Die Krankheit verarbeiten, den Schlaganfall annehmen, sich als Schlaganfall-Patienten „outen"- das sind Schritte, um die Krankheit zu bewältigen.
Liegen keine sichtbaren Lähmungen oder Einschränkungen vor, dann akzeptieren Umwelt und auch viele Betroffene die Krankheit erst einmal nicht. Die Folgen sind manchmal schwerwiegend:
„Ich habe lange Zeit richtiggehend gekämpft, um mich wieder vollständig gesund zu fühlen und auch so zu wirken. Manche Auswirkungen des Schlaganfalls bleiben. Ich kann mich schlechter konzentrieren, habe manchmal Schwierigkeiten die richtigen Worte zu fnden. Das wird sich auch nicht mehr ändern - aber heute habe ich es akzeptiert", berichtet ein 32-jähriger Schlaganfall-Patient.
Kampfgeist zu haben ist erst einmal gut. „Mir haben viele Ärzte gesagt, dass ich niemals mehr so reden könnte wie vor dem Schlaganfall", erklärt eine 35-jährige Schlaganfall-Patientin. „Das hat bei mir eine regelrechte Trotzreaktion hervorgerufen: Denen werde ich es zeigen, jetzt erst recht. Heute ist mir die Sprachbehinderung nicht mehr anzumerken."
Ein harter Kampf, der sich gelohnt hat. Der Kampfgeist der 35-Jährigen ist auch heute noch da, sie teilt sich ihre Energie jedoch mehr ein: „Immer nur kämpfen, das geht nicht. Ich versuche jetzt, einen Schritt nach dem anderen zu machen - in meinem Tempo."
Den eigenen Takt, das eigene Tempo finden: Auch das ist ein Schritt auf dem Weg zur Krankheitsbewältigung.
Der Weg zu so einer Einsicht ist ein mühsamer, das Ziel „völlige Gesundung" oft so hoch gesteckt, das es nicht erreichbar ist. Das bringt viele Enttäuschungen mit sich, in der Rehabilitation, aber auch später zuhause. Kampfgeist ist eben nur begrenzt verfügbar. Irgendwann einmal kommt der Zeitpunkt, an dem es heißt: Nobody is perfect - niemand ist perfekt.
Ein weiterer, wichtiger Punkt: kein Fall gleicht dem anderen. Bei der späteren Behandlung von Schlaganfall-Patienten kann nicht nach „Schema F" vorgegangen werden. So unterschiedlich, wie Menschen sind, ist auch der Verlauf der Krankheit. Was dem einen Patienten hilft, muss beim Nächsten nicht unbedingt wirken. Die Erfahrungen, die junge Schlaganfall-Patienten machen, sind sich ähnlich, doch letztendlich alle unterschiedlich. Mit anderen Worten: Jede und jeder macht seine eigenen Erfahrungen und weiß, was ihr oder ihm am besten gefällt.