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Bluthochdruck

Eine „lautlose" Gefahr

Ein Blutdruckmessgerät.

Je höher Ihr Blutdruck, desto höher das Schlaganfall-Risiko. Ein unbehandelter Bluthochdruck verursacht Schäden an den Gefäßwänden und begünstigt die Entwicklung der Arteriosklerose. Messen Sie daher regelmäßig Ihren Blutdruck.

Ein Blutdruckmessgerät.  

Als Blutdruck bezeichnet man den Druck des Blutes gegen die Wände der Blutgefäße.

Der obere Wert bei der Blutdruckmessung entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in den Körper pumpt. Der untere Wert entsteht, wenn der Herzmuskel zwischen den einzelnen Schlägen entspannt.

 

In Deutschland leiden etwa 35 Millionen Menschen an Bluthochdruck, aber nur jeder zweite weiß von seiner Krankheit. Denn ein erhöhter Blutdruck verursacht oft zunächst keine spürbaren Beschwerden. Ein unbehandelter Bluthochdruck verursacht jedoch Schäden an den Gefäßwänden und begünstigt die Entwicklung der Arteriosklerose.

Studien belegen, dass die frühzeitige Erkennung und Behandlung des Bluthochdrucks das Schlaganfall-Risiko schon um bis zu 40 Prozent senken kann. Es ist daher empfehlenswert, den Blutdruck etwa jedes halbe Jahr kontrollieren zu lassen. Dies kann bei Untersuchungen durch den Hausarzt erfolgen, in der Apotheke oder aber auch zu Hause mit einem eigenen Blutdruckmessgerät.

Ein Bluthochdruck, die sogenannte Hypertonie liegt  bereits bei Messwerten ab 140/90  mm Hg vor. Um das Schlaganfall-Risiko zu verringern ist es notwendig, Blutdruck-Werte im Normalbereich von unter 130/85 mmHg anzustreben. Diese Empfehlung gilt auch für ältere Menschen. Liegen weitere Risikofaktoren vor wie zum Beispiel Diabetes mellitus, dann ist zusätzliche Vorsicht geboten.

Klassifikation     Blutdruck in mmHg
  systolisch diastolisch    
Optimal Unter 120 Unter 80
Normal Unter 130 Unter 85
Noch Normal 130 -139 85 - 89
Hypertonie Ab 140 Ab 90
Stadium 1 140 -159 90 - 99
Stadium 2 160 - 179 100 - 109
Stadium 3 Über 179 Über 110

 

 

 

 

 

 

 

 Tabelle basierend auf aktuellen Studien

(mmHg = Kurzbezeichnung für die Maßeinheit: Millimeter Quecksilbersäule)

Kurzübersicht Bluthochdruck Kurzübersicht Bluthochdruck

Blutdruck selber messen

Neben der Kontrolle beim Hausarzt können Sie Ihre Blutdruckwerte auch selbst überprüfen. Denn nur die Blutdruckmessung kann helfen, einen zu hohen Blutdruck frühzeitig zu erkennen.

Den Blutdruck messen:

  • Bevor Sie mit der Messung beginnen, sollten Sie einige Minuten zur Ruhe kommen.
  • Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl an einen Tisch und entfernen Sie einschnürende Kleidung am Messarm.
  • Messgeräte am Oberarm: Legen Sie die Manschette an Ihrem Oberarm in Herzhöhe an.
  • Messgeräte am Handgelenk: Legen Sie die Manschette am Handgelenk an und halten Sie das Handgelenk auf Herzhöhe.
  • Halten Sie den Arm während der Messung ruhig und vermeiden Sie es, zu sprechen oder zu husten.
  • Messen Sie an beiden Armen und verwenden Sie für zukünftige Messungen die Seite mit den höheren Blutdruckwerten.
  • Bei der Blutdruckmessung erhalten Sie zwei Werte: 

             den oberen, sogenannten systolischen Blutdruck und

             den unteren, sogenannten diastolischen Blutdruck

  • Notieren Sie nach der Messung beide Blutdruckwert.

 

Risikofaktoren, die die Entstehung von Bluthochdruck begünstigen, sind zum Beispiel:

  • Bewegungsmangel und Übergewicht
  • Falsche Ernährung mit erhöhtem Fett- und Salzkonsum
  • Starker Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Stress

Was sie noch tun können

Einen leichten Bluthochdruck können Sie oft  schon durch kleine Veränderungen der Lebensgewohnheiten senken.  Regulieren Sie Ihr Körpergewicht  durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. 

Wählen sie viel Obst und Gemüse und setzen Sie Fett insgesamt sehr sparsam ein. Versuchen Sie bewusst, weniger Salz zu verwenden und würzen Sie lieber mit frischen Kräutern und Gewürzen. Versuchen Sie Ihren Salzverbrauch auf  maximal 5 Gramm Salz (1 Teelöffel)  pro Tag zu beschränken. Trinken Sie 1,5 bis 2 Liter Wasser am Tag. Gute Durstlöscher sind Mineralwässer, Saftschorlen oder Früchte- und Kräutertees. 

Bauen Sie mehr Aktivität  in Ihren Alltag ein. Schon 30 Minuten Bewegung am Tag haben einen positiven Effekt. Nach Rücksprache mit dem Hausarzt eignen sich auch Ausdauersportarten , um den Blutdruck zu senken. Radfahren, Schwimmen, Walken oder Joggen, suchen Sie sich eine Sportart, die Ihnen Spaß macht. Auch in den  Alltag lässt sich mehr Bewegung einbauen. Nehmen Sie wenn möglich die Treppe statt den Aufzug oder fahren Sie kurze Strecken mit dem Rad statt mit dem Auto.

Ist eine medikamentöse Therapie notwendig, können Sie diese mit einer gesunden Lebensweise unterstützen.

Die hier genannten Empfehlungen können nur unterstützen, sie ersetzen nicht die ärztliche, therapeutische oder psychologische Beratung.

Fragen an den Hausarzt

Fragen zur Erkrankungen Bluthochdruck: Drucken Sie sich den Fragebogen aus und markieren Sie sich die Fragen, die Sie mit Ihrem Hausarzt beim nächsten Termin besprechen wollen.

Arztfragebogen zum Bluthochdruck Arztfragebogen Bluthochdruck
 

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Interview mit Prof. Roman Haberl

Fragen und Antworten zum Bluthochdruck

Prof. Dr. Roman Haberl Facharzt für Neurologie am Klinikum Harlaching bei München

"Der Hauptfaktor, um einen Schlaganfall zu verhindern, ist frühzeitig seinen Blutdruck zu kennen und im Normbereich zu halten", sagt auch Prof. Dr. Roman Haberl. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat mit dem Schlaganfall-Experten über Bluthochdruck als Risikofaktor gesprochen.

 
Prof. Dr. Roman Haberl Facharzt für Neurologie am Klinikum Harlaching bei München

"Der Hauptfaktor, um einen Schlaganfall zu verhindern, ist frühzeitig seinen Blutdruck zu kennen und im Normbereich zu halten", sagt auch Prof. Dr. Roman Haberl. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat mit dem Schlaganfall-Experten über Bluthochdruck als Risikofaktor gesprochen.

  • Herr Professor Haberl, wann sprechen Mediziner von Bluthochdruck?

Nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen die Grenzen bei einem Blutdruck von systolisch über 140 mmHg oder diastolisch über 90 mmHg. Der Wert von 140 / 90 mmHg ist heutzutage eine absolute Grenze. Sie gilt auch für ältere Menschen.

 

 

  • Warum ist der Bluthochdruck so gefährlich?

Zunächst einmal muss man sagen, dass der Bluthochdruck der Hauptrisikofaktor für alle Arten des Schlaganfalls ist,  für die Blutungen und für die Durchblutungsstörungen.

Letztendlich muss man annehmen, dass das mit Gefäßveränderungen, die der Blutdruck bewirkt, zu tun hat. Einerseits werden die Gefäße "poröser", das heißt, die Membranen in den Adern werden mit der Zeit durch den hohen Blutdruck zerstört. Es gibt aber auch Einlagerungen in die Gefäße. Das heißt, die Gefäßwände werden dicker. Seit vielen Jahren gibt es Studien, die beweisen, dass das Schlaganfall-Risiko vom Blutdruck abhängt.

 

 

  • Kann der Betroffene denn selbst merken, dass er unter Bluthochdruck leidet?

Ganz schlecht. Hohen Blutdruck merkt man lange nicht. Und wenn man ihn merkt, dann ist der Blutdruck schon massiv erhöht, die Blutdruckerkrankung schon weit fortgeschritten. Zeichen können dann Kopfschmerzen, Schwindelzustände oder Flimmersehen sein. Aber, 90 oder 95 Prozent der Menschen mit hohem Blutdruck merken das über Jahre hinweg gar nicht.

Besonders die nächtlichen Blutdrucksteigerungen bekommt man gar nicht mit. Aber gerade diese sind sehr gefährlich in Bezug auf die Gefäßkomplikationen.


 

  • Wie kann der hohe Blutdruck denn festgestellt werden?

Man muss messen. Ich glaube, dass für jeden, der 35 oder älter ist, eine einmal jährliche Blutdruckmessung absolutes Pflichtprogramm ist. Und wenn man feststellt, dass da ein erhöhter Blutdruck entsteht – und das ist ja mit steigendem Alter immer öfter der Fall – muss natürlich wesentlich häufiger gemessen werden.

 

 

  • Kann man sagen: In Deutschland wird der Bluthochdruck noch nicht ausreichend oft erkannt und nicht gut genug behandelt?

Ja, man muss zwar nicht immer glauben, was gedruckt wird. Es gibt aber Veröffentlichungen, die zeigen, dass der Bluthochdruck in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern besonders schlecht erkannt und behandelt wird. Ich denke, für jeden Mediziner gilt: Bei ambulanten Arztbesuchen ist eine Blutdruckmessung Pflicht.

 

 

  • Lässt sich der Bluthochdruck denn gut therapieren?

Ja. Es gibt zahlreiche Medikamente. Bis vor kurzem hat man gesagt, dass diese Medikamente unabhängig von der Stoffklasse, die man verwendet, ähnlich gut sind in der Schlaganfall-Verhinderung. Es kommt also im Wesentlichen darauf an, den Blutdruck zu senken, und zwar langfristig.

 

 

  • Was können die Betroffenen selbst tun?

Jede medikamentöse Blutdrucksenkung ist natürlich sinnlos, wenn der Patient sozusagen das Gegenteil tut, um seinen Blutdruck wieder in die Höhe zu treiben. Man kann Blutdruck durch allgemeine Maßnahmen zunächst mal ganz gut senken. Gewichtsabnahme oder eine Reduzierung des Salzens können helfen. Beides zusammen kann den oberen Wert um bis zu 30 mmHg senken.

Viele Menschen können ihren Blutdruck deutlich senken, wenn sie täglich eine körperliche Tätigkeit aufnehmen. Man muss nicht unbedingt Sport treiben, aber z. B. Wege, die man zu Fuß machen kann, auch zu Fuß machen. Daneben sollte man versuchen, seinen Berufsalltag zu managen, also Pausen festzusetzen und zu versuchen, nicht ständig in Zeitdruck zu geraten. Ich glaube, Bluthochdruck muss eskalierend behandelt werden. Man fängt zunächst einmal an, die Lebensweise darauf einzustellen. Erst wenn alle diese Maßnahmen ausgereizt sind, sollte man zur medikamentösen Blutdrucksenkung übergehen.

 

 

  • Viele Menschen haben Angst vor "zu niedrigem" Blutdruck - gibt es den?

Aus der Sicht eines Menschen, der Schlaganfälle verhindern will, gibt es den nicht. Es ist tatsächlich so, je niedriger der Blutdruck, desto geringer ist das Schlaganfall-Risiko. Auch die von Ärzten geteilte Angst, dass niedrige Blutdruckwerte bei vorhandenen Gefäßengstellen zu einer mangelhaften Gehirndurchblutung führen, ist eine weit übertriebene Angst. Auch den Engstellen tut es zunächst einmal gut, wenn der Blutdruck abfällt. Solange diese Engstellen nicht mit einem Stent versorgt oder operiert werden müssen, ist auch bei diesen Patienten ein niedriger Blutdruck besser.

Eine Einschränkung gibt es: Es gibt Menschen, besonders ältere, bei denen nach dem Aufstehen der Blutdruck stark sinkt. Man spricht von orthostatischer Hypotonie. Dann ist es natürlich ein Problem, wenn der Blutdruck nicht mehr messbar ist. Das ist auch für das Gehirn nicht mehr gut. Gerade ältere Menschen sollten deshalb ihren Blutdruck auch im Stehen oder direkt nach dem Aufstehen messen.

 

 

  • Was ist abschließend Ihre Empfehlung bezogen auf den Bluthochdruck als Risikofaktor des Schlaganfalls?

Es wird heute viel über Früherkennung von Schlaganfall-Risiken gesprochen. Ich glaube der Hauptfaktor, um einen Schlaganfall zu verhindern, ist frühzeitig seinen Blutdruck zu kennen und ihn im Normbereich zu halten.

Vielen Dank für das Gespräch.