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Leben mit Schlaganfall

 

Nach einem Schlaganfall ist vieles anders. Das Körpergefühl, die Mobilität oder auch die Partnerschaft verändert sich. Hier finden Sie zahlreiche Informationen für das Leben mit Schlaganfall.

 

Nach einem Schlaganfall ist vieles anders. Das Körpergefühl, die Mobilität oder auch die Partnerschaft verändert sich.

Hier finden Sie zahlreiche Informationen für das Leben mit Schlaganfall. Zum Beispiel was es zu beachten gilt, wenn Sie Hilfsmittel benötigen oder wenn Sie wieder Auto fahren möchten.

 

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Ihr persönlicher Schlaganfall-Patienten-Pass

Informationen für Ersthelfer

Für Schlaganfall-Betroffene ist nach dem Schlag plötzlich nichts mehr so, wie es war. Und vielen Patienten fällt nach der Rehabilitation der Weg zurück ins Alltagsleben schwer. Holen Sie sich den kostenlosen Schlaganfall-Patienten-Pass. Er mindert Ängste und Sorgen bei Erkrankten.

Für Schlaganfall-Betroffene ist nach dem Schlag plötzlich nichts mehr so, wie es war. Und vielen Patienten fällt nach der Rehabilitation der Weg zurück ins Alltagsleben schwer. Holen Sie sich den kostenlosen Schlaganfall-Patienten-Pass. Er mindert Ängste und Sorgen bei Erkrankten.

 

Was ist der Schlaganfall-Patienten-Pass?

Der Schlaganfall-Patienten-Pass ist ein personenbezogener und kompakter Ausweis, der alle persönlich relevanten Daten enthält, die zu einer medizinischen Erstversorgung hilfreich sind. Die kompakte Erstinformation enthält neben der bisherigen Krankheitsgeschichte auch die aktuelle Medikation.

 

Wann nützt mir der Schlaganfall-Patienten-Pass?

 

In Notfall-Situationen können Ersthelfer kompetenter reagieren, wenn sie durch die Pass-Informationen auf das Krankheitsbild Schlaganfall hingewiesen werden.
Ist ein Besuch bei einem anderen als dem Hausarzt notwendig, hilft diesem mitunter ein Blick in den Pass, um wichtige Informationen für seine Behandlung oder Verordnung zu erhalten.

Neben Daten zur Person, Krankenversicherung, Angaben zur Vorsorgevollmacht und Kontaktadresse für den Notfall, tauchen in diesem Schlaganfall-Patienten-Pass auch notwendige Informationen zum erlittenen Schlaganfall, dem behandelnden Krankenhaus und ganz wichtig: den aktuell verschriebenen Medikamenten inklusive der täglichen Dosierung auf. Dies hilft auch mal im Notfall, wenn zum Beispiel Medikamente auf Reisen verloren gegangen sind und Ersatz beschafft werden muss.

 

Wo bekomme ich den Schlaganfall-Patienten-Pass?

Sie können sich Ihren persönlichen Schlaganfall-Patienten-Pass direkt selbst ausstellen.

Download Schlaganfall-Patienten-Pass

Einfach und kostenfrei erhalten Sie ein PDF, in das Sie gleich per Computer Ihre Daten eintragen können. Danach speichern Sie Ihren Pass und drucken ihn aus. Änderungen können Sie in Ihrem gespeicherten Dokument jederzeit vornehmen.

Selbstverständlich können Sie sich den Pass auch erst ausdrucken und dann handschriftlich Daten eintragen.

Damit Sie Ihren Pass immer bei sich tragen können, finden Sie auf dem Formular eine Faltanleitung, die das Blatt auf die Größe einer Scheckkarte komprimiert und es so ermöglicht, dass der Schlaganfall-Patienten-Pass in jedes gängige Portemonnaie hinein passt.
 

Damit Ihr neuer Schlaganfall-Patienten-Pass auch die notwendige Glaubwürdigkeit erhält, lassen Sie sich die Angaben durch Ihren behandelnden Arzt durch Stempel und Unterschrift bestätigen.

 

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Vom barrierefreien Wohnen bis zur Farbe des Arztrezepts

 

Wer krank oder behindert ist, ist oft im Nachteil. Doch gut informiert kommt man besser durch´s Leben. Wir haben einige praktische Tipps für Sie recherchiert.

Wer krank oder behindert ist, ist oft im Nachteil. Doch gut informiert kommt man besser durch´s Leben. Wir haben einige praktische Tipps für Sie recherchiert.

Arztrezepte und ihre Bedeutung

 
© pixelfokus - Fotolia.com

Rezepte vom Arzt kennen die meisten. Rezept ist aber nicht gleich Rezept. Sie sehen unterschiedlich aus und haben verschiedene Farben. Jede Farbe steht dabei für eine spezielle Funktion und Gültigkeitsdauer.

  • Das vom Arzt am häufigsten ausgestellte Rezept ist rosa. Gesetzlich Versicherte bekommen es beispielsweise für rezept- oder apothekenpflichtige Medikamente oder Maßnahmen wie Physiotherapie. Vier Wochen ist es gültig.
  • Privatpatienten bekommen die blauen Rezepte. Sie gelten drei Monate.
  • Gesetzlich Versicherte erhalten ein blaues Rezept, wenn der Arzt auf Wunsch des Patienten Medikamente verordnet, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden.
  • Das gelbe Rezept ist sieben Tage gütig und gilt für Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, z.B. starke Schmerzmittel.
  • Apothekenpflichtige, aber frei verkäufliche Mittel, bekommt man mit dem grünen Rezept. Eine Gültigkeitsdauer besitzt es nicht.

Heilmittel-Verordnungen, wie zum Beispiel für Physiotherapie, müssen innerhalb von 14 Tagen eingelöst werden. Ausschließlich Verordnungen für medizinische Fußpflege gelten 28 Tage.

Mit dem Taxi zum Arzt

Der Weg zum Arzt ist lang. Für viele Patienten keine Seltenheit. Gerade, wenn man im Alter nicht mehr gut zu Fuß ist, bliebt für viele nur eine Alternative: Taxi fahren - ein meist kostspieliges Vergnügen.

Für notwendige Behandlungen allerdings übernimmt bei Patienten mit Pflegestufe 2 oder 3 die Krankenkasse einen Großteil der Kosten. Vorab muss jedoch ein Antrag gestellt und genehmigt werden. Patienten sollten sich von ihrem Arzt bescheinigen lassen, dass die Taxifahrten und die Behandlungen notwendig sind und diese Bescheinigung bei ihrer Kasse einreichen.

Zuzahlen muss man trotzdem bei jeder Fahrt, in der Regel zehn Prozent, jedoch mindestens fünf und höchstens zehn Euro.

Die Belastungsgrenze für Zuzahlungen liegt deshalb pro Jahr bei zwei Prozent des Bruttogehaltes, für chronisch Kranke nur bei einem Prozent.

Die Kosten für die Abholung eines Rezeptes übernimmt die Kasse nicht. Auch rückwirkend erstattet sie kein Geld.

Altersgerecht umbauen und wohnen

Eine Wohnung finden ist die eine Sache. Eine zu finden, die den Bedürfnissen entspricht eine ganz andere. Gerade eine barrierefreie Wohnung zu finden, ist oft schwer. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert aus diesem Grund bis 2018 den altersgerechten und barrierefreien Umbau mit bis zu 5.000 Euro pro Wohnung.  
Weitere Informationen zu dem Thema erhalten Sie bei der KfW

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Blutverdünner dem Zahnarzt melden

 

Viele Patienten mit Vorhofflimmern sind auf blutverdünnende Medikamente angewiesen. Oft vergessen sie, ihren Zahnarzt zu informieren. Lesen Sie hier, warum dies so wichtig ist.

 

Viele Patienten mit Vorhofflimmern sind auf blutverdünnende Medikamente angewiesen. Oft vergessen sie, ihren Zahnarzt zu informieren. Lesen Sie hier, warum dies so wichtig ist.

Eine steigende Zahl älterer Menschen nutzt Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung, umgangssprachlich „Blutverdünner" genannt.). Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten dies ihrem Zahnarzt auf jeden Fall mitteilen. Bei zahnmedizinischen Eingriffen mit höherem Blutungsrisiko kann es notwendig sein, das Medikament vorübergehend abzusetzen. Dies sollte immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen. So können Komplikationen vermieden werden.

Ob und in welcher Form die Einnahme eines Blutverdünners unterbrochen werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören die Art des geplanten Eingriffs und das damit verbundene Blutungsrisiko, die Grunderkrankung des Patienten sowie das Wirkprinzip des Medikaments. Im Gegensatz zu den einfach abzusetzenden neuen Gerinnungshemmern dauert es bei sogenannten Vitamin-K-Antagonisten mehrere Tage, bis die Wirkung nachlässt bzw. wieder einsetzt. Diese „Therapielücke" gilt es zu schließen, zum Beispiel durch Heparinspritzen. In jedem Fall ist eine sorgfältige Abwägung gemeinsam mit dem behandelnden Arzt unausweichlich.

 

Vorhofflimmern

Die häufigste Ursache für die Einnahme der Blutverdünner ist das Vorhofflimmern, ein unterschätzter Risikofaktor für den Schlaganfall. Von dieser häufigsten Form der Herzrhythmusstörung sind wahrscheinlich zwei bis drei Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen, die Dunkelziffer ist hoch. Vorhofflimmern entsteht, wenn sich in den Herzvorhöfen kreisende, sich ständig verändernde Erregungswellen bilden, auch „elektrisches Chaos" genannt. Dadurch schlagen die Vorhöfe nicht mehr rhythmisch, sie „flimmern". Dieses Flimmern hat Einfluss auf die Herzkammern. Der Pulsschlag wird unregelmäßig und das Blut wird nicht mehr richtig weitergepumpt.

Schlaganfall

Wenn das Blut länger im Vorhof steht, können sich Blutgerinnsel bilden. Durch den Blutkreislauf gelangen sie ins Gehirn und können dort kleinere Gefäße verschließen. So erleidet der Betroffene einen Schlaganfall.

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Compliance

Was ist das und wie kann sie verbessert werden?

Compliance: Nutzen Sie Ihre verschriebenen Hilfsmittel und folgen Sie dem Therapieplan

Viele Medikamente werden falsch oder gar nicht eingenommen, Übungsprogramme der Therapeuten aus Bequemlichkeit häufig nicht konsequent verfolgt, Empfehlungen des Hausarztes vernachlässigt, weil sie Abschied von liebgewordenen Gewohnheiten bedeuten würden. Der beste Arzt oder Therapeut kann nichts bewirken, wenn der Patient nicht mitarbeitet. Compliance heißt der zentrale Begriff.

Compliance wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die Definition der WHO spricht von fünf.

 
Compliance: Nutzen Sie Ihre verschriebenen Hilfsmittel und folgen Sie dem Therapieplan

Compliance meint mehr, als ein einzelner deutscher Begriff beschreiben könnte. Die Einsicht, das Einverständnis, die Kooperationsbereitschaft und auch die Motivation zur Mitarbeit des Patienten bestimmen ganz wesentlich den Behandlungserfolg. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2003 zufolge erreichen weltweit nur rund 50 Prozent der Patienten eine gute Compliance.  

Compliance wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die Definition der WHO spricht von fünf:

  • individuelle Faktoren (z.B. Information des Patienten, aber auch Vergesslichkeit)
  • sozio-ökonomische Faktoren (z.B. Bildung, Wohlstand)
  • krankheitsbedingte Faktoren (z.B. psychische Erkrankungen)
  • therapiebedingte Faktoren (z.B. Nebenwirkungen)
  • systembedingte Faktoren (z.B. Kostenübernahme, Behandlungsmöglichkeiten)

Häufig wird Compliance allein oder vorrangig auf medikamentöse Therapie bezogen. Gesundheitswissenschaftler haben zur Messung dieser Therapietreue verschiedene Methoden entwickelt. Compliance kann aber auch deutlich mehr umfassen: die Nutzung verschriebener Hilfsmittel, die Einhaltung eines therapeutischen Übungsplanes, die Umstellung des Lebensstils (Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol).

Das Nichteinhalten von Ratschlägen und Therapieplänen bezeichnet man als Non-Compliance. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor für das Mitwirken von Patienten ist die Information, wie neuere Studien belegen. Wer Zusammenhänge nachvollziehen kann, zeigt deutlich mehr Bereitschaft, eigene Anstrengungen auf dem Weg der Genesung in Kauf zu nehmen. Chronisch Kranke erhalten aus diesem Grund heute häufig eine Patientenschulung.

Gründe für Non-Compliance sind z.B. Vergesslichkeit, Bequemlichkeit, Scheu vor Nebenwirkungen und Kosten. Folgen sind im günstigeren Fall eine längere Krankheitsphase oder mehr Symptome, können aber auch dauerhaft die Lebensqualität senken oder gar die Sterblichkeit erhöhen. Gesundheitswirtschaftlich betrachtet führt Non-Compliance zu einem deutlich erhöhten Therapieaufkommen, dessen Mehrkosten Experten Ende der 90er Jahre mit rund 10 Milliarden Euro bezifferten.

Daten und Fakten zur Compliance

  • Die Kosten der Non-Compliance wurden für Deutschland in einer Studie Ende der 90er Jahre auf 7-10 Milliarden Euro jährlich nur für direkte Kosten (Klinikaufenthalte, Pflegeleistungen, Notfalleinweisungen) geschätzt bzw. aus Vergleichsdaten anderer Länder hochgerechnet.
  • Compliance ist insbesondere bei Langzeittherapien eine große Herausforderung. Beispiel Bluthochdruck: eine britische Studie aus dem Jahr 2005 zeigte, dass von über 100.000 Hypertonikern nach nur sechs Monaten 20 Prozent die Therapie selbsttätig abgebrochen hatten.
  • Die Aufklärung von Patienten bei der Verordnung von Medikamenten ist weiterhin verbesserungswürdig. Nach dem aktuellen „Gesundheitsmonitor" fühlen sich 21 Prozent der Deutschen durch die Informationen auf Beipackzetteln verunsichert. Lediglich 45 Prozent gaben an, ihr Arzt spreche bei der Verordnung mit ihnen über mögliche Nebenwirkungen bzw. über Gegenmaßnahmen.
  • Compliance spielt auch in der Prävention eine entscheidende Rolle. Ein interessanter Vergleich: Nach einer bundesweiten Umfrage der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe glauben 72 Prozent der Bevölkerung, ihr Schlaganfallrisiko selbst beeinflussen zu können. Und tatsächlich: Präventionsexperten gehen nach aktuellen Studien davon aus, dass langfristig rund 70 Prozent der Schlaganfälle zu verhindern seien - bei entsprechender Compliance, also: Umstellung der Lebensweise (Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol) sowie Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Kleine Hilfen zur Förderung Ihrer Compliance

 
Compliance: Alltagshilfen für die medikamentöse Therapie

Gerade in der medikamentösen Therapie gibt es viele Alltagshilfen, die Ihnen das Leben erleichtern können. Wir haben für Sie hier einige zusammengefasst:

  • Medikamente gut positionieren! Legen Sie sie dorthin, wo Sie sie auf keinen Fall vergessen können, zum Beispiel in ihr Zahnputzglas. Wenn Sie die Packung direkt „anschaut", ist dies auch noch ein positiver Verstärker, das Medikament zu nehmen.
  • Der „Klassiker" ist die Pillenbox. Hier sehen Sie gleich, wenn Sie die Einnahme vergessen haben sollten.
  • Sie können sich die Einnahme im Kalender eintragen; streichen Sie täglich ab, wenn Sie Ihre Medikamente eingenommen haben.
  • Erinnern Sie sich selbst mit „Post-Its" (kleinen Klebezettel) an die Einnahme, z.B. am Kühlschrank oder an Ihrem Wecker.
  • Moderne Technik macht es möglich: Programmieren Sie Ihren elektronischen Kalender oder schicken Sie sich selbst eine SMS auf Ihr Handy!


Basis für Therapietreue ist die Information. Nur wer seine Risiken kennt und die Zusammenhänge versteht, ist motiviert, seinen Therapieplan einzuhalten. Erster Ansprechpartner ist und bleibt Ihr Arzt, bei Medikamenten auch Ihr Apotheker.
Gerade bei langwierigen, komplexen und chronischen Erkrankungen kann dies jedoch nur eine Erstinformation sein. Für chronische Erkrankungen beispielsweise gibt es Patientenschulungsprogramme. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse.

Als mündiger Patient stehen Ihnen natürlich alle Medien offen, sich selbst zu informieren. Einige wichtige Hinweise, was Sie bei der Eigenrecherche beachten sollten, haben wir für Sie in dem Dokument „Seriöse Gesundheitsinformationen finden" zusammengefasst.

Medizinische Beratung

Prof. Dr. med. Mario Siebler, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Chefarzt Neurologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr, Essen

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So verstehen Sie Ihr Medikament besser

Beipackzettel richtig lesen

Jedes Medikament verfügt über eine Packungsbeilage, die eigentlich aufklären soll. Studien belegen aber das Gegenteil – häufig verunsichern sie Patienten. Die Folge: Patienten nehmen die Medikamente gar nicht erst ein oder setzen sie aufgrund des Beipackzettels ab.

 

Jedes Medikament verfügt über eine Packungsbeilage, auch Beipackzettel oder im Volksmund „Waschzettel" genannt. Hersteller sind dazu nach einer europäischen Richtlinie und dem deutschen Arzneitmittelgesetz verpflichtet. Beipackzettel sollen aufklären. Studien belegen aber das Gegenteil – häufig verunsichern sie Patienten. Die Folge: Patienten nehmen die Medikamente gar nicht erst ein oder setzen sie aufgrund des Beipackzettels ab.

Wie häufig sind Nebenwirkungen?

Nebenwirkungen können auftreten, müssen es aber nicht. Um ein Gefühl für die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen zu bekommen, finden Sie hier die die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Formulierungen und ihre Bedeutungen.

  • Sehr häufig: betroffen ist mehr als einer von 10 Behandelten
  • Häufig: betroffen sind 1 bis 10 von 100 Behandelten
  • Gelegentlich: betroffen sind 1 bis 10 von 1.000 Behandelten
  • Selten: betroffen sind 1 bis 10 von 10.000 Behandelten
  • Sehr selten: betroffen ist einer oder weniger von 10.000 Behandelten einschließlich Einzelfälle


Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Wenn von 100 Testpersonen zwei durch das Medikament einen Hautausschlag bekommen – das sind zwei Prozent – wird diese Nebenwirkung als häufig bezeichnet. 98 Testpersonen haben das Medikament aber gut vertragen.

 

Was sind Wechselwirkungen?

In einigen Beipackzetteln wird auf Wechselwirkungen hingewiesen, ohne den Begriff zu erklären. Wechselwirkungen heißt: Das Arzneimittel beeinflusst die Wirkung eines anderen Arzneimittels oder Interaktion. Aber auch Nahrungsmittel oder Getränke können Wechselwirkungen auslösen. Beispielhaft sei hier die Milch erwähnt, die die Wirkung von Antibiotika vermindern kann.

 

Gegenanzeigen oder Kontraindikationen

Gegenanzeige oder Kontraindikation bedeutet, dass das jeweilige Medikament aufgrund bestimmter Umstände nicht eingenommen werden darf. Derartige Gründe können eine chronische Erkrankung wie Rheuma oder auch ein akuter Infekt sein. Auch sind manche Medikamente für Kinder oder betagte Menschen nicht geeignet, sodass hier eine Kontraindikation besteht.

 

Der richtige Zeitpunkt

Vor/während/nach der Mahlzeit einnehmen – häufig wird die Einnahmezeit eines Medikaments mit Mahlzeiten in Verbindung gebracht. Grund: Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme kann die Wirkung des Arzneimittels verlangsamen, beschleunigen, verstärken oder vermindern. Auch Nebenwirkungen können in bestimmten Fällen stärker oder schwächer auftreten. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, denn nur so ist eine ausgeglichene Konzentration im Blut gewährleistet.

  • Nüchtern: Einnahme 30 - 60 Minuten vor dem Essen schlucken
  • Zum Essen: Einnahme direkt vor, während oder im Anschluss an die Mahlzeit
  • Nach dem Essen: Einnahme frühestens 30 Minuten nach dem Essen

 

Welche Flüssigkeit ist die richtige?

„Mit etwas Flüssigkeit einnehmen" bedeutet nicht, dass man das Medikament mit einem beliebigen Getränk herunter spülen darf. Es wird empfohlen, das Arzneimittel mit einem halben Glas Wasser einzunehmen. Kaffee, Tee, Milch und vor allem Grapefruitsaft können die Wirksamkeit einiger Medikamente negativ beeinflussen. Auf Alkohol gar sollte man generell bei Medikamenteneinnahme verzichten. Und darüber hinaus gilt immer der Satz, den Sie mittlerweile auswendig kennen: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker."

 

Medizinische Beratung

Prof. Dr. med. Mario Siebler, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Chefarzt Neurologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr, Essen