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Gesundheitskommunikation

Potentiale und Grenzen von Schlaganfall-Aufklärungskampagnen

Die Symptom-Checkkarte.

Grenzen von Schlaganfall-Aufklärungskampagnen: Wissen in Handeln übertragen

Aufklärung ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung für eine konsistente Herz-Kreislauf-Prävention. Grenzen für bevölkerungsbezogene Aufklärungskampagnen ergeben sich speziell aufgrund von Teilnehmerselektion, hohen Streuverlusten und mangelndem Effizienznachweis. Planer von Gesundheitskampagnen erheben gerne für sich den Anspruch, über eine Wissenserhöhung auch Verhaltensänderungen in der Zielpopulation erreichen zu können. Diesem postulierten Kausalzusammenhang fehlt allerdings oft der praktische Nachweis, da eine stringente Evaluation fehlt.

Die Symptom-Checkkarte.  

Der Schlaganfall stellt eine bedeutende Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem dar. So ereignen sich derzeit jährlich mehr als 250.000 Schlaganfälle. Aufgrund der zunehmenden Überalterung unserer Gesellschaft ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Schlaganfall-Erkrankten in den nächsten Jahrzehnten drastisch ansteigen wird. Gesundheitsexperten sind sich einig, dass die beste Strategie, Krankheitsfolgen und menschliches Leid zu verhindern sowie Gesundheitskosten in einer älter werdenden Gesellschaft zu begrenzen, in Maßnahmen der Prävention liegt.

Theoretisches Wissen und praktische Umsetzung

Eine Vielzahl von Studien belegt für den Schlaganfall, dass ein Großteil Erkrankungen allein durch eine konsequente Verminderung der wichtigsten durch unseren Lebensstil zu beeinflussenden Risikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen) vermieden werden könnte.

Dem gegenüber steht die ernüchternde Erkenntnis, dass der Transfer des theoretischen Wissens in die praktische Umsetzung nur unzureichend gelingt. Es lässt sich sogar feststellen, dass sich die in den letzten 20 Jahren erreichte Senkung der kardiovaskulären Todesfälle in den westlichen Industrienationen durch einen Anstieg des „Trios" Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und Diabetes derzeit wieder umkehren könnte. Internationale epidemiologische Vergleichsstudien zeigen, dass die Deutschen bei der Behandlung und Kontrolle des Bluthochdrucks im Vergleich zu anderen westlichen Industrienationen besonders schlecht abschneiden (1).
Vor diesem Hintergrund kommt der Aufklärung der Bevölkerung über Risikofaktoren und Symptome des Schlaganfalls zweifelsfrei eine wichtige Funktion zu.

 

Literaturangabe

  1. Wolf-Maier K, Cooper RS, Banegas JR et al. Hypertension prevalence and blood pressure levels in 6 European countries, Canada, and the United States. JAMA 2003;289(18):2363-9.

Grenzen von Schlaganfall-Aufklärungskampagnen: Wissen in Handeln übertragen

 

Aufklärung ist eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Voraussetzung für eine konsistente Herz-Kreislauf-Prävention. Grenzen für bevölkerungsbezogene Aufklärungskampagnen ergeben sich speziell aufgrund von Teilnehmerselektion, hohen Streuverlusten und mangelndem Effizienznachweis. Planer von Gesundheitskampagnen erheben gerne für sich den Anspruch, über eine Wissenserhöhung auch Verhaltensänderungen in der Zielpopulation erreichen zu können. Diesem postulierten Kausalzusammenhang fehlt allerdings oft der praktische Nachweis, da eine stringente Evaluation fehlt.

Um zukünftig die Aufklärungsarbeit im Herz-Kreislauf-Bereich einer systematischeren Evaluation unterziehen zu können, gilt es deshalb in einem ersten Schritt eine verstärkte Verknüpfung von medialer Wirkungsanalyse und medizinischer Versorgungsforschung herzustellen.

Wie eine Schlaganfall-Aufklärungskampagne aussehen kann: Der Idealfall!

Ist es Ziel einer Kampagne, das Wissen in der Bevölkerung zu den Schlaganfall-Symptomen zu erhöhen und damit die Rate der Patienten, die über die Notruf-Nummer 112 ins Krankenhaus kommen, zu steigern, ergeben sich eine Reihe von Anforderungen an die Evaluation.

1. Es gilt zunächst nach wissenschaftlicher Literaturlage und unter Einbeziehung der Kommunikationstheorie,

  • ein gestaffeltes Maßnahmenpaket zur Aufklärung zu entwickeln,
  • dieses regional zu implementieren und
  • parallel Strukturen für die Evaluation der Maßnahmen aufzubauen.

Nur so kann herausgefiltert werden, ob und mit welchen Instrumenten die anvisierten Zielgruppen (zum Beispiel Hochrisikogruppen oder allgemeine Bevölkerung) erreicht wurden und eine Wissenserhöhung und die gewünschte Reaktion (schnelles Handeln im Notfall) hervorgerufen wurde.
Bisherige Studien zeigen, dass die Erhöhung des Symptomwissens nicht unmittelbar mit einer schnelleren Einweisungszeit korrelieren muss. Daher gilt es bei der Kampagnenkonzeption auch motivationale Hintergründe für Zeitverzögerungen bei der Inanspruchnahme des Notrufs (zum Beispiel Verdrängungstendenzen bei den Betroffenen) zu berücksichtigen. Im Rahmen der Evaluation geht es darum die relevanten Prozesse innerhalb der präklinischen Versorgungskette messbar abzubilden.

 

2. Um potentielle Störfaktoren auszuschalten, ergibt sich für das Studiendesign die Notwendigkeit einen Kontrollgruppenansatz zu wählen. Das Bevölkerungswissen sollte in Studien- und Kontrollregion über repräsentative Surveys zu unterschiedlichen Zeitpunkten (ante/post) abgefragt werden. Die Prozesse zum Krankenhauseinweisungsverhalten sind in den Regionen durch eine möglichst vollständige Registerstruktur zu erfassen. Innerhalb des Bevölkerungs-Surveys muss die Anzahl der Befragten so gewählt werden (Power der Studie), dass Rückschlüsse auf einzelne kommunikative Maßnahmen möglich sind und zusätzlich für adäquate Befragungsrückläufe (> 50%) gesorgt werden. 

 

Das Beispiel macht schnell deutlich, dass bei der Konzeption und Durchführung von Aufklärungskampagnen ein großer auch wissenschaftlicher Aufwand für die Durchführung eines umfassenden Evaluationskonzepts betrieben werden muss. 

Die praktische Aufklärungsarbeit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

 

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat seit ihrer Gründung im Jahr 1993 einige bundesweite Aufklärungsaktionen und -kampagnen durchgeführt und dabei besonderen Wert auf Datenerhebungen und -auswertungen gelegt. Mit epidemiologischer Unterstützung wurden Analysen der Teilnehmer durchgeführt. Zusätzlich wurden bei den erreichten Zielgruppen repräsentative Umfragen zum Risikofaktorenwissen und zu Kommunikationspräferenzen durchgeführt.

Hierbei ergaben sich Ansatzpunkte für zukünftige Aktivitäten und Kooperationsmöglichkeiten. So zeigten zwei repräsentativen Umfragen aus den Jahren 1996 und 2001, dass sich die Bekanntheit der Risikofaktoren des Schlaganfalls in einem Zeitraum von 5 Jahren in der deutschen Bevölkerung deutlich verbessert hat. Es wurde allerdings auch deutlich, dass der Zusammenhang zwischen weniger bekannten Risikofaktoren wie dem  Diabetes mellitus und dem Auftreten eines Schlaganfalls in der Bevölkerung unterschätzt wird. Damit sollten diese Risikofaktoren im Fokus zukünftiger übergreifender Aufklärungskampagnen stehen. Zusätzlich ergeben sich Anknüpfungspunkte für Kooperationen zum Beispiel mit dem Bereich der niedergelassenen Ärzte.