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Aus dem Alltag mit einem schlaganfall betroffenen Kind

Das Leben war von einem Moment auf den anderen völlig auf den Kopf gestellt

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Das Leben auf den Kopf gestelltDie Auswirkungen eines Schlaganfalls sind sehr unterschiedlich auch bei Kindern: bei dem Einen bleiben schwere körperliche und geistige Behinderungen zurück, Anderen ist nach einer gewissen Zeit überhaupt nicht mehr anzusehen, dass sie einen Schlaganfall erlitten haben.

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Das Leben auf den Kopf gestellt„Das Leben war von einem Moment auf den anderen völlig auf den Kopf gestellt."
So beschreibt eine Mutter, wie ihr Leben nach dem Schlaganfall ihrer Tochter aussieht: alles war anders.
Die Auswirkungen eines Schlaganfalls sind sehr unterschiedlich: bei dem Einen bleiben schwere körperliche und geistige Behinderungen zurück, Anderen ist nach einer gewissen Zeit überhaupt nicht mehr anzusehen, dass sie einen Schlaganfall erlitten haben.

Klar ist allerdings: ein Schlaganfall verändert vieles oder alles.
Hat das Kind z.B. eine Halbseitenlähmung (Hemiparese), dann stehen auch nach Krankenhaus- und Rehabilitationsaufenthalt viele Therapien an. Und unter Umständen muss die Wohnung oder das Haus behindertengerecht umgebaut werden.

Die achtjährige Amelie aus der Nähe von München z.B. hatte schon kurz nach ihrer Geburt einen Schlaganfall. Sie leidet unter einer rechtsseitigen Hemiparese und lernte erst mit viereinhalb Jahren Laufen. Zuvor half der Familie ein spezieller Reha-Buggy, in dem Amelie überall mithin genommen wurde. „Im Reha-Buggy sitzen die Kinder sicherer und können nicht herausrutschen", erklärt Amelies Mutter. „Da Amelie bis heute nicht sehr lange laufen kann, kommt der Wagen immer noch mit auf Ausflüge."
Amelies Sprache entwickelte sich ab ihrem dritten Lebensjahr. Sie gilt als lernbehindert, hat aber ab ihrem 5. Lebensjahr sehr aufgeholt.

Krankengymnastik macht Amelie, seitdem sie ein Baby war. Zum Beispiel im Bewegungsbad: „Das fanden wir super für das Gleichgewicht und die Wahrnehmung", schwärmt Amelies Mutter Heike. „Man sollte dabei auch nicht den Spaßfaktor unterschätzen. Das warme Wasser löste die Spastik für eine kurze Zeit auf und sie konnte richtig schön ‚durchgedehnt' werden."

Viel Spaß hat Amelie auch, wenn es zur Hippotherapie geht. „Wie heißt es doch so schön: das höchste Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde. Da kann ich nur zustimmen", sagt Amelies Mutter. „Mit dieser Therapie schult man auch das Gleichgewicht. Und wenn Amelie vom Pferd steigt, dann läuft sie auch gleich besser!"  

Natürlich stehen auch jede Woche andere Therapien an, die Amelie zwischendurch „ganz schön nervig" findet: Ergotherapie, Krankengymnastik, Logopädie.
„Auch, wenn sie manchmal meckert: alles hat seine Bedeutung für die Entwicklung meiner Tochter. Wie zum Beispiel die Logopädie. Seitdem sie drei Jahre alt ist, gehe ich ein bis zweimal wöchentlich mit ihr dorthin. Im Nachhinein würde ich jedem raten, schon mit zwei Jahren anzufangen. Je eher, desto besser, auch wenn die vorherrschende Meinung eine andere ist."

Bisher war Amelie dreimal in Rehabilitationseinrichtungen. Beim ersten Mal hatte sie gerade zu Laufen begonnen. Die Rehabilitation wurde sofort von der BfA bewilligt und Amelie kam nach Hohenstücken bei Berlin.

„Ich fand die Reha gut", erklärt ihre Mutter. „Was mir gefallen hat war, dass es eine Forced-Use Gruppe gab." In der Forced-Use Therapie wird der Patient dazu gezwungen (engl. „to force"), den gelähmten Arm zu nutzen. Da Patienten mit einer Halbseitenlähmung dazu neigen, ihre gelähmte Körperhälfte zu schonen, wird der gesunde Arm durch eine Schlinge daran gehindert, einzugreifen. So werden die Muskeln aktiviert. Bei Kindern wird in Hohenstücken mit einem Waschlappen gearbeitet: die gesunde Hand kommt in einen Waschhandschuh, dieser wird oben mit einer Schlaufe zu gebunden. Auch so können die Kinder ihre „heile" Hand nicht mehr benutzen.
Die zweite Rehabilitation wurde zwar bei der BfA beantragt, dann aber an die Krankenkasse weitergereicht, die die Maßnahme erst nicht bezahlen wollte. Nach einem von Amelies Mutter eingelegten Widerspruch wurde sie aber doch genehmigt. Es ging nach Gailingen am Bodensee. „Hier haben wir uns toll aufgehoben gefühlt. Die körperlichen Fähigkeiten wurden sehr gut gefördert. Auch bei der geistigen Entwicklung hat Amelie Fortschritte gemacht."
Vor Amelies Schuleintritt ging es zur dritten Maßnahme noch einmal nach Gailingen. Auch diese wurde erst abgelehnt und dann nach eingelegtem Widerspruch genehmigt. Sechs Wochen wurde das Kind hier therapiert.
Die vierte Rehabilitation kommt vielleicht nie zustande. Die BfA lehnte eine weitere Maßnahme ab, ebenso den Widerspruch gegen die Entscheidung. Jetzt soll ein Sozialgericht entscheiden. "Wir können nur raten, eine Rechtsschutz-Versicherung abzuschließen, wir brauchen sie", seufzt Amelies Mutter.

Eigentlich sollte Amelie vor dem Schulbesuch in einen integrativen Kindergarten gehen, doch es gab keinen in der Nähe ihres Wohnortes. So kam sie in einen Kindergarten für Körperbehinderte. "Da haben wir gute Erfahrungen gemacht, Amelie fühlte sich da sehr wohl – und das ist das Wichtigste."

Heute besucht die Achtjährige eine Schule für Körperbehinderte. „Amelie ist in einer sogenannten ‚Diagnose-Förderklasse'. So etwas gibt es in Bayern. Hier werden die Lerninhalte von zwei Jahren in drei Jahren durchgenommen, die Kinder haben mehr Zeit zu lernen. Inzwischen kann Amelie recht gut lesen, ihre Schrift ist oft sehr unleserlich, weil sie die Wörter nicht trennt. Beim Rechnen klappt es auch nicht so gut, aber das Ziel, dass sie mal selbständig Einkaufen gehen kann, wird sie erreichen."