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Legende der Neurochirurgie

 

Wenn konservative Medizin nach einem Schlaganfall nicht helfen kann, sind häufig Neurochirurgen gefragt. Ein weltweit führender Vertreter dieses Faches ist Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Madjid Samii. Er hat schon vielen Patienten das Leben gerettet. Ein Portrait des Weltbürgers aus Hannover.

Wenn konservative Medizin nach einem Schlaganfall nicht helfen kann, sind häufig Neurochirurgen gefragt. Ein weltweit führender Vertreter dieses Faches ist Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Madjid Samii. Er hat schon vielen Patienten das Leben gerettet. Ein Portrait des Weltbürgers aus Hannover.

Vor einigen Jahren gelang es Samii, bei einem Jungen nach einem Schlaganfall durch eine komplizierte Operation das noch funktionsfähige, aber gestörte Gewebe neben dem eigentlichen Krankheitsherd wieder zu aktivieren. Das ursprünglich gelähmte Kind erlangte seine verlorene Bewegungsfähigkeit zurück. Es sind rührende und motivierende Momente wie dieser, die Samii die Kraft gäben, die bis zu 16-stündigen Operationen durchzustehen, sagt er. „Das ist dann nicht mehr Arbeit, sondern Faszination, einem Menschen geholfen zu haben. Da ist keine Müdigkeit, sondern Euphorie". Im vergangenen Jahr berichtete Prof. Samii den Zuhörern des Bertelsmann Forums in Gütersloh eindrucksvoll von seinen Erlebnissen.

 
Im vergangenen Jahr referierte Madjid Samii über die Neurochirurgie auf Einladung von Liz Mohn vor 400 Zuhörern im Bertelsmann-Forum.

Der gebürtige Iraner zählt mittlerweile 78 Jahre, doch noch heute steht er regelmäßig am OP-Tisch des von ihm gegründeten Neuroscience Institute in Hannover. Das futuristisch anmutende Gebäude beherbergt eine Privatklinik und ein Forschungsinstitut. Dass Samii sich ausgerechnet in Deutschland zu einem der führenden Neurochirurgen weltweit entwickelte, ist fast ein Zufall. Der damals 20jährige Abiturient strebte ein Studium an der Stanford University in den USA an, hatte dort bereits einen Studienplatz. Es war seine ältere Schwester, die ihn überredete, in Mainz zu studieren. Obwohl er damals kein Wort Deutsch sprach, hat er die Entscheidung nach eigenem Bekunden nie bereut.

Heute blickt der Arzt und Wissenschaftler auf die Erfahrung von mehr als 20.000 Gehirnoperationen zurück. Die Faszination für die Leistungsfähigkeit dieses Organs hat ihn immer gefesselt. Selbst im Vergleich mit den leistungsfähigsten Computern sieht er das menschliche Hirn im Vorteil. „Was Computern immer fehlen wird, sind eine für viele Entscheidungen nötige Intuition oder Gefühle", sagt der Wissenschaftler.

Schon kurz nach seinem Medizinstudium habilitierte Samii. Damit begann sein kometenhafter Aufstieg in der Medizin. Der Motor seiner Karriere war sein unstillbarer Wissensdurst, gepaart mit dem ständigen Streben nach noch besseren Operationsergebnissen für seine Patienten. „Wenn ein Monat vergeht, und ich habe nichts Neues gefunden, dann fühle ich mich nicht wohl", beschreibt Samii seine Motivation in einem TV-Portrait. „Wenn ich diesen Drang nicht mehr habe, etwas zu verändern, dann wird es Zeit aufzuhören". Rückblickend auf seine Karriere zeigt er sich bescheiden: „Ich hatte Glück, dass ich Gebiete erarbeitet habe, die noch nicht so entwickelt waren, vor allem die Mikrochirurgie." Samii gilt heute als einer ihrer Begründer. Schon 1966 operierte er mit Operationsmikroskopen an Nerven und Gefäßen.
Nahezu unzählbar sind die Auszeichnungen, Ämter und Lehrstühle, die Samii aufgrund seiner Verdienste über die Jahrzehnte sammelte. Hauptsächlich sind es wissenschaftliche Titel, doch auch das Bundesverdienstkreuz verlieh ihm der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Für seine Verdienste um die Ausbildung von Neurochirurgen auf allen Kontinenten wurde er 1997 zum Präsidenten des Weltverbandes WFNS (World Federation of Neurosurgical Societies) gewählt und ist seit 2011 als WFNS-Botschafter für Afrika tätig. Unter anderem fördert die Gesellschaft derzeit rund hundert angehende Neurochirurgen auf dem afrikanischen Kontinent.

Drei Viertel seines Lebens verbrachte der Iraner Madji Samii in seiner Wahlheimat Deutschland. In der Wissenschaftswelt brachte er es zu großem Ruhm, doch anders als ein Popstar kann er in Deutschland noch unerkannt durch die Straßen gehen. Anders ist das in seiner ersten Heimat. Im vergangenen Jahr war er Teilnehmer einer Delegation, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach Teheran begleitete. Doch nicht der deutsche Vizekanzler, sondern der Arzt an seiner Seite war der Star der Reise, wie die Tageszeitung DIE WELT berichtete, die die Delegation begleitete.

Schulen und Krankenhäuser sind im Iran nach ihm benannt, in Parks steht seine Statue und auf der Straße bitten ihn die Leute um Selfies. Das International Neuroscience Institute in Hannover wird in Kürze unter seiner Leitung die gleichen Institute in Teheran und in Peking eröffnen. Der Iraner und Wahl-Deutsche wird sein Wissen also noch weiter in die Welt hinaustragen. Er tut das nicht um des Geldes wegen, wie er versichert. Natürlich sind viele Prominente unter seinen Patienten. Doch trügen sie letztlich dazu bei, seine Klinik zu finanzieren und so auch Patienten zu helfen, die finanziell nicht so gut gestellt seien. Wie sagte er der WELT auf seiner Iran-Reise: "Für mich ist es die größte Freude, jemanden zu operieren, ohne etwas dafür zu nehmen".

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Fragen rund um den Schlaganfall

Allgemeine Informationen und Wissenswertes

Ein Querschnitt eines Kopfes, an dem ein Schlaganfall simuliert wird.

Hier erhalten Sie Antworten zu wesentlichen Fragen rund um das Thema  Schlaganfall.

Allgemeine Informationen

Ein Querschnitt eines Kopfes, an dem ein Schlaganfall simuliert wird.  

Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall resultiert aus einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Er entsteht, wenn hirnversorgende Blutgefäße (Arterien) „verstopft" sind oder „platzen". Durch die daraus folgende Minderversorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen können wichtige Funktionen des Gehirns unvermittelt („schlagartig") ausfallen, Zellen beginnen abzusterben.

Für etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle ist eine „Verstopfung" der Gefäße verantwortlich. Sie entsteht durch Blutgerinnsel, die entweder mit dem Blutstrom aus anderen Gefäßen „verschleppt" werden (Embolie), oder direkt „vor Ort" entstehen (Thrombose) – Mediziner sprechen von einem Hirninfarkt. Seltener entsteht ein Schlaganfall durch „Platzen" eines Hirngefäßes – hier sprechen Mediziner von einer Hirnblutung.

Abhängig von der betroffenen Hirnregion kann ein Schlaganfall unterschiedlichste Auswirkungen haben. Charakteristisch sind die Lähmung oder Gefühlsstörungen einer Körperhälfte sowie Seh- und/oder Sprachstörungen.

Knapp 270.000 Schlaganfälle ereignen sich nach aktuellen Berechnungen jährlich in Deutschland, etwa 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle. Er ist die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter.

Was macht die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe?
Seit ihrer Gründung durch Liz Mohn 1993 verfolgt die Stiftung das Ziel möglichst viele Schlaganfälle zu verhindern und den Folgen dieser Erkrankung entgegenzutreten. In unterschiedlichen Projekten kümmert sie sich erfolgreich um eine Verbesserung der Prävention, der Therapie, der Rehabilitation und der Nachsorge des Schlaganfalls.

Unterstützt wird die Aufklärungs- und Informationsarbeit der Stiftung von rund 200 so genannten Regionalbeauftragten, die meist Ärzte aus Kliniken und Rehabilitations-Einrichtungen sind. Unter dem Dach der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe sind inzwischen über 470 Schlaganfall-Selbsthilfegruppen entstanden.

Auch in der Akuttherapie hat die bundesweite Stiftung Zeichen gesetzt: Heute gibt es deutschlandweit mehr als 200 Schlaganfall-Spezialstationen, so genannte Stroke Units, die unter der Schirmherrschaft der Stiftung und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifiziert werden, um ihre Qualität zu fördern.

Wissenswertes über den Schlaganfall

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe klärt mit Ihrer Kampagne „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall! Symptome erkennen und richtig handeln" die Bevölkerung über Symptome und den alles entscheidenden Zeitfaktor bei einem Schlaganfall auf. Doch was geschieht eigentlich bei einem Schlaganfall?

Lebensbedrohliche Funktionsstörung des Gehirns
Ein Schlaganfall ist eine plötzlich einsetzende Funktionsstörung des Gehirns. Man unterscheidet zwischen zwei Ursachen für einen Schlaganfall:

1.    Ein Blutgerinnsel verschließt ein gehirnversorgendes Gefäß und führt zu einer Durchblutungsstörung (80 Prozent aller Fälle)

2.    Ein Blutgefäß im Gehirn reißt plötzlich und es kommt zu einer Blutansammlung (20 Prozent aller Fälle)

Durch diese Durchblutungsstörung werden die Nervenzellen des Gehirns an der betroffenen Stelle nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und beginnen abzusterben. Je länger diese Durchblutungsstörung andauert, desto mehr Nervengewebe wird unwiederbringlich zerstört.

Das Gehirn toleriert Sauerstoff- und Zuckermangel nur für sehr kurze Zeit. Deshalb ist der plötzliche Verschluss einer hirnversorgenden Arterie ein Notfall, der einer raschen und erfahrenen Diagnostik und Therapie bedarf.Nach einer bestimmten Zeitspanne wird der Schaden irreversibel und andauernd.

Deswegen sollte man bei schlagartig auftretenden, typischen Symptomen wie Lähmungs- oder Taubheitsgefühle einer Körperhälfte, Sprach- oder Sehstörungen sofort reagieren und die Notfallnummer 112 wählen.

Ablauf der Therapie
Durch den Eingang des Notrufs bei der Rettungsleitstelle wird der Notarzt bzw. der Rettungsdienst alarmiert. Dieser versorgt den Betroffenen vor Ort und bringt ihn idealerweise so schnell wie möglich in ein für Schlaganfall-Betroffene spezialisiertes Krankenhaus. Dort wird der Betroffene zunächst körperlich untersucht. Um schnellstmöglich mit einer Therapie beginnen zu können, wird mittels einer Computertomographie (CT) nach dem Hauptgrund für den Schlaganfall gesucht. In dieser Röntgenschichtaufnahme kann schon zu Beginn zwischen einer Hirnblutung oder einem Hirninfarkt unterschieden werden. Abhängig vom ermittelten Hauptgrund wird dann die weitere Therapie eingeleitet.

Die ersten Stunden und Tage nach einem Schlaganfall verbringt der Betroffene idealerweise auf einer speziellen Überwachungs- und Therapiestation, einer so genannten Stroke Unit („Schlaganfall-Einheit").

Möglichkeiten der Therapie
Die beim Herzinfarkt schon seit längerer Zeit eingesetzte so genannte Thrombolyse wird seit einigen Jahren auch in der Therapie von Hirninfarkten eingesetzt. Bei der „Lyse" werden Medikamente in den Körper eingebracht, um Blutgerinnsel aufzulösen. Dahinter steckt die Idee, dass die durch den Verschluss eines Gefäßes von der Versorgung abgeschnittenen Hirnbereiche wieder mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und somit vor dem Absterben bewahrt werden. Werden die Medikamente über eine venöse Infusion gegeben und wirken sie  im ganzen Körper, sprechen Mediziner von einer systemischen Thrombolyse. Dieses Verfahren ist allerdings nur bis zu drei Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome des Schlaganfalls möglich. Von einer lokalen Thrombolyse spricht man, wenn das Medikament über einen Katheter direkt „vor Ort" in der Arterie verabreicht wird. Dieses Verfahren ist bis zu sechs Stunden nach Einsetzen der Symptome möglich, unterliegt jedoch strengen medizinischen Ausschlusskriterien.

Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt ist die so genannte Sekundärprävention. Ziel ist es, von Anfang an durch Medikamente die Blutgerinnung zu hemmen und dadurch die Bildung von weiteren „Verstopfungen" der Gefäße zu verhindern, also einem weiteren Hirninfarkt vorzubeugen.

Verbreitung des Schlaganfalls
Knapp 270.000 Schlaganfälle ereignen sich nach aktuellen Berechnungen jährlich in Deutschland, etwa 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle. Jeder fünfte Betroffene stirbt in den ersten Wochen an den Folgen. Ein Jahr nach dem Schlaganfall bleiben rund 64 Prozent der überlebenden Patienten pflegebedürftig – davon müssen ca. 15 Prozent in einer Pflegeeinrichtung versorgt werden. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für Behinderungen in Deutschland. Die Altersgruppe ab 60 Lebensjahren erleidet fast 80 Prozent aller oben genannten Schlaganfälle. Der Schlaganfall stellt nicht nur für die Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern auch gesundheits-politisch und volkswirtschaftlich ein großes Problem dar.

(Stand Februar 2012)