Richtig handeln bei
Schlaganfall
Aktion Kinder
Schlaganfall-Hilfe

Newsletter

Web Content Anzeige

Schlaganfall bei Kindern: Maßgeschneiderte Therapie ist wichtig

Aktion Kinder Schlaganfall-Hilfe und Regine Sixt Kinderhilfe laden zum Basisseminar ein

Vieles eint die Eltern im Saal: die Sorge um ihr Kind, das einen Schlaganfall erlitten hat. Sie fühlen sich oft allein gelassen und überfordert. Und sie brauchen dringend Informationen und den Austausch untereinander.
Dafür gab es am Wochenende beim Basisseminar und anschließenden Expertenkreis ausreichend Gelegenheit.

Vieles eint die Eltern im Saal: die Sorge um ihr Kind, das einen Schlaganfall erlitten hat. Sie fühlen sich oft allein gelassen und überfordert. Und sie brauchen dringend Informationen und den Austausch untereinander.

Am 14. März kommen 18 Eltern schlaganfallbetroffener Kinder vorwiegend aus dem süddeutschen Raume in die Sixt-Zentrale nach Pullach bei München zum Basisseminar – auf Einladung der Aktion Kinder Schlaganfall-Hilfe. Hier berichten Experten über das Krankheitsbild, seine möglichen Ursachen, Diagnose und Therapie. 300 bis 500 Schlaganfälle gibt es pro Jahr bei Kindern und Jugendlichen, die meisten ereignen sich vor, während oder kurz nach der Geburt. Es ist nie ein Faktor allein, der einen kindlichen Schlaganfall auslöst, meist sind es sogar fünf oder sechs verschiedene Ursachen, bei der Mutter und beim Kind: Gerinnungsstörung, Infektionen, Bluthochdruck, genetische Erkrankungen oder Herzfehler sind nur einige. Und die Geburt selbst ist ebenfalls ein Risikofaktor, insbesondere ein Kaiserschnitt.

„Wir brauchen diese Informationen"

 
Sabine Dawabi, Projektleiterin der Kinder Schlaganfall-Hilfe stellt Kinderneurologin Dr. Lucia Gerstl (li.) vor.

Die Experten erklären in laienverständlichen Worten komplizierte medizinische Zusammenhänge. Kinderneurologin Dr. Lucia Gerstl stellt die Ursachen des kindlichen Schlaganfalls vor und wirft einen Blick in die Zukunft der Schlaganfall-Versorgung im Kindesalter. Dass Blutgerinnung für das Verständnis des Schlaganfalls eine wichtige Rolle spielt, zeigt Dr. Ronald Sträter und Dr. Martin Olivieri erläutert Möglichkeiten der Akuttherapie. Für personalisierte Medizin, also ein auf das jeweilige Kind zugeschnittenes Therapiekonzept, warb PD Dr. Steffen Berweck und PD Dr. Monika Daseking ging auf Lern- und Verhaltensstörungen ein. Die Experten, sie kommen vom Haunerschen Kinderspital der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität, von der Schön Klinik Vogtareuth, von der Universitätsklinik Münster und von der Universität Bremen, stehen für alle Fragen offen.

Es sind viele Informationen, die die Eltern aufnehmen müssen: einerseits Mut machend, andererseits auch desillusionierend, etwa wenn sie erfahren, dass ihr Kind im Alter von fünf oder sechs Jahren möglicherweise einen Rückschritt in der Entwicklung machen könnte oder dass die Gefahr eines erneuten Schlaganfalls bestehen kann. Immer wieder fließen Tränen. „Doch wir brauchen diese Informationen, wenn wir unser Kind bestmöglich begleiten wollen", sagt ein junger Vater, der mit seiner Frau aus Wien angereist war, da es in Österreich kein vergleichbares Projekt für schlaganfallbetroffene Kinder gibt.

Maßgeschneiderte Therapien

 
Für die Eltern beim Basisseminar gab es viele Informationen.

Die wichtigste Botschaft: Ein Schlaganfall ist eine vielschichtige Krankheit und verläuft bei jedem Kind anders, muss daher am Einzelfall betrachtet werden. Es bedarf einer maßgeschneiderten Therapie: Was gut für das eine Kind ist, muss für das andere nicht hilfreich sein. Ein Kind braucht und will viele Therapien, dem anderen tut eine Unterbrechung gut und eine Pause kann sogar hilfreich sein, gerade bei größeren Kindern und Jugendlichen. Wichtig ist die langfristige Begleitung – immer wieder gilt es, das Erreichte mit den behandelnden Ärzten und Therapeuten zu beurteilen. Wichtig im Kinder- und Jugendalter: Was sind die Ziele der Betroffenen selbst? Gemeinsam mit dem Kind gilt es zu definieren, was es erreichen will und ihm dabei zu helfen: Kinder und Jugendliche müssen bei der Therapie selbst am Steuer stehen!

Schlaganfall-Behandlung ist Teamarbeit

 
Die Teilnehmer des Expertenkreises hören aufmerksam zu.

Viele Kinder leiden nach einem Schlaganfall unter einer Halbseitenlähmung. Sie fällt nach außen hin als erstes ins Auge und muss therapiert werden. Aber darüber sollten die weiteren Entwicklungsschritte nicht in den Hintergrund geraten! Und manche Funktionseinschränkung zeigt sich überdies erst, wenn die Funktion ausgeübt werden soll, etwa Lesen, Schreiben oder Rechnen. Es gibt daher kritische Perioden in der Entwicklung des Kindes, in denen man besonders genau hinschauen sollte: das Kindergartenalter (3–4 Jahre), die Zeit vor der Einschulung (5–7 Jahre), der Schulformwechsel (10–12 Jahre), die Pubertät (14–16 Jahre) und die Berufliche Bildung (16–18 Jahre).

Klar wird auch: Diagnose und Behandlung eines Schlaganfalls ist Teamarbeit – Kinderneurologen, Kardiologen, Gerinnungsspezialisten, Neonatologen, Neuropsychologen und oft noch weitere Experten müssen hier zusammenwirken.

Die angenehme Atmosphäre, die freundliche Umsorgung durch das Team des Unternehmens Sixt, das Räume und Verpflegung kostenlos zur Verfügung stellt, machen das Basisseminar trotz des ernsten Themas zu einer sehr angenehmen Veranstaltung. Die Teilnehmer fühlen sich bestens aufgehoben und wertgeschätzt. Die Gespräche untereinander in den Pausen bauen die Eltern auf und legen die Basis für langfristige wertvolle Kontakte.

Experten für Experten

 
Dr. Ronald Sträter erläutert Möglichkeiten der Akuttherapie

Im anschließenden Expertenkreis stellen die Vortragenden diese Themenkomplexe einer Gruppe von Ärzten, Therapeuten und Vertretern des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen aus dem süddeutschen Raum vor. Auch bei den Experten müssen diese Informationen platziert werden – denn der Schlaganfall bei Kindern ist nach wie vor ein Stiefkind der Medizin, er wird immer noch zu spät diagnostiziert und die Therapiemöglichkeiten sind zu wenig bekannt.

Die Basisseminare für Eltern mit anschließendem Expertenkreis finden regelmäßig in verschiedenen Regionen im Bundesgebiet statt.

Web Content Anzeige

Zwei Seminare, zwei Zielgruppen – ein Erfolg

 

Ein hochkarätiges Programm wurde den Eltern von Kindern mit Schlaganfall und Kinderärzten in Seminaren geboten. Epilepsie nach Schlaganfall und die erste Schlaganfall-Spezialstation für Kinder waren besondere Schwerpunkte.

Ein maßgeschneidertes, hochkarätiges Programm wurde jetzt den Eltern von Kindern mit Schlaganfall und Kinderärzten in zwei Seminaren in der Schön Klinik Vogtareuth geboten. Epilepsie nach Schlaganfall und die erste Schlaganfall-Spezialstation für Kinder waren besondere Schwerpunkte. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hatte die Klinik kompetente Referenten gewonnen.
 
„Wir möchten nicht nur den Kindern und ihren Eltern helfen, sondern auch unter Experten das Wissen um den kindlichen Schlaganfall vergrößern", erklärt Sabine Dawabi den Hintergrund der beiden Veranstaltungen. Dawabi ist bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe Leiterin des Projektes „Aktion Kinder Schlaganfall-Hilfe". In der Schön Klinik Vogtareuth fand sie einen Partner, der das Thema ebenfalls gern in den Vordergrund rücken möchte. „Für Kinder mit aus einem Schlaganfall resultierender Halbseitenschwäche (Hemiparese) oder Sprachstörung (Aphasie) gab es in der Vergangenheit in Vogtareuth bereits Forschungs- und Versorgungsschwerpunkte, die durch die Kooperation mit der Schlaganfall-Hilfe weiter intensiviert werden können", freuen sich Professor Martin Staudt und Privatdozent Steffen Berweck.

Stroke Unit für Kinder eröffnet

Professor Staudt referierte über Epilepsie bei Kindern mit Hemiparese oder Schlaganfall – ein Thema, das für viele Eltern tägliche Realität ist und deshalb besonders interessant. Die teilnehmenden Fachleute konnten viele Anregungen mitnehmen. Auch die jüngst erfolgte Eröffnung der ersten „Interdisziplinären pädiatrischen Stroke Unit" am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München war für beide Seminargruppen hoch spannend. Dr. Lucia Gerstl vom Haunerschen Kinderspital berichtete über das Konzept. „Für uns als Frührehabilitationsklinik war es besonders wichtig, die optimierte Akutversorgung in unserem Seminar mit darzustellen, um im Kreis der Öffentlichkeit und der medizinischen Experten ein stärkeres Augenmerk auf das Thema zu lenken. In der Neurologie ist der Schlaganfall als behandelbare Akuterkrankung inzwischen allgemein bekannt. In der Kinderheilkunde ist das noch längst nicht der Fall. Das Zeitfenster für Interventionen ist bis zur Diagnosestellung zumeist schon verstrichen", mahnt Privatdozent Berweck.
 
Sabine Dawabi von der Schlaganfall-Hilfe freute sich über eine gelungene Veranstaltung. „Wir haben ein paar Familien nach einigen Jahren ‚Sendepause‘ wiedergesehen, das war natürlich sehr erfreulich. Diesen Familien ebenso wie allen neuen Kontakten möchten wir bestmögliche Unterstützung bieten, und mit Partnern wie der Schön Klinik Vogtareuth und unseren Referenten können wir viel erreichen." Wie gut es vielen Kindern und Jugendlichen und deren Eltern tut, vernetzt zu sein, wird auch von dem Leitenden Psychologen in Vogtareuth, Andreas Kirsch, bestätigt. Nicht immer seien Familien zu dieser Öffnung in der Lage, die Schlaganfall-Hilfe tue aber ihr Möglichstes, um den Patienten selbst wie auch den Angehörigen durch maßgeschneiderte Programme größtmögliche Unterstützung zu geben. „Wir ermutigen deshalb Familien, eine erste Kontaktaufnahme zu wagen, mit dem Ziel, sich gegenseitig den Rücken zu stärken", so die einhellige Meinung des Vogtareuther Teams.

Zufriedene Partner

Nicht unerwähnt lassen wollten Prof. Staudt und Priv. Doz. Berweck, dass die Zusammenarbeit in der Vorbereitung der Seminare hervorragend geklappt hat und sie von dem Engagement der Deutschen Schlaganfall-Hilfe nachhaltig beeindruckend waren. „Wenn es das Ziel war, uns lokale Veranstalter weiter anzuspornen, in unseren Aktivitäten für Kinder und Jugendliche noch besser zu werden, so war die Veranstaltung auch in dieser Hinsicht ein Erfolg", resümierten die Beiden.

Web Content Anzeige

Müssen Kinder einfach nur erzogen werden?

Workshop zum Umgang mit Aggressivität von schlaganfallbetroffenen Kindern

much2010_elterngruppe.jpg

Es ist ein Dilemma: Schlaganfallbetroffene Kinder brauchen ein höheres Maß an Aufmerksamkeit, als Kinder, die nicht beeinträchtigt sind. Sie sind die Sorgenkinder. Und gleichzeitig sind sie aber einfach Kinder, die mal zu laut sind, die provozieren, ihre Grenzen austesten und Eltern und Geschwister ganz normal in den Wahnsinn treiben können. Was ist dabei schlaganfallbedingt? Ist eine übersteigerte Aggression in manchen Situationen überhaupt auf den Schlaganfall zurück zu führen? Oder muss an dieser Stelle einfach erzogen werden?

Es sind Fragen wie diese, mit denen Eltern auf Einladung von Stephanie Drews zu einem Workshop der Selbsthilfegruppe in Kassel gekommen sind.

much2010_elterngruppe.jpg  

Es ist ein Dilemma: Schlaganfallbetroffene Kinder brauchen ein höheres Maß an Aufmerksamkeit, als Kinder, die nicht beeinträchtigt sind. Sie sind die Sorgenkinder. Und gleichzeitig sind sie aber einfach Kinder, die mal zu laut sind, die provozieren, ihre Grenzen austesten und Eltern und Geschwister ganz normal in den Wahnsinn treiben können. Was ist dabei schlaganfallbedingt? Ist eine übersteigerte Aggression in manchen Situationen überhaupt auf den Schlaganfall zurück zu führen? Oder muss an dieser Stelle einfach erzogen werden? Es sind Fragen wie diese, mit denen zwölf Eltern aus ganz Deutschland jetzt auf Einladung von Stephanie Drews zu einem Workshop der Selbsthilfegruppe in Kassel gekommen sind. Unter der Leitung von Ulrike Dickenhorst, der Therapeutischen Leiterin am LWL-Klinikum Gütersloh, lernten sie dabei an erster Stelle eines: Diese Eltern sind nicht deshalb in dem Workshop, weil sie als Rabeneltern Nachhilfe bräuchten. Im Gegenteil sind sie sogar so engagierte Eltern, dass sie Probleme nicht auf sich selbst beruhen lassen wollen, sondern praktische Mechanismen erlernen möchten, um künftig besser mit aggressiven Situationen umgehen zu können. Für Ulrike Dickenhorst steht fest, dass Eltern nur so die Chance behalten, die Handlungshoheit zu waren.

Eltern erzählen

2012_kassel_shg_seminar_1.png  

Eltern schlaganfallbetroffener Kinder opfern sich häufig bis zur Selbstaufgabe auf. In manchen Fällen so sehr, dass sie anfangen, an sich selbst zu zweifeln, selbst Hilfe brauchen. Der Workshop ist zugleich alles andere als eine normale Fortbildung. Wenn es um die eigenen Kinder - und zugleich um die eigenen Bedürfnisse geht, wird ist es immer persönlich. Taschentuchboxen stehen in dem Gemeinderaum, in dem sich die Eltern in einem Stuhlkreis zusammen gefunden haben. Die Eltern erzählen ihre Geschichten. Die Schwierigkeiten, die sie mit ihren Kindern haben, reichen von unverhohlener Aggressivität bis zur völligen Zurückgezogenheit und Angst. Auch Angst der Eltern vor ihren zumeist pubertierenden Söhnen, die auch vor der Androhung von Gewalt mit Messern nicht zurückschrecken. Unkontrollierbare Wutausbrüche, bei denen teilweise nicht erkennbar ist, ob das Kind den Ausbruch lediglich nutzt - oder wirklich nicht steuern kann. Schwierig ist auch der Umgang mit den Geschwisterkindern, die häufig zu kurz kommen - oder vielleicht auch in Folge die betroffenen Kinder provozieren.

Ziel des Workshops ist es auch, konkrete Fragen zu beantworten. Wann ist es wieder gut, wann ist eine Entschuldigung fällig? Wie lerne ich gelassener mit einem Aggressionsausbruch umzugehen - nicht nur zu Hause, sondern besonders auch vor Fremden? Wie lerne ich, mit einer Geschwisterrivalität umzugehen. Und immer wieder macht Ulrike Dickenhorst deutlich: Das ist wirklich eine Herausforderung für Eltern - und für die Kinder. Und dass bestimmtes Verhalten nicht nur ganz bestimmte Eltern hilflos macht, sondern jeden vor Probleme stellt. Das reicht von dem tätlichen Angriff bis zum Boykott, der laut Dickenhorst  als Machtmittel ebenfalls hochaggressiv ist. Und immer wieder die Frage: Warum?

2012_kassel_shg_seminar.png  

Die Situationen, die die Eltern erzählen, sind Geschichten wie diese: Als der jüngere Bruder kurz nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule einen Schlaganfall erleidet, steckt der Ältere gerade mitten in der Pubertät. Der Fokus der Eltern verschärft sich ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit für den Älteren auf das betroffene Kind. Der Ältere läuft mit, Rücksichtnahme wird erwartet. Seine Belange kommen zu kurz. Die Folge: Mittlerweile provoziert er den Jüngeren, nennt ihn Spasti - und versucht, ihn auszugrenzen. Am Ende steht in der Regel mindestens eine lautstarke Auseinandersetzung. Gleichzeitig haben die Eltern immer sofort das Gefühl: Das ist ungerecht. Sogar Entsetzen, weil sie meinen, mit der eigenen Erziehung so versagt zu haben, dass das ältere Kind so roh und ohne Mitgefühl agiert. Das Verhalten des gesunden Kindes werde von Eltern immer persönlich genommen. Dass das kranke Kind vielleicht mindestens ebenso beteiligt ist, werde in der Regel vernachlässigt. Therapeutin Ulrike Dickenhorst sagt dazu: „Die Söhne haben ein Problem miteinander - die sollen das untereinander ausmachen. Eltern können bei einem 19-Jährigen nicht mehr zu 100 Prozent verantwortlich gemacht werden." Lang anhaltende Schuldgefühle führten zu Depressionen.

Alle sind in Ordnung - nur das Verhalten ist es gerade nicht

"Am Ende eines Streits sollte es eine Win-Win-Situation möglich sein. Man sollte auf Augenhöhe auseinandergehen, Grenzen respektieren." Es müsse Kindern und Eltern klar sein, dass es immer um die Sache geht, nicht um die jeweilige Person an sich. Die Botschaft müsse lauten: Alle sind in Ordnung - nur das Verhalten ist es gerade nicht. „Wenn man wirklich sauer ist, kann man keine Lösung finden. Dann muss es heißen: Pause jetzt, wir kommen hier so jetzt nicht weiter, später aber sicher."

Dazu käme, dass eine Klopperei zwischen Jungs normal sei. In einer „verfraulichten" Gesellschaft sie dies aber verpönt. Ulrike Dickenhorst gab den Eltern mit auf den Weg, Jungs auch einmal Jungs sein zu lassen. Erst dann, wenn eine Auseinandersetzung zu gewalttätig würde, sollten die Eltern einschreiten.  

Für eine solche Situation gäbe es Maßnahmen. Mit denen auch die Polizei bereits seit Jahren erfolgreich arbeiten würde:  Die Kontrahenten deutlich (und laut) mit dem Namen ansprechen, anschließend trennen. Entscheidend sei es dabei, selber ruhig zu bleiben und die eigenen Gefühle zu benennen.  Etwa: „Das macht mir gerade Angst!" Und gleichzeitig die  Streithähne direkt nach ihrem Befinden fragen, um sie so wieder zurückzubringen.

80 Prozent sind das neue 100 Prozent

Schnell wird deutlich, dass gerade die Eltern kranker Kinder ständig oberhalb der eigenen Belastungsgrenze arbeiten. Und auf diese Weise an anderer Stelle auch schnell überreagieren. Die Therapeutin betont daher gleich zu Beginn einen für sie wichtigen Punkt: „80 Prozent sind das neue 100 Prozent." Das nehme den Druck - und senke die Erwartungshaltung, in der sich viele Eltern kranker Kinder hoffnungslos verstricken würden.

Wichtig sei es, das eigene Stressniveau zu kennen. Und man sollte wissen, wie man regenerieren kann. Wenn man es so weit kommen lasse, konditionell auf dem Grund anzukommen, dauere es ewig, bis die Akkus wieder aufgeladen seien. Ihr Tipp: Sich einfach mal auf eine Decke auf den Boden legen, alles loslassen, um das Gefühl zu bekommen, ich werde getragen - das gibt es noch neben all dem was ich sonst so trage. Und prinzipiell immer erfolgreich sei es, einfach mal einen Spaziergang zu unternehmen mit der Hypothese: „Mir fällt schon etwas ein!" 

Danke für die Spenden

Mädchen sitzt auf dem Boden und hält ein Schild mit Danke hoch  

Dieser Workshop konnte dank Spenden ermöglicht werden.

Jedes Jahr liegen uns wichtige Anträge von Selbsthilfegruppen bundesweit vor - wie viele unterstützt werden können, hängt entscheidend von den eingehenden Spenden ab. Mit Ihrer Spende für die Selbsthilfearbeit leisten Sie Hilfe zur Selbsthilfe!

Web Content Anzeige

Seminar für Betroffene und Expertenkreis

 

basisseminar2012_hattingen.png

Mit einer beeindruckenden Resonanz ist der zweite Expertenkreis zum Thema „Kinder und Schlaganfall“ Ende März in Hattingen zu Ende gegangen.

Rund 80 Experten, neben vielen Ärzten auch Therapeuten und Psychologen, informierten sich im Hattinger Helios-Klinikum über dieses Thema, das bislang vielfach noch unterschätzt wird.

Mit einer beeindruckenden Resonanz ist der zweite Expertenkreis zum Thema „Kinder und Schlaganfall“ Ende März in Hattingen zu Ende gegangen. Rund 80 Experten, neben vielen Ärzten auch Therapeuten und Psychologen, informierten sich im Hattinger Helios-Klinikum über dieses Thema, das bislang vielfach noch unterschätzt wird. Umso mehr freute sich Sabine Dawabi, Projektleiterin Kinder und Schlaganfall bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, dass das Bewusstsein für diese Kinder und ihr Krankheitsbild langsam steigt: „Die große Nachfrage zeigt, wie groß der Bedarf an Aufklärungsarbeit ist.“ Wegen des überraschend großen Andrangs hatte die Veranstaltung sogar in eine Turnhalle des Klinikums verlegt werden müssen.

basisseminar2012_hattingen.png  

Im Zentrum der Vorträge standen Basisthemen. Dr. Ronald Sträter von der Uniklinik Münster etwa referierte zum Themenkomplex „Epidemiologie, Ursachen und medikamentöse Therapie". Weitere Themen der Referenten waren die „Stationäre Rehabilitation nach Schlaganfall im Kindesalter", sowie Lernstörungen und Verhaltensprobleme.

Am Vormittag hatten sich bereits viele Eltern bei dem so genannten Basisseminar über das Thema „Kinder und Schlaganfall" durch Referate der Experten informiert.
Bis ein kindlicher Schlaganfall diagnostiziert wird, vergehen oft Jahre. Bei einem Baby oder Kleinkind denken selbst Ärzte nicht immer sofort an einen Schlaganfall. Und doch ist es eine Tatsache, dass etwa 300 Kinder jährlich einen Schlaganfall erleiden, manche schon vor ihrer Geburt. Bleibende körperliche Einschränkungen, Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensprobleme oder Lernstörungen können die Folgen sein.

Das Aktionslogo zum Kindlichen Schlaganfall.  

Um den betroffenen Familien die optimale Unterstützung geben zu können, hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall- Hilfe bereits im Jahr 2001 das Projekt „Kinder und Schlaganfall" ins Leben gerufen.

Ziel war es von Beginn an, das Kompetenzzentrum für den kindlichen Schlaganfall zu sein. Durch den Projektschwerpunkt „Kinder und Schlaganfall", die Familienseminare und den ständigen Kontakt zu Selbsthilfegruppen für Eltern betroffener Kinder hat die Stiftung einen sehr guten Einblick in die Sorgen und Nöte der Betroffenen. Außerdem hat die Stiftung in den vergangenen Jahren mit Deutschlands Experten für den kindlichen Schlaganfall die wichtigsten Daten und Fakten zu Diagnose, Therapie und Epidemiologie zusammengetragen und einen breiten Wissenspool aufgebaut. Dieses Wissen will die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe so umfassend wie möglich in alle Regionen tragen.

Das Programm der Hattinger Veranstaltung bot ein exzellentes und hilfreiches Informationsforum. Dabei ging es nicht nur um neueste Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse. Es gab auch Informationen, die bei der Beratung der betroffenen Kinder und ihrer Eltern helfen soll. Wichtig war es, auch ausreichend Gelegenheit zum Gespräch mit Experten, betroffenen Familien und mit Kollegen aus ganz Deutschland zu schaffen.