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Neues Verfahren in der Thrombektomie

Hoffnung für viele Schlaganfall-Patienten

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Auf der International Stroke Conference in New Orleans hat eine Studie zur Thrombektomie für Euphorie gesorgt.

Mit einem neuartigen Verfahren sind Ärzte in der Lage, große Blutgerinnsel aus dem Gehirn zu entfernen. In Deutschland wird die Methode an großen Zentren schon seit einiger Zeit mit Erfolg angewandt, unter anderem von Prof. Schäbitz (Bild) in Bethel.

Schlaganfälle werden grob unterteilt in ischämisch und hämorrhagisch. Letztere beruhen auf dem Riss eines Gefäßes. Die ischämischen Schlaganfälle dagegen werden durch ein Blutgerinnsel im Gehirn hervorgerufen und bilden mit 80 Prozent die deutliche Mehrheit. Die Standardtherapie des ischämischen Schlaganfalls ist die intravenöse Lyse. Sie kommt heute in ca. 15 Prozent der Fälle zur Anwendung. Dabei wird ein Mittel zur Blutverdünnung gespritzt, dass in der Regel das Gerinnsel auflöst.
 

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MRT vor Thrombektomie

Bei großen Gerinnseln (ab ca. 1 cm), insbesondere in der Carotis (Halsschlagader), wirkt die intravenöse Lyse häufig nicht. Dann bleiben den Ärzten zwei Möglichkeiten. Mit einem Katheter gehen sie durch die Leiste direkt an den Gerinnungsherd im Gehirn. Dort bringen sie entweder lokal und hochkonzentriert das Lysemittel zur Anwendung oder versuchen, das Gerinnsel mechanisch durch den Katheter selbst zu entfernen. Bisher gab es hierfür verschiedene Techniken, den Thrombus entweder zu durchbohren oder zu zerkleinern. Seit 2004 am meisten genutzt wird der so genannte „Merci Retriever“.

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MRT nach Thrombektomie

Seit einiger Zeit nun ist der „Solitaire" auf dem Markt. Auch ohne klinische Studien waren sich deutsche Neurologen und Neuroradiologen bisher weitgehend einig, dass diese neue Methode der alten Technik überlegen ist. Diese Praxiserfahrung wurde nun durch die aktuelle US-Studie eindrucksvoll wissenschaftlich bestätigt. Die Vergleichsstudie wurde vorzeitig eingestellt, weil die Überlegenheit des Solitaires  mehr als deutlich war. In 67 Prozent der Fälle konnten die Gerinnsel mit ihm aufgelöst werden, im Gegensatz dazu war die Behandlung mit dem klassischen „Merci-Retriever" in lediglich 24 Prozent erfolgreich.

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Prof. Schäbitz

Der Soitaire funktioniert wie ein Stent, der sich an der Verschlussstelle entfaltet und mit dem „klebrigen" Gerinnsel wieder herausgezogen wird. Acht Patienten hat Prof. Dr. Wolf Schäbitz aus Bethel* bisher mit der neuen Methode behandelt, allesamt erfolgreich. „Bisher setzen wir die Methode bei großen Gerinnseln ein, wenn eine vorherige Lyse nicht wirkt," erläutert der Neurologe. Sein jüngster Patient bisher war 45 Jahre alt, der älteste 81. Rund zwei Stunden inklusive Vorbereitung dauert der Eingriff. Schäbitz ist begeistert von den Erfolgen. „Es geht den Patienten sofort besser, eine schwere Lähmung etwa bildet sich spontan zurück in eine leichte."

Ihre Erfolge erfreuen die Ärzte umso mehr, da die Alternativen grausam wären: Diese Patienten müssten sterben oder wären für den Rest ihres Lebens schwer behindert und auf Pflege angewiesen. Dies ist allerdings auch ein schwerer Wermutstropfen für Patienten, die in ländlichen Gebieten einen Schlaganfall erleiden. Denn auch Stroke Units (Schlaganfall-Spezialstationen) sind bisher nicht immer in der Lage, diese neuroradiologische Behandlung durchzuführen.

Schäbitz schätzt, dass die neue Methode derzeit für 5 bis 8 Prozent der Schlaganfälle eine Option ist. Andere gehen noch weiter. So erklärte der Essener Professor René Chapot der Ärzte-Zeitung gegenüber, es bestehe kein Zweifel, „dass in naher Zukunft alle Patienten mit akutem Schlaganfall und großen Gefäßverschlüssen so behandelt werden." Das Zeitfenster der Ärzte ist nach Schäbitz´ Erkenntnissen ähnlich wie bei der Lysetherapie. „Bis zu sechs Stunden nach dem Schlaganfall erzielen wir mit der neuen Methode noch recht gute Ergebnisse," so der Bielefelder Neurologe. Das bedeutet, dass kleinere Neurologien potenzielle Patienten schnell mit einem Rettungshubschrauber in ein Neurozentrum verlegen müssten. Bisher sei das noch nicht wahrzunehmen, sagt Schäbitz achselzuckend. „Da müssen wir Ärzte sicher noch Aufklärungsarbeit in den eigenen Reihen leisten."

 

 

*Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld sind die größte diakonische Einrichtung Europas. Mit zwei neurologischen Akutkliniken und  der Epilepsieklinik Mara zählen sie zu den großen neurologischen Zentren in Deutschland.

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Erfahrungsbericht eines Patienten

„Es geht mir gut"

Im Herbst 2011 traf Ernst K.* (78) ein schwerer Schlaganfall. Mit einem Solitaire-Stent wurde ihm das Gerinnsel entfernt. Vier Monate danach erinnert ihn kaum noch etwas an diesen schweren Vorfall.

Herr K., schildern Sie uns bitte Ihren Schlaganfall.
Persönlich habe ich wenig Erinnerungen. Es war morgens, meine Frau fand mich auf dem Boden liegend im Arbeitszimmer und rief geistesgegenwärtig den Notarzt. Der ließ mich sofort auf die nahegelegene Stroke Unit bringen. Glücklicherweise haben alle sehr schnell reagiert.

Welche Folgen hatte der Schlaganfall?
Ich war bei meiner Aufnahme linksseitig gelähmt und hatte eine Aphasie.

Wie sind sie behandelt worden?
Man hat eine Lysetherapie durchgeführt, doch die konnte das Gerinnsel nicht auflösen. Dann hat man es mit dem Katheter und dem neuen Stent probiert und das Gerinnsel so entfernen können.

Hatte die Behandlung Nebenwirkungen? Haben Sie etwas gespürt?
Nein. Auf meinem Oberschenkel hatte ich hinterher einen dunklen Fleck, wo der Katheter eingeführt wurde. Sonst nichts.

Wie verlief die weitere Behandlung?
Nach 10 Tagen in der Akutklinik kam ich in die Reha. Dort habe ich mich bereits allein zu den Therapien bewegt. Entlassen wurde ich ohne Rollator.

Wie geht es Ihnen heute?
Für mein subjektives Sicherheitsgefühl habe ich jetzt einen Gehstock. Ansonsten spüre ich beim Gehen keinerlei Beeinträchtigung mehr. Auch ein Hirnleistungstest fiel positiv aus. Ich kann sagen: Es geht mir gut. Beim Krawattenbinden habe ich noch Schwierigkeiten. Deshalb besuche ich ein ambulantes Therapiezentrum und mache ein spezielles Training für meine linke Hand.

Haben Sie sich die Frage gestellt, was passiert wäre, wenn man Sie nicht mit einem solchen Verfahren hätte behandeln können?
Ja, ich würde wohl nicht mehr leben. Oder ich wäre ein schwerer Pflegefall.
Herr K., vielen Dank für dieses Gespräch und weiterhin gute Genesung.
 

 

*Name geändert

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Behandlung

Therapiemöglichkeiten im Krankenhaus

Ein Mensch mit einem akuten Schlaganfall wird idealerweise in einer spezialisierten Klinik mit einer Spezialstation für Schlaganfall-Betroffene, einer so genannten Stroke Unit, zu Deutsch „Schlaganfall-Einheit" behandelt.

Im Krankenhaus wird der Betroffene zunächst körperlich untersucht um so schnell wie möglich mit einer geeigneten Therapie beginnen zu können.

 

Ein Mensch mit einem akuten Schlaganfall wird idealerweise in einer spezialisierten Klinik mit einer Spezialstation für Schlaganfall-Betroffene, einer so genannten Stroke Unit, zu Deutsch „Schlaganfall-Einheit" behandelt.

Im Krankenhaus wird der Betroffene zunächst körperlich untersucht. Um so schnell wie möglich mit einer Therapie beginnen zu können, wird mit einer Computertomographie, kurz CT, nach dem Hauptgrund für den Schlaganfall gesucht. In dieser Röntgenschichtaufnahme können die Ärzte schon zu Beginn zwischen einer Hirnblutung oder einem Hirninfarkt unterscheiden. Abhängig vom ermittelten Hauptgrund wird dann die weitere Therapie eingeleitet.

Thrombolyse löst Blutgerinnsel

Die beim Herzinfarkt schon seit längerer Zeit eingesetzte, so genannte Thrombolyse wird seit einigen Jahren auch in der Therapie von Hirninfarkten eingesetzt. Bei der Lysetherapie werden Medikamente in den Körper eingebracht, um Blutgerinnsel aufzulösen. So können die Zellen am Rande des Hirninfarktes gerettet werden. Dadurch kann man die Größe und das Ausmaß des Hirninfarktes positiv beeinflussen. 

Wenn die Medikamente über eine venöse Infusion gegeben werden und im ganzen Körper wirken, sprechen Mediziner von einer systemischen Thrombolyse. Dieses Verfahren ist allerdings nur bis zu drei Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome des Schlaganfalls möglich. Von einer lokalen Thrombolyse spricht man, wenn das Medikament über einen Katheter direkt „vor Ort" in der Arterie verabreicht wird. Dieses Verfahren ist bis zu sechs Stunden nach Einsetzen der Symptome möglich, unterliegt jedoch strengen medizinischen Ausschlusskriterien. Diese Lysetherapie ist nicht für alle Patienten geeignet, zum Beispiel muss eine Blutung im Gehirn ausgeschlossen sein.

Operation am Gehirn

 

Bei einer Hirnblutung oder bei Hirninfarkten, die mit einer Schwellung des Hirngewebes einhergehen, kann eine Operation am Gehirn notwendig sein. Diese kann bei einer Hirnblutung zum Beispiel dem „Ausräumen" von Blutungen dienen; bei Hirninfarkten kann durch eine Entfernung von Teilen des Schädelknochens dem sich ausdehnenden Gehirn Raum geschaffen werden. Der entfernte Teil des Schädelknochens wird dann wieder eingesetzt, wenn sich die Schwellung zurückgebildet hat. Solche Eingriffe sind allerdings selten notwendig.

Frühe Rehabilitation

Wenn keine Lysetherapie durchgeführt werden kann, wird der Patient in einer Stroke Unit kontinuierlich überwacht. Dabei spielt die optimale Einstellung des Blutdrucks, der Körpertemperatur, des Sauerstoffgehaltes des Blutes und des Herzrhythmus eine wesentliche Rolle. Der praktisch sofortige Beginn von rehabilitativen Maßnahmen ist ein weiterer wichtiger Behandlungsfaktor auf einer Stroke Unit. Schluck- und Sprachstörungen, Lähmungen und andere Ausfälle sollten so früh wie möglich im erfahrenen Physio- und Ergotherapeutenteam behandelt werden. Diese Behandlung wird täglich sowohl auf der Normalstation als auch in der anschließenden Rehabilitation weitergeführt.

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention, die das Auftreten eines erneuten Schlaganfalls verhindern soll, spielt auf einer Stroke Unit immer eine besondere Rolle. Hier ist die für den einzelnen Patienten richtige und individuelle Medikamenteneinstellung eine anspruchsvolle Aufgabe. Blutdruck- und Zuckereinstellung gebührt der meiste Aufwand. Wichtig sind auch die langfristige Blutverdünnung zum Beispiel mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure und die Behandlung einer möglichen Fettstoffwechselstörung. Bedeutend ist die Aufklärung des Patienten über seine Erkrankung, seine Risikofaktoren und seine persönlichen Möglichkeiten, seinen Zustand in den nächsten Jahren zu verbessern.

 

Neben einer so genannten Basistherapie, die aus einer Überwachung und Behandlung der Atem- und Herzkreislauffunktionen, der Körpertemperatur und des Blutzuckers besteht, gibt es abhängig vom ermittelten Hauptgrund und anderen medizinischen Ausschlusskriterien verschiedene therapeutische Maßnahmen.