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Häufig gestellte Fragen

zum Thema Schlaganfall und Rehabilitation

Ein Mann im Beratungsgespräch.

Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Die vielfältigen Folgen dieser Erkrankung erfordern eine intensive Rehabilitation. Dabei ist diese nicht als Folgestufe eines Krankenhausaufenthaltes anzusehen: Sie beginnt so früh wie möglich.

Was versteht man unter "Rehabilitation" bezogen auf Schlaganfall-Betroffene?

Ein Mann im Beratungsgespräch.  

Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Die vielfältigen Folgen dieser Erkrankung erfordern eine intensive Rehabilitation. Dabei ist diese nicht als Folgestufe eines Krankenhausaufenthaltes anzusehen: Sie beginnt so früh wie möglich.

Sobald der Allgemeinzustand des Betroffenen stabilisiert ist, beginnen die rehabilitativen Maßnahmen bereits in der Akutphase bzw. schon am Erkrankungstag. Verschiedene Berufsgruppen arbeiten von Anfang an in einem so genannten therapeutischen Team zusammen. Das übergeordnete Ziel: weitestgehende Selbstständigkeit für den Betroffenen.

Fortgeführt wird die im (Akut-)Krankenhaus begonnene Rehabilitation in ambulanten oder stationären Rehabilitationseinrichtungen. Idealerweise geschieht dies im Sinne einer Anschlussheilbehandlung (AHB) direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt. Der Verlauf ist abhängig von der Schwere des Schlaganfalls individuell unterschiedlich. In der Regel umfasst der Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung etwa drei Wochen (eventuell wird er verlängert), anschließend werden häufig ambulante Therapiemaßnahmen wahrgenommen.

Welche Folgen eines Schlaganfalls erfordern eine Rehabilitation?

Ein Schlaganfall hat unterschiedlichste Auswirkungen. Vielfältige Symptome erfordern eine Rehabilitation. Direkt "sichtbar" sind die körperlichen Einschränkungen, zu denen

  • Lähmungen, meist einer Körperhälfte (Hemiparese/Hemiplegie),
  • Gefühlsstörungen auf der betroffenen Körperseite,
  • Sehstörungen, oft in Form einer "Halbseitenblindheit" (Hemianopsie) und/oder
  • Schluckstörungen (Dysphagie) gehören können.

Daneben kann ein Schlaganfall zu einer Reihe von Einschränkungen führen, die auf den ersten Blick "unsichtbar" sind. Diese werden im Denken und Handeln der Betroffenen offensichtlich und werden von Medizinern als neuropsychologische Störungen bezeichnet. Sie sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen mindestens ebenso belastend wie die körperlichen Einschränkungen. In der Rehabilitation sind beide Problembereiche untrennbar verbunden.

Zu den neuropsychologischen Störungen gehören Störungen der Wahrnehmung, die nicht auf eine Einschränkung der Sinnesorgane zurückzuführen sind. Sie können z.B. gekennzeichnet sein durch:

  • die Vernachlässigung von Reizen, des Körpers und der Umgebung auf einer Körperseite (Neglect-Phänomen),
  • das fehlende Erkennen der eigenen Erkrankung bzw. der Einschränkungen (Anosognosie) oder
  • die Beeinträchtigung des Erkennens von Gegenständen (Objekt-Agnosie).

Zu den neuropsychologischen Störungen gehören außerdem:

  • die Beeinträchtigung der Fähigkeit, Bewegungen und Handlungen sinnvoll bzw. zweckmäßig auszuführen (Apraxie) und
  • die Beeinträchtigung der Sprache (Aphasie), die sowohl das Sprechen, als auch das Verstehen, das Schreiben und das Lesen betreffen kann.

Zudem kommt es - bedingt durch diese vielfältigen Einschränkungen oder durch die Schädigung des Gehirns selbst - bei etwa der Hälfte der Betroffenen zu depressiven Syndromen. Diese sind durch Antriebsarmut und gedrückte Stimmung gekennzeichnet und stellen somit eine besondere Herausforderung für die Rehabilitation dar.

Welche Erfolgsaussichten bietet eine Rehabilitation von Schlaganfall-Betroffenen?

Wissenschaftliche Studien haben ergeben: Rehabilitation ist erfolgreich. Dabei ist Erfolg in vielen Fällen aber nicht im Sinne einer "Heilung" zu verstehen, sondern als Fortschritt des Einzelnen im Hinblick auf das Rehabilitationsziel "weitestgehende Selbstständigkeit".

Der Mechanismus, den sich die Rehabilitation dabei zu Nutze macht, wird von Wissenschaftlern als "Plastizität des Gehirns" bezeichnet. Konkret bedeutet dies: Das Gehirn ist lebenslang lernfähig. Durch den Schlaganfall geschädigte Funktionen können an anderen Stellen des Gehirns neu aktiviert werden.

Welche Personen sind an der Rehabilitation von Schlaganfall-Betroffenen beteiligt und welche Aufgaben haben sie?

In der Rehabilitation von Schlaganfall-Betroffenen arbeiten unterschiedlichste Berufsgruppen innerhalb eines so genannten therapeutischen Teams zusammen. Idealerweise stimmen sie ihre Arbeit untereinander ab, jeder behandelt den Betroffenen "als Ganzes". Ansatzpunkt ihrer Tätigkeit sind aber die jeweiligen - aus dem Schlaganfall folgenden - Probleme der Betroffenen. So ist

  • die Physiotherapie für die Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen,
  • die Ergotherapie für die Diagnostik und Therapie von Störungen im Bereich der Selbsthilfefähigkeit sowie für die Ausstattung mit Hilfsmitteln,
  • die Logopädie für die Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen,
  • die Neuropsychologie für die Diagnostik und Therapie von kognitiven und psychischen Störungen,
  • die Pflege für die Übertragung der therapeutischen Konzepte in den Alltag der Betroffenen,
  • der Sozialdienst für die Unterstützung in rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen und
  • der Mediziner für die Koordination der Rehabilitationsmaßnahmen zuständig.

Abhängig von den Behandlungsschwerpunkten gehören auch andere Berufsgruppen, wie zum Beispiel Ernährungsberater zum Team. Im Zentrum des therapeutischen Teams stehen jedoch die Betroffenen selbst. Die Rehabilitationsziele und -maßnahmen werden gemeinsam mit ihnen festgelegt und abgestimmt. Auch ihre Angehörigen sind ein wichtiger Teil des Teams. Sie sind einerseits "Motivator" der Betroffenen, andererseits dafür zuständig, Therapiemaßnahmen im Alltag umzusetzen.

Welche Verfahren werden in der Rehabilitation von Schlaganfall-Betroffenen eingesetzt?

In der Rehabilitation von Schlaganfall-Betroffenen existieren viele unterschiedliche Verfahren. Dabei gibt es Verfahren, die speziell von einer Berufsgruppe bezogen auf spezielle Folgen des Schlaganfalls eingesetzt werden und Verfahren, die berufsgruppenübergreifend Anwendung finden.

Eine verallgemeinerbare Aussage über die Überlegenheit bestimmter Verfahren gegenüber anderen kann nicht getroffen werden, da die Wirksamkeit in vielen Fällen noch nicht hinreichend erforscht ist. Es gibt jedoch einige, die sich seit vielen Jahren in der Praxis etabliert haben.

Ein Beispiel dafür ist das so genannte Bobath-Konzept. Sein Grundstock wurde bereits in den 1940er Jahren durch die Krankengymnastin Berta Bobath und ihren Mann, den Neurologen Karel Bobath gelegt. Seitdem wurde es kontinuierlich weiterentwickelt und angepasst. Idealerweise wird es von allen Berufsgruppen angewandt. Das Ziel: Die Therapie findet nicht nur in den Therapiestunden statt, sondern den ganzen Tag. Durch individuell auf den jeweiligen Betroffenen abgestimmte Maßnahmen oder "Lernangebote" soll dessen Körperwahrnehmung gefördert und Bewegungsabläufe sollen im Sinne "normaler" Bewegung mit beiden Körperseiten "geschult" werden.

Was sind die Ziele des Engagements der Stiftung im Bereich Rehabilitation?

Die Ziele der Stiftung gehen einher mit den allgemeinen Zielen der Rehabilitation. Sie will sich durch ihr Engagement darum kümmern, dass Schlaganfall-Betroffene ein weitestgehend selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen können. Sie sollen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben können, durch die rehabilitativen Maßnahmen soll ein zweiter Schlaganfall möglichst lange oder komplett vermieden werden. Die Stiftung möchte die Betroffenen auf ihrem Weg in eine "neue Normalität" begleiten und unterstützen. Dazu entwickeln wir auch ganz praktische Informationen, die im Alltag weiterhelfen.