Der Soitaire funktioniert wie ein Stent, der sich an der Verschlussstelle entfaltet und mit dem „klebrigen" Gerinnsel wieder herausgezogen wird. Acht Patienten hat Prof. Dr. Wolf Schäbitz aus Bethel* bisher mit der neuen Methode behandelt, allesamt erfolgreich. „Bisher setzen wir die Methode bei großen Gerinnseln ein, wenn eine vorherige Lyse nicht wirkt," erläutert der Neurologe. Sein jüngster Patient bisher war 45 Jahre alt, der älteste 81. Rund zwei Stunden inklusive Vorbereitung dauert der Eingriff. Schäbitz ist begeistert von den Erfolgen. „Es geht den Patienten sofort besser, eine schwere Lähmung etwa bildet sich spontan zurück in eine leichte."
Ihre Erfolge erfreuen die Ärzte umso mehr, da die Alternativen grausam wären: Diese Patienten müssten sterben oder wären für den Rest ihres Lebens schwer behindert und auf Pflege angewiesen. Dies ist allerdings auch ein schwerer Wermutstropfen für Patienten, die in ländlichen Gebieten einen Schlaganfall erleiden. Denn auch Stroke Units (Schlaganfall-Spezialstationen) sind bisher nicht immer in der Lage, diese neuroradiologische Behandlung durchzuführen.
Schäbitz schätzt, dass die neue Methode derzeit für 5 bis 8 Prozent der Schlaganfälle eine Option ist. Andere gehen noch weiter. So erklärte der Essener Professor René Chapot der Ärzte-Zeitung gegenüber, es bestehe kein Zweifel, „dass in naher Zukunft alle Patienten mit akutem Schlaganfall und großen Gefäßverschlüssen so behandelt werden." Das Zeitfenster der Ärzte ist nach Schäbitz´ Erkenntnissen ähnlich wie bei der Lysetherapie. „Bis zu sechs Stunden nach dem Schlaganfall erzielen wir mit der neuen Methode noch recht gute Ergebnisse," so der Bielefelder Neurologe. Das bedeutet, dass kleinere Neurologien potenzielle Patienten schnell mit einem Rettungshubschrauber in ein Neurozentrum verlegen müssten. Bisher sei das noch nicht wahrzunehmen, sagt Schäbitz achselzuckend. „Da müssen wir Ärzte sicher noch Aufklärungsarbeit in den eigenen Reihen leisten."
*Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld sind die größte diakonische Einrichtung Europas. Mit zwei neurologischen Akutkliniken und der Epilepsieklinik Mara zählen sie zu den großen neurologischen Zentren in Deutschland.