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Alltagstipps für Kinder und Erwachsene mit Hemiparese
Hier finden Sie tolle Anregungen
Kinder und Erwachsene mit Handicap können nach einem Schlaganfall viele Gebrauchsgegenstände wie Besteck, das Fahrrad oder ihr Musikinstrument nicht mehr nutzen. Selbst alltägliche Handlungen fallen häufig schwer und müssen verändert werden. Schon das Sitzen auf einem herkömmlichen Stuhl kann schwerfallen. Hier finden Sie Tipps und Tricks, wie andere Betroffene diese Herausforderungen für sich gelöst haben.
Bisher haben uns hauptsächlich Eltern schlaganfallbetroffener Kinder ihre Lösungen und Ideen zugeschickt. Viele davon sind aber auch für Erwachsene nützlich und hilfreich.
Tauschbörse für Schuhe
Wenn Angela Tsagkalidis mit ihrer Tochter Paulina zum Schuhe kaufen ging, stand sie immer vor einem Problem. „Paulina hat inzwischen mindestens zwei Größen Unterschied bei ihren Füßen. Der Schuhkauf ist eine Tortur", so die Mutter, die schon manches mal zwei Paare in unterschiedlicher Größe von einem Modell hatte kaufen müssen. Wohin aber mit den nicht benötigten Schuhen in unterschiedlicher Größe? Die wurden bislang in den Keller gestellt…
Nun aber hat Angela Tsagkalidis eine Tauschbörse für Schuhe gefunden. Dort kann man überzählige Schuhe anbieten oder nach der fehlenden Größe eines Modells suchen. So eine Börse lebt natürlich von vielen Mitgliedern. Wie es genau funktioniert, hat der WDR in der Sendung „Servicezeit Familie" gezeigt. Unter den Rubriken „Damen", „Herren", „Jungen" und „Mädchen" kann man dort Einzelschuhe anbieten und finden. Auch Fotos der Schuhe können ganz einfach hochgeladen werden. Wichtig: Nur neue und ungetragene Schuhe dürfen inseriert werden. www.schuhtausch.de ist aber nicht nur eine Tauschbörse, sondern auch Treffpunkt für Menschen, die sich gegenseitig mit Informationen versorgen und Anregungen geben wollen (dazu klickt man „Forum" an).
So ist "Mau Mau" spielend einfach
Als Frederik laufen lernte, war er mit seinen zweieinhalb Jahren schon relativ groß. Aufgrund seiner Unsicherheit wegen einer Halbseitenlähmung wäre für ihn ein Lauflernwagen hilfreich gewesen. Doch den gab es nur für kleinere Kinder. Seine Großeltern wurden im Münsterland fündig. Von der Firma A. Verneuer ließen sie für ihren Enkel einen Lauflernwagen maßanfertigen. Er hatte Bremsen und leichte leise Räder. Und Frederik lernte damit schnell und prima zu laufen! Die Kosten waren mit 80 bis 100 Euro bei der Firma A. Verneuer überschaubar.
„Mau Mau" spielt Frederik am allerliebsten, inzwischen sogar schon mit verschärften Spielregeln. Dabei hilft ihm der Kartenhalter von Jako-o, der wunderbar in der Hand liegt. „Wir spielen sozusagen ohne Ende", erzählt Frederiks Mutter Stephanie Drews, „ohne den biegsamen und trotzdem stabilen Kartenhalter ginge das gar nicht." Mit der „ergreifenden Hilfe für kleine Hände" kann man bis zu 30 Karten in den Händen halten und keine landet mehr unterm Tisch. Der Kartenhalter ist eine Hilfe sowohl für gesunde Kinder als auch für Kinder mit Lähmungserscheinungen nach Schlaganfall. Und das Gute daran: Das bunte Teil ist schon für 2,95 Euro zu haben.
Unterwegs mit Dreirad oder Anhänger
Das TRETS ist ein Fahrradanhänger (genaue Bezeichnung: Kindertrailer-Liegetandem-Superdreirad-Modul), den die Firma Hase Bikes aus einem Liegerad entwickelt hat. „Ein Rad mit bombensicherer Straßenlage, auch auf Feld- und Forstwegen", weiß Klaus Drews, der mit seinem Sohn ausgedehnte Fahrradtouren macht und sich freut, seine sportliche Runde zusammen mit seinem Sohn absolvieren zu können. Dazu wird Frederik mit den Füßen fixiert und mit einem Gurt angeschnallt, sodass er absolut sicher sitzt, auch wenn er während einer längeren Tour mal einschlafen sollte. Das TRETS kann man mit ein paar Handgriffen auch wieder zum Dreirad umbauen. „Man bestellt einen klappbaren Lenker, schraubt ihn dran und fertig", berichtet der begeisterte Radfahrer. Sohn Frederik, auf dessen Bedürfnisse der Anhänger eingestellt wurde, hat einen Riesenspaß damit. Leider muss man für das TRETS um die 1.500 Euro hinblättern, aber langfristig lohnt sich die Investition. Und das Beste ist: „Freddy ist superstolz auf seinem coolen Gefährt", erzählt seine Mama.
Keilsitz unterstützt Körperhaltung
Kinder mit Handicap nach Schlaganfall können die Tendenz haben, buckelig zu sitzen. Das passiert oft auf herkömmlichen Kinderstühlen. Dabei könnte ein Keilsitz helfen, den Rücken gestreckt zu halten. Für herkömmliche Keilsitze ist jedoch die Sitzfläche der Kinderstühle zu tief. Fredericks Eltern haben zusammen mit seiner Physiotherapeutin daher kurzerhand aus Sperrholz mit wenig Aufwand einen verstellbaren Sitzkeil kreiert, siehe Bild. Der Winkel ist über die Schraube einfach anzupassen. Die Physiotherapeutin kontrolliert den Sitz regelmäßig, bei Bedarf wird an der Schraube gedreht. Damit der Keil nicht wegrutscht und auch Frederick gut sitzen kann, hat Familie Drews ihn mit einer Antirutschfolie bezogen, zudem wird der Keil mit Gurten am Stuhl befestigt. „Wenig Aufwand mit großem Effekt", sagt Stephanie Drews.
Buntes Besteck
Stabil, bunt und fröhlich kommt das Besteck KALAS von IKEA daher und alle Kinder essen gern damit. Zufällig hat Monika Sommer entdeckt, dass ihre Tochter Carola, die im Mutterleib einen Schlaganfall erlitten hat, mit diesem Besteck sehr gut zurechtkommt. Das Besteck ist aus Kunststoff und zeichnet sich durch dicke, angeraute Griffe aus, die auch von schlaganfallbetroffenen Kindern sehr gut gehalten werden können. Das Messer ist außerdem nicht scharf, sodass Kinder, die damit essen, sich nicht selbst gefährden können. Und das Beste: Carola isst jetzt mit dem gleichen Besteck wie ihre Geschwister und Freunde und fühlt sich nicht mehr ausgegrenzt! Jetzt kann sie sich wie alle anderen auch eine Farbe aussuchen, während sie früher mit einem improvisierten, mit Gummifolie umwickelten Besteck essen musste, das noch dazu hygienisch nicht einwandfrei war. Das Besteck KALAS dagegen ist aus Kunststoff, sehr stabil und spülmaschinenfest.
Einhandblockflöte
Seit vier Jahren spielt Paulina Flöte - und das richtig gut. Kein Weihnachtsfest, kein Geburtstag bei Familie Tsagkalidis ohne ein Konzert von Paulina mit der Flöte und ihrem Bruder Konstantin an der Geige. Und das, obwohl Paulina´s rechter Arm gelähmt ist.
Möglich macht das die so genannte „Einhandblockflöte", die die Elfjährige seit ein paar Jahren besitzt. „Paulina wollte unbedingt ein Musikinstrument spielen", erinnert sich ihre Mutter, Angela Tsagkalidis. „Nach langer Suche wurden wir bei der Firma Mollenhauer fündig. Allerdings ist sie nicht gerade billig: 900 Euro kostete die Flöte. Das liegt wohl daran, dass insgesamt nur ein paar Einhandflöten im Jahr hergestellt werden."
Doch Paulina ist immer noch glücklich mit ihrer Flöte. Regelmäßig geht sie zur Musikschule. Später will sie vielleicht auf Trompete „umsatteln", doch momentan lässt sie sich nicht von ihrer Flöte trennen.
Ralf Weseke, Vater eines Schlaganfall-Betroffenen Sohnes findet Paulinas Flöte „schon ein bisschen teuer." So machte er sich auf die Suche nach einer günstigen Alternative für seinen Sohn Jan-Ole. Im Internet stieß er auf den britischen Verein REACH, der sich um Kinder mit nur einem funktionsfähigem Arm kümmert. Dort sind wir Mitglied geworden."
Für eine jährliche Mitgliedgebühr von 25 britischen Pfund (ca. 30 Euro) kann sich die Familie nun eine Einhandflöte ausleihen. Das kostet sie pro Jahr noch einmal 15 Pfund (ca. 18 Euro).
„Nach gerade einmal zwei Wochen war die Flöte da, die Mechanik ist wie bei der Mollenhauer-Flöte, Jan-Ole kommt super damit zurecht", freut sich Ralf Weske.
Fahrrad
Ähnlich zufrieden wie mit ihrer Flöte ist Paulina mit ihrem Fahrrad. Es hat drei Räder, vorne zwei, hinten eines. „Das Fahrrad kommt in jeden Urlaub mit", erklärt Angela Tsagkalidis. „Wir machen unheimlich gerne Fahrradtouren, und Paulina kann jetzt auf einem eigenen Rad fahren." Für dieses Fahrrad musste Familie Tsagkalidis nichts bezahlen – die Krankenkasse hatte noch eines auf dem Lager. Ein bisschen basteln musste sie schon daran, damit Paulinas Fuß an der Pedale fixiert werden konnte. Jetzt aber steht den gemeinsamen Radtouren nichts mehr im Weg. „Von dem Rad wird Paulina sicherlich lange etwas haben", ist sich ihre Mutter sicher. „Es wächst quasi mit. Erst als Erwachsene wird sie wohl ein neues benötigen." Aber bis dahin wird die Familie Tsagkalidis noch so einige Radtouren unternommen haben.
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