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90. DGN-Kongress in Leipzig

„Neurologie ist die Schlüsselmedizin des 21. Jahrhunderts"

90. DGN-Kongress in Leipzig

„Kein anderes Fach der Medizin wird in den kommenden Jahrzehnten eine solche gesellschaftliche Bedeutung haben wie die Neurologie," sagt der Kölner Professor Gereon Fink. In Leipzig eröffnete er den 90. Kongress der Gesellschaft für Neurologie (DGN). 6.000 Fachleute kommen dort vier Tage lang zusammen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu beraten. Auch in der Behandlung und Rehabilitation des Schlaganfalls hat sich viel getan.
Wir berichten von den spannenden Ergebnissen.

„Kein anderes Fach der Medizin wird in den kommenden Jahrzehnten eine solche gesellschaftliche Bedeutung haben wie die Neurologie," sagt der Kölner Professor Gereon Fink. In Leipzig eröffnete er den 90. Kongress der Gesellschaft für Neurologie (DGN). 6000 Fachleute kommen dort vier Tage lang zusammen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu beraten. Auch in der Behandlung und Rehabilitation des Schlaganfalls hat sich viel getan.

 

8,2 Millionen Menschen in Europa leben zurzeit mit den Folgen eines Schlaganfalls. Ihre Behandlung kostet 64 Milliarden Euro. „Doch es geht nicht vorrangig um Geld, es geht vor allem um Leben und Lebensqualität", betont Gereon Fink, Präsident der DGN. Von 1998 bis 2015 sei es den Neurologen in Europa gelungen, die Sterberate nach Schlaganfall zu halbieren. Weiterhin jedoch gehen etwa 1,6 Millionen Lebensjahre durch den Schlaganfall verloren. Die Erfolgsgeschichte der Neurologie hat Grenzen.

Die demographische Entwicklung ist wohl Hauptursache für den Boom des Faches. Bei vielen neurologischen Erkrankungen gilt – wie beim Schlaganfall - das Alter als größter Risikofaktor. Schon heute sind 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland älter als 65 Jahre, im Jahr 2050 wird es mehr als die Hälfte sein. Die Medizin hält Schritt mit dieser Entwicklung: 1.270 neurologische Fachärzte gab es in Deutschland 1993, Ende 2016 waren es bereits 6.810.

Der Bedarf wird weiter wachsen, auch deshalb schlagen die Neurologen neue Wege ein und werben beim medizinischen Nachwuchs für ihr Fach. Ein Instrument dabei ist die Kampagne www.wirsindneurologie.de. Gereon Fink sieht darüber hinaus weiteren Entwicklungsbedarf. „Wir benötigen mehr Mittel für die pharma-unabhängige Forschung, um insbesondere in den Bereichen weiterzukommen, an denen die Industrie wenig Interesse hat", so der Präsident. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Bereiche Prävention und Früherkennung.

Und ein weiterer Punkt liegt Fink gerade im Wahljahr sehr am Herzen. „Der Pflegenotstand muss politisch stärker bekämpft werden", sagt er. Neurologische Pflege sei oft besonders belastend, körperlich und psychisch. Und sie sei „therapeutische Pflege". Doch es gebe keine spezielle Personalbemessung und keine gesonderte Vergütung in diesem Bereich, das müsse sich ändern.

 

Weitere Themen

8 Stunden + X für Thrombektomie

 

„Die Zahl der Patienten, die nach einem Schlaganfall für eine Thrombektomie in Frage kommen, ist deutlich größer als bisher angenommen", sagt der Essener Professor Hans-Christoph Diener. Neue internationale Studien belegen diese Annahmen.

 

„Die Zahl der Patienten, die nach einem Schlaganfall für eine Thrombektomie in Frage kommen, ist deutlich größer als bisher angenommen", sagt der Essener Professor Hans-Christoph Diener. Neue internationale Studien belegen diese Annahmen.

Thrombektomie oder „mechanische Rekanalisation" nennen Ärzte das Entfernen eines Gefäßverschlusses im Gehirn mittels eines Katheters, der über die Leiste des Patienten eingeführt wird. Die Neurologen jubelten, als 2015 die ersten positiven Studien zu dieser neuen Methode veröffentlicht wurden. Einziges Manko: man schätzte, dass nur etwa 5 Prozent der Schlaganfall-Patienten dafür in Fragen kommen, unter anderem weil auch die Thrombektomie nur einem eingeschränkten Zeitfenster zum Einsatz kommen kann.

Der Nutzen der mechanischen Thrombektomie im Zeitraum von höchstens sechs bis acht Stunden nach Symptombeginn ist bereits durch sieben Studien belegt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) weist nun in einer Pressemittelung auf die neue DAWN-Studie* hin. Sie untersuchte, ob die Thrombektomie auch danach, in einem Zeitfenster zwischen 6 und 24 Stunden nach Beginn der Symptome, wirksam ist.

Die Studie, ursprünglich mit 500 Teilnehmern geplant, wurde wegen eindeutig positiver Ergebnisse nach 206 Patienten abgebrochen. Die Patienten wurden im Mittel 13 Stunden nachdem sie zuletzt gesund gesehen worden waren, behandelt. Bei 84 Prozent der Patienten konnte das Gefäß erfolgreich eröffnet werden. Damit hatten die Thrombektomie-Patienten ein um 73 geringeres Risiko als herkömmlich behandelt Patienten. Die Blutungsraten waren gering und wie die Sterblichkeit mit 18 Prozent in beiden Therapiegruppen identisch.

Die DAWN-Studie hat damit ein für die Schlaganfall-Therapie erstaunlich positives Ergebnis, das die Zahl der Patienten, die für eine Thrombektomie in Frage kommen, deutlich zunehmen lassen wird, urteilt die DGN. Zudem zeigte eine Metaanalyse der VISTA-Endovascular Collaboration, dass der Therapieerfolg der Thrombektomie weitgehend unabhängig vom Alter der Patienten und der Schwere des Schlaganfalls ist.




*(Clinical Mismatch in the Triage of Wake Up and Late Presenting Strokes Undergoing Neurointervention With Trevo


Individuelle Sprachtherapie am Tablet

 

An der Ludwig-Maximilians-Universität München ist ein neues Therapieverfahren auf dem Tablet für Patienten mit Aphasie und Sprechapraxie entwickelt worden. Aktuell kann die Software noch kostenlos getestet werden.

 

An der Ludwig-Maximilians-Universität München ist ein neues Therapieverfahren auf dem Tablet für Patienten mit Aphasie und Sprechapraxie entwickelt worden. Aktuell kann die Software noch kostenlos getestet werden.

Das Projekt „neolexon" wurde beim „Bayerischen Innovationspreis Gesundheitstelematik" mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Mit dem neolexon-System kann der Therapeut am Computer oder Tablet individuelles Übungsmaterial für seine Patienten zusammenstellen. Hierfür steht eine Datenbank aus aktuell 6.200 Wörtern mit den dazugehörigen Fotos zur Verfügung. Zeitsparend kann mit wenigen Klicks sowohl nach phonetisch-phonologischen Eigenschaften, als auch nach semantischen Kategorien gefiltert werden.
Die ausgewählten Wörter werden anschließend auf das Tablet (iOS und Android) in eine Therapeuten-App und eine App für das Eigentraining des Patienten übertragen. In den neolexon-Apps stehen Übungen zum mündlichen und schriftlichen Benennen, zum auditiven Sprachverständnis und Lese-Sinnverständnis zur Verfügung.

Das Projekt neolexon ist eine Entwicklung des Instituts für Phonetik und Sprachverarbeitung der Universität München, angegliedert an die Entwicklungsgruppe Klinische Neuropsychologie (EKN). neolexon wird aktuell im Rahmen eines gemeinnützigen Projektes des Vereins Social Affairs e.V. den Nutzern zugänglich gemacht. Voraussichtlich noch bis Frühjahr 2018 ist die Nutzung kostenlos.

Mehr Informationen und Registrierung für Therapeuten und Patienten unter: www.neolexon.de


Seltene Schlaganfall-Ursachen

Workshop für Moyamoya-Patienten

Manchen Schlaganfall-Ursachen kommen Ärzte nur ganz schwer auf die Spur. Eine davon ist Moyamoya. Am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen hat man sich darauf spezialisiert.

Manchen Schlaganfall-Ursachen kommen Ärzte nur ganz schwer auf die Spur. Eine davon ist Moyamoya. Am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen hat man sich darauf spezialisiert. Am 4. November findet dort ein Workshop für Patienten mit dieser seltenen Erkrankung statt.

 

Arno Gabriel ist 49. Heute geht es ihm recht gut, sagt er. Lange Jahre war das nicht so. Er litt unter so vielen Beschwerden, dass seine Ärzte ihn zum Hypochonder erklärten, zu einem „eingebildeten Kranken". Erst ein Schlaganfall brachte die Wahrheit ans Licht.

Ein schwerer Start ins Leben

Als Frühchen hatte Gabriel einen schweren Start ins Leben. In seiner Kindheit hatte er mit rasenden Kopfschmerzen zu kämpfen. Noch dazu erlitt er mit drei Jahren einen Schädelbruch. Über die Jahre erklären Ärzte ihn aufgrund immer wieder aufkommender Krankheiten zum Hypochonder. Er bekam Psychopharmaka verschrieben. „Die hätte ich eigentlich gar nicht gebraucht", sagt Gabriel heute. Dass „Moyamoya" von Ärzten nicht erkannt wird, ist keine Seltenheit. In Europa sind lediglich 0,03 Prozent der Bevölkerung von der Krankheit betroffen, in Asien dagegen ist sie weiter verbreitet.

Moyamoya bezeichnet eine zunehmende Verengung der inneren Halsschlagader im Gehirn, zusammen mit den angrenzenden Hirngefäßen. Weshalb es dazu kommt, ist bis heute unklar. Bei Arno Gabriel entstand schließlich ein kompletter Verschluss. Leidet das Gehirn unter einer mangelnden Blutversorgung, kommt es zum Schlaganfall. Bei dem 49-jährigen zeigten sich die Symptome während des Einkaufs im Supermarkt. „Ich spürte plötzlich, dass ich einen Hörsturz hatte und bekam Augenflimmern. Mein Mundwinkel hing herunter", beschreibt er die Situation.

Endlich Klarheit durch Diagnose

 

In der neurologischen Klinik fanden Ärzte die überraschende Ursache für seinen Schlaganfall. Die Computertomographie seines Gehirns zeigte ein Bild, das kleinen Wölkchen (japanisch: Moya) ähnelte. Moyamoya-Patienten bilden ein Netz kleiner Gefäße aus, die das verschlossene Areal umgehen. Auf Bildern sehen diese wie kleine Wolken aus.

Seine Durchblutungsstörung könnte erblich veranlagt sein, meint der Mann aus Herborn in Hessen. Schließlich sei seine Urgroßmutter wahrscheinlich an einem Hirninfarkt gestorben. Doch allgemeine Aussagen über eine Vererbbarkeit kann die Wissenschaft heute noch nicht treffen. Forscher suchen noch nach genauen Ursachen für Moyamoya, unter anderem in der Genetik und in Verbindung mit weiteren Gefäßerkrankungen.

Seit seiner Diagnose nimmt Gabriel Marcumar. Ein Medikament, das im Volksmund häufig als Blutverdünner bezeichnet wird. Wirklich dünner macht es das Blut nicht, doch es verhindert die Gerinnung oder Verklumpung, so dass es auch durch Gefäßengstellen fließen kann. Vorbeugend nimmt er auch Medikamente gegen Epilepsie, die unter Umständen ebenfalls als Folge auftreten kann. Außerdem muss Arno Gabriel häufig lange Ruhepausen einlegen, da mit Moyamoya auch eine starke Ermüdung einhergeht.

Kreative Krankheitsverarbeitung

Was Herrn Gabriel aufrecht hält, ist seine Liebe zur Fotografie – für ihn ein Ausdruck der Selbstständigkeit und Freiheit: „Hier kann ich bestimmen, wo, wie, wann und was ich mache", sagt er. Aktuell schreibt er zudem an seinem autobiographischen Roman. Er möchte anderen Menschen mit seiner Geschichte Mut machen, „für sich selbst zu kämpfen, das ist das Wichtigste", betont er. Aber auch zwischenmenschliche Beziehungen spielen für den 49-Jährigen eine große Rolle: „Ich wünsche allen Betroffenen gute Freunde und eine Familie, die für einen einstehen und einen so akzeptieren können, wie man ist."

Der Schlaganfall war ein Wendepunkt in Arno Gabriels Leben. Denn so schlimm die Erkrankung auch ist, hat sie ihm letztlich die quälende Ungewissheit genommen. Seine Beschwerden hatten eine seltene Ursache mit Namen „Moyamoya". Mit der Diagnose ging es wieder aufwärts in seinem Leben – dank guter Ärzte, Medikamente und einem starken Lebensmut.

Informationsforum für Patienten

Das Informationsforum für Patienten unter der Leitung von Privatdozent Dr. Markus Krämer findet zum insgesamt dritten Mal

  • am Samstag, den 4. November 2017
  • von 10 bis 18 Uhr
  • im Alfred Krupp Krankenhaus in Essen statt.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Neben kurzen Vorträgen von medizinischen Referenten werden in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe drei Workshops für Betroffene und Angehörige angeboten.

Anmeldung
Rositha Borgstedt
Telefon: 0201 434-41435
Telefax: 0201 434-2873
E-Mail: termine-neurologie@krupp-krankenhaus.de

Hier geht es zum Programm. ()


4. Lotsen-Tagung Schlaganfall

 

Am Donnerstag, 5. Oktober 2017, wird die 4. Lotsen-Tagung Schlaganfall stattfinden.  Von 10 bis 17 Uhr erwartet die Teilnehmer ein dichtes und abwechslungsreiches Programm zum Case Management. Tagungsort ist in diesem Jahr Gütersloh.

Am Donnerstag, 5. Oktober 2017, wird die 4. Lotsen-Tagung Schlaganfall stattfinden.  Von 10 bis 17 Uhr erwartet die Teilnehmer ein dichtes und abwechslungsreiches Programm zum Case Management. Tagungsort ist in diesem Jahr Gütersloh.

In immer mehr Regionen Deutschlands werden Menschen nach dem Schlaganfall von Lotsen begleitet. Auch in Ostwestfalen-Lippe sollen im Projekt STROKE OWL in den kommenden drei Jahren 2.000 Patienten von einem Schlaganfall-Lotsen profitieren. Gemeinsam mit den Teilnehmern der 4. Lotsen-Tagung Schlaganfall wird diese neue Versorgungsform weitegedacht und -entwickelt werden.

Auf der Lotsen-Tagung sprechen unter anderem Redner wie die Parlamentarische Staatssekretärin und Patientenbeauftragte der Bundesregierung Ingrid Fischbach als Keynote-Speakerin oder Prof. Peter Löcherbach, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Gesellschaft für Care und Case-Management. Darüber hinaus beinhaltet das Programm die Vorstellung verschiedener Praxisprojekte stellen und eine Diskussion mit unterschiedlichen Akteuren aus der Gesundheitsbranche zu der Frage „Wer holt die Lotsen an Bord?".

Eine Übersicht zum Programmablauf () finden Sie hier.

 

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe freut sich auf Ihr Kommen!

  • Veranstaltungsort: Bertelsmann Stiftung
    Carl-Bertelsmann-Straße 256
    33311 Gütersloh
  • Teilnahmegebühr: 60 Euro/ 30 Euro ermäßigt
  • Anmeldung unter: veranstaltung@schlaganfall-hilfe.de

Termine und Veranstaltungen

Termine und Veranstaltungen

 

15.7.-21.8.: Das Prinzip Apfelbaum - Wanderausstellung in Bremen
18.8.:Symposium: "Fachweiterbildung Neurologie - vom Modell zum Erfolg" in Dresden
28.10.-30.10.: Erfahrungsaustausch Junger Mensch in Duisburg

Testen Sie Ihr Risiko!

Machen Sie den Risikotest!

 

Unser Schlaganfall-Risikotest basiert auf medizinisch-wissenschaftlichen Grundlagen und dient der Aufklärung über Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Thala - Das Gesundheitsmagazin

Thala 3/2017

 

Thala 3/2017 mit dem Special Ein Schlaganfall trifft auch die Seele

Unser Themen-Special: Depression nach Schlaganfall!

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