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Einen Schlaganfall kriegen nur ganz alte Leute. So ab 29.

 

Rund Dreiviertel aller Schlaganfälle weltweit treffen Menschen über 70 Jahre. Fakt ist aber auch: fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle treffen Menschen unter 50 Jahren. Das sind pro Jahr in Deutschland etwa 9.000 bis 14.000 Männer und Frauen. Genauere Zahlen existieren zurzeit nicht.

Rund Dreiviertel aller Schlaganfälle weltweit treffen Menschen über 70 Jahre. Fakt ist aber auch: fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle treffen Menschen unter 50 Jahren. Das sind pro Jahr in Deutschland etwa 9.000 bis 14.000 Männer und Frauen. Genauere Zahlen existieren zurzeit nicht.

Ursachen

 

Spezielle Ursachen für einen Schlaganfall bei den 18- bis 50-Jährigen gibt es nicht, aber Auffälligkeiten. Viele Betroffene – 20 bis 50 Prozent der jüngeren Schlaganfall-Patienten – leiden zum Beispiel unter Bluthochdruck. „Rund 20 Prozent der jüngeren Patienten haben erhöhte Blutfettwerte. Auch Diabetes, Herzrhythmusstörungen oder Migräneattacken erhöhen das Schlaganfall-Risiko", weiß Priv.-Doz. Dr. Hans-Christian Koennecke. Er ist Neurologe und arbeitet im „Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth", dem Akademischen Lehrkrankenhaus der Charitè.

Anders als bei älteren Betroffenen wird der Schlaganfall bei der Hälfte der unter 50-Jährigen durch eine Blutung ausgelöst. Trotz aufwändiger Diagnostik: bei 25 Prozent der Schlaganfälle, die durch einen Gefäßverschluss ausgelöst wurden, kann keine eindeutige Ursache festgestellt werden.  
Mögliche Ursachen für einen Schlaganfall bei einem jüngeren Menschen sind z.B. genetisch bedingte (Stoffwechsel) Erkrankungen, die zu Gefäßmissbildungen bzw. Störungen der Blutgerinnung führen können.
Herz- oder Gefäßerkrankungen können ebenfalls mögliche Ursachen sein.

Folgen

Ein Schlaganfall trifft einen jüngeren Menschen völlig unerwartet. Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen schränken die Mobilität ein. Für Menschen, die z.B.  noch mitten im Berufsleben stehen, ist das nicht nur körperlich, sondern auch psychisch ein großes Problem. Depressionen können die Folge sein.
Nach einem Schlaganfall muss oft das Leben neu organisiert werden.

Doch es gibt gute Gründe, nicht aufzugeben: Jüngeren Menschen fällt es oft leichter als älteren, bestimmte Funktionen wie Gehen oder Sprechen wieder zu erlernen. Vor allem bei jungen Patienten treten diese Verbesserungen auch noch lange nach dem Schlaganfall auf.

Wir unterstützen Selbsthilfe

Wir unterstützen Sie bei der Suche nach der passenden Selbsthilfegruppe. Erste Adressen finden Sie an dieser Stelle.

Sollten Sie keine passende in Ihrer Umgebung finden, dann gründen Sie doch eine: Wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Fordern Sie hierzu unseren Gründungsleitfaden für Selbsthilfegruppen an und sprechen Sie mit uns.

Erfahrungsaustausch

 

Der Erfahrungs- und Informationsaustausch mit ähnlich Betroffenen in der gleichen Altersgruppe hilft. Zusammen sprechen, diskutieren oder unterwegs sein - das eröffnet neue Perspektiven und gibt neuen Lebensmut. Bei unserem jährlichen Erfahrungsaustausch treffen Menschen mit gleichartigen Problemen ein Wochenende lang aufeinander. Da fühlt sich einfach jeder verstanden.

Wir informieren Sie

Unser kostenloser Projektbericht hält Sie auf dem Laufenden. Zweimal im Jahr erhalten Sie Informationen zum Thema „Junger Mensch und Schlaganfall".
Wenden Sie sich an Sandra Rösemeier unter der E-Mail: sandra.roesemeier@schlaganfall-hilfe.de

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Schlaganfall und Junger Mensch? Antworten finden Sie in unserem Dokument ().

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Schlaganfall trifft junge Menschen härter

Erfahrungsaustausch 2016

Wenn die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zum Erfahrungsaustausch für junge Schlaganfall-Betroffene einlädt, reisen die Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Kein Weg scheint zu weit für die Chance, sich mit Menschen auszutauschen, die einen verstehen und von Experten zu lernen.

Wenn die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zum Erfahrungsaustausch für junge Schlaganfall-Betroffene einlädt, reisen die Teilnehmer aus ganz Deutschland an. Kein Weg scheint zu weit für die Chance, sich mit Menschen auszutauschen, die einen verstehen und von Experten zu lernen.

85 Teilnehmer sind zum Erfahrungsaustausch 2016 nach Duisburg gekommen. 58 Betroffene, 27 Angehörige, im Alter von 17 bis 50 Jahren. Alle haben eins gemeinsam: Sie stellen sich täglich den Herausforderungen des Schlaganfalls. Lähmungen, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen, Depressionen, Berufsunfähigkeit, finanzielle Sorgen - Verständnis für ihre Situation erfahren sie nicht immer. Im Gegensatz zu älteren Menschen finden junge Betroffene selten Leidensgefährten. Weder ihre Freunde noch sie selbst wussten zuvor, dass junge Menschen einen Schlaganfall erleiden können.

 

„Dass auch Ärzte häufig unwissend sind, erklärt viele Fehldiagnosen, die wichtige Zeit kosten", sagt Neurologe Dr. Markus Krämer (Alfried Krupp Krankenhaus, Essen) in seinem Vortrag auf dem Erfahrungsaustausch. Der Experte für den juvenilen Schlaganfall klärt über Ursachen sowie mögliche Behandlungsmethoden auf und beantwortet Fragen.

„Paare", „Singles" und „Familienbande"

 

Wie unterschiedlich die Herausforderung Schlaganfall sein kann, zeigt sich schon in der Vorstellungsrunde des Erfahrungsaustauschs. Aus diesem Grund werden alle Teilnehmer in drei von Psychologen geleitete Workshops eingeteilt: „Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Partnerschaft nicht in eine Freundschaft oder gar Pflegschaft abdriftet?" lautet eine der Herausforderungen im Workshop „Paare". Coach Klaus Vogelsänger übt mit seinen Teilnehmern Kommunikation auf Augenhöhe und besonders, sich nicht selbst zu vergessen.

Ganz anderen Fragen widmet sich der Workshop „Singles": „Kann ich trotz meiner Behinderung attraktiv sein für andere?", „Was soll ich mit meiner vielen Zeit anfangen?", aber auch Themen wie Sexualität und Vertrauensängste werden besprochen. „Lernen Sie, offen mit ihrer Krankheit umzugehen. So nehmen Sie auch ihrem Gegenüber die Angst" lautet ein Lösungsweg von Psychotherapeutin Ulrike Dickenhorst.

Loslassen vs. Selbstständigkeit. „Wieviel Nähe und wieviel Distanz sind gut?" heißt die Herausforderung im Workshop „Familienbande" unter der Leitung von Psychologe Vathsalan Sriskandarajah. Die Gespräche und Übungen finden zum Teil separat  - Betroffene und Angehörige - statt. Für Kinder und Eltern ergibt sich so die Möglichkeit, unbefangen zu sprechen. In einem nächsten Schritt lernen beide Seiten, ihre Wünsche mitzuteilen, aber auch, die Wünsche des Gegenübers zu hören.

Für Körper und Geist

 

Doch nicht nur von den Experten lernen die Teilnehmer des Erfahrungsaustauschs, sondern auch in Gesprächen untereinander. Ganz bewusst ist in dem dreitägigen Veranstaltungsprogramm ausreichend Zeit für Austausch geplant. „Mir ging es genauso, ich kann dich gut verstehen", „Mein Partner und ich haben uns nach meinem Schlaganfall kennengelernt", „Es geht voran, auch wenn man es in diesem Moment nicht glaubt". Es sind einfache Sätze von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, die großes bewirken können.

 

„Damit die vielen Informationen sacken und ankommen können, bieten wir als Pendant zu den Workshops auch Zeit für Körper und Geist", erklärt die Organisatorin des Erfahrungsaustauschs Sandra Rösemeier. Ein zweiköpfiges Bewegungsteam stimmte sein Angebot auf die Bedürfnisse sowie die körperlichen Fähigkeiten der Teilnehmer ab. Nordic Walking oder mit dem Rollstuhl durch das sommerliche Herbstwetter, Traumreisen, Yogaeinheiten oder Reflexmassagen – das Angebot wurde zahlreich und gern angenommen. Ebenso die „Stille Oase", ein Rückzugsraum mit Sitzkissen, Decken und ruhiger musikalischer Untermalung.

Am Samstagabend lockten lautere Töne, nämlich die Klänge von DJ Fabian. Mit Rollstuhl, mit Halbseitenlähmung, mit Spaß und immer mehr Mut zog es die Teilnehmer auf die Tanzfläche. Mut brauchte man auch für die Zorbbahn. In aufblasbaren transparenten Riesenkugeln konnten auch gelähmte Teilnehmer das Gefühl körperlicher Freiheit genießen.

Mit einem Koffer gefüllt an Erfahrungen, Adressen von neuen Bekannten und Experten, mit wiederentdecktem Selbstvertrauen und Zuversicht kehrten Betroffene und Angehörige nach drei Tagen zurück in ihren Alltag. Dieser wird von nun an etwas sorgloser sein. „Weil ich weiß, dass ich doch nicht allein bin", sagt eine Teilnehmerin zum Abschied.

Rückmeldungen von Teilnehmern

  • Jetzt haben wir wieder Kraft, die nächsten Monate in Angriff zu nehmen.
  • Ich suchte seit langem Menschen mit dem Schicksal, das wir erlebt haben. Endlich!!!
  • Viele schöne und lustige Momente durfte ich erleben. Danke!
  • Ich habe gemerkt, dass ich kein Einzelfall bin, sondern einer von vielen. Danke an das Team der Schlaganfall-Hilfe. Ihr rockt.
  • Schlaganfall-Betroffene benötigen solche Austauschseminare. Danke an die Stiftung!
  • Danke für dieses Geschenk!
  • Meiner Tochter hat dieses Treffen sehr gut getan. Sie fühlt sich mit ihren Problemen nicht mehr so allein.
  • Ich kann nicht abwarten, was ich im Workshop gelernt habe, anzuwenden.
  • Man merkt, dass es den Mitarbeitern wichtig ist, uns Betroffene zu unterstützen.
  • Ich bin beeindruckt, gestärkt und wieder etwas hoffnungsvoller.

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Junger Mensch und Schlaganfall

Projektberich 1/2016

„Es geht darum, was das Leben von mir erwartet": Dr. Ingrid Sünkeler, leitende Oberärztin der Klinik in Braunfels und Regionalbeauftragte der Schlaganfall-Hilfe gibt Tipps und Ratschläge für das Leben nach Schlaganfall.
Weitere Berichte und Informationen finden Sie im aktuellen Projektbericht „Junger Mensch und Schlaganfall".

 

 „Was macht das Leben mit mir, wie soll ich weiterleben?", das fragen sich die Patienten unter 50 Jahre. Hier hilft die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe mit Aufklärung, Forschung und Information.

Im Projekt „Junger Mensch und Schlaganfall" wissen wir genau, was junge Betroffene brauchen. Lesen Sie im aktuellen Projektbericht mehr über unsere Arbeit, holen Sie sich interessante Tipps und Hinweise, erfahren Sie, was wir tun und wie wir auch Ihnen helfen können:

  • Lesen Sie die Geschichte eines jungen Paares, das Hürden meisterte und
  • welche Tipps und Ratschläge Dr. Ingrid Sünkeler, leitende Oberärztin der Klinik in Braunfels und Regionalbeauftragte der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe für Sie bereit hält.
  • Wir berichten über das Sprechertreffen der Selbsthilfegruppen für junge Schlaganfall-Betroffen und
  • stellen Ihnen die jungen Aphasiker aus Leipzig vor.

Den Projektbericht können Sie bei uns im Online-Shop herunterladen.

 

Ihre Ansprechpartnerin

Vielleicht gehören auch Sie bald zu den Menschen und Organisationen, die uns unterstützen? Wir und vor allem die jungen Schlaganfall-Patienten brauchen Ihre Hilfe. Haben Sie noch Fragen oder Ideen, wie Sie uns helfen können? Gern geben wir Ihnen persönlich, telefonisch oder per E-Mail nähere Auskunft.

Sandra Rösemeier
Telefon: 05241 9770-19
E-Mail: sandra.roesemeier@schlaganfall-hilfe.de

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

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Selbsthilfe-Sprechertreffen 2016

Wissensaustausch in Braunfels

Drei Tage Wissensaustausch unter den Selbsthilfegruppen junger Schlaganfall-Betroffener bot das von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisierte Sprechertreffen in der BDH-Klinik Braunfels. Neben dem Dialog untereinander fanden Vorträge zu den Themen Hilfsmittel, Medikamententreue und Neuropsychologie statt.

 

Drei Tage Wissensaustausch unter den Selbsthilfegruppen junger Schlaganfall-Betroffener bot das von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisierte Sprechertreffen in der BDH-Klinik Braunfels. Neben dem Dialog untereinander fanden Vorträge zu den Themen Hilfsmittel, Medikamententreue und Neuropsychologie statt.

Nichts hilft mehr als das Gespräch mit Menschen, die einen verstehen: Der Besuch einer Selbsthilfegruppe bietet vielen Schlaganfall-Betroffenen Information und darüber hinaus ein Netz, das sie auffängt und hält. Um die Selbsthilfearbeit zu verbessern und den Gruppen den Austausch untereinander zu ermöglichen, veranstaltet die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe seit 2013 das Sprechertreffen für Selbsthilfegruppen junger Schlaganfall-Patienten.  

In diesem Jahr fand das Treffen in der BDH-Klinik Braunfels statt. Dafür hatte die Regionalbeauftragte der Schlaganfall-Hilfe und leitende Oberärztin der BDH-Klinik Dr. Ingrid Sünkeler gesorgt. Gemeinsam mit Prof. Böhm, ärztlicher Direktor der Klinik, begrüßte sie 35 Teilnehmer aus 16 Selbsthilfegruppen. Dr. Sünkeler erzählte, wie der Schlaganfall zu ihrem Fachgebiet wurde und Prof. Klaus Dieter Böhm gab einen Einblick in die Historie der BDH-Klinik. Der weitere Tag galt den Berichten der Selbsthilfegruppen über ihre Arbeit und Erfahrungen aus dem Jahr 2015. Wie immer holte Sandra Rösemeier, Leiterin des Projekts „Junger Mensch und Schlaganfall", dabei ihre Notizen aus dem Vorjahr heraus und prüft, ob die Gruppen ihre Vorhaben umgesetzt haben.

„Was ist denn aus dem Besuch der Rehaklinik geworden?" und „Habt ihr euch für den Förderfonds der Schlaganfall-Hilfe beworben?" Neben kleinen Verbesserungsvorschlägen gab es aber vor allem Lob. Eine neue Webseite, um informieren zu können, Spendenaktionen, um die Beiträge der Mitglieder klein zu halten, und Vorträge, unter anderem zum Thema Patientenverfügung – über diese und weitere Berichte zeigte sich Sandra Rösemeier begeistert. „Ich freue mich zu sehen, wie ernst die Selbsthilfegruppen ihre Arbeit nehmen", sagte sie. Die Gruppen nutzten das Sprechertreffen auch, um sich Rat zu holen. „Uns fällt es schwer, neue Mitglieder für unsere Gruppe zu werben" und „Unsere Weihnachtsfeier konnte nicht stattfinden, weil viele zum Ende des Monats kein Geld mehr übrig hatten". Probleme wie diese konnten gemeinsam schnell gelöst werden: ersteres durch Tipps zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und letzteres durch den Vorschlag, die Weihnachtsfeier nicht in einem Restaurant auszurichten, sondern jeden etwas mitbringen zu lassen.

Der zweite Tag des Sprechertreffens war gefüllt an Informationen von Referenten. Diese hielten nicht nur Vorträge, sondern nahmen sich jeweils auch viel Zeit, um Fragen zu beantworten. Los ging es mit dem Sanitätshaus Hornung aus Dillenburg. Mitarbeiter Olaf Schneider informierte zu aktuellen Hilfsmitteln und erklärte, worauf Betroffene bei der Beantragung dieser achten sollten. Im Anschluss referierte Dr. Sünkeler zum Thema Medikamententreue und gab Tipps, welcher Lebensumstellungen es bedarf, um einen weiteren Schlaganfall zu vermeiden. Dr. Sünkeler schloss sich Sylvia Heck an. Die Neuropsychologin der BDH-Klinik Braunfels gab einen Einblick in ihre Arbeit und erklärte, bei welchen Signalen sie den Besuch eines Neuropsychologen empfehlen würde.

Bevor die Selbsthilfegruppen am dritten Tag mit vielen neuen Informationen und Ideen im Gepäck die Heimreise antraten, berichteten sie über ihre Pläne für das Jahr 2016. Im nächsten Jahr werden sie wieder zusammen zu kommen, um diese zu überprüfen.

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Treffen für junge Schlaganfall-Patienten

Erfahrungsaustausch 2015

Mitte Juni fand der Erfahrungsaustausch „Junger Mensch und Schlaganfall" statt ‒ dieses Jahr in Bayern am Ammersee. 65 junge Schlaganfall-Patienten und 20 Angehörige nahmen teil. Sie erwartete ein Wochenende voller Emotionen, Workshops und intensiven Gesprächen.

Vom 12. bis 15. Juni fand der Erfahrungsaustausch „Junger Mensch und Schlaganfall" statt ‒ dieses Jahr in Bayern am Ammersee. 65 junge Schlaganfall-Patienten und 20 Angehörige nahmen an der von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisierten Veranstaltung teil. Sie erwartete ein Wochenende voller Emotionen, Workshops und intensiven Gesprächen.

Schon in der Vorstellungsrunde zeigte sich, keine Geschichte ist wie die andere. Eins aber haben die Teilnehmer gemeinsam: Im Alltag fühlen sie sich oft allein mit ihrer Erkrankung. „Ich lebe in einer gesunden Welt. Ich möchte auch einmal das Gefühl haben, normal zu sein", sagte eine Patientin. Auf dem Erfahrungsaustausch kann sie das. Dort muss sie sich nicht erklären. Vom Schlaganfall betroffen sind aber nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Angehörigen. Sie müssen sich dem veränderten Zusammenleben stellen und dürfen über ihren Wunsch zu unterstützen, nicht sich selbst vergessen. Aus diesem Grund richtete sich das Programm des Erfahrungsaustauschs sowohl an Schlaganfall-Patienten als auch an ihre Angehörige.

In der Vergangenheit, im Jetzt und in der Zukunft

 

Psychologin Ulrike Dickenhorst bot zwei Workshops an. Mit einigen Teilnehmern arbeitete sie nach der Genogramm-Methode. Dafür wurden Tierfiguren genutzt, um den Betroffenen selbst, enge Familienangehörige und den Partner zu charakterisieren. Die Fragen des Workshop lauteten unter anderem: Worin hat mich meine Herkunftsfamilie gestärkt? Wird meine Behinderung akzeptiert? Was denke ich über mich? Mit den Betroffenen, die zum ersten Mal am Erfahrungsaustausch teilnahmen, arbeitete die Psychologin an den Themen Akzeptanz der Krankheit, Wünsche, Ziele und Bedürfnisse. Außerdem spielte Selbstsicherheit eine große Rolle.

Fürsorge und Selbstsorge

 

Unter dem Motto „Balance zwischen Fürsorge und Selbstsorge" beschäftigte sich Kommunikationstrainer und Coach Klaus Vogelsänger mit den speziellen Herausforderungen und Fragen der Angehörigen. In der Gruppe befanden sich Partner, aber auch Eltern von betroffenen Kindern. Auf lebendige und kreative Art tauschten sie Erfahrungen aus und erforschten Ideen für ein unterstützendes und fürsorgliches Zusammenleben. Zum Abschluss stellte jeder ein Ziel vor, das er von nun an verfolgen möchte: „Ich möchte die neue Lebenssituation annehmen", „Ich möchte meine Fröhlichkeit wiederfinden", „Ich möchte mein Kind unterstützend loslassen." Jeder notierte seinen Wunsch auf eine Karte, die von nun an als Erinnerung zu Hause am Kühlschrank hängen wird.

Yoga für Körper und Geist

 

Für die nötige Auflockerung von Körper und Geist sorgte Bewegungstherapeutin und Yogalehrerin Gabriele Brecht. Sie führte mit den Betroffenen Entspannungsübungen durch, die helfen, sich selbst und den Körper wahrzunehmen und einmal alle Sorgen loszulassen. Ziel war es, dass die Betroffenen Kraft schöpfen, um wieder mutig den Anforderungen des Lebens zu begegnen. Mit ihrer positiven Energie überzeugte die Yogalehrerin auch die größten Skeptiker.

Ausgleich am Ammersee

 

Da es in den Workshops häufig emotional zuging, war es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Dafür eignete sich der Veranstaltungsort Wartaweil am Ammersee optimal: Sonnenliegen im Grünen, ein Spaziergang zum Steg, ein Bad im Ammersee, eine Rollstuhlfahrerschaukel. Den Teilnehmern boten sich bei strahlendem Sonnenschein vielseitige Möglichkeiten, um schwere Gedanken hinter sich zu lassen ‒ aber auch, um in Ruhe das Gespräch untereinander zu suchen.

In besonderer Erinnerung blieb das Lagerfeuerkonzert mit Andy Clayburn aus New York. „Der Samstagabend war unvergesslich!", sagte ein Patient zum Abschied, „Ich habe so viel gelernt an diesem Wochenende und einige Kontakte geschlossen. Jetzt kann ich gestärkt nach Hause gehen."

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Selbsthilfe-Sprechertreffen 2015

Wissensaustausch in Wuppertal

Das SHG-Sprechertreffen 2015 fand im Helios Klinikum Wuppertal statt.

„Das sind Informationen, die uns sonst keiner gibt. Bravo!" ruft Eric Beyers von der Selbsthilfegruppe Wesel. Auf dem Treffen der jungen Selbsthilfe-Sprecher lassen sich die Teilnehmer nicht einfach von Expertenvorträgen berieseln, sie sind wissbegierig und aktiv dabei.

 
Das SHG-Sprechertreffen 2015 fand im Helios Klinikum Wuppertal statt.

„Das sind Informationen, die uns sonst keiner gibt. Bravo!" ruft Eric Beyers von der Selbsthilfegruppe Wesel. Auf dem dreitägigen Treffen der jungen Selbsthilfe-Sprecher lassen sich die Teilnehmer nicht einfach von Expertenvorträgen berieseln, sie sind wissbegierig und aktiv dabei.

Vom 23. bis 25. März fand bereits zum dritten Mal das von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisierte Treffen statt ‒ dieses Jahr im Helios Klinikum Wuppertal. Zehn Selbsthilfegruppen und der Schlaganfall-Landesverband NRW hatten sich angemeldet. Sie hörten Expertenvorträge zu neuen Therapieansätzen, zu der beruflichen Wiedereingliederung und der Finanzierung der Selbsthilfegruppenarbeit. Ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung war aber auch der Austausch der Selbsthilfegruppen untereinander.

SHG-Arbeit: Ein Blick in die Runde

Was haben wir in unserer Selbsthilfegruppe 2014 erreicht? Was planen wir für 2015? Diesen Fragen stellen sich die Selbsthilfegruppen auf dem Wuppertaler Treffen. Ein allgemein bekanntes Problem ist, dass zu Beginn eines Jahres viel geplant, später aber nur ein Bruchteil davon umgesetzt wird. „Das liegt daran, dass wir als Leiter wenig Unterstützung aus der Gruppe bekommen", berichten mehrere Selbsthilfesprecher. Sandra Rösemeier, Projektleitung „Junger Mensch und Schlaganfall" bei der Schlaganfall-Hilfe und Organisatorin des Sprecher-Treffens, weist auf einen bewährten Lösungsweg hin: „Aufgaben vergeben und so Mitglieder fest einbinden". Aber auch die Akquise neuer Gruppenmittglieder sei hilfreich, denn „ein frischer Wind tut immer gut".

„Auf keinen Fall darf man es persönlich nehmen, wenn Menschen nicht zu Treffen erscheinen oder sich nicht an Abmachungen halten", fährt Sandra Rösemeier fort. „Das hat auch viel mit dem Krankheitsbild Schlaganfall zu tun." Alles in allem überwiegt aber folgende Erkenntnis: Die Selbsthilfegruppen haben sich im vergangenen Jahr tolle Aktionen ausgedacht, zum Beispiel ein Imagefilm, gemeinsame Urlaube, Broschüren und die Organisation von Informationsveranstaltungen.

Lehrstunde für Experten und Betroffene

 
Für die Referenten gab es von den Teilnehmern großes Lob.

Wie wichtig die Informationen der Experten für die Teilnehmer sind, lässt sich an den interessierten Nachfragen und lebhaften Diskussionen erkennen. „Mir hat wirklich der Kopf geraucht. Ich habe von Ihnen noch einmal gelernt, wie wichtig das Thema ‚berufliche Wiedereingliederung` ist und wofür ich arbeite", bedankt sich Referent Manfred Smeja bei seinen Zuhörern.
 

Botox in der Spastik-Therapie

 
Prof. Dr. Gerhard Reichel behandelt Spastiken mit Botox.

Am ersten Tag stößt Prof. Dr. Gerhard Reichel mit seinem Vortrag „Mehr Bewegung ‒ Botulinumtoxin als zentraler Bestandteil einer Spastik-Therapie" auf großes Interesse. Der Professor ist Chefarzt des Kompetenzzentrums für Bewegungsstörungen an der Paracelsusklinik Zwickau. Er injiziert Schlaganfall-Betroffenen die im Volksmund als Botox bekannte Flüssigkeit, um verkrampfte Muskeln zu entspannen. Von oralen Medikamenten in der Spastik-Behandlung rät der Neurologe ab, weil Tabletten im ganzen Körper und nicht punktuell wirken. Mehrere Teilnehmer erkundigen sich, ob Botulinumtoxin auch jetzt noch eine Behandlungsmöglichkeit für sie biete. Und ja, auch Jahre nach einem Schlaganfall kann diese Art der Therapieform einen Rückgang der Spastik bewirken.

Neurostimulation bekämpft Fußheberschwäche

 
Magret Crosberger kann mithilfe von Neurostimulation besser laufen.

Am zweiten Tag geben sich die Experten gewissermaßen die Klinke in die Hand. Dr. Thorsten Böing von Otto Bock Health Care stellt die Neurostimulation ActiGait vor. Dabei handelt es sich um ein Hilfsmittel, mit dem Schlaganfall-Patienten, die unter einer Fußheberschwäche leiden, geholfen werden kann. Es ist ein implantierbarer Stimulator, der die unzureichende Kontrolle der Fußhebung während des Gehens kompensiert. Eine Teilnehmerin aus der SHG Wuppertal nutzt den Stimulator. Unter dem Staunen aller Anwesenden zeigt sie, welche Schwierigkeiten ihr das Laufen bereitet, wenn sie ActiGait ausstellt und welchen Fortschritt das Einschalten bewirkt. Explizit weist Dr. Böing aber darauf hin, dass die Neurostimulation nur für eine geringe Zahl der Schlaganfall-Betroffenen in Frage kommt. 

Berufliche Wiedereingliederung

 
Manfred Smeja beantwortete jede Frage zur beruflichen Wiedereingliederung.

Mit viel Geduld stellt sich Manfred Smeja von ReIntegro Köln den zahlreichen Fragen zum Thema „berufliche Wiedereingliederung". Nach einem Schlaganfall ist eine Rückkehr an den Arbeitsplatz für die meisten Betroffenen nicht möglich und fehlt daher als feste Komponente im Leben. In der Gruppendiskussion berichten die Teilnehmer von einem Dschungel an Informationen, Problemen mit der Agentur für Arbeit und dem Wunsch, wieder eine Tätigkeit aufzunehmen. Manfred Smeja gibt zu, dass es selbst für einen Profi schwierig sei, den Überblick zu behalten. Er empfiehlt den Teilnehmern, sich an einen Reha-Fachberater zu wenden und sich vorab genau zu überlegen, was sie möchten, um dann konkrete Wünsche zu äußern.

Darüber hinaus weist Manfred Smeja auf die verbreitete Unwissenheit über den Schlaganfall hin. Er ermutigt die Betroffenen, potentielle Arbeitgeber aufzuklären und ihnen die Angst zu nehmen. So könne im Dialog zum Beispiel eine reduzierte Arbeitszeit vereinbart werden. „Ein Schlaganfall ist nicht nur eine Halbseitenlähmung. Die Betroffenen leiden häufig unter kognitiven Problemen und sind daher nicht mehr voll belastbar", sagt Manfred Smeja, „für Außenstehende ist das aber nicht ersichtlich."

Finanzierung der Selbsthilfe

 
Sandra Rösemeier erklärt, wie Selbsthilfe finanziert werden kann.

Viele Selbsthilfegruppen verzichten bewusst auf Mitgliederbeiträge, um Interessierten den Weg in die Gruppe zu erleichtern. Aber Raumkosten, Schulungen, Tagungsbesuche und gemeinsame Reisen müssen finanziert werden. Dafür führt Sandra Rösemeier verschiedene Möglichkeiten auf: „Ein niedriger Mitgliedsbeitrag schreckt kaum jemanden ab und hilft eine finanzielle Basis zu schaffen", sagt sie. Außerdem weist sie darauf hin, dass jede Selbsthilfegruppe Anspruch auf eine Pauschalförderung oder eine Projektförderung habe, die sie bei der Krankenkasse beantragen kann.

Um Spender und Sponsoren zu animieren, ist die Kreativität der Selbsthilfegruppen gefragt. Die SHG Gütersloh geht mit gutem Beispiel voran: Sie hat erreicht, dass bei einem nahe gelegenen Supermarkt die Pfandbons für sie gespendet werden können und für ein Grillfest bat die Gruppe einen Metzger um eine Fleischspende.

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Carmen hat Träume

 

Gebt niemals auf – so heißt die Botschaft, die Carmen Bockfeld ihren Mitmenschen mitgibt. Mit nur 27 Jahren erleidet die heute 32-Jährige einen Schlaganfall. „Mit meiner Geschichte möchte ich anderen Mut machen." sagt sie.

 

Gebt niemals auf – so heißt die Botschaft, die Carmen Bockfeld ihren Mitmenschen mitgibt. Mit nur 27 Jahren erleidet die heute 32-Jährige einen Schlaganfall. Es folgen weitere Schicksalsschläge im beruflichen und privaten Bereich. „Heute bin ich wieder glücklich", stellt Carmen fest, „mit meiner Geschichte möchte ich anderen Mut machen."

Es traf Carmen, als alles gut war in ihrem Leben. Frisch vermählt war sie eine Woche zuvor in einen neuen Beruf gestartet. Ganz bewusst hatte sich die junge Frau entschieden, den stressigen Job als Filialleiterin eines Supermarktes aufzugeben. Als sie ihre Hochzeitsfotos sortierte, überkam Carmen ein stechender Kopfschmerz. „Ich dachte, mein Kopf platzt", erinnert sie sich.

Viel zu spät reagiert Carmens Mann – aus Unwissenheit. Erst 24 Stunden später bringt er seine Frau in das Krankenhaus. Dann geht alles ganz schnell. Die Diagnose: Schlaganfall. Mit einem Hubschrauber wird Carmen in eine Stroke Unit geflogen. An die Woche nach ihrem Schlaganfall kann sie sich heute nicht mehr erinnern. „Meine ersten Erinnerungen sind, dass Leute vor meinem Bett standen, die ich kannte, aber ich wusste ihre Namen nicht mehr. Auch Lesen ging nicht, alles war verschwommen." Rechnen, lesen, schreiben – alles musste Carmen neu erlernen. „In der Reha war ich unglaublich müde", erinnert sich die 32-Jährige, „aber ich dachte, ich mache das hier, und danach ist alles wieder gut. So war es aber nicht."

Zurück zu Hause kehrt Carmen an ihren Arbeitsplatz zurück – zunächst für drei Stunden pro Tag. „Ich habe selbst gemerkt, dass ich arbeite wie eine schlechte Praktikantin", erinnert sich Carmen. Zwar hat die junge Frau keine körperlichen Einschränkungen, aber eine starke Konzentrationsschwäche, und ein eingeschränktes Sichtfeld erschweren ihr das Leben. Am letzten Tag der Wiedereingliederung bekommt Carmen die Nachricht, dass sie entlassen ist.

Bei weiteren Untersuchungen wird endlich die Ursache für den Schlaganfall gefunden: ein Angiom, eine Fehlbildung der Gefäße. Eine Operation am Kopf ist notwendig, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern. Dafür entstehen neue Probleme: Das Kortison, welches Carmen im Anschluss an die Operation nehmen muss, lässt sie innerhalb kürzester Zeit 30 Kilo zunehmen. Und am Silvestertag bricht die junge Frau beim Einkaufen ohnmächtig zusammen. Durch die Narbe an ihrem Kopf hat sich eine Epilepsie entwickelt. „Irgendwann war alles zu viel für mich. Ich fiel in ein tiefes Loch", beschreibt Carmen die damalige Zeit, „vor dem Schlaganfall war ich eine selbstbewusste Frau, aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Meinung mehr. So kannte mich mein Mann gar nicht. Trotzdem war er immer für mich da, genau wie meine Mutter und meine Schwester."

Carmen gibt nicht auf. Mühsam zählt sie jeden Tag Kalorien und nimmt ab, sie geht zu ihren Therapien und lernt auch zu Hause. Im Sticken findet sie, die vor ihrem Schlaganfall nie Zeit für ein Hobby hatte, neue Freude. Kleine selbstgenähte Eulen verkauft sie von nun an über einen Internet-Shop. Carmen lernt damit umzugehen, dass ehemalige gute Freunde nicht mit ihrem Gesundheitszustand umgehen können.  Sie konzentriert sich stattdessen auf Freunde, die sie unterstützen. Auf Veranstaltungen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe trifft die 32-Jährige Menschen, die wie sie schon im jungen Alter einen Schlaganfall erleiden mussten.

Als sich alles wieder zum Besseren wendet, trifft Carmen der nächste Schicksalsschlag. Nach zwölf Jahren Beziehung trennt sich ihr Mann von ihr. Wie die 32-Jährige später herausfindet, für seine Auszubildende. Wieder gerät das Leben der jungen Frau ins Wanken, aber ihr Netz aus Freunden lässt sie nicht fallen. Und wie das Leben es will, findet sie über das Internet eine neue Liebe: Martin.

Carmen hat Träume. Am liebsten würde sie sich mit dem Sticken eine Existenz aufbauen. Das ist aber aufgrund ihrer eingeschränkten Konzentrationsfähigkeit nicht möglich. Deshalb heißt das kleine Ziel: immer etwas mehr produzieren. Auch ein Kind wünscht sich Carmen in ein paar Jahren. Aus medizinischer Sicht ist das Risiko überschaubar, ob sie aber der Belastung gewachsen wäre, weiß Carmen nicht. Deshalb zählt für sie momentan nur das Jetzt: „Ich bin glücklich", sagt sie.

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Eine gemeinsame Reise

 

Geschwister: David und Michael wissen, wie wertvoll es ist, einen Bruder oder eine Schwester zu haben.Heute nach Davids Schlaganfall können sie endlich wieder gemeinsam reisen.

Geschwister: David und Michael wissen, wie wertvoll es ist, einen Bruder oder eine Schwester zu haben.Heute nach Davids Schlaganfall können sie endlich wieder gemeinsam reisen.

 
Michael und David

Im Frühjahr 2011 machte sich David (23) mit seinem Bruder Michael (25) und mehreren Freunden auf, um am Gardasee Sonne zu tanken. Nach der Ankunft in Italien wurde erst einmal gefeiert, am nächsten Morgen konnte David nicht aufstehen. Michael rief einen Arzt, die Fehldiagnose lautete „Alkoholvergiftung". Wertvolle Zeit verstrich, mehrere Tage im Krankenhaus folgten. „Hier gab es viele Untersuchungen", erinnert sich Michael, „eine handfeste Diagnose bekamen wir nicht. Aber wir wussten, David ist schwer krank."

Verzweifelt bemühte sich die Familie um eine Überführung nach Fürth in eine Spezialklinik, die aber erst Tage später per Flugzeug möglich wurde. Dort wurde David operiert und ins künstliche Koma gelegt. Heute weiß man, dass Davids Schlaganfall durch eine genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung in Kombination mit Folsäuremangel ausgelöst wurde. „Als mein Bruder nach mehreren OPs endlich wieder aufgewacht ist und sprechen konnte, war das, als würde das Leben neu beginnen", erinnert sich Michael.

Während der Wochen und Monate, die David im Krankenhaus und in der Reha verbrachte, organisierte Michael mit Freunden ein buntes Besuchsprogramm mit vielen Überraschungen, ersten Picknicks und kleinen Ausflügen. „Trotz seiner Krankheit hat David uns viel mehr gegeben als wir ihm", sagt Michael. „Manchmal waren wir traurig und voller Mitleid wenn wir ihn besucht haben. Dann hat er uns erzählt, dass er sich für jede Behandlung und jede Spritze bedankt, auch wenn es mal weh tut. Er war immer fröhlich und zuversichtlich und hatte auch an schlechten Tagen ein paar Späße für seine Besucher parat."

Mittlerweile können David und Michael wieder gemeinsam reisen. „Ich bin stolz, dass er das geschafft hat und wünsche ihm, dass er möglichst bald wieder ein komplett selbstständiges Leben führen kann", sagt der große Bruder und strahlt.

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Tristan Brandt - Ein Sternekoch für Herausforderungen

 

„Für mich ist es wichtig, Neues zu lernen und mich Herausforderungen zu stellen", sagt Tristan Brandt. Aus diesem Grund sagte er sofort zu, als der frühere Boxer und jetzige Botschafter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Axel Schulz ihn bat, beim Erfahrungsaustausch „Junger Mensch und Schlaganfall" einen Kochkurs zu geben.

 

Überall glitzern Weihnachtssterne, doch am meisten freut sich Tristan Brandt in diesem Jahr über den Michelin-Stern für sein Mannheimer Restaurant OPUS V. Als Küchenchef und Gastgeber stellt er jeden Monat ein neungängiges Menü zusammen, das die Gäste bis auf drei Gänge reduzieren können. „Dabei handelt es sich um euroasiatische Küche auf französischer Basis", erklärt der 29-Jährige. Die besondere Herausforderung:  Neben dem OPUS V ist Tristan Brandt ebenfalls Küchenchef des Le Corange, der Faces Lounge und der Dachterrasse. Alle Restaurants befinden sich im Mannheimer Modehaus Engelhorn und verfolgen verschiedene Konzepte.

Seine Leidenschaft für das Kochen entdeckte Tristan Brandt schon als Kind ‒ neben seiner Mutter am Herd. „Als wir in der neunten Klasse der Realschule ein Praktikum machen sollten, war für mich klar: Ich gehe in eine Küche", sagt der heutige Sternekoch. Ein Jahr später begann er seine Ausbildung. Anschließend lernte der gebürtige Mainzer unter anderem bei den Sterneköchen Jean-Georges Klein, Dieter Müller und Christian Bau; für fünf Monate arbeitete er in Shanghai und für ein halbes Jahr kochte er auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa. „Für mich ist es wichtig, Neues zu lernen und mich Herausforderungen zu stellen", sagt Tristan Brandt. Aus diesem Grund sagte er sofort zu, als der frühere Boxer und jetzige Botschafter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Axel Schulz ihn bat, beim Erfahrungsaustausch „Junger Mensch und Schlaganfall" einen Kochkurs zu geben. Dass viele seiner Kochschüler infolge ihres Schlaganfalls nur einen Arm bewegen konnten, war kein Hindernis, sondern eine Herausforderung für alle. „Mich hat es beeindruckt zu sehen, dass man mit der Zubereitung einfacher Gerichte, Menschen so begeistern kann", erinnert sich Tristan Brandt, „gemeinsam haben wir etwas geschafft, was sich der Einzelne nicht zugetraut hätte."

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Drei Frauen, drei Generationen, drei Lebensgeschichten und viele Gemeinsamkeiten

 

Regina Claudia und Hannah beim Erfahrungsaustausch in Lobbach 2013

Drei Frauen, drei Generationen, drei Lebensgeschichten und viele Gemeinsamkeiten: Hannah (20), Claudia (33) und Regina (59) hatten einen Schlaganfall und stehen nun wieder mit beiden Beinen im Leben. Kennengelernt haben sie sich beim Erfahrungsaustausch „Junger Mensch und Schlaganfall". Sie hatten sich viel zu erzählen. Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick sieht man ihnen ihr Handicap nicht an. Das ist schön, meinen die drei, kann aber manchmal auch zum Problem werden.

 
Regina Claudia und Hannah beim Erfahrungsaustausch in Lobbach 2013

Drei Frauen, drei Generationen, drei Lebensgeschichten und viele Gemeinsamkeiten: Hannah (20), Claudia (33) und Regina (59) hatten einen Schlaganfall und stehen nun wieder mit beiden Beinen im Leben. Kennengelernt haben sie sich beim Erfahrungsaustausch „Junger Mensch und Schlaganfall". Sie hatten sich viel zu erzählen. Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick sieht man ihnen ihr Handicap nicht an. Das ist schön, meinen die drei, kann aber manchmal auch zum Problem werden.

„Wenn ich an der Kasse das Geld nicht schnell genug aus dem Geldbeutel bekomme, stoße ich oft auf Unverständnis", erzählt Claudia. Und es gibt Tage, da spürt sie die Nachwirkungen des Schlaganfalls besonders, etwa beim Treppenlaufen. Hannah berichtet, dass sie in der Schule oft unter Stress stand, weil sie manchmal mehr Zeit brauchte, um zum selben Ergebnis zu kommen wie ihre Mitschüler. „Deshalb haben mir die Seminare beim Erfahrungsaustausch sehr gut getan, hier habe ich gesehen, dass es anderen auch so geht und dass es Strategien gibt, um damit umzugehen."

Regina und der Leistungsdruck

Regina kennt Leistungsdruck aus der Perspektive der Lehrerin. Sie unterrichtete bis zu ihrem Schlaganfall im Dezember 2012 Deutsch und Englisch an einer Realschule in Dresden.

Nach erfolgreicher Reha wollte sie wieder einsteigen. Aber die Spätfolgen einer Borreliose, die zu Gefäßverschlüssen führen kann und vielleicht Auslöser für den Schlaganfall war, machten ihr einen Strich durch die Rechnung. „Meine Schüler fehlten mir", sagt Regina, „aber ich musste akzeptieren, dass es noch nicht ging. Meine Schüler sollten mich gesund und mit Energie und Lebensfreude zurückzubekommen".
Die engagierte und beliebte Pädagogin nutzte die Zeit, kurierte sich aus, tankte Energie. Und gründete eine Selbsthilfegruppe in Dresden. „Dieser Austausch ist mir sehr wichtig. Denn man muss vorn schauen und sich nicht zurückzuziehen!" Regina ist schon ein wenig stolz, dass sie den beruflichen Einstieg innerhalb eines Jahres mithilfe einer stufenweisen Wiedereingliederung geschafft hat. „Ich arbeite seitdem in Teilzeit, 20 Wochenstunden, verteilt auf Montag bis Donnerstag. Eine größere Arbeitsbelastung wäre nicht mehr drin!", so Regina. Am Dienstende ist sie manchmal erschöpft, doch es gelingt ihr meist, die kleinen Schwächen zu überspielen. „Bis heute haben meine Schüler von meinem Angebot, mich auszupfeifen und vor die Klassenzimmertür zu stellen, wenn es unzumutbar wird, noch keinen Gebrauch gemacht", schmunzelt sie. Langfristige Ziele setzt sich Regina nicht mehr … „mal schauen, wie lange es noch geht!"

Claudia schaut nach vorn

Nach vorne schauen ist auch das Motto von Claudia. Für sie war der Schlaganfall eine Zäsur, ein Wendepunkt in ihrem Leben. „Davor lief es nicht ganz rund, mittlerweile weiß ich, was mir wirklich wichtig ist." Ihren Beruf als pharmazeutisch-technische Assistentin kann Claudia nicht mehr ausüben, daher machte sie eine Umschulung zur Industriekauffrau, die sie im Sommer 2015 mit der Note 1,5 abschloss. Im Karlsruher Institut für Technologie machte sie ein Berufspraktikum und wurde dort als Sachbearbeiterin im Bereich Finanzverwaltung/Controlling engagiert. „Der Job macht mir viel Spaß, meine Kollegen sind super", sagt Claudia.

Auch privat hat Claudia nach einer gescheiterten Ehe neu angefangen. Sie achtet auf ihre Gesundheit, geht regelmäßig joggen oder ins Fitnesscenter; Ziel ist ein Halbmarathon. Seit einiger Zeit lebt sie mit ihrem Freund in einer gemeinsamen Wohnung, auch der Sohn ihres Freundes wohnt drei Tage die Woche dort: „Wir sind eine glückliche Patchwork-Familie". Und zwei junge Katzen – Amélie und Django – bereichern das Familienleben.

Hannah teilt ihre Kräfte ein

Familie ist auch für Hannah wichtig. Ein Leben vor dem Schlaganfall kennt sie nicht, denn sie erlitt ihren Schlaganfall vor der Geburt. „Ich habe lange nicht realisiert, dass bei mir etwas nicht so funktioniert wie bei meinen Schwestern". Die Mädchen kamen als Drillinge zur Welt. „Es ist toll, zwei Schwestern zu haben, obwohl wir komplett unterschiedlich sind", schwärmt Hannah. Nach ihrer Ausbildung wurde sie 2014 als Sachbearbeiterin übernommen, ihr Beruf macht ihr viel Freude. Und einige ihrer Ziele, wie ein eigenes umgebautes Auto zu fahren, hat sie schon erreicht. „Mittlerweile habe ich gelernt meine Kräfte einzuteilen. Wenn ich eine Pause brauche, nehme ich mir die Zeit", erzählt sie. In ihrer Freizeit spielt Hannah Posaune – im Musikverein ihres Heimatorts. „Ein Instrument zu spielen ist eine wunderbare Konzentrationsübung und die Gemeinschaft im Verein gefällt mir sehr gut" so Hannah. Beim Üben auf der Posaune kann sie ihren rechten Arm, der ihr manchmal ein bisschen Kummer macht, weiter stärken und trainieren. Entspannung pur sind für Hannah ausgedehnte Spaziergänge mit ihrer jungen Hündin im Schwarzwald. Das Tier ist ein wahrer „Freudenbringer" in Hannahs munterer Familie.

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Neustart nach Schlaganfall in jungen Jahren

 

Es war kein Tag wie jeder andere, ganz im Gegenteil: Was an diesem frühen Abend im Jahr 2000 in wenigen Sekunden passiert ist, hat das ganze Leben von Adrian Reiss massiv und nachhaltig verändert

Mario Rustemeier feiert gerne Karneval. Das hatte er auch an jenem Samstagabend im Februar 2007 geplant. Doch dann wurde ihm plötzlich schlecht und schwindelig, er musste sich hinlegen...

Lesen Sie die mutmachenden Geschichten der beiden Männer.

Es war kein Tag wie jeder andere, ganz im Gegenteil: Was an diesem frühen Abend im Jahr 2000 in wenigen Sekunden passiert ist, hat das ganze Leben von Adrian Reiss massiv und nachhaltig verändert

Mario Rustemeier feiert gerne Karneval. Das hatte er auch an jenem Samstagabend im Februar 2007 geplant. Doch dann wurde ihm plötzlich schlecht und schwindelig, er musste sich hinlegen...

An einem Tag wie jeder andere...

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Und doch war es eben gerade kein Tag wie jeder andere, ganz im Gegenteil: „Was am 1. November 2000 am frühen Abend in wenigen Sekunden passiert ist, hat mein ganzes Leben massiv und nachhaltig verändert." berichtet Adrian Reiß.

Nach dem Schlaganfall lag er zunächst zwei Wochen im Koma. Es folgten Wochen zwischen Leben und Tod, eine sehr schwere Zeit, viele Komplikationen, Operationen und sehr anstrengende Rehabilitationsphasen.  

Ich bin heute zu 100 Prozent schwerbehindert, rollstuhlpflichtig, sprachbehindert, sehbehindert, und vieles mehr. Ich spreche relativ langsam, daher ist Schreiben für mich ein gutes Medium. Aber die Sprache ist mir auch ganz wichtig", sagt er. Nach dem Schlaganfall konnte Adrian Reiß über einen Monat lang gar nichts sagen, es kam kein Laut zustande. Er teilte sich über Händedruck und Augenbewegungen mit. Heute ist das Sprechen wieder möglich, allerdings etwas verlangsamt. Seine Freundin Vaida war damals immer zur Stelle, machte ihm Mut, nicht aufzugeben: „Vaida hat ganz Großes geleistet, seelisch und körperlich, das werde ich niemals vergessen!" Adrian ist seinen Eltern, treuen Freunden und seiner Freundin Vaida sehr dankbar, sie alle, vor allem Vaida, haben ihm das Leben gerettet, an dem er immer noch sehr hängt.

„Es ist natürlich sehr schlimm, was durch einen Schlaganfall geschieht, aber das Überleben ist unvergleichlich wichtiger. Ich lebe stark in meiner Mobilität eingeschränkt, aber auch mit dieser Behinderung ist ganz vieles machbar. Keiner sollte schnell aufgeben und schon gar nicht resignieren! Es gibt meist Lösungen, nur liegen sie nicht immer offen auf der Hand", weiß Adrian Reiß. Vieles geht heute bei ihm langsamer, für alltägliche Verrichtungen braucht er sehr viel mehr Zeit als gesunde Menschen.
Vor dem Schlaganfall arbeitete Adrian Reiß im Verkaufsinnendienst bei DHL Paket, heute kann er nach einer beruflichen Wiedereingliederung wieder ganztags als Sachbearbeiter bei seiner Firma arbeiten. Ein Fahrdienst bringt ihn zur Arbeit und wieder nach Hause.

Übrigens: Inzwischen ist aus der Liebesbeziehung zu Vaida eine schöne Freundschaft geworden, die beiden sehen sich immer noch regelmäßig und unternehmen viel gemeinsam. Auch Reisen ist wieder möglich.

In einem Filmbeitrag erzählen Adrian und Vaida ihre Geschichte.

"Vielleicht können andere von meinen Erfahrungen profitieren"

erlitt im Jahr 2007 einen Schlaganfall  

Ein Karnevalsbesuch war an jenem Samstagabend im Februar 2007 geplant. Doch dann wurde ihm plötzlich schlecht und schwindelig, er musste sich hinlegen. Am Sonntag war er wieder soweit hergestellt, dass er zum Umzug gehen konnte. Und am Montag wieder zur Arbeit. Doch irgendwie war alles anders in dieser Woche, bis zum Donnerstag. Sein Arzt schickte ihn zur MRT-Untersuchung. Ergebnis: Mario Rustemeier hatte eine Blutung im Kleinhirn.

Von der Intensivstation aus rief er seine Partnerin an, die am Telefon in Tränen ausbrach. „Und mir ging´s ja auch nicht besser," erinnert er sich. „Ich dachte: Wieso ich? Und was passiert jetzt? Irgendwie ist man plötzlich allein auf dieser Welt." Einige Tage später wurde Mario Rustemeier entlassen. Die Ursache für die Blutung wurde nicht gefunden. Die Ärzte klärten ihn intensiv auf, sprachen von den unkalkulierbaren Risiken eine weiteren Blutung oder einer Epilepsie. Mario Rustemeier hörte sich all das an, wirklich verstehen konnte er es noch nicht.

Von seinen persönlichen Plänen ließ er sich nicht abbringen. Im April fand die lang geplante Hochzeit statt. Und doch war das Glück getrübt von den vielen Unsicherheiten. Die Blutung hinterließ leichte Gefühlsstörungen und auch psychische Beeinträchtigungen. So konnte sich Mario Rustemeier nicht mehr in großen Menschenmengen aufhalten. „Und niemand konnte mir wirklich sagen, wie engmaschig ich mich untersuchen lassen sollte." Deshalb ließ er insgesamt 10 MRT-Untersuchungen machen. Bis er eines Tages zu der Überzeugung kam, dass er vor allem wieder zur Normalität zurückfinden musste.

Inzwischen sind fünf Jahre ohne weitere Vorfälle vergangen. „Mein Hausarzt meint, ich sollte mir keine großen Sorgen mehr machen, mein Risiko für eine weitere Blutung sei überschaubar." Die Krankheit verarbeitet hat Mario Rustemeier durch seine Familie: 2008 und 2010 bekam das Ehepaar zwei gesunde Kinder. Aber er suchte auch den Austausch mit Gleichgesinnten. „Im Internet habe ich nach langem Suchen ein Forum gefunden. Das hat mir letztlich viel geholfen, weil ich merkte, ich bin gar nicht allein mit meinem Schicksal. Und es gibt viele, denen es noch deutlich schlechter geht."

Der gelernte Elektriker spielt mittlerweile mit dem Gedanken, seine Erfahrungen beruflich zu nutzen. Sein Arbeitgeber plant die Einführung eines Wiedereingliederungsmanagements für Mitarbeiter nach langer Krankheit. „Ich denke, das ich da sehr viel Einfühlungsvermögen einbringen könnte," so Mario Rustemeier. Ähnlich wie in der Selbsthilfegruppenarbeit.

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Familienleben

Lieben und Leben nach Schlaganfall

Zwei Jungs und ihre Eltern sitzen lächelnd auf dem Boden.

Nach Krankenhaus und Rehabilitation kommt der Schlaganfall-Patient, wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, nach Hause - und dann? Ob Kinderwunsch, Familienleben, Sexualität und Partnerschaft, erst einmal muss man sich wieder aneinander gewöhnen. Das ist normal.

Schlaganfall – aus „heiterem Himmel"

Zwei Jungs und ihre Eltern sitzen lächelnd auf dem Boden.  
Viele Schlaganfall-Patientinnen habe Angst, dass eine Schwangerschaft ein Risiko für einen erneuten Schlaganfall darstellt.

Ein Schlaganfall trifft sowohl die Betroffenen als auch deren Umfeld immer völlig unvorbereitet. Die Auswirkungen sind unterschiedlich: Die einen haben eine halbseitige Lähmung, können nicht mehr sprechen oder haben Gesichtsfeldausfälle, den anderen sieht man von außen nichts an. Trotzdem hat sich viel verändert.
Nach Krankenhaus und Rehabilitation kommt der Schlaganfall-Patient, wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, nach Hause - und dann? Erst einmal muss man sich wieder aneinander gewöhnen. Das ist normal.

Ein Schlaganfall kann verändern

„Als ich zurück nach Hause kam, fühlte ich mich fremd", berichtet eine Schlaganfall-Patientin. „Ich habe mich verändert, mein Wesen ist ein anderes als vor dem Schlaganfall. Damit müssen meine Angehörigen klar kommen. Oft hieß es am Anfang: Früher hättest du anders reagiert. Mein Mann und meine Tochter lebten plötzlich mit einer anderen Frau und Mutter zusammen. Wir mussten uns erst einmal wieder zusammenraufen."

Angst vor Schwangerschaft und Geburt

„Mein Mann und ich planten kurz vor dem Schlaganfall ein weiteres Kind", erzählt eine Schlaganfall-Patientin. „Doch nach dem Schlaganfall hatte ich Angst: Könnte die Schwangerschaft oder die Geburt nicht ein Auslöser für einen weiteren Schlaganfall sein? Erst nach zwei Jahren haben wir es gewagt: Ich wurde schwanger und bekam ein Mädchen."
Ob es möglich ist, trotz erlittenem Schlaganfall problemlos ein Kind auszutragen und auf die Welt zu bringen, hängt von der Ursache des Schlaganfalls ab. Doch viele Frauen wissen nicht, warum sie einen Schlaganfall erlitten haben. Eine Schwangerschaft führt zu einem leicht erhöhten Risiko, einen weiteren Schlaganfall zu erleiden. Das Beste ist, nach einem erlittenen Schlaganfall mit dem Arzt den möglichen Kinderwunsch zu besprechen.

Auch Verhütung bespricht man mit dem Arzt

Viele jüngere Schlaganfall-Patienten stecken noch in der „Vor-Familien-Planungsphase" und sind unsicher, ob sie Kinder bekommen können, wie sie verhüten und so weiter. Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille sind nach Meinung mancher Mediziner oft nicht das richtige Verhütungsmittel für eine Schlaganfall-Patientin. Manche können die Thromboseneigung erhöhen. Diese Frage sollte mit einem Gynäkologen und einem Neurologen besprochen werden. Wurde der Schlaganfall durch eine Durchblutungsstörung ausgelöst, dann sollte man keine Hormonpräparate einnehmen. Doch letztendlich ist jeder Fall individuell, generelle Empfehlungen können nicht gegeben werden.

Kann das Schlaganfall-Risiko vererbt werden?

Eine weitere große Frage: „Ist mein Kind Schlaganfall gefährdet, vererbe ich das Risiko weiter?" Falls Vater oder Mutter dazu neigen, Thrombosen, also Blutgerinnsel zu bilden, dann können sie das an ihre Kinder weiter vererben. Doch das kann im Rahmen einer Untersuchung geklärt werden. Dazu werden die Blutwerte der Eltern und ihrer Kinder auf Thromboseneigung hin untersucht. Allerdings: Es gibt nicht den Schlaganfall-Test, so wie es auch nicht das Schlaganfall-Gen gibt. 

Liebe und Leben nach Schlaganfall

Auch Sexualität nach dem Schlaganfall kann für Betroffene ein Thema sein. Durch einen Schlaganfall werden die sexuellen Bedürfnisse und die sexuelle Leistungsfähigkeit nicht zwangsläufig beeinträchtigt. Doch das Körpergefühl kann sich grundlegend verändern. Man fühlt sich vielleicht einfach nicht wohl in seinem Körper oder leidet unter einer körperlichen Behinderung.

Trotzdem: Sexualität ist Kommunikation, kann Halt und Liebe geben. Sie kann dazu führen, wieder einen Bezug zum Körper zu bekommen. Die Angst, beim Sex einen weiteren Schlaganfall zu erleiden, ist fast immer unbegründet – eine Untersuchung beim Arzt kann da noch einmal Sicherheit geben. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in der Broschüre „Lieben und Leben nach Schlaganfall". Diese können Sie bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bestellen. 

Die Broschüre "Lieben und Leben nach Schlaganfall" können Sie in unserem Online-Shop bestellen.