tablette enthalten sein muss, damit überhaupt  ein Effekt im Körper erzielt werden kann.

Einzelne Medikamente werden durch diesen Effekt vollständig zerstört und können daher  nicht geschluckt werden, sondern müssen anderweitig verabreicht werden, z.B. gespritzt, über die Haut, in Form von Pflastern, Sprays oder Salben. Eine andere Möglichkeit diesen Effekt zu überlisten ist die Verabreichung einer Vorstufe (sog. Prodrug) des wirksamen Medikamentes. Diese Vorstufe wird erst durch Stoffwechselvorgänge im Organismus in das eigentlich wirksame Medikament umgewandelt und kann so wirken. Andere Wirksubstanzen können vom Darm nicht aufgenommen werden und müssen dafür an eine spezielle Trägersubstanz (sog. Transporter) gekoppelt werden, damit sie in den Kreislauf gelangen können.

Die Verteilung eines Medikaments im Körper

Nach der Aufnahme erfolgt die Verteilung des Medikaments im Körper. Je nach Substanz kann diese alleine transportiert werden, oder muss wieder an eine andere Substanz gekoppelt transportiert werden. Diese Substanzen sind zumeist Eiweiße, weshalb ein Eiweißmangel, z. B.  bei falscher Ernährung, die Verteilung von Medikamenten negativ beeinflussen kann.

Die Verteilung erfolgt über das Blutgefäßsystem im ganzen Körper. Eine Besonderheit gibt es im Gehirn. Die Blutgefäße im Gehirn  haben eine besonders dicht abgeschirmte Wand mit einem speziellen Filter, der sogenannten Blut-Hirn-Schranke, welche gewisse Substanzen gar nicht durch lässt. Somit müssen im Gehirn wirksame Medikamente ganz bestimmte Eigenschaften aufweisen, um dorthin gelangen und wirken zu können

Die Elimination (Ausscheidung) von Medikamenten aus dem Körper

Da Medikamente vom Körper als Fremdstoffe erkannt werden, hat der Organismus im Wesentlichen das Ziel, diese wieder los zu werden. Dies geschieht über unsere Hauptausscheidungsorgane - die Leber und die Nieren. Fettlösliche Substanzen werden über die Leber, wasserlösliche Substanzen bevorzugt über die Nieren entsorgt.

Um die Geschwindigkeit der Ausscheidung abzuschätzen, messen wir heute die sog. Halbwertszeit von Medikamenten. Diese Zeit gibt an, wie lange es dauert, bis die Hälfte eines verabreichten Medikamentes den Organismus wieder verlassen hat. Nach ungefähr fünf Halbwertszeiten kann davon ausgegangen werden, dass keine messbare Wirksubstanzmenge mehr im Körper vorhanden ist. Anderseits lässt diese Zeit Rückschlüsse auf die Wirkdauer eines Medikamentes zu. Eine kurze Halbwertszeit bedeutet somit eine rasche Elimination. Das Medikament muss häufiger eingenommen werden, um wirksam zu sein. Lange Halbwertszeit bedeutet andauernde Wirkung und somit weniger häufige Einnahmezeitpunkte.

Zur Vereinfachung der Einnahme werden heute vor allem Medikamente mit langer Halbwertszeit produziert, damit diese nur einmal pro Tag eingenommen werden müssen. Der Nachteil daran ist vor allem bei Auftreten von Nebenwirkungen zu erkennen. Je länger ein Medikament wirkt, desto länger sind auch dessen Nebenwirkungen zu ertragen.

Die optimale Dosierung eines Medikamentes hängt in großem Ausmaß von der Leistungsfähigkeit der Ausscheidungsorgane ab. Bei Erkrankung der Leber oder der Nieren müssen Medikamente niedriger dosiert werden, um nicht Vergiftungserscheinungen oder Überdosierungen auszulösen. Dies gilt vor allem für ältere Menschen und solche mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Die Verstoffwechselung eines Medikamentes wird allerdings auch von unseren Genen bestimmt, so dass es auch bei Gesunden mitunter erhebliche Unterschiede gibt. Daher muss die optimale Dosierung manchmal behutsam und schrittweise erfolgen.

Fazit

Die Verordnung von Medikamenten ist, trotz sorgsam durchgeführter Prüfungen zur Wirksamkeit,  Dosisfindung und Sicherheit immer auch individuell zu betrachten.  Was bei dem einen das Mittel der Wahl ist, kann bei einem anderen Patienten unter Umständen nicht in Frage kommen.  In Studien ermittelte Dosierungsempfehlungen sind Richtwerte und sollten an die  jeweilige körperliche Verfassung des Patienten angepasst sein, insbesondere die Nieren- und Leberfunktionalität, die oftmals begleitend vom  Arzt überprüft wird. Der intensive Austausch mit dem behandelnden Arzt und dem Apotheker ist daher dringend zu empfehlen.

Die vermittelten Informationen ersetzen nicht den Arztbesuch. Sie können aber den Dialog zwischen Arzt und Patient unterstützen.