- Herr Fröhlich, vielen Menschen fällt es unsagbar schwer, gesund zu leben. Wie kann man ihnen helfen?
Das ist eine große Herausforderung. Wir können heute wissenschaftlich den Erfolg von Prävention (Vorsorgemaßnahmen) beziffern. Aber Fakten sind nur ein Teil der Wahrheit. Es geht auch darum, diese Botschaften besser zu vermitteln. Ein Beispiel: Raucher mit einem Bluthochdruck haben ein 20-fach erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Diese Botschaft setzt der Empfänger nicht automatisch in eine Handlungsempfehlung um. Besser ist es, gleich die positive Perspektive anzubieten: Wer das Rauchen aufgibt und gleichzeitig seinen Bluthochdruck reguliert und kontrolliert, minimiert sein Schlaganfall-Risiko auf ein Zwanzigstel.
- Kommt man den Menschen mit Zahlen näher?
Vielen nicht, aber Zahlen dienen als Grundlage, sie sind der Beweis für Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit. Auf der Gefühlsebene kann man beispielsweise den Wohlfühleffekt anführen: Wer sich ausreichend bewegt, gesund ernährt und auf das Rauchen verzichtet, dem wird es subjektiv besser gehen.
- Lässt sich das so pauschal sagen?
Das ist teilweise wissenschaftlich belegt. Wer Sport treibt, setzt Glückshormone frei. Für aktive Freizeitsportler ist das der „Kick", der sie antreibt. Natürlich können nicht alle Menschen Leistungssport vollbringen. Wir sprechen deshalb lieber von Bewegung. Man kann sich altersgerecht mit Spaziergängen, Radfahren oder Schwimmen fithalten. 30 Minuten moderate tägliche Bewegung reichen aus.
- Bewegung macht also gesund und glücklich?
Sie trägt entscheidend dazu bei, soviel ist bewiesen. Der Körper produziert dabei vermehrt das Hormon Serotonin. Bewegung an frischer Luft ist besonders wirksam, weil die UV-Strahlen eine ähnliche Wirkung haben. Und dann ist da der psychologische Effekt, den wir alle kennen. Wer seinen eigenen Widerstand überwindet und etwas geschafft hat, dem geht es hinterher besser.
- Wie ist es mit der Ernährung?
Da heißt es: Sich ausgewogen ernähren und nicht mehr essen, als der Körper verbraucht. Wer beispielsweise seine Cholesterinwerte in einen gesunden Bereich bringt, halbiert sein Schlaganfall-Risiko. Stark übergewichtige Menschen können ihr Risiko durch Abnehmen sogar dritteln.
- Lassen sich alle Risikofaktoren ausschalten?
Nicht alle, Altern kann man nicht aufhalten. Doch Ernährung, Bewegung, Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes lassen sich verändern. Das Alter allein ist kein Risikofaktor, der einem Sorge machen muss. Jedoch die Kombination mehrere Faktoren wie Alter, Rauchen und Bluthochdruck führen zu einem Vielfachen des durchschnittlichen Risikos. Denn Risikofktoren addieren sich nicht einfach nur. Wer sich diese Zahlen genau anschaut, kann nachvollziehen, wie sehr sich Prävention lohnt.
- Was ist, wenn ich schon einen Schlaganfall erlitten habe?
Dann ist Prävention umso wichtiger, weil das Risiko für einen weiteren Schlaganfall ohnehin schon höher ist. Wir sprechen in diesem Fall von Sekundärprävention. Für eine gesunde Lebensweise ist es nie zu spät. Auch im fortgeschrittenen Alter kann ich dadurch noch Erfolge erzielen.