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Der Weg des Medikaments

Von der Einnahme bis zur Ausscheidung

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Paracelsus: „Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei"

Dieses Zitat belegt sehr schön, dass eigentlich alles, was man zu sich nimmt, bei einer zu großen Menge, dem Körper Schäden zufügen kann. Bei Medikamenten  wird die Menge, mit der die positiven Effekte erreicht werden, in klinischen Studien sehr genau getestet. Es ist dabei wichtig und  notwendig, im Gespräch mit dem Arzt, alle Vorerkrankungen anzusprechen und in der Folge die verordnete Dosis auch genau einzuhalten.


 

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Paracelsus: „Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei"

Dieses Zitat belegt sehr schön, dass eigentlich alles, was man zu sich nimmt, bei einer zu großen Menge, dem Körper Schäden zufügen kann. Bei Medikamenten  wird die Menge, mit der die positiven Effekte erreicht werden, in klinischen Studien sehr genau getestet. Es ist dabei wichtig und  notwendig, im Gespräch mit dem Arzt, alle Vorerkrankungen anzusprechen und in der Folge die verordnete Dosis auch genau einzuhalten.

Die Resorption (Aufnahme) eines Medikamentes

Medikamente können über verschiedene Wege dem Organismus zugeführt werden. Die häufigste Art der Zuführung ist die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt in Form von Tabletten. Durch den Verdauungsvorgang zerfällt das Medikament im Magen-Darm-Trakt in seine Einzelteile und die Wirksubstanz wird freigesetzt und in den Körper aufgenommen. Die Wirksubstanz wird durch das Blut im Körperkreislauf verteilt

Nun erfolgt eine Filterung in der Leber –  je nach Substanz geht hier bereits ein großer Teil des Wirkstoffes durch die Entgiftungsfunktion der Leber verloren.  Dieser sogenannte „first-pass-Effekt“ bestimmt unter anderem , wie viel Wirksubstanz in einer Tablette enthalten sein muss, damit überhaupt  ein Effekt im Körper erzielt werden kann.

Einzelne Medikamente werden durch diesen Effekt vollständig zerstört und können daher  nicht geschluckt werden, sondern müssen anderweitig verabreicht werden, z.B. gespritzt, über die Haut, in Form von Pflastern, Sprays oder Salben. Eine andere Möglichkeit diesen Effekt zu überlisten ist die Verabreichung einer Vorstufe (sog. Prodrug) des wirksamen Medikamentes. Diese Vorstufe wird erst durch Stoffwechselvorgänge im Organismus in das eigentlich wirksame Medikament umgewandelt und kann so wirken. Andere Wirksubstanzen können vom Darm nicht aufgenommen werden und müssen dafür an eine spezielle Trägersubstanz (sog. Transporter) gekoppelt werden, damit sie in den Kreislauf gelangen können.

Die Verteilung eines Medikaments im Körper

Nach der Aufnahme erfolgt die Verteilung des Medikaments im Körper. Je nach Substanz kann diese alleine transportiert werden, oder muss wieder an eine andere Substanz gekoppelt transportiert werden. Diese Substanzen sind zumeist Eiweiße, weshalb ein Eiweißmangel, z. B.  bei falscher Ernährung, die Verteilung von Medikamenten negativ beeinflussen kann.

Die Verteilung erfolgt über das Blutgefäßsystem im ganzen Körper. Eine Besonderheit gibt es im Gehirn. Die Blutgefäße im Gehirn  haben eine besonders dicht abgeschirmte Wand mit einem speziellen Filter, der sogenannten Blut-Hirn-Schranke, welche gewisse Substanzen gar nicht durch lässt. Somit müssen im Gehirn wirksame Medikamente ganz bestimmte Eigenschaften aufweisen, um dorthin gelangen und wirken zu können

Die Elimination (Ausscheidung) von Medikamenten aus dem Körper

Da Medikamente vom Körper als Fremdstoffe erkannt werden, hat der Organismus im Wesentlichen das Ziel, diese wieder los zu werden. Dies geschieht über unsere Hauptausscheidungsorgane - die Leber und die Nieren. Fettlösliche Substanzen werden über die Leber, wasserlösliche Substanzen bevorzugt über die Nieren entsorgt.

Um die Geschwindigkeit der Ausscheidung abzuschätzen, messen wir heute die sog. Halbwertszeit von Medikamenten. Diese Zeit gibt an, wie lange es dauert, bis die Hälfte eines verabreichten Medikamentes den Organismus wieder verlassen hat. Nach ungefähr fünf Halbwertszeiten kann davon ausgegangen werden, dass keine messbare Wirksubstanzmenge mehr im Körper vorhanden ist. Anderseits lässt diese Zeit Rückschlüsse auf die Wirkdauer eines Medikamentes zu. Eine kurze Halbwertszeit bedeutet somit eine rasche Elimination. Das Medikament muss häufiger eingenommen werden, um wirksam zu sein. Lange Halbwertszeit bedeutet andauernde Wirkung und somit weniger häufige Einnahmezeitpunkte.

Zur Vereinfachung der Einnahme werden heute vor allem Medikamente mit langer Halbwertszeit produziert, damit diese nur einmal pro Tag eingenommen werden müssen. Der Nachteil daran ist vor allem bei Auftreten von Nebenwirkungen zu erkennen. Je länger ein Medikament wirkt, desto länger sind auch dessen Nebenwirkungen zu ertragen.

Die optimale Dosierung eines Medikamentes hängt in großem Ausmaß von der Leistungsfähigkeit der Ausscheidungsorgane ab. Bei Erkrankung der Leber oder der Nieren müssen Medikamente niedriger dosiert werden, um nicht Vergiftungserscheinungen oder Überdosierungen auszulösen. Dies gilt vor allem für ältere Menschen und solche mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Die Verstoffwechselung eines Medikamentes wird allerdings auch von unseren Genen bestimmt, so dass es auch bei Gesunden mitunter erhebliche Unterschiede gibt. Daher muss die optimale Dosierung manchmal behutsam und schrittweise erfolgen.

Fazit

Die Verordnung von Medikamenten ist, trotz sorgsam durchgeführter Prüfungen zur Wirksamkeit,  Dosisfindung und Sicherheit immer auch individuell zu betrachten.  Was bei dem einen das Mittel der Wahl ist, kann bei einem anderen Patienten unter Umständen nicht in Frage kommen.  In Studien ermittelte Dosierungsempfehlungen sind Richtwerte und sollten an die  jeweilige körperliche Verfassung des Patienten angepasst sein, insbesondere die Nieren- und Leberfunktionalität, die oftmals begleitend vom  Arzt überprüft wird. Der intensive Austausch mit dem behandelnden Arzt und dem Apotheker ist daher dringend zu empfehlen.

Die vermittelten Informationen ersetzen nicht den Arztbesuch. Sie können aber den Dialog zwischen Arzt und Patient unterstützen.

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Compliance

Was ist das und wie kann sie verbessert werden?

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Compliance: Nutzen Sie Ihre verschriebenen Hilfsmittel und folgen Sie dem Therapieplan

Viele Medikamente werden falsch oder gar nicht eingenommen, Übungsprogramme der Therapeuten aus Bequemlichkeit häufig nicht konsequent verfolgt, Empfehlungen des Hausarztes vernachlässigt, weil sie Abschied von liebgewordenen Gewohnheiten bedeuten würden. Der beste Arzt oder Therapeut kann nichts bewirken, wenn der Patient nicht mitarbeitet. Compliance heißt der zentrale Begriff.

Compliance wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die Definition der WHO spricht von fünf.

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Compliance: Nutzen Sie Ihre verschriebenen Hilfsmittel und folgen Sie dem Therapieplan

Compliance meint mehr, als ein einzelner deutscher Begriff beschreiben könnte. Die Einsicht, das Einverständnis, die Kooperationsbereitschaft und auch die Motivation zur Mitarbeit des Patienten bestimmen ganz wesentlich den Behandlungserfolg. Einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2003 zufolge erreichen weltweit nur rund 50 Prozent der Patienten eine gute Compliance.  

Compliance wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, die Definition der WHO spricht von fünf:

  • individuelle Faktoren (z.B. Information des Patienten, aber auch Vergesslichkeit)
  • sozio-ökonomische Faktoren (z.B. Bildung, Wohlstand)
  • krankheitsbedingte Faktoren (z.B. psychische Erkrankungen)
  • therapiebedingte Faktoren (z.B. Nebenwirkungen)
  • systembedingte Faktoren (z.B. Kostenübernahme, Behandlungsmöglichkeiten)

Häufig wird Compliance allein oder vorrangig auf medikamentöse Therapie bezogen. Gesundheitswissenschaftler haben zur Messung dieser Therapietreue verschiedene Methoden entwickelt. Compliance kann aber auch deutlich mehr umfassen: die Nutzung verschriebener Hilfsmittel, die Einhaltung eines therapeutischen Übungsplanes, die Umstellung des Lebensstils (Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol).

Das Nichteinhalten von Ratschlägen und Therapieplänen bezeichnet man als Non-Compliance. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein entscheidender Faktor für das Mitwirken von Patienten ist die Information, wie neuere Studien belegen. Wer Zusammenhänge nachvollziehen kann, zeigt deutlich mehr Bereitschaft, eigene Anstrengungen auf dem Weg der Genesung in Kauf zu nehmen. Chronisch Kranke erhalten aus diesem Grund heute häufig eine Patientenschulung.

Gründe für Non-Compliance sind z.B. Vergesslichkeit, Bequemlichkeit, Scheu vor Nebenwirkungen und Kosten. Folgen sind im günstigeren Fall eine längere Krankheitsphase oder mehr Symptome, können aber auch dauerhaft die Lebensqualität senken oder gar die Sterblichkeit erhöhen. Gesundheitswirtschaftlich betrachtet führt Non-Compliance zu einem deutlich erhöhten Therapieaufkommen, dessen Mehrkosten Experten Ende der 90er Jahre mit rund 10 Milliarden Euro bezifferten.

Daten und Fakten zur Compliance

  • Die Kosten der Non-Compliance wurden für Deutschland in einer Studie Ende der 90er Jahre auf 7-10 Milliarden Euro jährlich nur für direkte Kosten (Klinikaufenthalte, Pflegeleistungen, Notfalleinweisungen) geschätzt bzw. aus Vergleichsdaten anderer Länder hochgerechnet.
  • Compliance ist insbesondere bei Langzeittherapien eine große Herausforderung. Beispiel Bluthochdruck: eine britische Studie aus dem Jahr 2005 zeigte, dass von über 100.000 Hypertonikern nach nur sechs Monaten 20 Prozent die Therapie selbsttätig abgebrochen hatten.
  • Die Aufklärung von Patienten bei der Verordnung von Medikamenten ist weiterhin verbesserungswürdig. Nach dem aktuellen „Gesundheitsmonitor" fühlen sich 21 Prozent der Deutschen durch die Informationen auf Beipackzetteln verunsichert. Lediglich 45 Prozent gaben an, ihr Arzt spreche bei der Verordnung mit ihnen über mögliche Nebenwirkungen bzw. über Gegenmaßnahmen.
  • Compliance spielt auch in der Prävention eine entscheidende Rolle. Ein interessanter Vergleich: Nach einer bundesweiten Umfrage der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe glauben 72 Prozent der Bevölkerung, ihr Schlaganfallrisiko selbst beeinflussen zu können. Und tatsächlich: Präventionsexperten gehen nach aktuellen Studien davon aus, dass langfristig rund 70 Prozent der Schlaganfälle zu verhindern seien - bei entsprechender Compliance, also: Umstellung der Lebensweise (Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Rauchen und Alkohol) sowie Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Kleine Hilfen zur Förderung Ihrer Compliance

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Compliance: Alltagshilfen für die medikamentöse Therapie

Gerade in der medikamentösen Therapie gibt es viele Alltagshilfen, die Ihnen das Leben erleichtern können. Wir haben für Sie hier einige zusammengefasst:

  • Medikamente gut positionieren! Legen Sie sie dorthin, wo Sie sie auf keinen Fall vergessen können, zum Beispiel in ihr Zahnputzglas. Wenn Sie die Packung direkt „anschaut", ist dies auch noch ein positiver Verstärker, das Medikament zu nehmen.
  • Der „Klassiker" ist die Pillenbox. Hier sehen Sie gleich, wenn Sie die Einnahme vergessen haben sollten.
  • Sie können sich die Einnahme im Kalender eintragen; streichen Sie täglich ab, wenn Sie Ihre Medikamente eingenommen haben.
  • Erinnern Sie sich selbst mit „Post-Its" (kleinen Klebezettel) an die Einnahme, z.B. am Kühlschrank oder an Ihrem Wecker.
  • Moderne Technik macht es möglich: Programmieren Sie Ihren elektronischen Kalender oder schicken Sie sich selbst eine SMS auf Ihr Handy!


Basis für Therapietreue ist die Information. Nur wer seine Risiken kennt und die Zusammenhänge versteht, ist motiviert, seinen Therapieplan einzuhalten. Erster Ansprechpartner ist und bleibt Ihr Arzt, bei Medikamenten auch Ihr Apotheker.
Gerade bei langwierigen, komplexen und chronischen Erkrankungen kann dies jedoch nur eine Erstinformation sein. Für chronische Erkrankungen beispielsweise gibt es Patientenschulungsprogramme. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und Ihrer Krankenkasse.

Als mündiger Patient stehen Ihnen natürlich alle Medien offen, sich selbst zu informieren. Einige wichtige Hinweise, was Sie bei der Eigenrecherche beachten sollten, haben wir für Sie in dem Dokument „Seriöse Gesundheitsinformationen finden" zusammengefasst.

Medizinische Beratung

Prof. Dr. med. Mario Siebler, Regionalbeauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Chefarzt Neurologie der MediClin Fachklinik Rhein/Ruhr, Essen

Faktensammlung

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Ergebnisse des 1. Schlaganfall-Barometer

Deutsche wissen, was gesund ist!

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Die Deutschen wissen, wie man gesund lebt. Nur: Viele halten sich nicht daran.

Zu dieser Erkenntnis kommt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in ihrem Schlaganfall-Barometer 1/2011.
Die Stiftung erfragt damit zweimal jährlich den Wissensstand der deutschen Bevölkerung rund um das Krankheitsbild Schlaganfall.

Medizinische Versorgung in Deutschland

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Fast 60 Prozent der Deutschen bewerten die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland als eher gut bis sehr gut, rund 30 Prozent sind unentschieden in ihrer Bewertung, knapp 11 Prozent finden die Versorgung eher schlecht oder sehr schlecht. Unter den Privatversicherten ist die Zufriedenheit deutlich höher als unter gesetzlich Versicherten. So gaben hier 22 Prozent an, sehr zufrieden zu sein, unter den gesetzlich Versicherten war dieser Anteil nur halb so groß. Verbesserungsbedarf sahen die Befragten vor allem bei Leistungen der Krankenkassen und Wartezeiten für weiterführende Behandlungen.

Gesundheitsinformation

Dr. Matthias Spranger auf dem Basisseminar zum kindlichen Schlaganfall im Juni 2011 in Gütersloh.  

Rund ein Drittel der Bevölkerung informiert sich über Gesundheitsthemen zunehmend im Internet. Erwartungsgemäß sind es vorrangig die jüngeren Menschen, die das Medium nutzen. Von den über 65jährigen gaben annähernd 60 Prozent an, das Internet gar nicht für diese Zwecke zu nutzen. In der persönlichen Beratung spielt neben dem Arzt der Apotheker die wichtigste Rolle. 40 Prozent der Deutschen geben an, sich bei ihm Rat zu holen.

Überhaupt scheinen die Aufklärungskampagnen der vergangenen Jahre Früchte zu tragen. Den Schlaganfall hält nur noch eine Minderheit für einen unvermeidlichen Schicksalsschlag. Rund 72 Prozent gaben an, dass sie ihr persönliches Schlaganfall-Risiko selbst beeinflussen können. Dennoch erleiden in Deutschland jährlich mehr als 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Rund die Hälfte davon – manche glauben noch mehr - wäre nach Meinung vieler Präventionsexperten durch gesunde Ernährung, Bewegung und die Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes zu verhindern. Hier zeigt sich offensichtlich ein gesellschaftliches Kernproblem. Zwar erreichen die Informationen immer mehr Menschen, doch viel zu selten noch resultiert aus dem Wissen eine Änderung des Lebensstils.

Dass der Schlaganfall eine Volkskrankheit ist, beweist eine weitere Zahl: 45 Prozent der Deutschen gaben an, schon persönliche Erfahrungen mit einem Schlaganfall in Familie oder Bekanntenkreis gemacht zu haben. Hier spielt der Altersaspekt eine weniger große Rolle. Selbst der Anteil der unter 25jährigen ist mit rund 31 Prozent noch vergleichsweise hoch. Trotz dieses Wissens wird die Bedrohung durch den Schlaganfall noch immer unterschätzt. Nur 37 Prozent wissen, dass er die dritthäufigste Todesursache in Deutschland ist.

Arbeit und Gesundheit

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch, vor ihr liegen Hanteln und ein Apfel.  

Betriebliches Gesundheitsmanagement scheint vielen Arbeitgebern offensichtlich noch nicht so wichtig. Jedenfalls bewerten die deutschen Arbeitnehmer die Fürsorge ihrer Arbeitgeber tendenziell eher negativ. 32 Prozent gaben an, dass sich ihr Arbeitgeber mehr oder weniger stark um ihre Gesundheitsfragen kümmert, 38 Prozent sahen hier kaum oder gar kein Engagement. Allerdings waren sich in diesem Punkt viele der Befragten auch unsicher, 30 Prozent äußerten sich unentschieden.

Das Schlaganfall-Barometer ist eine Befragung im Auftrag der Deutschen Schlaganfall-Hilfe, erstellt durch die Unternehmensgruppe Heitzig & Heitzig. Die Stiftung erfragt damit zweimal jährlich den Wissensstand der deutschen Bevölkerung rund um das Krankheitsbild Schlaganfall. Befragt werden bundesweit  1.000 zufällig ausgewählte Bundesbürger gemäß der Altersverteilung in der Bevölkerung. Die erste Befragung fand im Frühjahr 2011 statt.

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Neue Blutverdünner auf dem Markt

Wo es gut läuft, besteht kein Veränderungsbedarf!

Knapp eine Million Deutsche leiden unter Vorhofflimmern. Sie haben ein fünfmal so großes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Viele müssen daher blutgerinnungshemmende Mittel einnehmen, um einem Schlaganfall als Folge der Herzrhythmusstörung vorzubeugen. Allerdings nehmen  nur die Hälfte der Betroffenen entsprechende blutverdünnende Medikamente. Und wenn, dann häufig falsch dosiert.  Bisheriges Mittel der Wahl ist Phenprocoumon – besser bekannt unter dem Markennamen Marcumar. Nun kommen Alternativen auf den Markt.

 

Knapp eine Million Deutsche leiden unter Vorhofflimmern. Sie haben ein fünfmal so großes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Viele müssen daher blutgerinnungshemmende Mittel einnehmen, um einem Schlaganfall als Folge der Herzrhythmusstörung vorzubeugen. Allerdings nehmen  nur die Hälfte der Betroffenen entsprechende blutverdünnende Medikamente. Und wenn, dann häufig falsch dosiert.  Bisheriges Mittel der Wahl ist Phenprocoumon – besser bekannt unter dem Markennamen Marcumar. Nun kommen Alternativen auf den Markt.

„Die Blutverdünnung ist bei Vorhofflimmern das A und O zur Schlaganfallprophylaxe", erklärt Prof. Joachim Röther, Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, und weiter: „Hierunter ist nicht die Einnahme von ASS (Aspirin) zu verstehen, dessen Wirksamkeit bei Patienten mit Vorhofflimmern viel zu gering ist." Die neuen Medikamente böten daher für viele Patienten eine große Chance. Aber frei nach dem Motto „never change a winning team" solle bei Patienten, die gut mit Marcumar zurechtkämen, d.h. deren Blutverdünnungswert (INR- oder Quick-Wert) stabil eingestellt ist, nicht ohne guten Grund etwas in der Medikation geändert werden, so der Experte.

Neue Medikamente werfen Fragen auf

Die Verordnung neuer Medikamente stellt für die oftmals älteren Patienten und auch für den behandelnden Arzt immer auch eine Herausforderung dar. Neben der neuen Tablette, treten  Fragen auf, die den Patienten verunsichern und ggf. in seiner Bereitschaft zur Medikamenteneinnahme  (Compliance) beeinträchtigen:

  • Was geschieht, wenn die Gerinnung wieder normalisiert werden muss, beispielsweise nach Unfällen oder für Notoperationen?
  •  Wie misst der Arzt dann die Gerinnungswerte?
  • Wie stellt er das natürliche Gerinnungsvermögen wieder her?

Für bereits etabliert Medikamente wie Marcumar liegen hierzu   Erfahrungen z.B. auch in der  Arzt-Patienten-Kommunikation vor, die für neue Medikamente zunächst noch gesammelt werden müssen.

Patienten, bei denen zukünftig erstmals eine Blutverdünnung erforderlich werde, sollten allerdings im Regelfall mit dem neuen Medikament eingestellt werden, sagt Röther. Da viele Patienten unter Marcumar nicht die gewünschte Blutverdünnung erzielten, sei das neue Medikament die sicherere und wirksamere Alternative.
 

Vorhofflimmern - Herz aus dem Takt

 Die Übertragung der elektrischen Impulse, die den Herzschlag auslösen, ist gestört. Die Vorhöfe schlagen dann mit sehr hoher Frequenz und die Herzkammern arbeiten entsprechend unregelmäßig. Die chaotischen Kontraktionen kann der Einzelne als starkes Herzklopfen oder Herzrasen empfinden. Tückisch ist aber, dass die Hälfte der Patienten die Herzrhythmusstörung nicht bemerkt. Das Vorhofflimmern erhöht das Risiko für eine Embolie oder einen Schlaganfall erheblich. Denn infolge der chaotischen Kontraktionen des Herzens verringert sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Blutgerinnungshemmende Medikamente sollen verhindern, dass sich in den Herzvorhöfen Gerinnsel bilden, die sich später ablösen und Blutgefäße im Gehirn verstopfen.
Rund 40.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland lassen sich auf Vorhofflimmern zurückführen.
 

Faktensammlung

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Der Schlaganfall

Epidemiologie

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten und bedeutendsten vaskulären Erkrankungen. Weltweit steht das Krankheitsbild Schlaganfall an zweiter Stelle der Todesursachen. Basierend auf den derzeit verfügbaren epidemiologischen Daten ereignen sich jährlich in Deutschland etwa 196.000 erstmalige und 66.000 wiederholte Schlaganfälle (Stand 2008).

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten und bedeutendsten vaskulären Erkrankungen. Weltweit steht das Krankheitsbild Schlaganfall an zweiter Stelle der Todesursachen (1).  Basierend auf den derzeit verfügbaren epidemiologischen Daten ereignen sich jährlich in Deutschland ca. 196.000 erstmalige und 66.000 wiederholte Schlaganfälle (Stand 2008) (2). Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland mit ca. 63.000 Todesfällen (Todesursachenstatistik 2008). (3) zudem ist der Schlaganfall eine der häufigsten Ursachen für erworbene Behinderungen (4).

Etwa eine Million Bundesbürger leben mit den Folgen dieser Erkrankung (5).

Für die Betroffenen und ihre Angehörigen bedeutet ein Schlaganfall weit reichende Belastungen, denn nur etwa 40 Prozent der Überlebenden weisen ein Jahr nach der Erkrankung keine Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens auf (6).

Der Schlaganfall kommt vornehmlich im höheren Lebensalter vor: Männer sind bei einem erstmaligen Schlaganfall im Durchschnitt etwa 70 Jahre, Frauen etwa 75 Jahre alt (4). Das hohe Alter von Schlaganfall-Patienten ist insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung unserer Gesellschaft - u. a. durch eine verbesserte Prävention und medizinische Fortschritte (7) - von Bedeutung. Aufgrund der Zunahme des Anteils der älteren Bevölkerung wird bei gleich bleibenden oder nur leicht sinkenden Neuerkrankungsraten damit gerechnet, dass die Zahl der Menschen, die mit den Folgen dieser Erkrankung leben, in Zukunft weiter ansteigen wird (8). Experten der WHO sprechen bereits vom Schlaganfall als der kommenden "Epidemie des 21. Jahrhunderts" (9).

Literaturangaben

  1. Murray, C. J. L. and Lopez, A. D. Mortality by Cause for Eight Regions of the World: Global Burden of Disease Study. Lancet 1997;349(9061):1269-76.
     
  2. Kolominsky-Rabas PL, Sarti C, Heuschmann PU et al. A prospective community-based study of stroke in Germany – The Erlangen Stroke Project (ESPro) incidence and case fatality at 1, 3, and 12 months. Stroke 1998; 29: 2501–2506

  3. Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2005 für die Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden: 2005.
     
  4. Johnston SC, Mendis S, Mathers CD. Global variation in stroke burden and mortality: estimates from monitoring, surveillance, and modelling. Lancet Neurol 2009; 8: 345–354

  5. Wiesner, G., Grimm, J, and Bittner, E. Schlaganfall: Prävalenz, Inzidenz, Trend, Ost-West-Vergleich. Erste Ergebnisse Aus Dem Bundes-Gesundheitssurvey 1998. Gesundheitswesen 1999;61 (Sonderheft 2):79-84.
     
  6. Ward, A., Payne, K. A., Caro, J. J., Heuschmann, P. U., and Kolominsky-Rabas, P. L. Care Needs and Economic Consequences After Acute Ischemic Stroke: the Erlangen Stroke Project. European Journal of Neurology 2005;12(4):264-7.
     
  7. Rothwell, P. M., Coull, A. J., Giles, M. F., Howard, S. C., Silver, L. E., Bull, L. M., Gutnikov, S. A., Edwards, P., Mant, D., Sackley, C. M., Farmer, A., Sandercock, P. A. G., Dennis, M. S., Warlow, C. P., Bamford, J. M., and Anslow, P. Change in Stroke Incidence, Mortality, Case-Fatality, Severity, and Risk Factors in Oxfordshire, UK From 1981 to 2004 (Oxford Vascular Study). Lancet 2004;363(9425):1925-33.
     
  8. Bonita, R., Mendis, S., Truelsen, T., Bogousslavsky, J., Toole, J., and Yatsu, F. The Global Stroke Initiative. Lancet Neurology 2004;3(7):391-3.
     
  9. Bonita, R. The Coming Epidemic. Lancet 1998;352 (Supplement 4).

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Gesundheitskommunikation

Partizipative Entscheidungsfindung

Partizipative Entscheidungsfindung wird wissenschaftlich als die Beteiligung von Patienten an den sie betreffenden individuellen Behandlungsentscheidungen bezeichnet. Diese werden meistens im Arzt-Patienten-Gespräch getroffen.

Partizipative Entscheidungsfindung wird wissenschaftlich als die Beteiligung von Patienten an den sie betreffenden individuellen Behandlungsentscheidungen bezeichnet. Diese werden meistens im Arzt-Patienten-Gespräch getroffen.

Partizipative Entscheidungsfindung ist die deutsche Übersetzung des englischen Begriffs Shared Decision Making, das als Konzept in den neunziger Jahren entwickelt wurde. Die Idee ist, dass Ärzte und Patienten hinsichtlich der Auswahl einer Behandlung gemeinsam und gleichberechtigt miteinander umgehen: Informationen fließen in beide Richtungen, beide Personengruppen bringen ihre Entscheidungskriterien aktiv in den Abwägungsprozess ein und verantworten gemeinsam die getroffene Entscheidung.

Wenn die Möglichkeit diese Art der Zusammenarbeit zwischen Patienten und ihren Ärzten besteht, hat dies nach wissenschaftlichen Studien eine Reihe von positiven Auswirkungen: Patienten wissen mehr über ihre Erkrankung und die Behandlung, sie haben realistischere Erwartungen über den Verlauf der Behandlung, sie sind zuverlässiger bei der Umsetzung der Therapieprinzipien und halten sich konsequenter an die Einnahme notwendiger Medikamente. Zudem sind Patienten bei dieser Art der Entscheidungsfindung zufriedener mit ihrer Behandlung, nicht selten wird auch die Wirksamkeit einer Behandlung verbessert.

Zur Umsetzung der partizipativen Entscheidungsfindung wurden in der wissenschaftlichen Literatur unterschiedliche Strategien eingesetzt:

  • Schulungs- und Trainingsmaßnahmen zur Förderung der ärztlichen Handlungs- und Gesprächskompetenz,
  • Entwicklung von wissenschaftlich begründeten Patienteninformationen und Entscheidungshilfen für Patienten oder
  • Patientenschulungen zur Vorbereitung auf das Arztgespräch und die Entscheidungsfindung sowie zum Aufbau von Patientenkompetenzen.

Ausblick

Auch wenn das Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten auf hohe Resonanz stößt,erfordert die Übertragung auf den medizinischen Alltag hohe kommunikative Kompetenzen auf Seiten der Ärzte bzw. anderer Anbieter von Gesundheitsleistungen. Gerade bei chronischen Erkrankungen – wie dem Schlaganfall – besteht bei Patienten und Angehörigen ein großer Bedarf an Information und Konzepten, die vorhandene Ressourcen stärken und dabei helfen, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.

Befördert durch den aktuellen politischen Willen, die positive Studienlage sowie die umfangreichen Möglichkeiten für den Patienten, sich multimedial über gesundheitliche Risiken und Erkrankungen zu informieren, wächst auch auf ärztlicher Seite und bei anderen Anbietern von Gesundheitsleistungen, der Bedarf nach didaktisch gut aufgearbeiteter, qualitätsgesicherter und für die Kommunikation mit dem Patienten geeigneter Information. Diese Information sollte unabhängig von kommerziellen Interessen Dritter sein und ohne großen Aufwand zur Verfügung stehen.
Wichtig ist, dass die Informationen den aktuellen Stand der Wissenschaft für die Nutzer enthalten, eine hohe Verständlichkeit haben und damit als echte Hilfsmittel in der Kommunikation eingesetzt werden können.


Mit dem sukzessiven Aufbau der Internetrubrik Gesundheitskommunikation trägt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe dem beschriebenen Trend zur Verbesserung der Kommunikationsschnittstelle zwischen Anbietern und Nutzern Rechnung.
Bereitgestellt werden sollen Hintergrundtexte und  Informationen zum Schlaganfall sowie Hilfsmitteln und Tipps für eine bessere Kommunikation mit dem Patienten und seinen Angehörigen.